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Was entscheidet die Wahl?Freitag, 17. Oktober 2008![]() Nach einer Woche, in der in Amerika der Rassismus hochschaukelte, fragen sich Journalisten wie Adam Nagourney, ob die Entscheidung in der Wahlkabine an schwarz oder weiß festgemacht wird. Am Samstag berichtete die New York Times über eine Wahlkampfveranstaltung McCains in Lakeville, Minnesota, bei der die aggressive Stimmung überkochte. Eine Frau meldete sich nach John McCains Rede in der Lakeville South High School, weit vom Stadtrand von Minneapolis, zu Wort. Sie sagte, dass sie Barack Obama nicht traue, weil er ein Araber sei. Nachdem John McCain eine Woche lang versuchte, seinen Gegener als Freund von Terroristen zu stilisieren, der das Land in den Bankrott führe, veränderte John McCain abrupt seinen Ton und sprach nur noch von einem anständigen Mann, einem Familienmenschen, mit dem er nur einige Meinungsverschiedenheiten habe. Offenbar hatte er selbst Angst bekommen vor seiner Welle von Attacken, die in nackten Hass umzuschlagen drohte. John McCain wurde in dieser Woche von einigen Journalisten harsch kritisiert, weil er - besonders, wenn er im Team mit Sarah Palin auftrat - die wütenden Massen gegen Barack Obama aufhetzte. In Wisconsin und Pennsylvania schrie die Menge “off with his head”. Bei einem Besuch Sarah Palins in Florida rief ein Mann aus der Menge “Kill him!”. Bei der gleichen Veranstaltung wurden einem afroamerikanischen Kameramann rassistische Beleidigungen entgegengebracht. Aber noch öfter werden Vorurteile geflüstert oder verstecken sich in Diskussionen über Kultur und Religion und sind somit schwer zu greifen. Weder Meinungsumfragen noch die täglichen Gespräche geben sie wider. Wie Adam Nagourney in der New York Times feststellte, nehmen politische Strategen an, dass die Meingsumfragen die Unterstützug für einen schwarzen Kandidaten überbewerten, da sich die Befragten mit ihren Ressentiments zurückhalten, wenn sie persönlich befragt werden. In der anonymen Wahlkabine sieht das anders aus. Saul Anuzis, Chairman der Republikaner in Michigan, sagte er hätte sich daran gewöhnt, dass von der Seite geflüstert würde: Obama wähle man nicht, weil er schwarz sei. Dagegen glaubt der Abgeordnete Artur Davis, ein afroamerikanischer Demokrat aus Alabama, ethische Zugehörigkeit sei nicht länger eine Schranke zum Weißen Haus, wie sie einmal war: “There is a group of voters who will not vote for people who are opposite their race,” Mr. Davis said. “But I think that number is lower today than it has been at any point in our history. I don’t believe this campaign will be decided by race; there are too many other important issues. Jesse Jackson would not have been elected in 1988. But we’ve changed.” Obama not amusedMittwoch, 16. Juli 2008
Der New Yorker ist ein feines, kleines, liberales Wochenblatt mit intelligenten Artikeln und geistreichen Kommentaren. Seine Titelseiten sind berühmt, weil sie bissig und kontrastreich daherkommen. Nun scheinen die Macher des Blattes die Schraube der Satire etwas zu weit gedreht zu haben. Auf dem neuesten Titel sind Barack Obama und seine Frau Michelle zu sehen.
Der Präsidentschaftskandidat mit Turban, Sandalen und einem afrikanischen Gewand. Seine Gattin mit überdimensionalem Afro, Tarnrock und Maschinengewehr. Im Hintergrund verbrennt gerade die amerikanische Flagge im Kamin, darüber prangt das Bild von Osama Bin Laden. Alle Gerüchte und Klischees über Obama und seine Frau scheinen in diesem Bild eingefangen worden zu sein. Und genauso wollte es der Chefredakteur des New Yorker, David Remnick, haben. Die Illustration vom bekannten Cartoonisten Barry Blitt sollte über das Vehikel der Satire deutlich machen, mit welch unverschämten Lügen sich Obama auseinandersetzen muss. Die meisten dieser Lügen kommen nie an die Oberfläche der massenmedialen Verwertung, kreisen aber per Internet durch die konservativen Teile des Landes. Das Team Obama hat deshalb extra eine eigene Webseite FightTheSmears.com eingerichtet, um diesem Problem Herr zu werden. Obama fand das Titelbild deshalb gar nicht komisch. Seine Kampagne bezeichnete es als geschmacklos und abstoßend. Auch John McCain sprang seinem Herausforderer bei und zeigte Mitgefühl für Obama. In der Tat ist das Cover nicht ganz ohne. Wie die neueste Umfrage von New York Times und CBS News zeigt, ist das Land geistig weiterhin gespalten. Schwarze und Weiße haben nicht nur unterschiedliche Auffassungen über Chancen und Gerechtigkeit in den USA, sondern auch über die beiden Präsidentschaftskandidaten. Obamas „Otherness“ ist nicht nur ein Vorteil in Zeiten des politischen Wandels, sondern leider auch der große Faktor X im Rennen um das Weiße Haus. Hier ein Video aus der NBC Today Show, in der der ehemalige Kongressabgeordnete Harold Ford zum Thema „New Yorker“ befragt wird. Der Afro-Amerikaner Ford, heute Leiter des Democratic Leadership Council, hatte im Senatswahlkampf 2006 selbst leidvolle Erfahrungen mit einer Schmutzkampagne machen müssen. Ein TV-Spot der Republikanischen Partei zeigte eine attraktive Blondine, die Ford daran erinnerte, mit ihr auf einer Party des Playboy-Magazins geflirtet zu haben. Ford hatte diese Party in der Tat besucht, die Blondine war jedoch vollkommen frei erfunden.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
um
14:52
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Tags für diesen Artikel: Barack Obama, John McCain, medien, Michelle Obama, osama bin laden, rassismus, Satire, Terrorismus, Umfrage, Wählergruppen
Rassismus oder Reflexion?Montag, 9. Juni 2008
Mit einer umstrittenen Headline löste die als linksalternativ bekannte „tageszeitung“ (taz) große Diskussion nicht nur in ihrem eigenen Blog aus. Bei vielen in Deutschland lebenden Amerikanern wird die Schlagzeile als extrem rassistisch wahrgenommen, während die taz-Redaktion der Ansicht ist, sie wollte nur zum Nachdenken anregen.
Die Überschrift spielt auf den Roman "Onkel Toms Hütte" von Harriet Beecher Stowe an. Stowe schrieb das Buch 1852 als Roman gegen die Sklaverei. Doch gilt, wie auch Spiegel Online berichtet, das Buch als vorurteilsbeladen und umstritten. Inzwischen ist der Begriff "Onkel Tom" eine Beleidigung für Schwarze, da er mit unterwürfigen Afroamerikanern assoziiert wird. Diese Diskussion über die pejorative Bedeutung des Begriffs scheint an den Deutschen ein Stück weit vorbegegangen zu sein. Gibt es doch in Berlin noch ein Stadtviertel und eine U-Bahn-Station, die nach dem auch hierzulande populären Buch benannt worden sind. So mag sich bei dieser Headline mancher Berliner gefragt haben, ob Obama nach Schwanenwerder ziehen möchte. In diesem Fall sollte die kulturelle Differenz zwischen Amerika und Deutschland in der Wahrnehmung des Buches mitbedacht werden. Sie spielt eine Rolle, auch wenn grundsätzlich in jedem Witz ein ernster Kern steckt, der mehr über den verrrät, der ihn erzählt, als über das Thema selbst. Die taz, die sich gerne als linksintellektuelles Blatt gibt, ignoriert in diesem Fall die transatlantische Weiterentwicklung des Begriffs anstatt darüber zu informieren. Aber immerhin hat sie uns damit eine neue Debatte beschert.
Blogeintrag von Ute Pannen
um
10:14
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Tags für diesen Artikel: Barack Obama, rassismus
Die zweite HillaryDonnerstag, 15. Mai 2008
Für alle die, die Hillary Clinton im Rennen um die US-Präsidentschaft schon aufgegeben haben, hier eine tröstliche Nachricht: Es gibt sie gleich zweimal. In der Sendung „Saturday Night Live“ trat Amy Poehler in der Rolle von Hillary Clinton auf. In ihrer Parodie nahm sie optisch Bezug auf Hillary Clintons erstes Video-Podcast „I’m in“, mit dem Clinton im Januar 2007 ihre Kandidatur bekannt gab.
In ihrer Ansprache an die Nation erklärte sie, warum sie die bessere Präsidentin ist: erstens sei sie eine schlechte Verliererin, die sich im Falle der Nominierung Obamas weigern würde, seinen Wahlkampf zu unterstützen. Zweitens seien ihre Unterstützer Rassisten, die Obama im November nicht wählen würden, sollte er der Präsidentschaftskandidat werden. Mit der Pointe über die rassistischen Wähler hat Amy Poehler bei den Amerikanern einen wunden Punkt getroffen. Allein auf der Website der Huffington Post haben über 1000 Leser einen Blogkommentar zu diesem Thema hinterlassen. Sie führen eine regelrechte Debatte über Rassismus im Wahlkampf. Hier zwei Beispiele: „LOVE IT!! If even the liberal Hollywood elite has turned on the Clinton brand, it means we on the rabid left have won!! So we send Obama, with barely one year of national experience, surrounded by racists, crooks and flag stomping bombers, to fight it out in the general election. WE ROCK!! YES WE CAN! YES WE CAN!! BHO '08!!” "Just because someone doesn't vote for Barack Obama doesn't make him a racist! What's gotten into this country? Obama is not a saint because he is African-American. He is subject to the same scrutiny, as any other presidential candidate. He has been critical of Senator Clinton, along the campaign trail and even ridiculed her a few times. Give me a break! Clinton is winning all the major blue states, which the Democrats must win in November to take back the White House.” Amy Poehler trat bereits am 1. März 2008 bei „Saturday Night Live“ auf und traf dort auf Hillary Clinton, die durchaus Humor bewies und ihre Parodistin schätzt: „I simply adore Amy's impression of me."
Obama und sein Mr. WrightMittwoch, 19. März 2008
Symbole sind in der Politik oft wichtiger als Worte. Das weiß auch Barack Obama. Und so trat er nicht irgendwo in den USA auf, um eine Rede über das schwarze und das weiße Amerika zu halten. Nein, er machte seine Ausführungen im National Constitution Center in Philadelphia, an der Wiege der Nation und seiner Verfassung, eingerahmt von der Mutter aller amerikanischen Nationalsymbole, den Stars and Stripes.
Obama war angetreten, um das Land zusammenzuführen. Er wollte kein Kandidat einer bestimmten Hautfarbe sein, weder schwarz noch weiß, weder Latino noch Asiate. Sein Thema war die Meta-Botschaft der Hoffnung, der Versöhnung, des Neuanfangs. Er vermied es als schwarzer Kandidat wahrgenommen zu werden, anders als Jesse Jackson oder Al Sharpton. Und doch ist Obama in den vergangenen Tagen in die Gräben gezogen worden, die Amerika bis heute manchmal offen, manchmal latent durchziehen. Den Anstoß gab ein Videoschnipsel mit Predigten von Obamas Pastor Jeremiah Wright, die auf YouTube und den nationalen Fernsehsendern rauf und runter gespielt wurden. In diesen Ausschnitten greift Wright sowohl die Regierung und als auch die weiße Gesellschaft in den USA direkt an: „God damn America for killing innocent people. God damn America for treating us as citizens that are less than human.” Barack Obama, der sich von Pastor Wright trauen und seine Kinder von ihm taufen ließ, der Wright in seinen Beirat zu religiösen Fragen aufgenommen hatte, musste auf diese Kontroverse reagieren. Und er tat es. Seine Rede „A More Perfect Union“ spielte perfekt auf der Klaviatur seiner Kampagnenbotschaft der Hoffnung und des Wandels, ohne jedoch das kritische Thema des schwarz-weißen Splits der Gesellschaft schön zu reden. Er distanzierte sich von den Aussagen des Pastors, ohne sich von der Person Jeremiah Wright zu lösen. Als Sohn eines Austauschstudenten aus Kenia und einer weißen Amerikanerin aus Kansas nahm er die Zuhörer ohne Anklage und Bitterkeit mit in die Lebenswelten der schwarzen und weißen Amerikaner, nur um sie dann aufzulösen in der nationalen Erzählung des „E Pluribus Unum“. Hier ein Zitat aus seiner Rede: „The comments that have been made and the issues that have surfaced over the last few weeks reflect the complexities of race in this country that we´ve never really worked through – a part of our union that we have not yet made perfect. And if we walk away now, if we simply retreat into our respective corners, we will never be able to come together and solve challenges like health care, or education or the need to find good jobs for every American.” Für deutsche Ohren ist eine solche Rede gewöhnungsbedürftig. Sie erscheint zu blumig, zu schillernd, zu naiv. In der Tat sind schöne Worte noch keine Lösungen. Falls Obama aber zum Präsidenten der USA gewählt werden sollte, so wird diese Rede als eine der bedeutendsten in die Geschichte des Landes eingehen. Bis zur Wahl ist es jedoch noch ein weiter Weg. Letzte nationale Umfragen verheißen nichts Gutes für Obama. Hillary Clinton ist wieder an ihm vorbeigezogen. Auch die Republikaner haben die Kontroverse um Pastor Wright sehr aufmerksam verfolgt. Sie werden keine Gelegenheit auslassen, um den Wählern die Beziehung Obama-Wright vorzuführen und um ihr altes Kontrastmittel anzuwenden, das sie spätestens seit 1988 (Bush sr. gegen Michael Dukakis) im Wahlkampf benutzen: “Democrats are out of mainstream and out of touch with ordinary American folks.” Hier kann man die Rede in voller Länge sehen:
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