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Hier in Washington ist es genauso deutlich zu spüren wie in anderen Teilen des Landes. In Zeiten steigender Benzinpreise, einer kriselnden Wirtschaft, einer hartnäckigen Hypothekenkrise und dem militärischen Engagement im Irak wünschen sich die Menschen nichts Sehnlicheres als politischen Wandel.
Selten war ein Präsident so unpopulär, das Klima ist unterirdisch für die Republikanische Partei. Hätten die Republikaner nicht John McCain aufgestellt, dann könnten sie den Wahlkampf bereits ad acta legen. So aber bleibt es spannend. Es gibt in der Tat genug Szenarien, in denen McCain die Oberhand im Electoral College behalten würde. Denn es sei noch mal gesagt: Präsident wird nicht, wer die meisten Wählerstimmen im Land bekommt, sondern derjenige, der die Mehrheit der Wahlmännerstimmen (270) für sich gewinnen kann. Wir müssen also auf die einzelnen Bundesstaaten schauen. Zur Zeit liegt Obama in Schlüsselstaaten wie Ohio, Michigan oder Pennsylvania vorne. Diese Staaten haben aber eines gemeinsam: Eine große Zahl an weißen Arbeitern und weißer unterer Mittelschicht, die zwar ökonomisch in Richtung Demokraten tendiert, bei kulturellen und außenpolitischen Themen jedoch eher auf Seiten der Republikaner steht. John McCain hat in dieser bedeutenden Wählergruppe Chancen, mit seiner persönlichen Lebensgeschichte und seiner politischen Erfahrung zu punkten, sich als amerikanischer Held, als unabhängiger Kämpfer für das Gute zu präsentieren. Obama ist und bleibt gefühlte 3.000 Kilometer über dem Boden für diese Menschen. Man spürt, wie abgehoben und glatt er (noch) auf diese Wählergruppen wirkt. Er hat all das, was sie nicht haben. Einen Harvard-Abschluss, Eloquenz, Geld, ein schillerndes Starleben. Und er ist Afro-Amerikaner. Ein Punkt, den man leider nicht unterschätzen darf. Mike Podhorzer, leitender Stratege des Gewerkschaftsbundes AFL-CIO bringt all dies auf den Punkt, wenn er sagt: „People want change. But they don´t know if they want THAT much change.“ Bill Clinton war der letzte Demokrat, der bei weißen Wählern gut abgeschnitten hat. Dukakis, Gore, Kerry, sie alle verloren diese wahlentscheidende Gruppe deutlich. Clinton schaffte es ins Weiße Haus, der Rest bekanntlich nicht. Es bleibt spannend! Hier die neueste Battleground-State-Analyse von Brad Todd, einem der besten Wahlkampfexperten, den Amerika zu bieten hat:
Blogeintrag von Maik Bohne
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Advantage ObamaMittwoch, 7. Mai 2008
Barack Obama hat im Rennen um die Kandidatur der Demokraten einen entscheidenden Schritt nach vorn gemacht. Hillary Clinton brauchte überzeugende Resultate, die sie nicht liefern konnte. Ein hauchdünner Sieg in Indiana (51-49%) und eine Niederlage in North Carolina (42-56%) reichten nicht aus, um dem Vorwahlkampf eine clintonsche Wendung zu geben. Der Vorteil liegt nach diesem Abend eindeutig bei Obama. In einem Q&A wollen wir die wichtigsten Fragen des Tages beantworten.
Hat Barack Obama die Nominierung jetzt (endlich) sicher? Nein, das hat er noch nicht. Die absolute Mehrheit der Delegiertenstimmen konnte er nicht erreichen. Mit dem guten Abschneiden gestern stellte er aber die Weichen für einen endgültigen Sieg gegen Hillary. In North Carolina gewann Obama mit mehr als 200.000 Wählerstimmen Vorsprung, das ist beeindruckend. Zählt man sein gutes Resultat in Indiana hinzu, so besteht für Hillary Clinton mathematisch kaum noch die Chance, Obama in Form von Delegiertenstimmen und absoluten Wählerstimmen zu überholen. Die noch unentschiedenen Superdelegierten (ca. 275 von 796) werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gegen das Votum der Basis stellen. Wichtiger für Obama ist aber, dass er nach seinem härtesten Kampagnenmonat (Stichworte: Jeremiah Wright, Kleinstadtwähler-Schelte, Niederlage in Pennsylvania) zurück in der Erfolgsspur ist. Er hat den Wählern und (vor allem) dem Parteiestablishment gezeigt, dass er die Härte und Standhaftigkeit für den Hauptwahlkampf hat. Wie sieht die Zukunft für Hillary Clinton aus? Mit einem Wort: Düster. Hillary Clintons Team hatte sich Hoffnungen gemacht, dass sie in Indiana klar gewinnen und Obamas Umfragevorsprung in North Carolina deutlich verringern würde. Daraus wurde nichts. Ihre ganze Argumentation ist damit ins Wanken geraten, die da hieß: „Ich habe Momentum. Obama schwächelt. Ich bin die wahre Vertreterin der demokratischen Basis. Obama ist zu elitär und abgehoben, er hat keinen Zugang zum „kleinen Mann“. Zwar hat Hillary auch gestern wieder die weißen Wähler am Besten erreicht (vor allem weiße, ältere Frauen). Die Zweifel an Obama sind also berechtigt. Doch was am Ende zählt, sind die Konstruktionen von Sieg und Niederlage, Mikrodaten geraten da schnell in Vergessenheit. Auch wenn sie gestern Abend noch mit dem nötigen Zweckoptimismus erklärte: „We go full speed – on to the White House“, hat Hillary Clinton in der derzeitigen Konstellation kaum noch Chancen auf einen Sieg. Ihr einziger Pfad zur Nominierung ist es, das Spielfeld zu ändern, in dem sie darauf drängt, die Delegierten und Wählerstimmen aus Michigan und Florida vollständig zählen zu lassen. Da sie beide Staaten mit großem Abstand gewonnen hatte, könnte ihr das eine Art Momentum am Grünen Tisch verschaffen. Zur Information: Michigan und Florida hatten ihre Vorwahlen zeitlich unrechtmäßig nach vorne verlegt. Als Konsequenz strafte sie das Democratic National Committee (DNC) mit einem Ausschluss vom Parteitag. Es fand kein Wahlkampf in den beiden Staaten statt, Obama stand noch nicht einmal auf dem Wahlzettel in Michigan. Am 31.Mai tagt das Rules and Bylaws Committee (eine Art Parteischiedsgericht) des DNC in Washington, um eine Empfehlung über das Schicksal der Delegierten in Michigan und Florida abzugeben. Es sieht aber nicht danach aus, als wenn Clinton sich mit ihren Forderungen durchsetzen könnte. Wie geht es weiter? Sechs demokratische Vorwahlen stehen noch aus, bei denen allerdings nur 187 Delegiertenstimmen vergeben werden. Hillary Clinton kann nach derzeitigen Umfragen auf Siege in West Virginia (13. Mai) und Kentucky (20. Mai) spekulieren; Obama liegt hingegen in Oregon (20. Mai) vorn. Danach stimmen noch Puerto Rico (1. Juni) sowie Montana und South Dakota (3. Juni) ab. Dort ist das Rennen noch relativ offen. Alles Hin und Her nützt aber nichts: Hillary Clinton muss sich vorsichtig damit abfinden, dass sie (nach hartem Kampf) das Rennen gegen Barack Obama verloren hat. Hier Obamas Siegesrede, gehalten in Raleigh, North Carolina:
Blogeintrag von Maik Bohne
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12:12
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Guerilla-Marketing hinter Obamas RückenDienstag, 6. Mai 2008
Wer vor einer Woche Obamas Rede in Indiana auf CNN verfolgt hat, dem mag aufgefallen sein, dass sich hinter dem Rücken des Kandidaten ein Meisterwerk der Schleichwerbung vollzogen hat.
Als Obama seine Rede nach der verlorenen Primary-Wahl von Pennsylvania hielt, waren hinter ihm drei junge Männer in T-Shirts der Marke Abercrombie & Fitch (A&F) zu sehen. Auf der Website fiveblogsbeforelunch wird gemutmaßt, dass drei Mitarbeiter von A&F sich extra aus Ohio auf den Weg gemacht haben, um perfektes Product Placement zu betreiben. Ein Punkt bleibt noch zu klären: Warum fiel niemandem in der CNN-Redaktion auf, dass der Markenname gleich drei Mal prominent plaziert wurde? Zumal die Amerikaner sich doch seit Janet Jacksons skandalösem Auftritt beim amerikanischen Superbowl (Stichwort: Nipplegate) vor Überraschungen schützen und selbst Live-Übertragungenen mit drei Sekunden Verzögerung ausstrahlen.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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09:43
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Wahlanalyse mal andersFreitag, 25. April 2008
Meine Analyse der Vorwahlen in Pennsylvania kommt heute - statt Text - in Form zweier Videos. Im Sat.1-Frühstücksfernsehen gebe ich eine zeitnahe Einschätzung des Wahlausgangs ab:
Am Nachmittag dann habe ich ein ausführlicheres Interview bei n-tv gegeben, in dem es vor allem um das Obamamentum geht: Clintons Kasse klingeltDonnerstag, 24. April 2008![]() In den ersten 24 Stunden nach ihrem Vorwahlsieg in Pennsylvania hat Hillary Clinton mehr als 10 Millionen Dollar an Spenden über das Internet eingenommen. Das ist Rekord für die Senatorin. Direkt nach ihren Erfolgen am Super Tuesday und den Vorwahlen in Texas und Ohio hatte sie lediglich zwischen drei und vier Millionen Cash generieren können. Ermutigend für Clinton: Sie war in der Lage, ihre Spenderbasis substantiell zu erweitern, indem sie allein gestern über 50.000 neue (Klein-)Spender über das Internet für sich gewann. Hilfreich war sicherlich, dass sie während ihrer Siegerrede gestern in Philadelphia explizit zum Besuch ihrer Fundraising-Website aufgerufen hatte.
Hillary Clinton kann frisches Geld sehr gut gebrauchen. In den vergangenen Tagen konnte man immer öfter lesen, dass ihre Kampagne hoch verschuldet ist. In der Tat startete sie in den April mit $800,000 im Minus und hat weiterhin Außenstände von knapp $10 Mio., u.a. $4,5 Mio. bei der Firma ihres ehemaligen Chefstrategen Mark Penn (Penn Schoen Berland and Associates), $528.000 bei ihrer Medienberaterin Mandy Grunwald und $956.000 bei ihrer Direct-Mail-Firma MSHC Partners. Auch die nächsten Vorwahlkämpfe in Indiana, North Carolina und Kentucky werden Unsummen von Geld verschlingen. Allein in Indiana müssen Clinton und Obama in sechs großen TV-Märkten Spots schalten, einer davon ist der teure Fernsehmarkt in Chicago, von dem aus man große Teile der Wähler im Hoosier State erreicht. Geld wird in den USA als die Muttermilch der Politik bezeichnet. Wie aber die Erfolge der unterfinanzierten John McCain und Hillary Clinton gezeigt haben, ist Geld nicht alles. Obama investierte in Pennsylvania extrem viele Ressourcen. Nach Angaben der Campaign Media Analysis Group (CMAG) gab er allein doppelt so viel Geld für TV-Spots aus wie Clinton ($10 Mio. zu $5 Mio.), nur um von ihr mit 10 Prozentpunkten Abstand geschlagen zu werden. Politische Junkies können sich schon einmal den 6. Mai rot im Kalender anstreichen. Dann findet die nächste Entscheidungswahl in Indiana statt. Gewinnt Obama dort, dann hat er die Chance, Clintons Momentum nachhaltig zu stoppen. Falls aber Hillary den Staat für sich entscheidet, werden die Zweifel an Barack Obamas Kandidatur noch größer und lauter. „Can he close the deal?“ Wir sind gespannt.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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15:29
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Die vielen Leben der Hillary ClintonMittwoch, 23. April 2008Keine Frage: Das war ein wichtiger Sieg für Hillary Clinton in Pennsylvania, wieder einmal ein stabiler Rettungsanker zur richtigen Zeit. Deutlich verwies sie Barack Obama in die Schranken, mit 10 Prozentpunkten Vorsprung (55% zu 45%). Einmal mehr strafte sie ihre Gegner Lügen, die ihr den vorzeitigen Ausstieg aus dem Rennen um die demokratische Nominierung nahe gelegt hatten. Barack Obama kann zwar erhobenen Hauptes in die nächsten Vorwahlen gehen, weil er es in den vergangenen sechs Wochen geschafft hat, den Abstand auf Hillary Clinton von über 20 Prozent auf zehn Punkte zu verkürzen. Doch insgeheim hatte sein Team sicherlich auf einen knapperen Ausgang der Vorwahlen gehofft. Ein Blick auf die Daten der Nachwahlbefragung zeigt, wie und warum Hillary Clinton gewonnen hat. Die Nachwahlanalyse Die Nachwahlbefragungen zeigen, dass Hillary Clinton ihre Stammklientel extrem gut mobilisieren konnte. Die Stimmen der weiblichen Wähler gewann sie mit 12 Prozentpunkten Vorsprung, weiße Frauen sogar mit 28 Prozent Abstand. Sie hatte ebenso Vorteile bei den unteren Einkommensschichten bis $50.000 Jahresgehalt (+10%) wie auch bei Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss (+28%). Senioren und Katholiken gewann sie mit deutlichem Abstand. Entscheidend war auch ihr gutes Abschneiden bei Wählern, die das Thema Wirtschaft und Arbeitsplätze ganz oben auf ihrer Agenda hatten. Hier siegte Hillary Clinton mit 12 Prozentpunkten vor Barack Obama. In Zeiten der Wirtschaftskrise konnte Clinton sich in Pennsylvania also als die kompetentere Problemlöserin etablieren. Diese These wird von Wahlergebnissen aus den ehemaligen Stahlarbeiterregionen des Nordostens untermauert. In diesen, vom Strukturwandel besonders hart betroffenen Gegenden gewann Clinton haushohe Mehrheiten, wie z.B. in den Bezirken Luzerne und Lackawanna, die sie mit knapp 50 Prozentpunkten Vorsprung für sich entscheiden konnte. Barack Obama hatte seine Hochburgen hingegen in Philadelphia und dessen Vororten sowie in den College-Städten des Keystone State. An dieser regionalen Verteilung lässt sich auch die Struktur der Obama-Wähler deutlich machen. Er schafft es, eine bunte Koalition aus schwarzen Wählern in den Innenstädten, aus gut situierten Bewohnern der Vorstädte und jungen Collegestudenten zu formen. Sein Problem tritt aber deutlich zu Tage: Auch nach vielen Monaten des Vorwahlkampfes schafft er es nicht, entscheidend in das Wählerreservoir Hillary Clintons einzudringen. Wie geht es weiter? Hillary Clinton wird das Momentum dieses Sieges nutzen, um massiv auf die Superdelegierten einzuwirken, also auf das Parteiestablishment, das aller Wahrscheinlichkeit nach am Ende der Vorwahlsaison über Sieg und Niederlage entscheiden wird. Das Establishment-Lobbying ist lebensnotwendig für Clinton, denn auch mit ihrem Sieg in Pennsylvania hat sie es nicht geschafft, den Vorsprung Obamas bei den Delegiertenstimmen oder den absoluten Wählerstimmen entscheidend zu verkürzen. Ihr Argument wird deshalb ein psychologisches sein: „Schaut nicht nur auf die schnöde Mathematik des Delegiertenrennens! Wie dieser Sieg zeigt, gibt es massive Zweifel an Obama bei einem Großteil der demokratischen Wählerschaft. Er kann den Sack nicht zumachen („Why can´t he close the deal?“); er kann die bevölkerungsreichen Staaten nicht gewinnen, die wichtig sind für einen demokratischen Sieg im November. Obama erscheint zu elitär, nicht „in touch“ mit der Basis der Demokraten. Ich dagegen bin die wahre Ombudsfrau der kleinen Leute, unserer Kernklientel.“ Ob diese Argumentation ziehen wird, ist fraglich. Hillary Clinton ist faktisch pleite. Sie braucht sehr viel Geld und das schnell (deshalb auch ihr expliziter Hinweis auf ihre Fundraising-Website während ihrer Siegesfeier gestern Abend). Am 6. Mai stehen die nächsten Vorwahlen in Indiana und North Carolina an. Schon jetzt haben Mitarbeiter aus Hillarys Team zu verstehen gegeben, dass ein Sieg in Indiana für sie Pflicht ist. Die nächste Wasserscheide im Kampf um die Nominierung ist also in Sicht. Wir werden sehen, ob sie auch diese Hürde nimmt. Eines ist gewiss: Diese Frau hat viele Leben! Hier die Siegesrede von Hillary Clinton gestern Nacht in Philadelphia:
Blogeintrag von Maik Bohne
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12:38
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Clinton, Obama und OsamaDienstag, 22. April 2008Am Vorabend der Primary in Pennsylvania fällt Hillary Clinton auf dieselbe umstrittene Taktik zurück, die sie bereits im Vorfeld der Vorwahlen in Texas und Ohio angewendet hatte. In einem neuen TV-Spot bittet sie die Wähler, sich selbst zu fragen, welcher Kandidat der erfahrenere Problemlöser und bessere "Commander-in-Chief" ist. Ein klarer Seitenhieb gegen den als oft zu blumig und unpräzise wahrgenommenen Barack Obama. Wie schon im mittlerweile legendären „3 a.m.“-Spot, stellt Clinton auch dieses Mal implizit die Frage nach den Führungsqualitäten und der politischen Erfahrung des jungen Senators aus Illinois. Der TV-Spot arbeitet mit Bildern des Angriffs auf Pearl Harbor, mit Videos von Osama Bin Laden und von Hurricane „Katrina“. Er macht deutlich, dass es in Zeiten der Krise auf Führungsstärke seitens des Präsidenten ankommt. Die Aussage kumuliert in einem Zitat von Harry Truman („If you can´t stand the heat, get out of the kitchen“). Anschließend fragt der Sprecher fast schon rhetorisch: “Who do you think has what it takes?“ Hillary Clinton ist die erste demokratische Kandidatin in diesem Vorwahlkampf, die Bilder von Osama Bin Laden benutzt. In einem Interview mit CNN-Talker Larry King legte sie nach. Clinton machte deutlich, dass der zukünftige Führer des Landes so schwierige und gefährliche Entscheidungen zu treffen habe, wie kaum ein Präsident zuvor. Das sind klare Ansagen. Wir haben die Botschaft verstanden. Was sagt Obama? Er reagiert mit einem eigenen Spot, in dem er fragt: „Wer bringt uns zusammen in Zeiten der Krise – ohne Angst und Kalkulation zu benutzen, ohne uns auseinander zu bringen?“ Ein klarer Angriff gegen Clinton. Ihr warf Obamas Pressesprecher Bill Burton folgerichtig eine Taktik vor, die aus dem Arsenal der Bush-Regierung stammt. Hillary wolle politisch punkten, indem sie mit den Wählern dieselben Spiele der Angst spiele wie Präsident Bush, so Burton. Die Hitze in der Küche dieses Vorwahlkampfes ist in den vergangenen Tagen in der Tat extrem gestiegen. Wir werden sehen, wer als Sieger aus dem Koch-Duell Obama gegen Clinton hervorgeht. Mehr dazu morgen auf diesem Blog.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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19:19
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McCainomics: Populist und SteuerkürzerFreitag, 18. April 2008
John McCain stellte am Dienstag in Pennsylvania erste Eckpunkte seines Wirtschaftsprogramms vor. Der Senator aus Arizona, vielfach gescholten für seine fehlende Expertise im Bereich Wirtschaft und Arbeit, gab sich als Steuersenker mit populistischem Anstrich.
Öffentlichkeitswirksam kritisierte er eine Managerkaste in den USA, die sich seiner Meinung nach überhöhte Gehälter genehmigt und viel zu leichtfertig riskante Unternehmensentscheidungen trifft. Im Blick hatte er vor allem Angelo R. Mozilo, CEO des kriselnden Hypothekenriesen Countrywide, und James E. Cayne, ehemaliger Chef von Bear Stearns. Zudem schlug McCain vor, die Steuern auf Benzin den Sommer über auszusetzen, um den autofixierten Amerikanern direkte wirtschaftliche Erleichterungen zu verschaffen. Kern der McCainomics ist aber gutes, altes, angebotsorientiertes Denken, ganz im Mainstream der Republikanischen Partei. McCain schlug vor, die umfangreichen Steuersenkungen der Bush-Ära (v.a. bei Gewinn- und Abgeltungssteuern) beizubehalten, von denen vor allem reichere Amerikaner profitieren. Zusätzlich will er die Unternehmenssteuern senken und Abschreibungen erleichtern. McCain will zudem Schluss machen mit der Alternative Minimum Tax, einer Minimalsteuer, die immer weiter in die obere Mittelschicht in den USA hineinreicht. Ursprünglich gedacht für Reiche, die sich durch Steuerschlupflöcher steuerlich arm rechneten, betrifft sie heute immer mehr Menschen mit einem Haushaltseinkommen über 100.000 Dollar. Das Brookings Institut schätzt, dass es 2010 bis zu 33 Millionen Amerikaner sein könnten, die sich diesem alternativen Steuersystem unterstellen müssen und dadurch zusätzlich geschröpft würden. Zusammengerechnet würden die McCainschen Vorschläge eine Lücke von knapp 200 Milliarden Dollar jährlich in den Bundeshaushalt reißen. Deshalb hat sich der „Mac“ bereits von seinem Ziel verabschiedet, den Bundeshaushalt am Ende seiner ersten Amtszeit auszugleichen. Er verschob das Ganze vorerst auf 2016. Die Etatausfälle will McCain mit der Kürzung sog. „pork barrel legislation“ (kostenintensive Projekte und Subventionen, die Abgeordnete für ihren Wahlkreis oder Bundesstaat erstreiten) und dem Schließen von Steuerlöchern kompensieren. Für gebeutelte Hausbesitzer und entlassene Arbeitnehmer hatte McCain wenig im Gepäck. Er stellte zum einen in Aussicht, die vom Bund finanzierten Jobtrainings an Community Colleges zu verbessern. Zum anderen reagierte er auf die Hypothekenkrise, indem er den am Härtesten betroffenen Hausbesitzern die Chance bieten möchte, in einen vom Bundeswohnungsamt finanzierten 30-Jahres-Kredit (HOME Loan) zu wechseln. Bisher hatte McCain noch jeglichen staatlichen Eingriff in den kriselnden Häusermarkt abgelehnt. Ob er damit sein Image des unsensiblen und ökonomisch entrückten Politikers nachhaltig ändern kann, bleibt abzuwarten. Immerhin hat McCain erkannt, dass er nicht nur auf den Schlachtfeldern „Außenpolitik“ und „nationale Sicherheit“ spielen darf. In Zeiten einer drohenden Rezession wird es maßgeblich darauf ankommen, wie die Wähler seine wirtschaftspolitischen Konzepte beurteilen. Hier der neueste TV-Spot von McCain zum Thema Wirtschaft und Arbeit:
Blogeintrag von Maik Bohne
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17:00
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Bitter für ObamaMittwoch, 16. April 2008
Der "kleine Mann" ist ein beliebter Zeitgenosse in Wahlkämpfen. Kandidaten und Parteien scheinen ihn stets persönlich zu kennen; sie scheinen zu fühlen, was er fühlt; sie scheinen zu wissen, was er will. In den USA kennt man den kleinen Mann wahlweise als „common man“ oder Joe Sixpack. Dieser Stellvertreter des „small town America“ ist heilig und unangreifbar, repräsentiert er doch das, wofür die Vereinigten Staaten (vermeintlich) stehen: Patriotismus, Gemeinsinn und Bodenständigkeit.
Barack Obama weiß, dass er nichts gewinnen und alles verlieren kann, wenn er diese heilige Kuh des Wahlkampfes kritisiert. Er hat es dennoch getan, weit weg vom ländlichen Amerika, auf einem Fundraiser in San Franscisco, der Hauptstadt des liberalen Amerika. Auf die Frage eines Geldgebers, warum er in Pennsylvania Schwierigkeiten habe, weiße Wähler aus der Arbeiterschicht für sich zu gewinnen, sagte Obama den folgenschweren Satz, der sich bereits als „Bittergate“ in die Terminologie dieses Wahlkampfes eingeschlichen hat. Er bezeichnete Kleinstädter in Pennsylvania als verbitterte Menschen, die sich aus ökonomischer Unsicherheit heraus an Waffen, Religion und xenophobe Ideen klammern würden. Kein unwahrer Satz, politisch allerdings ein höchst inopportuner. Hillary Clinton brauchte deshalb auch nicht lange, um Barack Obama für seinen rhetorischen Ausfall zu kritisieren. Sie, die sich in Pennsylvania gerade als religiöses Kleinstadt-Kind mit Liebe zu Waffen ausgibt, bezeichnete den jungen Senator aus Illinois als elitär und entrückt von der Basis. In einem neuen TV-Spot lässt Clinton das „small town America“ selbst zu Wort kommen. Im sog. „man-on-the-street“-Design sprechen Bürger direkt in die Kamera, um sich über Obamas Aussagen zu mokieren und ihren kleinstädtischen Lebensstil zu verteidigen: Auch John McCain wartete nicht lange, um die Chance zu ergreifen, die ihm Obama geboten hatte. Ähnlich wie Clinton kritisierte er Obama als elitär und „out of touch“ mit dem Mainstream Amerikas. Immer stärker wird die Angriffslinie deutlich, die die Republikaner gegen Obama fahren könnten. Sie würden ihn als Harvard-Snob darstellen, der zwar schön reden kann, aber hinter seinen blumigen Auftritten verbirgt, dass er den Amerikanern eine Links-außen-Agenda überstülpen will, die entrückt ist von der Lebenswirklichkeit der Menschen. John Kerry lässt grüßen. Heute Abend treffen sich Obama und Clinton in Philadelphia zu einer weiteren TV-Debatte. Es wird interessant zu verfolgen sein, wie sich Obama gegen die Vorwürfe Clintons wehrt, ob er in die Offensive geht, ob er sich beim fiktiven kleinen Mann nochmals für seine Aussagen entschuldigen wird. Neueste Umfragen zeigen, dass Obama bisher kaum an Zustimmung einbüßen musste. Vorsicht ist aber geboten: Solche Dinge brauchen in der Regel vier bis sechs Tage, um sich im Bewusstsein der Wähler zu verankern. Wahrscheinlich werden wir erst am 22. April (Vorwahltag in Pennsylvania) wissen, ob die Kontroverse Obama geschadet hat. I'm still standingMontag, 14. April 2008
Die Rolle des Rockstars (PDF) hatte im US-Wahlkampf eigentlich schon Barack Obama besetzt, doch an diesem Abend war Hillary Clinton der Star. Mit Bill und Chelsea betrat sie die Bühne der legendären Radio City Music Hall in New York. Elton John, der bereits zu Bill Clintons Amtszeit bei einem Staatsbankett im Weißen Haus sang, gab ein Benefizkonzert
für die Präsidentschaftskandidatin. Bereits binnen einer Stunde waren alle 6000 Karten ausverkauft: 125 Dollar für die billigsten Plätze oben im Rang, 2300 Dollar (die gesetzliche Höchstgrenze für Spenden) fürs Parkett. Mit den Worten “I’m still standing” begrüßte Hillary Clinton ihre Unterstützer. Elton John sprach sich für Hillary aus, die sich am besten von allen für das Präsidentenamt eigne, und wunderte sich über die vielen frauenfeindlichen Äußerungen im Wahlkampf: “Zur Hölle mit ihnen.” “Ich liebe Dich Hillary.” Der Erlös von 2,5 Mio $ kann sich sehen lassen. Doch dürfte er nur vorübergehend über die chronische Finanzschwäche der Clinton-Kampagne hinweghelfen. Auf Clintons Webseite geht das Fundraising bereits in eine neue Runde: „Close the Gap“ heißt es dort, denn ihr Gegner gibt derzeit 2,2 Mio $ pro Woche für Werbung in Pennsylvania aus.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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17:47
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Hillary blickt zurück, um nach vorn zu ziehnMontag, 14. April 2008
Das strahlende Lächeln der zweijährigen Hillary im weißen Rüschenkleid steckt an. Ihre blonden Locken wippen mit, wenn sie ausgelassen über den Rasen läuft und uns ihre Hand entgegenstreckt, als wolle sie uns mitnehmen zu einem Ausflug nach Scranton in Pennsylvania.
“Hillary 1950” heißt der Wahlkampfspot, in schwarz-weiß-Ästhetik und mit Pianoklängen unterlegt, der Original-Film- und Fotoaufnahmen benutzt. Er gibt Hillary Clintons Wahlkampf-Stil eine neue Richtung, denn während sie bislang themenbezoge Spots vor allem mit wirtschaftlichem Schwerpunkt bevorzugte, spricht sie nun die Emotionen der Wähler an. Sie erzählt von ihren Sommerferien in Scranton, wo ihr Vater aufgewachsen ist und ihr Großvater in einer Fabrik arbeitete. Dort verbrachte sie die Sommerurlaube in einem bescheidenen Ferienhaus, das weder Heizung noch Dusche hatte, “just the joy of family”. Das sollte genug Identifikationsfläche bieten für die Wähler in Pennsylvania. Nicht nur, um am 22. April ihre Stimme für Hillary Clinton abzugeben, sondern auch, um für sie zu spenden. Clintons Wahlkampfteam verschickt den Werbespot derzeit per E-Mail, um für Spenden zu sammeln und ist sich seiner neuen Strategie durchaus bewusst. So schreibt Wahlkampfchef Terry McAuliffe: “Lernen Sie Hillary von einer neuen Seite kennen.” Barack Obama verbrachte insbesondere zu Beginn seiner Kampagne viel Zeit damit, von seiner Kindheit und der Geschichte seiner Familie zu berichten, die die idealtypische Erzählung des amerikanischen Traums verkörpert. Während Hillary Clinton unter dem Einfluss ihres mittlerweile entlassenen Wahlkampfstrategen Mark Penn auf Erfahrung und inhaltliche Überlegenheit setzte, zog Barack Obama an ihr vorbei, in die Herzen der Amerikaner. Dort will nun auch Hillary Clinton hin und erzählt, während man sie an der Hand ihres Vater sieht, dass sie mit dem amerikanischen Traum erzogen wurde. “Ich habe immer noch Vertrauen in diesen Traum. Er ist ein wenig in Vergessenheit geraten, aber wir alle müssen ihn wieder träumen. Und ich verspreche: Das werde ich!” Luft wird dünner für HillaryDonnerstag, 10. April 2008
Schlechte Nachrichten ist die Clinton-Kampagne mittlerweile gewöhnt. Doch was die Umfrage der Quinnipiac-Universität zu Tage brachte, geht ans Eingemachte. Hillary Clintons Vorsprung in Pennsylvania schmilzt wie das Packeis am Nordpol. Sie liegt derzeit nur noch mit 6 Prozentpunkten vor Barack Obama, also knapp an der Grenze zum psychologisch wichtigen statistischen Fehlerbereich (margin of error). Clinton kommt auf 50%, Obama auf 44%. Noch beunruhigender für Clinton: Obama schafft es erstmals, substantiell in die Wählerhochburgen der Senatorin einzudringen. Bei weiblichen Wählern liegt er nur noch 13 Punkte hinten, hier hat er vier Punkte innerhalb einer Woche aufgeholt.
Setzt sich dieser Trend fort, dann wird es für Clinton schwerer, ihr Durchhalten zu rechtfertigen. Sie braucht einen überzeugenden Sieg in Pennsylvania. Ansonsten wird sie von einer Welle von Forderungen nach einem Verzicht auf ihre Kandidatur überrollt werden. Clinton weiß, dass es um alles oder nichts geht. Deshalb startete sie (trotz knapper Kasse) kürzlich das, was die Amerikaner einen „media blitz“ nennen, einen intensiven TV-Wahlkampf mit einer Reihe von neuen Wahlkampfspots. Hier ein Spot mit Pennsylvanias politischem Urgestein, Gouverneur Ed Rendell:
Blogeintrag von Maik Bohne
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11:12
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Demokraten legen Fundament für NovemberMittwoch, 2. April 2008
Wird der Zweikampf Clinton-Obama die Demokratische Partei im Hauptwahlkampf schwächen? Diese Frage bestimmt zur Zeit die Debatte, ist aber nicht leicht zu beantworten. Historisch lässt sich kein klares Muster erkennen, das prognostizieren könnte, ob lange, hart umkämpfte Vorwahlen die Chancen auf einen Wahlsieg verringern. Die letzten Beispiele aus dem Jahr 1980 (Carter gegen Teddy Kennedy) und 1984 (Mondale gegen Hart) sind für die Demokraten allerdings nicht gerade ermutigend. In beiden Fällen verlor ihr Kandidat nach aufreibendem Vorwahlkampf die Präsidentschaftswahlen.
Bisher scheint das Duell Obama-Clinton den Demokraten allerdings gut zu tun. Ein positives Zeichen kommt aus Pennsylvania, wo am 22. April Vorwahlen anstehen. Ende März endete dort die Phase, in der sich Wähler registrieren bzw. ihre Parteiregistrierung umschreiben lassen konnten. Ein wichtiges Datum, denn im Keystone State dürfen ausschließlich Vorwähler an die Urnen schreiten, die sich offiziell als Sympathisant einer der beiden Parteien registrieren lassen haben. Im Vorfeld initiierten sowohl Barack Obama als auch Hillary Clinton aufwändige Registrierungskampagnen. Vor allem Obama aktivierte sein Netz von Freiwilligen, um Bürger für die Demokratische Partei zu gewinnen. Das machte Sinn, denn im Gegensatz zu Clinton rekrutiert Obama seine Wähler stärker aus dem unpolitischen, wechselwilligen Wählersegment, das erst noch an die Partei andocken muss. Das Resultat: Seit Beginn des Jahres registrierten sich 101.499 neue Wähler als Demokraten, 132.688 „party switcher“ wechselten ins Lager der Partei. Damit brachten Obama und Clinton die Zahl der registrierten Demokraten in Pennsylvania auf 4,1 Mio. Die Republikaner verbuchen lediglich 3,1 Mio. auf ihrer Habenseite. Ein klarer Vorteil für die Demokraten im November!
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
um
14:25
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