Hillary Clinton ist derzeit nicht gerade zu beneiden. Barack Obama hat alle Vorwahlen seit dem Super Tuesday für sich entscheiden können, in den neuesten nationalen Umfragen liegt er deutlich vor Clinton, nahezu zwei Drittel der Demokraten rechnen mittlerweile schon mit einem Vorwahlsieger Obama. Auch in den nächsten Primary-Staaten Ohio und Texas steht Hillary Clinton erheblich unter Druck. Ihre Kampagne (allen voran ihr Mann Bill) hat diese beiden Staaten zur Wasserscheide ihrer Kampagne erklärt. Hier müsste sie mit erheblichem Abstand gewinnen, will sie Obamas Vorsprung bei den Delegierten noch aufholen.
Letzte Umfragen verheißen allerdings nichts Gutes. Selbst im Arbeiterstaat Ohio holt Obama erheblich auf. In einer solchen Wahlkampfsituation hilft nur eines: Offensive. Nach der fast schon liebevoll geführten Debatte in Austin, in der sich Hillary Clinton sehr versöhnlich und ausgleichend gab, intensivierte sie in den vergangenen Tagen wieder den Kontrastwahlkampf. Eine Strategie, die nicht ohne Risiko ist, denn sobald Hillary einen schärferen Ton anschlägt, erweckt sie Stereotype der kühlen, kontrollierten, karrierebewussten Politikerin, die sie bisher nicht erfolgreich dekonstruieren konnte. Den Auftakt bildete am Wochenende eine Attacke auf Obamas Kampagne, die Clintons Position zum in Ohio sehr umstrittenen North American Free Trade Agreement (NAFTA) falsch wiedergegeben hatte. Ein angeblich vom Clinton-Team zirkuliertes Bild von Obama in traditioneller afrikanischer Tracht, publiziert auf der Mutter aller Blogs, dem Drudge Report, goss zusätzliches Öl ins Feuer.
Zu Beginn der Woche folgte eine ausführliche Rede zu außenpolitischen Themen, in denen Clinton die politische Erfahrung Obamas und seine Qualitäten als Commander-in-Chief offen in Frage stellte und ihn sogar implizit mit George W. Bush verglich. Am Dienstag erschienen die beiden Kandidaten dann schließlich zur letzten der demokratischen TV-Debatten, die 20.(!) der Vorwahlsaison. Clinton wirkte von Beginn an sehr konzentriert, sie hakte auffällig oft bei Fragen der Moderatoren oder bei Beiträgen von Obama ein und präsentierte sich deutlich weniger konziliant als noch vor einer Woche. Auch wenn es ein Hin und Her zwischen den beiden Kandidaten über ihre Wahlkampftaktiken gab, so wurde doch zumeist auf der Sachebene gestritten. Clinton machte ihre (wenigen) Differenzen zu Obama im Bereich der Reform der Krankenversicherung deutlich, sie kritisierte Obama für Inkonsistenzen in seiner Haltung zum Irakkrieg und schlug einen deutlich links-populistischeren Ton an. Unter anderem versprach sie, den in der Amtszeit ihres Mannes abgeschlossenen NAFTA aufzukündigen, falls die Handelspartner Kanada und Mexiko nicht zu substantiellen Nachverhandlungen bereit seien.
Hillary Clinton nutzte also die letzte Chance, die sie hatte. Sie kontrastierte, sie attackierte, sie kämpfte. Und dennoch scheint der Vorwahlzug unaufhaltsam in Richtung Obama abzufahren. Hier der Schlagabtausch zwischen Clinton und Obama über die geplante Reform der Krankenversicherung: