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John McCain wird sich am Wochenende zu einem Kurzurlaub auf seine Ranch in Arizona zurückziehen, um ein bisschen auszuspannen vom harten Politikalltag. Wer jedoch gedacht hätte, der Senator würde seine kostbare Zeit allein seiner Frau Cindy widmen, der hat sich getäuscht. Wie die New York Times meldet, wird McCain das Wochenende nutzen, um drei potentielle Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten (VP) näher kennenzulernen. In einem lockeren, entspannten Ambiente will er herausfinden, welcher Kandidat (auch persönlich) am besten zu ihm passt. Ein VP-Casting der besonderen Art. Doch wer steht auf der Gästeliste, wer hat es in den Recall geschafft?
Mitt Romney Zunächst ist da ein alter Bekannter: Mitt Romney. Das ist in der Tat eine Überraschung. Wir haben noch die heftigen Auseinandersetzungen im Kopf, die sich Romney und McCain im Vorwahlkampf geliefert hatten. Aber die Zeiten haben sich geändert. Romney (61) ist zu einem der Lieblinge der Konservativen aufgestiegen und bietet sich damit als gute Ergänzung zu McCain an. Bobby Jindal Zweiter Mann auf der Liste ist Bobby Jindal, seit Januar diesen Jahres Gouverneur in Louisiana. Jindal hat eine interessante Lebensgeschichte. Als Sohn indischer Einwanderer wurde er 1971 in Baton Rouge geboren, konvertierte mit 14 vom Hinduismus zum Katholizismus und vertritt seitdem kulturell konservative Positionen. Im amerikanischen Jargon heißt das: Er ist „pro life“ und „pro gun“, also gegen Abtreibung und gegen die Einschränkung von Waffenbesitz. Seine Vorzüge: Er könnte der Grand Old Party (GOP) ein interessantes Gesicht geben, das nicht dem üblichen W(hite) A(nglo) S(axon) P(rotestant)-Milieu entspringt. Charlie Christ Dritter Kandidat ist Charlie Christ, Gouverneur von Florida. Er hatte McCain kurz vor der entscheidenden Vorwahl im Sunshine State medienwirksam unterstützt. Christs Umfragewerte in Florida sind gut, er ist beliebt und damit eine einflussreiche Person in einem der am härtesten umkämpften Bundesstaaten dieser Wahlsaison. Christ (51) ist ein überzeugter Konservativer, der nicht nur die Todesstrafe verteidigt, sondern sich auch als „pro family“ und „pro gun“ bezeichnet. Christ ist unverheiratet, deshalb halten sich hartnäckig Gerüchte, er sei homosexuell. Vizepräsidentschaftskandidaten müssen der Kampagne etwas hinzufügen, das sie noch nicht hat. Sie müssen ein ergänzendes Element sein, das neue Wählergruppen oder Facetten in den Wahlkampf einbringen kann. Schaut man auf die drei Kandidaten, dann haben sie drei Dinge gemein, die McCain fehlen: Sie sind vergleichsweise jung, haben exekutive Erfahrung und sind überzeugte Konservative. Favorit ist für uns Charlie Christ. Er hat ein großes Plus: Das nötige Maß an Nähe und Distanz zu George W. Bush. Als Bush kurz vor der Gouverneurs- und Kongresswahl 2006 eine Wahlkampfveranstaltung in Florida besuchte, fehlte Christ. Offizieller Grund: Terminschwierigkeiten.
Blogeintrag von Maik Bohne
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Was macht eigentlich... John McCain ?Mittwoch, 12. März 2008Die Medien beschäftigen sich zur Zeit fast ausschließlich mit dem Duell Obama-Clinton, mit Superdelegierten und der Frage, ob die Vorwahlen in Florida und Michigan wiederholt werden sollten. Aber was macht eigentlich John McCain? Eigentlich könnte er sich ja erst einmal zurücklehnen und entspannt zusehen wie sich die Demokratische Partei autistisch mit sich selbst beschäftigt. Nichts dergleichen. John McCain und sein Team arbeiten intensiv daran, die Weichen für den Hauptwahlkampf zu stellen. Drei große Aufgaben stehen auf der To-Do-Liste des Senators. Erstens: John McCain muss die Republikanische Partei hinter seiner Kandidatur sammeln. Dies ist ihm bisher gut gelungen. George Bush gab ihm den offiziellen Ritterschlag und nannte ihn einen „true conservative“. Mitt Romney gab ein öffentliches Endorsement für ihn ab. Die Spitzen der Republikaner im Kongress söhnten sich mit dem manchmal etwas heißblütigen Senator aus. Grover Norquist, Gralshüter des Steuerkürzer-Flügels der Partei, gab seine Opposition gegen McCain auf und fragte konzilliant: „How can we work together?“ Auch mit den (vermeintlichen) Sprachrohren der sozialkonservativen Bewegung konnte McCain ein Waffenstillstandsabkommen schließen. Die Erzengel der konservativen Medienmaschine wie Rush Limbaugh, Ann Coulter und James Dobson sinnieren nicht mehr breitenwirksam darüber, ob sie sich der Wahl enthalten sollten. Das böse A-Wort („abstain“) ist erst einmal aus ihrem öffentlichen Sprachgebrauch verbannt worden. Ob die konservative Basis sich jedoch mit John McCain aussöhnen wird, bleibt offen. Die Grand Old Party (GOP) könnte das SPD-Problem ereilen: Die unzufriedene Basis wechselt zwar nicht die Seiten, bleibt am Wahltag aber trotzdem zu Hause. Zweitens: Der Vorwahlkampf hat gezeigt, dass die Republikaner zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte ein eklatantes Fundraising-Problem haben. Bis Ende Januar diesen Jahres nahm John McCain spärliche 55 Millionen Dollar ein. Hillary Clinton schaffte hingegen 138 Millionen, Obama sogar 141 Millionen. McCain muss also in den nächsten Monaten zum Telefon greifen, um die einflussreichen Geldgeber der Partei zu vergewissern, dass er der beste Mann ist, um das Weiße Haus vor den Demokraten zu retten. Zudem muss er die Stars der Partei verpflichten, um mit ihm auf Fundraising-Tour zu gehen. Präsident Bush mag zwar wenig Rückhalt in der Bevölkerung haben, er ist aber immer noch die beste Geldmaschine der Republikaner. Veranstaltungen mit ihm spülen regelmäßig mehrere Millionen Dollar in die Kasse von Kandidaten und Parteiorganisationen. Apropos Parteien: McCain kann sich nun offiziell auf das Republican National Committee (RNC) stützen. Als einziges der drei nationalen Parteikomitees ist es nicht in finanziellen Schwierigkeiten. Das RNC hat bisher 97 Millionen Dollar einsammeln können, nahezu doppelt so viel wie sein Pendant, das Democratic National Committee (DNC). McCain kann sich also auf die Dienste der Partei verlassen, die auch in diesem Wahljahr wieder den Basiswahlkampf und das Wählertargeting für ihren Kandidaten organisieren wird. Drittens: John McCain muss seine Kampagnenkommunikation auf den Hauptwahlkampf ausrichten. Dies läuft nach dem üblichen Schema ab. Zunächst stellt sich der Kandidat dem großen Wahlpublikum noch einmal persönlich vor. Geplant ist eine „national bio tour“, die McCain an die wichtigen Orte seines Lebens führen wird, wie etwa die US Naval Academy in Annapolis oder die Naval Air Station in Meridian, Mississippi, die nach seinem Großvater benannt ist. Danach folgen medienwirksame Reden zu innen- und außenpolitischen Themen, um sich auch inhaltlich zu positionieren. McCain machte zudem deutlich, dass er seine Kampagnenmethoden aus dem Vorwahlkampf beibehalten will. So oft und gut es geht will er mit seinem Straight Talk Express im Land unterwegs sein, um sich den Fragen der Wähler in sog. Town Hall Meetings zu stellen. Dass McCain in den derzeitigen Umfragen hinter den beiden Demokraten liegt, kommt ihm zu Pass. Der alte Polit-Fuchs ist immer dann stark, wenn er sich als Underdog und Außenseiter stilisieren kann. Dann ist er am glaubwürdigsten. Trotz der verworrenen Vorwahlsituation finden die Demokraten Zeit, um erste Botschaften gegen McCain zu testen. Hier ein Web-Video, das das DNC kürzlich in die Internet-Rotation eingespeist hat:
Blogeintrag von Maik Bohne
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Super spannend, duper knapp: Analysen zum Super TuesdayMittwoch, 6. Februar 2008
Historisch, dramatisch, spannend. Die versammelte amerikanische Wahlkampfexpertenschar fand gestern Abend große Worte für den Ausgang des Super Tuesday. Der Vorwahlkuchen hatte sich gut verteilt, jeder der Kandidaten schien Anlass zum Feiern zu haben. Wir wollen hier jedoch einen Blick hinter die schillernde Welt von Siegesreden, Konfettiregen und 30-Sekunden-Kommentaren wagen. Unsere Analyse der Wahlergebnisse soll eine erste Erklärung liefern für den Ausgang dieses aufregenden Vorwahlabends.
DEMOKRATEN Hillary Clinton und Barack Obama gehen beide als Sieger aus dem Super Dienstag hervor. Clinton gewann die bevölkerungsreichen Staaten Kalifornien und New York, sie liegt zudem im Rennen um die Delegierten vorn. Obama konnte die Mehrzahl der Super-Tuesday-Staaten (13-8) für sich entscheiden, er machte entscheidenden Boden gut gegenüber der noch vor zwei Wochen in nahezu allen Umfragen führenden Hillary Clinton. Eine Analyse der Nachwahlbefragungen ergibt ein interessantes Bild. Hillary Clinton gewann wichtige Wettbewerbe im Nordosten der USA. Siege in New York und New Jersey waren keine Überraschung, der Gewinn in Massachussetts hingegen schon. Obama hatte hier die gesamte politischen Elite des Staates hinter sich gewusst, u.a. Gov. Patrick Deval, Sen. Ted Kennedy und Sen. John Kerry. Auch im Westen der USA trumpfte Hillary mit lebenswichtigen Siegen in Kalifornien und Arizona auf. Ein Triumph in ihrer zweiten Heimat Arkansas war abzusehen, der erste Platz in Tennessee überraschte. Hillary Clinton konnte sich auch in dieser Vorwahlrunde wieder auf die klassische demokratische Wählerkoalition stützen, von der sie schon in New Hampshire, Nevada und Florida zu Siegen geführt worden war. Weiße Frauen aus der Mittelschicht sind ihre verlässlichsten Unterstützer, sie machten in den meisten Staaten den größten Wählerblock aus. Hier hat Clinton einen enormen Vorsprung vor Obama. Ältere Wähler Ü-60 sind fest in ihrem Lager. Auch ihre Unterstützung bei Latinos konnte sie festigen. Sie gewann die Mehrheit dieser schnell wachsenden Wählergruppe in allen 22 Vorwahlstaaten. Teil ihrer Wählerkoalition ist zudem die klassische demokratische Schutzklientel: Menschen mit geringerem Einkommen und mit weniger formeller Bildung. Barack Obama´s Siege kann man mit Recht als geografisch divers bezeichnen. Er gewann in Staaten wie Alaska und Idaho genauso wie in Connecticut und dem Trendstaat Missouri. Verlassen konnte er sich auf die afro-amerikanischen Wähler, die ihm u.a. zu Erfolgen in Georgia und Alabama verhalfen. Auch in den Staaten, die einen Caucus (lokale Parteiversammlungen) abhielten, hatte Barack die Nase vorn. Ein weiteres Indiz für die gute Organisation und den Enthusiasmus an den Graswurzeln der Obama-Kampagne. Obama stützte sich zu großen Teilen wieder auf seine bunte Wählerkoalition aus Schwarzen, U-40-Wählern sowie aus Wählern der akademischen Mittel- und Oberschicht. Bedeutend ist jedoch, dass er einen substantiellen Anteil von weißen Männern hinzu gewann, vor allem in Arizona, Connecticut, New York, Missouri und New Jersey. Die Splits in den Wählerschaften der beiden Kandidaten verlaufen also in erster Linie zwischen schwarz und weiß (racial gap) sowie zwischen männlich und weiblich (gender gap). Der deutlichste aller Gräben tut sich aber zwischen Wählern auf, die Wandel bevorzugen (Obama) und Wählern, die Erfahrung als wichtigste Eigenschaft eines Kandidaten betrachten (Clinton). REPUBLIKANER Auf Seiten der Republikaner ist der Kampf um die Kandidatur übersichtlicher. John McCain hat zwar unbeeindruckender abgeschnitten als angenommen. Es reichte aber, um sich als klarer Frontrunner der Partei zu etablieren. Die Überraschung des Abends war sicherlich das gute Abschneiden von Mike Huckabee. Mitt Romney schaffte es nicht, aus dem Vorwahlkampf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit McCain zu machen. John McCain profitierte am gestrigen Tag entscheidend davon, dass Mitt Romney und Mike Huckabee die konservativen Wähler der Partei aufsplitteten. Nur so waren seine Siege in Illinois, Missouri oder Oklahoma möglich. Stark zeigte sich McCain im Nordosten der USA, in einem Teil des Landes also, der viele moderate, konservative Republikaner und Independents beheimatet. Ähnliches gilt für Kalifornien, wo er nahezu alle Stimmbezirke für sich entschied. Bedenklich ist für McCain jedoch, dass er seinen Anteil bei sozialkonservativen Wählern nicht signifikant steigern konnte. Nicht nur die Eliten der Bewegung wie Rush Limbaugh, Ann Coulter oder James Dobson sind offen gegen ihn, sondern auch die konservative Basis will nicht so recht warm werden mit dem republikanischen Frontrunner. McCain punktete hingegen bei Wählern, die unzufrieden mit der Bush-Regierung sind, die dem Irak-Krieg kritisch gegenüber stehen und für die Charakterzüge der Kandidaten wichtiger sind als spezifische Themen. Kaum bemerkt worden ist bisher auch der Vorteil, den McCain bei weiblichen Wählern hat, den sog. „security moms“. Wie angesprochen teilten sich Mitt Romney und Mike Huckabee die Stimmen der konservativeren Wähler. Romney, der Siege in seiner Heimat Massachussetts und in einigen Staaten im Westen des Landes (Colorado, Montana, North Dakota, Utah) einfuhr, konnte keinen entscheidenden Rückenwind für seine Kampagne erzeugen. Vorteile hatte er lediglich bei konservativen Wählern in den Vororten der größeren Städte, deren Top-Thema illegale Einwanderung ist. Mike Huckabee eroberte hingegen einmal mehr die Herzen der religiösen, evangelikalen Wähler. So erklären sich seine Siege in Georgia, Alabama, Arkansas, West Virginia und Tennessee. Huckabee wird damit zum perfekten Vize-Präsidentschaftskandidaten für McCain.
Blogeintrag von Maik Bohne
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Super Tuesday: Die EntscheidungMittwoch, 6. Februar 2008Es bleibt weiter spannend, zumindest bei den Demokraten. Während Barack Obama in der vergangenen Nacht mehr Staaten gewonnen hat, konnte Hillary Clinton sowohl Kalifornien als auch New York für sich entscheiden - und hat damit mehr Delegierte auf ihrer Seite. Im Moment steht noch das Ergebnis aus New Mexico aus, das jedoch keine eindeutige Entscheidung über Sieger und Verlierer an diesem Super Tuesday herbeiführen wird. Wir schauen mit Spannung nach Texas und Ohio, wo am 4. März gewählt wird. Bei den Republikanern ist die Lage wesentlich eindeutiger: die meisten Staaten konnte hier John McCain gewinnen. Dennoch werden Mitt Romney und Mike Huckabee nicht aus dem Rennen aussteigen. Auch sie konnten einige Staaten für sich gewinnen. Einzelheiten hat die Washington Post. Eine genaue Analyse folgt im Laufe der nächsten Stunden an dieser Stelle.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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Spot-Schau: Kandidaten überziehen das Land mit TV-WerbungMontag, 4. Februar 2008
Auch wenn Dialogmarketing und Grassroots Campaigning immer wichtiger in Wahlkämpfen werden, so können die Kandidaten nicht ganz auf das Hintergrundrauschen verzichten, dass durch TV-Werbung erzeugt wird. Folgerichtig investieren Hillary Clinton, Barack Obama, John McCain und Mitt Romney Millionenbeträge, um sich den Vorwählern von ihrer besten Seite zu präsentieren.
Da die meisten Delegierten in den Vorwahlstaaten auf der Ebene der Kongresswahlkreise vergeben werden, wird das Schalten von TV-Werbung zum Mikromanagement. Die besten Media Buyer des Landes sind nun gefragt, strategisch anspruchsvolle Entscheidungen darüber zu treffen, in welchen Medienmärkten, auf welchen Kanälen und im Rahmen welcher TV-Shows Werbung geschaltet werden soll. Auf Seiten der Demokraten haben Clinton und Obama bisher 19 Millionen Dollar für TV-Werbung in den Super-Tuesday-Staaten ausgegeben. Obama ist in 21 von 22 Vorwahlstaaten aktiv, Clinton hingegen lediglich in 16. Die renommierte Campaign Media Analysis Group (CMAG), die mit aufwändigen Verfahren die Verbreitung von Kandidaten-Spots erfasst, teilte mit, dass Obama und Clinton durchschnittlich 1,3 Millionen Dollar pro Tag in TV-Werbung investieren. Hillary Clinton betont in ihrem neuesten Spot ihre politische Kompetenz und Erfahrung. Der Spot „Freefall“ spielt auf die drohende Wirtschaftskrise in den USA an. Clinton wird als erfahrene Kandidatin dargestellt, die in der Lage ist, für Amerika den rettenden ökonomischen Fallschirm zu ziehen. Obamas TV-Spot, den er während des Super Bowls in 14 ausgewählten TV-Märkten geschaltet hat, betont hingegen seine Botschaft der Hoffnung und des Optimismus. Der zentrale Slogan ist das schon legendär gewordene „Yes, We Can“. Obama wird inmitten einer begeisterten Menge gezeigt. Gezielt sind Frauen zu sehen, die in den Worten des jungen Senators zu schwelgen scheinen. Ein eindeutiger Versuch, weibliche Wähler anzusprechen. Die führenden republikanischen Kandidaten sind natürlich auch im TV zu sehen, allerdings haben sie bisher weitaus weniger Ressourcen für den Fernsehwahlkampf ausgegeben. John McCain hat bis dato nur 1 Million Dollar investiert. Auch Mitt Romney scheint das Geld nicht mehr so locker sitzen zu haben. Bis gestern hatte er lediglich TV-Spots im Wert von 2 Millionen Dollar geschaltet. Sicherlich wird sich diese Summe noch erhöhen, aber es zeigt, dass die Ressourcen der Republikaner knapp sind. Viele Geldgeber der Partei halten ihre Schatullen weiterhin geschlossen. In seinem neuesten Spot versucht John McCain, seine Glaubwürdigkeit bei den konservativen Wählern der Partei zu erhöhen. Er geriert sich als „True Conservative“, als Reagan-Bewunderer, Fiskalkonservativer und außenpolitischer Falke. Mitt Romney betont hingegen seine wirtschaftliche Kompetenz. Das Bild des erfahrenen Geschäftsmannes suggeriert den Wählern, dass Romney weiß, worauf es inmitten des Wirtschaftsabschwunges ankommt. Der Spot hat zudem einen klaren Anti-Washington-Ton. Romney geriert sich als Gegenstück zu Hillary Clinton (und John McCain), die er implizit als Insider des verhassten Washingtoner Establishments zu portraitieren versucht. Horse Race VI: Zeit für DuelleDonnerstag, 31. Januar 2008Das Kandidatenfeld im Vorwahlkampf der Republikaner und Demokraten war in den letzten Wochen so stabil wie die Aktienkurse an den Weltmärkten. Keine leichte Aufgabe, in diesem Tohuwabohu den Überblick zu behalten. Nach den Vorwahlen in Florida hat sich das Feld nun endlich gelichtet. Wir haben auf beiden Seiten handfeste Duelle, echte Zweikämpfe, Kandidat gegen Kandidat, eins gegen eins. Auch diese Woche wollen wir versuchen, Licht ins Dunkel des Vorwahlkampfes zu bringen. HILLARY vs. BARACK Unterstützung erfährt Obama auf seinem Weg von immer mehr demokratischen Politikern. Das Endorsement von Ted Kennedy hat hohe Wellen geschlagen. Der Altmeister des liberalen Amerika ließ sich nicht lumpen, Obama den Mantel des großen JFK überzustreifen. Wichtig sind aber auch Unterstützungsbekundungen von moderaten Demokraten wie Gouverneurin Janet Napolitano aus Arizona, Sen. Claire McCaskill aus Missouri, Sen. Ben Nelson aus Nebraska und Sen. John Kerry aus Massachussetts. Diese Politiker haben ein nicht zu unterschätzendes Gewicht in ihren jeweiligen Bundesstaaten. Am Super Tuesday wird sich Obama a) auf Staaten konzentrieren, die einen hohen Anteil an schwarzen Vorwählern aufweisen (Georgia, Tennessee und Alabama). Zudem fokussiert er sich b) auf Staaten mit Caucus-Systemen (Colorado, New Mexico, Minnesota, Kansas, North Dakota). Bei diesem Verfahren kann er sich gezielter auf seine gut mobilisierten Truppen von Freiwilligen und Sympathisanten verlassen. Und c) wird er die großen Staaten wie Kalifornien, Missouri, New York und seinen Heimatstaat Illinois nicht aus den Augen verlieren. Trotz der harten Konkurrenz von Barack Obama hält Hillary Clinton die Karten weiter in der Hand. Im Gegensatz zu Obama setzt sie voll auf die Mobilisierung der alten demokratischen Wählerkoalition (Frauen, Mittelschicht, Arbeiter, Minoritäten, weniger Gebildete, U-50). Ihre Botschaft an diese Gruppen: In Zeiten einer drohenden Wirtschaftskrise wollt ihr Taten und Ergebnisse, keine schönen Worte und leeren Versprechungen. Wie in ihrem neuesten Wahlkampfspot in Kalifornien zu sehen, geriert sie sich als erfahrene Kandidatin, auf die die Menschen in Krisenzeiten vertrauen können. In Umfragen liegt sie in den wichtigsten Super-Tuesday-Staaten unangefochten vorn. Natürlich sollte man nicht zu viel auf das Gerede von Meinungsforschern geben, aber die Zahlen sind doch ein eindeutiger Indikator dafür, dass sie den Großwahltag am 5. Februar erfolgreicher als Obama beenden könnte. Hillary wird sich vor allem auf die großen Staaten Kalifornien, Missouri, Tennessee und ihre Heimatterritorien New York, New Jersey, Massachusssetts, Connecticut und Arkansas konzentrieren. JOHN vs. MITT Auch bei den Republikanern läuft alles auf ein Duell hinaus. Mike Huckabee ist zwar noch im Rennen, aber er wird es schwer haben, in den nächsten Wochen von Medien und Wählern wahrgenommen zu werden. Zur Zeit liegt er lediglich in Georgia vorne, einem Staat mit vielen sozialkonservativen Republikanern. Bei dieser transzendental wählenden Klientel wird Huck auch weiterhin Erfolg haben, aber das Rennen um die Nominierung kann er so gut wie abhaken. Also auf in das Duell McCain gegen Romney! Wie sich in Florida und während der letzten TV-Debatte in der Reagan Library in Kalifornien andeutete, fahren beide Kandidaten schwere Geschütze auf. McCain attackiert Romney aus allen Rohren. Er bezeichnet ihn wahlweise als Umfaller, Flip-Flopper, Steuernerhöher oder als unerfahrenen Außenpolitiker. Romney schlägt zurück mit Attacken auf McCains vermeintlich liberale Positionen zu konservativen Herz- und Magenthemen wie Steuersenkungen und Einwanderungspolitik. John McCain hat den Rückenwind jedoch eindeutig auf seiner Seite, sein Wahlkampfmanager Rick Davis bezeichnet ihn schon als den republikanischen De-Facto-Kandidaten. Immer mehr Politiker werden in den nächsten Tagen Endorsements für den Senator aus Arizona abgeben. Christ, Giuliani und Schwarzenegger waren da erst der Anfang. Dennoch hat McCains Kampagne weiterhin ein Problem, das nicht geleugnet werden sollte. Staaten wie Kalifornien, New York und Illinois sind geschlossene Vorwahlstaaten, in denen lediglich republikanische Stammwähler an die Urnen gehen dürfen. Hier könnte Mitt Romney einen Vorteil haben, da er die konservativere Wählerklientel an sich bindet. Romney bleibt also im Rennen, er wird in den nächsten Tagen immer mehr zum Anti-McCain-Kandidaten aufsteigen. Fraglich ist jedoch, ob er in der Lage ist, das Momentum des Mac zu stoppen. Romney besitzt aber einige Vorteile. Erstens kann er sich in Zeiten einer drohenden Wirtschaftskrise als Wirtschaftsfachmann stilisieren. Zweitens hat er unerschöpfliche private Geldquellen, die er in den Vorwahlkampf pumpen kann. Drittens wird Romney nichts unversucht lassen, um McCain als Teil des verhassten Washingtoner Establishments darzustellen. Problem ist aber, dass der Ex-Gouverneur weiterhin als Flip-Flop-Kandidat gilt, der wenig Authenzität versprüht, dafür aber eine Menge Kalkül und Plastik. Ein klarer Kontrast zu McCain. Mitt Romney wird sich am Super Tuesday auf die Staaten im Westen und im Nordosten fokussieren. Ob das allerdings reicht, ist fraglich. Die Umfragen in den meisten Vorwahlstaaten verheißen nichts Gutes für ihn. Interessanterweise kann das Rennen auf Seiten der Republikaner früher beendet sein als bei den Demokraten. McCain hat gute Chancen, sich am Wahlabend des Super Tuesday als faktischer Kandidat der Grand Old Party (GOP) küren zu lassen. Erstaunlich. Das Kandidatenfeld der GOP galt lange als das instabilere und fluidere. Bei den Demokraten deutet hingegen alles auf einen Zweikampf hin, der über den Super Dienstag hinausgeht.
Blogeintrag von Maik Bohne
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Abschied und AufbruchDonnerstag, 31. Januar 2008
Gestern war ein Tag des Abschieds und des Aufbruchs im Rennen um die Präsidentschaftskandidaturen. Rudy Giuliani und John Edwards beendeten ihre Kampagne. Sie machten Platz für die Frontrunner in ihren jeweiligen Parteien, die sich am Super Tuesday duellieren werden. Alle Augen richten sich nun auf die Zweikämpfe Clinton-Obama und McCain-Romney.
Giuliani nutzte seine Abschiedsrede, um John McCain seine Unterstützung auszusprechen. Über den Effekt eines solchen Endorsement wird eifrig spekuliert. Gepaart mit der Unterstützung von Kaliforniens Gubernator Arnold Schwarzenegger wird es McCain sicherlich bei den moderaten Wählern in der Republikanischen Partei helfen. Das Problem McCains bleibt es jedoch, sozialkonservative Segmente zu erreichen. Dabei können ihm Giuliani und Schwarzenegger wenig helfen. Rudy Giulianis Unterstützerrede für John McCain: John Edwards beendete seine Kampagne dort, wo sie begonnen hatte: Im Ninth Ward von New Orleans. Noch einmal bekam er eine nationale Bühne, um das Thema seines Wahlkampfes anzusprechen: Armut in Amerika. Edwards führte insgesamt eine couragierte Kampagne, die aber kaum durch die mediale Mauer dringen konnte, die sich um das Duell Clinton-Obama aufgebaut hatte. Auch im Fall Edwards spekuliert die amerikanische Journalistenschar fleißig, welchem Kandidaten sein Ausstieg nutzen könnte. Öffentlich unterstützen wird John Edwards zumindest keinen der beiden demokratischen Frontrunner. Das machte er gestern deutlich. John Edwards` Abschied:
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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11:23
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Florida: Ein republikanischer Fingerzeig gen Super Tuesday?Mittwoch, 30. Januar 2008John McCain heißt der strahlende Sieger der Vorwahlen in Florida. Mit 36% der Stimmen konnte er sich gegen seinen ärgsten Herausforderer Mitt Romney (31,1%) durchsetzen. Rudy Giuliani landete mit 14,6% abgeschlagen auf dem dritten Platz. John McCain hat mit diesem wichtigen Sieg seinen Status als Frontrunner der Republikaner untermauert. Er geht definitiv als aussichtsreichster Kandidat in den Super Tuesday, an dem in 22 Bundesstaaten Vorwahlen abgehalten werden. Nachwahlbefragungen zeigen, dass McCains Sieg vor allem auf moderaten republikanischen Vorwählern basierte, von denen viele unzufrieden mit der Bush-Regierung sind. Mitt Romney konnte hingegen das konservative Segment der Partei für sich gewinnen, mit 13 Prozentpunkten Vorsprung. McCain sahen die Wähler jedoch mehrheitlich als den wählbarsten Kandidaten im November und als besseren Commander-in-Chief. Einflussreich schien auch das Endorsement von Gouverneur Charlie Christ gewesen zu sein, das er kurz vor der Wahl für McCain abgegeben hatte. 4 von 10 Wählern gaben an, dass diese Unterstützungsbekundung sehr wichtig für ihre Wahlentscheidung gewesen sei. Erstaunlicherweise gewann McCain auch die Mehrheit der Wähler, die Wirtschaft und Arbeit als ihre Top-Themen bezeichneten. Um dieses Wählersegment hatte Romney massiv geworben, indem er sich als erfahrener Wirtschaftsfachmann gerierte. Eindeutiger Verlierer des Abends war hingegen Rudy Giuliani. Seine Strategie des Aussitzens der frühen Vorwahlen, ob aus der Not heraus geboren oder kühn geplant, ging nicht auf. Dies bestätigt einmal mehr die entscheidende Bedeutung der ersten Abstimmungen in Iowa, New Hampshire und South Carolina. ABC News berichtet derweil, dass Rudy Giuliani heute noch ein offizielles Endorsement für John McCain abgeben wird. Das undurchsichtige Kandidatenfeld bei den Republikanern hat sich mit dieser Wahl gelichtet. Rudy ist raus, Huckabee hat kaum Chancen. Es geht nun um einen Zweikampf zwischen John McCain und Mitt Romney. Romney hat bereits angekündigt, keine Ressourcen zu schonen, um die Kandidatur für sich zu entscheiden. Will heißen: Er wird eine große Summe seines privaten Vermögens in die Hand nehmen, um nahezu alle Super-Tuesday-Vorwahlstaaten mit TV-Spots und Direct Mailings zu überziehen. Das Geld nicht alles ist, zeigt aber das Beispiel Florida. Romney hat hier 10mal mehr TV-Spots geschaltet als McCain. Bei den Demokraten gewann Hillary Clinton mit 49,7% vor Barack Obama (33%) und John Edwards (14,4%). Ihr Sieg war jedoch rein symbolisch. Delegierte wurden auf Seiten der Demokraten nicht vergeben, da sich der Staat Florida entschieden hatte, die Vorwahlen auf einen früheren Zeitpunkt als geplant vorzuverlegen. Das Democratic National Committee hatte daraufhin die Wahl für nicht gültig erklärt. Alle demokratischen Kandidaten zeigten sich solidarisch und vermieden es, aktiv im Sunshine State Wahlkampf zu machen.
Blogeintrag von Maik Bohne
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Vorwahlen in South Carolina und Nevada: Eine NachleseMontag, 21. Januar 2008
Der Vorwahl-Wanderzirkus machte am Samstag in Nevada und South Carolina halt. In South Carolina siegte John McCain knapp vor Mike Huckabee, den Nevada Caucus konnte Hillary Clinton für sich entscheiden. Hier eine kurze Nachlese zu den Vorwahlen.
SOUTH CAROLINA John McCain hat Frieden mit South Carolina geschlossen. Acht Jahre nach seiner bitteren Niederlage gegen George W. Bush konnte er den Palmetto State nun für sich entscheiden. Den Ausschlag für seinen Sieg gaben Independents (also unabhängige Wähler). Sie machten zwar nur ein Fünftel der Wähler aus, bei ihnen hatte McCain jedoch einen Vorsprung von 17 Prozentpunkten. Dies reichte, um sich mit 33% der Gesamtstimmen gegen Mike Huckabee (30%) durchzusetzen. Auch bei Vorwählern, die sich als politisch moderat oder liberal bezeichneten, hatte der Senator aus Arizona einen erheblichen Vorsprung. In South Carolina trat jedoch ein altes Problem McCains zu Tage: Er ist nicht in der Lage, die Stammwähler der Partei entscheidend für sich mobilisieren. Sieben von zehn Vorwählern in South Carolina bezeichneten sich als konservativ. Diesen Block verlor McCain gegen Mike Huckabee mit 35% zu 29%. Auch die offiziell als Republikaner registrierten Wähler verlor er mit einem Prozentpunkt gegenüber Huckabee. Kein gutes Zeichen also für McCain in Richtung Florida. Der Sunshine State ist ein geschlossener Vorwahlstaat. Hier dürfen keine Independents an die Wahlurnen, sondern nur republikanische Stammwähler. John McCains Siegerrede: NEVADA Hillary Clinton ging offiziell als Siegerin aus dem Caucus in Nevada hervor. Sie konnte eine knappe Mehrheit von 50,7% der Stimmen auf sich vereinen. Barack Obama gewann 45,2% der Caucus-Gänger für sich. John Edwards landete abgeschlagen auf dem dritten Platz mit 4%. Clintons Sieg basierte vor allem auf Delegiertenstimmen aus Clark County, dem größten Bezirk Nevadas, der auch die Millionenstadt Las Vegas beheimatet. Es zeigte sich, dass das Endorsement der in Nevada äußerst einflussreichen Culinary Workers Union (Gaststättengewerkschaft) für Obama wenig Effekt hatte. Barack Obama gewann vor allem die ländlicheren Wahlkreise im Norden und Nordwesten des Staates. Da die Delegiertenanteile in diesen Gegenden stärker gewichtet wurden als die im bevölkerungsreichen Clark County, konnte Obama sogar insgesamt mehr Delegiertenstimmen (13) auf sich vereinigen als Hillary Clinton (12). Wichtiger als die Delegiertenzahlen ist für Hillary jedoch, dass ihr gutes Abschneiden nicht nur auf weiblichen Wählern basierte, sondern auch auf Hispanics, von denen sich zwei Drittel für die New Yorker Senatorin aussprachen. Dieser Wählerblock kann entscheidend in Staaten wie Kalifornien, Texas oder Arizona sein. Obama entschied hingegen 80% der schwarzen Caucus-Gänger für sich. Ein gutes Signal in Richtung South Carolina, an dessen demokratischer Primary sich bis zu 60% Afro-Amerikaner beteiligen könnten. Hillary Clintons Siegerrede: Bei den Republikanern gewann, wie erwartet, Mitt Romney (51,7%). Ron Paul gelang ein überraschender zweiter Platz mit 13,7% der Stimmen. Seine Botschaft der individuellen Freiheit und des außenpolitischen Isolationismus machte Eindruck bei libertären Wählern im Südwesten des Landes.
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Horse Race: das wöchentliche Kandidaten-Ranking IIFreitag, 18. Januar 2008
Der Vorwahlkampf geht in seine entscheidende Phase. In Nevada und South Carolina finden am Samstag die nächsten Abstimmungen statt, am Horizont tauchen aber schon Florida (29. Januar) und der Super Tuesday (5. Februar) auf. Die Kriegskassen der Top-Kandidaten sind gut gefüllt, die Teams sind bereit für einen semi-nationalen Vorwahlkampf. Bei den Demokraten hat sich das Rennen endgültig auf Hillary Clinton und Barack Obama zugespitzt. Auf Seiten der Republikaner haben aufgrund des Sieges von Mitt Romney in Michigan weiterhin vier Kandidaten Chancen auf die Kandidatur. Anlass genug für unser wöchentliches Kandidaten-Ranking:
DEMOKRATEN 1.) HILLARY CLINTONObwohl Hillary Clinton und Barack Obama vorerst Frieden geschlossen haben, zeigten die Kontroversen der letzten Tage doch eindeutig einen Strategiewandel der Clinton-Kampagne. Hillary geht in die Offensive, sie hat die Samthandschuhe abgelegt. Grundtenor ihres Wahlkampfes ist es, vehementer als zuvor Kontraste zwischen ihr und Obama aufzuzeigen. In Zeiten eines drohenden Wirtschaftsabschwunges präsentiert sich Hillary Clinton als erfahrene, sachpolitisch versierte Arbeiterin für die breite Mittelschicht. Obama versucht sie hingegen das Jimmy-Carter-Image eines eloquenten Idealisten anzuheften, der zwar Energie und Aufbruchsstimmung verbreitet, aber der in letzter Konsequenz nicht die Erfahrung und Führungsstärke hat, Amerika als Präsident zu führen. Zunehmend stellt Clinton auch Obamas Lebens- und Politikergeschichte in Frage, die er bisher so intelligent in seine Kampagnenbotschaft eingeflochten hatte. Hillary Clinton hat es sicherlich geschafft, den Kampagnendiskurs auf die Themen Substanz und Erfahrung auszurichten. Sie geht mit dieser kontrollierten Offensive aber auch ein Risiko ein. Hillary könnte schnell wieder in die Zeiten zurückfallen, in denen sie als zu berechnend, zu kühl und zu negativ wahrgenommen worden war. Das Betonen von Erfahrung und politischer Bilanz ist zudem vergangenheitsorientiert, Wähler stimmen jedoch über die Zukunft ab. Insgesamt liegt Hillary Clinton aber in den jüngsten Umfragen erstaunlich weit vorne in Florida, Kalifornien und New York (letzte Woche: Rang 1) 1.) BARACK OBAMADer Wahlkampf des jungen Senators aus Illinois ist weiterhin beeindruckend. Selten hat es eine Kampagne gegeben, bei der Botschaft und Kandidat so gut zusammengepasst haben wie bei Obama. Die Massen strömen zu seinen Veranstaltungen, seine Kampagne hat bereits über 500,000 registrierte Spender (!). Obama besetzt das Thema Wandel mit Eloquenz, Verve, Charisma und Simplizität. Wandel ist ein uramerikanischer Wert, die Gesellschaft gründet sich geradezu auf Veränderung, Neuerfindung und Optimismus. Allerdings ist der Begriff Wandel ein sehr diffuses Etwas und hier fangen die Probleme Obamas an. Seine Kampagne fußt auf einem sehr wolkigen Narrativ, den Obama bisher wenig mit inhaltlicher Substanz geerdet hat. Genau auf diesen Punkt zielt Hillary Clinton ab. Obama ist zudem taktisch unflexibel. Da er einen strikt positiven Wahlkampf führen möchte, bietet sich ihm die Option Attacke nur sehr eingeschränkt. Er könnte damit in die Defensive gedrängt werden, Reaktion statt Aktion sozusagen. Dennoch bietet Obama den Wählern einen Pfad in die Zukunft an. Seine Kampagne ist, wie alle guten Präsidentschaftswahlkämpfe, nach vorne gewandt. Das ist ein Plus (letzte Woche: Rang 2). 3.) JOHN EDWARDS Wenn Zwei sich streiten, freut sich ja gerne der Dritte. Bei John Edwards ist dies zur Zeit sicher nicht der Fall. Edwards prallt mit seiner ökonomisch-populistischen Botschaft vollkommen an der medialen Mauer ab, die sich um das Duell Obama-Clinton aufgebaut hat. Ironischerweise ist seine Botschaft am Vorabend einer Rezession aber aktueller denn je. Ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig Personen und mediale Inszenierung in einem solchen Horse Race sind. Es geht erst in zweiter oder dritter Linie um Themen und politische Lösungsansätze. (letzte Woche: Rang 3) REPUBLIKANER 1.) JOHN MCCAIN Trotz seiner Niederlage in Michigan bleibt John McCain in unserem Ranking auf Platz eins. In einem äußerst diffusen und fragmentierten Kandidatenfeld hat der Senator aus Arizona immer noch die besten Chancen, eine Mehrheit von republikanischenVorwählern hinter sich zu bringen. Siege in South Carolina und Florida sind möglich. Wenn ihm dies gelingen sollte, dann geht er als Favorit in den Super Tuesday. McCain ist sicher nicht der republikanische Kandidat der Herzen, aber einer der wenigen, die die aufbrechende Wählerkoalition von Fiskalkonservativen, Sozialkonservativen und Nationalkonservativen zusammenhalten kann. Problem für McCain ist jedoch, dass er aufgrund seines Alters und seiner langen Jahre im Kongress schlechter als viele andere Kandidaten den von den Wählern beider Seiten eingeforderten Wandel verkörpern kann. (letzte Woche: Rang 1). 2.) MITT ROMNEY Der Aufsteiger der Woche. Sein Sieg in Michigan war sicherlich keine allzu große Überraschung. Wichtiger als der Erfolg in seinem Heimatstaat wiegt jedoch, dass Mitt Romney die richtige Botschaft für seine Kampagne gefunden zu haben scheint. Er setzt zunehmend auf zwei Dinge: Wirtschaftskompetenz und Anti-Washington-Rhetorik. In Zeiten zunehmender ökonomischer Unsicherheit hilft Romney sein Image als Wirtschaftsfachmann. Folgerichtig lautet seine Botschaft: Ich kämpfe für jeden einzelnen Job in Amerika! Als Ex-Gouverneur von Massachussetts hat Romney zudem die Möglichkeit, gegen das verhasste Washington Wahlkampf zu machen. Washington steht für Bürokratisierung, Abgehobenheit und Korruption. Ein äußerst beliebtes Wahlkampfspiel in den USA, mit dem er implizit auch John McCain angreift (s. oben). Unverständlich ist allerdings die Entscheidung, sich nicht auf South Carolina zu fokussieren, sondern den Wahlkampf nach Nevada zu verlegen. South Carolina hat Symbolkraft. Seit 1980 hat sich auf Seiten der Republikaner immer derjenige Kandidat durchgesetzt, der South Carolina gewann. Wir dürfen gespannt sein. (letzte Woche: Rang 4) 3.) RUDY GIULIANI Rudy hat all seine Ressourcen nach Florida verlegt. Es war eine gewagte Strategie von ihm, die ersten Vorwahlen auszusitzen. Aber das diffuse Kandidatenfeld spielt Giuliani in die Hände. Noch hat sich kein klarer Frontrunner etabliert, auch in Florida ist noch alles möglich und alles offen. Allerdings ist sein Absturz in den Umfragen nicht mehr zu vertuschen. Sowohl auf nationaler Ebene als auch in Florida musste er die Führung an John McCain abgeben. Giuliani sendet zur Zeit Wahlwerbespots im Sunshine State, in denen er genau das anspricht, was wir schon letzte Woche angedeutet hatten. Seine Botschaft ist: Ich habe Euch Zeit gegeben, die anderen Kandidaten zu testen. Nun übernehme ich das Ruder! Wir sind gespannt, ob es funktioniert. (letzte Woche: Rang 2) 4.) MIKE HUCKABEE Mike Huckabee hat eindeutig Schwächen, seine Basis über die evangelikalen Christen hinaus zu vergrößern. South Carolina, in dem die sozialkonservativsten Wähler des Landes beheimatet sind, wird ihm sicher wohl gesonnen sein. Aber wir melden große Zweifel an, ob Huckabee in den großen Staaten außerhalb des Südens wettbewerbsfähig ist. Die Kandidatur des Prediger-Gouverneurs scheint sinnbildlich für ein letztes politisches Aufbäumen der sozialkonservativen Basis zu sein. Ihren Machtanspruch innerhalb der Republikanischen Partei scheinen sie aber langfristig zu verlieren. (letzte Woche: Rang 2)
Blogeintrag von Maik Bohne
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14:26
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Ratlose RepublikanerMittwoch, 16. Januar 2008
Mitt Romney hat seiner Kampagne mit einem deutlichen Sieg in Michigan Rückenwind verschafft. Er siegte mit 38,9% der Stimmen vor John McCain, der 29,7% der Wähler auf sich vereinigen konnte. Mike Huckabee erhielt 16,1%. Das Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur ist damit noch unübersichtlicher und offener geworden. In den ersten drei wichtigen Vorwahlstaaten gab es drei verschiedene Sieger. John Martin von Politico.com sieht den Vorwahlkampf der Grand Old Party (GOP) deshalb sogar schon ins Chaos abgleiten. Auch wenn eine solche Aussage übertrieben ist, zeigen die Ergebnisse aber, dass keiner der Kandidaten die verschiedenen Wählergruppen der Republikaner (Fiskalkonservative, Sozialkonservative, Nationalkonservative) bisher entscheidend hinter sich vereinigen konnte. Der Mantel des republikanischen Großmeisters Ronald Reagan wartet weiter darauf, von einem Nachfolger übergestreift zu werden.
Die Nachwahlbefragungen zeigen deutlich, warum Mitt Romney seinen alten Heimatstaat gewonnen hat. 55% der Vorwähler gaben an, dass Wirtschaft ihr Top-Thema gewesen sei. Mitt Romney gewann dieses Wählersegment überdurchschnittlich. Dazu passt, dass seine Hochburgen im Osten des Landes, vor allem in den Krisen geschüttelten Industrieregionen in und um Detroit lagen. Seine optimistische Botschaft der wirtschaftlichen Erneuerung Michigans, untermauert durch sein Image des Wirtschaftsfachmannes, scheint sich bei diesen Wählern durchgesetzt zu haben. Erstaunlich ist auch, dass John McCain sein Momentum aus New Hampshire nicht auf Michigan übertragen konnte. Bei den Wählern, die sich erst in den letzten drei Tagen für einen Kandidaten entschieden hatten (immerhin 32%), lag Mitt Romney deutlich vorne. McCain schaffte es zudem nicht, genügend Independents (als unabhängig registrierte Wähler) für sich zu mobilisieren. Sie machten lediglich 25% der Vorwählerschaft aus, über zwei Drittel der Wähler waren republikanische Stammwähler. Für die Demokraten war die Vorwahl hingegen nur ein Schönheitswettbewerb. Das Democratic National Committee hatte sich schon im Vorfeld entschieden, die Delegierten aus Michigan nicht auf dem Parteitag im August zuzulassen, da der Wolverine State die Vorwahl eigenmächtig auf ein früheres Datum als ursprünglich abgesprochen vorgezogen hatte. Keiner der demokratischen Kandidaten machte deshalb aktiv in Michigan Wahlkampf. Von den großen Drei stand überhaupt nur Hillary Clinton auf dem Wahlzettel. Sie gewann den Wettbewerb folgerichtig auch mit 55,4% der Stimmen. Romney und McCain in MichiganDienstag, 15. Januar 2008
Heute halten die Republikaner ihre Vorwahl in Michigan ab. Das Rennen hat sich zu einem Zweikampf zwischen John McCain und Mitt Romney entwickelt, die letzten Umfragen konnten keinen klaren Frontrunner ermitteln.
John McCain möchte seinen Rückenwind aus New Hampshire nutzen. Wie sein neuester Wahlkampfspot zeigt, betont er vor allem seine Erfahrung und seine politische Standfestigkeit. Unterstützt wird McCain dabei durch wichtige lokale Zeitungen, die für ihn kürzlich eine Wahlempfehlung aussprachen. Sein Image als Mann der klaren Worte könnte McCain allerdings gefährlich werden. Wählern im vom Wirtschaftsabschwung besonders betroffenen Michigan teilte der Senator aus Arizona erst kürzlich mit, dass sie ihre alten Industriejobs nicht mehr zurückbekommen würden. Wähler wollen ehrliche Antworten, allerdings könnte diese Wahrheit zu schonungslos für Menschen sein, die sich vor einer Rezession in den USA fürchten. Anders Mitt Romney. Er setzt in Michigan auf drei Dinge. Erstens betont er seine Erfahrung als Wirtschaftsfachmann und macht Hoffnung auf einen Wiederaufstieg der Autoindustrie in und um Detroit. Zweitens betont er seine lokalen Wurzeln im Great Lake State. Romney wurde hier geboren, sein Vater regierte den Bundesstaat lange Jahre als Gouverneur. Drittens versucht er sich von McCain abzuheben, indem er tief in die Trickkiste amerikanischer Wahlkampfstrategien greift. Romney geriert sich zunehmend als Außenseiter, der Washington radikal verändern will. McCain, der seit über 26 Jahren im Kongress sitzt, brandmarkt er damit implizit als typischen Politiker, der zu viele Jahre in der Bundeshauptstadt verbracht und dabei den Kontakt zu den Menschen im Land verloren hat. Man darf gespannt sein, wer sich in Michigan durchsetzt. Für Mitt Romney ist es die vermeintlich letzte Chance, seiner Kampagne die nötige Glaubwürdigkeit und Vitalität zu geben, die er vor den entscheidenden Vorwahlen in South Carolina, Florida und am Super Tuesday so dringend braucht. Horse Race: Das wöchentliche Kandidaten-RankingFreitag, 11. Januar 2008
Mit den Siegen von Hillary Clinton und John McCain in New Hampshire ist das Rennen um die Kandidaturen in beiden Parteien wieder völlig offen. Der republikanische Wanderzirkus zieht weiter nach Michigan. Für die demokratischen Kandidaten heißt es kurz durchzuatmen, bevor sie ihren Fokus voll auf Nevada und South Carolina richten. Amerikaner lieben Wettbewerb, doch dieses Tempo von Sieg und Niederlage, von Licht und Schatten, von Auf und Ab ist auch für sie einzigartig. Die Chancen auf beiden Seiten des politischen Spektrums stehen gut, dass sich der Vorwahlkampf über den Super Duper Tuesday am 5. Februar hinaus erstrecken könnte. Wir wollen mit unserem Kandidaten-Ranking etwas Licht in das Dunkel der Nominierung bringen.
DEMOKRATEN 1.) HILLARY CLINTON Ein unglaubliches Comeback der Senatorin aus New York. Niemand, wirklich NIEMAND, hat mit einem Sieg in New Hampshire gerechnet. Er katapultiert sie wieder in die Führungsposition in unserem Ranking. Während das Land noch über die Präzision der Meinungsforschungsinstitute diskutiert, wird im Clinton-Lager an der Strategie für die kommenden Wochen gearbeitet. Aufschlussreich war hier Clintons Rede am Abend des Triumphs. Erstens betonte sie ein Thema, mit dem sie schon im Sommer und Herbst Wahlkampf gemacht hatte. Sie sprach davon, Menschen und ihre Probleme wieder sichtbarer zu machen nach acht Jahren elitärer Bush-Regierung. Sie präsentierte sich emotionaler als sonst, offener für die Probleme der Wähler (I want to put you first). Zweitens betonte sie ihre Rolle als erfahrene Kämpferin für Wandel. Das gibt die Richtung vor. Wandel ja, aber nur mit der nötigen Expertise und Erfahrung. Zukünftig wird sie Obamas Unerfahrenheit und blumige Rhetorik kontrastieren mit ihrem eigenen Lebenslauf. Dies wird sich auf die Frage zuspitzen, die Walter Mondale schon 1984 an seinen jungen, aufstrebenden demokratischen Herausforderer Gary Hart richtete: Where is the beef? Mondale hatte damit Erfolg, verlor jedoch den Hauptwahlkampf gegen Ronald Reagan. Mal sehen, wie es Hillary ergehen wird. 2.) BARACK OBAMA Obama hatte berechtigterweise damit gerechnet, sein Momentum aus Iowa mit nach New Hampshire zu nehmen. Das führte zu einer gewissen Selbstzufriedenheit, die sich schon darin äußerte, dass er seine Wahlkampfrhetorik nicht an die Menschen aus dem Granite State anpasste. Er blieb im Blumigen, im Narrativen, in der Poesie. Dies war den kritischen, bodenständigen New Hampsherites nicht genug. Aller Wahrscheinlichkeit nach muss er nun früher als gedacht die Ebene der großen Erzählung verlassen und in die Niederungen der Sachpolitik herabsteigen. Hier hat er allerdings Nachteile gegenüber der erfahrenen Hillary Clinton. Interessant war seine Rede am Wahlabend in New Hampshire. Er sprach zum ersten Mal von einer New American Majority. Dieser neue Slogan bringt seine künftige Strategie auf den Punkt: Er möchte eine neue post-politische Koalition aus Bildungsbürgern, jungen College-Studenten, Schwarzen, Independents und moderaten Republikanern schmieden, die ihn über die Vorwahlen ins Weiße Haus tragen soll. In den nächsten Vorwahlen in Nevada und South Carolina (offene Vorwahlen) hat er gute Chancen zu gewinnen, gerade auch mit dem endorsement von John Kerry. Danach geht es über Florida in den Super Tuesday, an dem die Hälfte der Staaten geschlossene Vorwahlen abhalten wird. Ein Nachteil für Obama, denn hier dürfen nur die treuen demokratischen Stammwähler an die Urnen, die mehrheitlich Hillary Clinton bevorzugen. 3.) JOHN EDWARDS Ein dritter Platz in New Hampshire leitete den Anfang vom Ende der Kandidatur des smart-populistischen John Edwards ein. Er hatte in den letzten Tagen ganz auf eine manichäische Rhetorik des Unten gegen Oben gesetzt. Armut war und ist sein Thema, das vergessene Amerika, das Amerika der Schwachen. Leider konnte Edwards mit diesem Anliegen nicht durch das mediale Tamtam um den Zweikampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton dringen. Nach zwei Anläufen auf das Präsidentenamt muss er sich nun wohl vom Traum verabschieden, noch einmal Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Spannend bleibt allerdings, wann er aus dem Rennen aussteigen und welchem Kandidaten er seine Unterstützung zukommen lassen wird. Wir tippen auf Obama. REPUBLIKANER 1.) JOHN MCCAIN John McCain ist mit 71 Jahren etwas zu alt, um das Comeback Kid des Vorwahlkampfes zu sein. New Hampshire hat seiner Kampagne aber einmal mehr die nötige Vitalität eingehaucht. Menschen hier schätzen das, was McCain zu seinem Slogan gemacht hat: Straight Talk. Der Senator aus Arizona steht für Aufrichtigkeit, Unabhängigkeit und Erfahrung. Attribute, die im Nordosten der USA bei vielen Republikanern und Independents gut ankommen. Mit einem Erfolg in Michigan und einem zweiten Platz in South Carolina hat er gute Chancen, einen Sieg Rudy Giulianis in Florida zu verhindern und als Favorit in den Super Tuesday zu gehen. John McCain hat jedoch zu vielen Teilen der Partei, euphemistisch ausgedrückt, ein durchwachsenes Verhältnis. Seine Unterstützung für eine Reform der Einwanderung, das Nein gegen Bushs Steuerkürzungen oder das vehemente Einstehen für eine umfassende Wahlkampffinanzierungsreform nährten zwar sein Image des Maverick (Einzelgänger), verleideten es ihm aber mit bedeutenden republikanischen Meinungsführern wie Grover Norquist oder Tony Perkins. Trotz allem ist John McCain der Kandidat, der für alle Lager der Partei am akzeptabelsten ist. 2.) MIKE HUCKABEE Mike Huckabee hatte New Hampshire schon vor der Wahl abgeschrieben. Das Ergebnis zeigte dennoch, dass er seine Wählerbasis bisher kaum über seinen evangelikalen Unterstützerkreis hinaus ausweiten konnte. In Michigan und South Carolina hat er dennoch gute Chancen, Siege einzufahren. Michigan hat eine nicht unerhebliche Anzahl von religiösen Wählern, die vor allem im ländlichen Westen des Staates wohnen. South Carolina war der erste Bundesstaat, in dem Huckabee eine Organisation aufgebaut hatte. Hier ist er erstaunlich gut aufgestellt. Alles wird davon abhängen, ob er am Super Tuesday Staaten außerhalb des Südens gewinnen kann. Falls nicht, sieht es schlecht für den Baptisten-Gouverneur aus Arkansas aus. 2.) RUDY GIULIANI Je diffuser sich das Feld am Vorabend der Wahl in Florida zeigt, desto besser für den Hizzoner (‚His Honor‘ – Bürgermeister). Seine Strategie des Aussitzens der ersten Vorwahlen ist unorthodox und gefährlich, könnte aber zum Erfolg führen. Mit einem Sieg im Sunshine State könnte sich Giuliani als Retter der republikanischen Partei darstellen, nach dem Motto: Ich habe euch Zeit gegeben, die anderen Kandidaten zu testen. Nun übernehme ich wieder das Ruder! Dies würde Rudy den nötigen Rückenwind für den Super Tuesday geben. In Umfragen liegt er in Florida weiter vorne. 4.) MITT ROMNEY Mitt Romneys Strategie war auf den Gewinn der beiden ersten Vorwahlstaaten ausgelegt. Das Ergebnis: 0-2. Im Romney´schen Jargon heißt das: Zwei Mal Silber. Mitt Romney hat bisher eine perfekte Kampagne geführt. Sein Team ist exzellent, sein Auftreten präsidentiell. Die Idee, als Gouverneur des liberalsten Staates des Landes um das konservativste Wählersegment der Partei zu werben, war jedoch zu aberwitzig. Romneys Geld konnte seinen Wankelmut auf nahezu allen Politikfeldern nicht überdecken. Authenzität und Glaubwürdigkeit sind entscheidende Parameter für Wähler. Mitt Romneys einzige Chance ist ein überzeugender Sieg in Michigan. Wir glauben aber nicht, dass der Staat, in dem er geboren wurde und in dem sein Vater als Gouverneur wirkte, ihm diesen Gefallen tun wird. |