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Fazit ’08: Video, Video, VideoMittwoch, 26. November 2008
Video war das absolute Wahlkampf-Highlight in der Obama-Kampagne.
Es wird in diesen Tagen viel darüber gesprochen, was den Erfolg seiner Kampagne ausgemacht hat. Auf einen Punkt lässt sich das Erfolgskonzept nicht herunter brechen, aber ein Tool sticht schon jetzt als das am meisten genutzte heraus: Online-Videos. Die Videos der beiden Präsidentschaftskandidaten verzeichnen 2008 insgesamt 1,45 Milliarden Views. Barack Obama, der seinen eigenen YouTube-Kanal hatte, veröffentlichte dort über 800 Videos, die täglich 80-100 Millionen Views hatten. Im Vergleich zu Fernseh-Spots bieten sie den Vorteil, dass sie nicht nur kostengünstiger sind, sondern auch durch die Möglichkeit des Weiterleitens an Freunde einen enormen viralen Effekt haben. Ein Paradebeispiel dafür ist Barack Obamas Rede über das Verhältnis zwischen Afro-Amerikanern und Weißen, die er im März 2008 in Philadelphia hielt. Das Video hatte im Internet 9 Millionen Zuschauer, während die Rede im Fernsehen von nur 4 Millionen Menschen verfolgt wurde. Bemerkenswert ist, dass ein "View" nur gezählt wird, wenn das Video komplett angesehen wurde, Obamas Rede dauerte 38 Minuten! Hier zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Das Fernsehen als unangefochtenes Leitmedium für politische Information wird in Zukunft vom Internet abgelöst oder zumindest eingeholt. Ein neues Genre des politischen Videos hat sich in diesem Wahlkampf auf dem Gebiet der viralen Videos außerhalb der offiziellen Kampagne etabliert. Mit „Vote Different“ hat Philip de Vellis im März 2007 das erste privat produzierte Video mit massenmedialer Aufmerksamkeit generiert. Er hat es an einem Sonntagnachmittag zu Hause an seinem Computer entworfen und an zwei Blogger geschickt, kurze Zeit später erreichte es 5 Millionen Views und redaktionelle Beiträge in allen Zeitung. Eine noch größere Öffentlichkeit erfuhren seine Nachfolger Obama Girl (12 Mio.), Yes We Can (14 Mio.), und mit 21 Millionen Views unangefochten das von MoveOn verbreitete Video "Obama's Loss Traced To ..." Wie die YouTube-Videos zu einem Massenphänomen werden, erforschte Riley Crane am Departement für Management, Technologie und Ökonomie (D-MTEC) der ETH Zürich in einer aktuellen Studie. Schlussspurt in VirginiaMontag, 3. November 2008
Die letzten 48 Stunden dieses nicht enden wollenden Wahlkampfes wollen richtig genutzt sein. Deshalb geht es ab in den Flieger, um diese historische Wahl vor Ort in Washington, DC live und in Farbe mitzuerleben.
Amerika ist im Wahlfieber, das merkt man sofort. Kein anderes Thema scheint die Menschen hier stärker zu bewegen. Im Frühstücksfernsehen wird sogar offen über Entzugserscheinungen nach dem Ende der 20-monatigen Wahlperiode gesprochen. Manch einer der politischen Junkies fürchtet sich hier bereits vor dem Cold Turkey nach dem 4. November. Verrückt. Selbst die Finanz- und Wirtschaftskrise gerät für einige kurze Momente in Vergessenheit. Im Fernsehen laufen die Spots rauf und runter. Obama dominiert hier im Norden von Virginia die Werbephasen, teilweise mit zweiminütigen Mega-Beiträgen. Aber auch John McCain und das Republican National Committee sind “on air”, zumeist mit Negativinformationen über ihren demokratischen Gegenkandidaten. Massive Zweifel werden an Obamas Mainstream-Image und an seiner Eignung als Commander-in-Chief gehegt.
Mit diesem medialen Hintergrundrauschen im Kopf geht es in den elektoralen Nahkampf. Hausbesuche, das sog. door-to-door canvassing, steht für uns auf dem Programm. Als Deutscher hat man die üblichen Zweifel: “Man kann da doch nicht einfach vorbeigehen und mitmachen, so kurz vor der Wahl!” Das Canvassing ist beschwerlich. Cindy hatte bereits drei Besuche in den letzten vier Tagen und offensichtlich keine Lust mehr, mit uns zu sprechen. Pete ist nicht zu Hause. Er bekommt einen Anhänger an seine Türklinke, der ihn daran erinnert, am Dienstag die Herren Obama und Biden zu wählen. Anders sieht es bei Steve aus. Er schaut gerade College-Football, aber hat fünf Minuten Zeit, um mit uns über seine elektorale Zerrissenheit zu sprechen. McCain hält er für einen amerikanischen Helden. Er steht dem alten Kriegsveteranen kulturell deutlich näher als Obama, das spürt man. Andererseits ist da jedoch die Wirtschaftskrise, sein unsicherer Rentenfonds und das Schlamassel im Irak. Steve mag uns, wir verstehen uns auf Anhieb. Hier die deutschen Volunteers, dort der amerikanische Trucker, der hin- und hergerissen ist zwischen konservativem Wertemuster und linkem Sozialstaatsdenken. Am Ende des Gesprächs kreuzen wir hinter Steves Namen eine „2“ an. Er neigt zu Obama. Das ist ein Erfolg. So geht es den ganzen Nachmittag weiter, von Haus zu Haus, von Wähler zu Wähler. Jede Stimme zählt, gerade hier im Old Dominion, das auf dem Weg ist, nach 44 Jahren wieder an die Demokraten zu gehen. Obama not amusedMittwoch, 16. Juli 2008
Der New Yorker ist ein feines, kleines, liberales Wochenblatt mit intelligenten Artikeln und geistreichen Kommentaren. Seine Titelseiten sind berühmt, weil sie bissig und kontrastreich daherkommen. Nun scheinen die Macher des Blattes die Schraube der Satire etwas zu weit gedreht zu haben. Auf dem neuesten Titel sind Barack Obama und seine Frau Michelle zu sehen.
Der Präsidentschaftskandidat mit Turban, Sandalen und einem afrikanischen Gewand. Seine Gattin mit überdimensionalem Afro, Tarnrock und Maschinengewehr. Im Hintergrund verbrennt gerade die amerikanische Flagge im Kamin, darüber prangt das Bild von Osama Bin Laden. Alle Gerüchte und Klischees über Obama und seine Frau scheinen in diesem Bild eingefangen worden zu sein. Und genauso wollte es der Chefredakteur des New Yorker, David Remnick, haben. Die Illustration vom bekannten Cartoonisten Barry Blitt sollte über das Vehikel der Satire deutlich machen, mit welch unverschämten Lügen sich Obama auseinandersetzen muss. Die meisten dieser Lügen kommen nie an die Oberfläche der massenmedialen Verwertung, kreisen aber per Internet durch die konservativen Teile des Landes. Das Team Obama hat deshalb extra eine eigene Webseite FightTheSmears.com eingerichtet, um diesem Problem Herr zu werden. Obama fand das Titelbild deshalb gar nicht komisch. Seine Kampagne bezeichnete es als geschmacklos und abstoßend. Auch John McCain sprang seinem Herausforderer bei und zeigte Mitgefühl für Obama. In der Tat ist das Cover nicht ganz ohne. Wie die neueste Umfrage von New York Times und CBS News zeigt, ist das Land geistig weiterhin gespalten. Schwarze und Weiße haben nicht nur unterschiedliche Auffassungen über Chancen und Gerechtigkeit in den USA, sondern auch über die beiden Präsidentschaftskandidaten. Obamas „Otherness“ ist nicht nur ein Vorteil in Zeiten des politischen Wandels, sondern leider auch der große Faktor X im Rennen um das Weiße Haus. Hier ein Video aus der NBC Today Show, in der der ehemalige Kongressabgeordnete Harold Ford zum Thema „New Yorker“ befragt wird. Der Afro-Amerikaner Ford, heute Leiter des Democratic Leadership Council, hatte im Senatswahlkampf 2006 selbst leidvolle Erfahrungen mit einer Schmutzkampagne machen müssen. Ein TV-Spot der Republikanischen Partei zeigte eine attraktive Blondine, die Ford daran erinnerte, mit ihr auf einer Party des Playboy-Magazins geflirtet zu haben. Ford hatte diese Party in der Tat besucht, die Blondine war jedoch vollkommen frei erfunden.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
um
14:52
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Tags für diesen Artikel: Barack Obama, John McCain, medien, Michelle Obama, osama bin laden, rassismus, Satire, Terrorismus, Umfrage, Wählergruppen
Bilder sagen mehr ...Montag, 14. Juli 2008Die beiden Kandidaten im US-Präsidentschaftswahlkampf nahmen in der letzten Woche den Nationalfeiertag - den 4. Juli - zum Anlass, sich einmal mehr von ihrer menschlichen Seite zu zeigen und private Fotos zu veröffentlichen. Ein Blick in die Fotoalben von John McCain und Barack Obama bestätigt wieder einmal die alte Weisheit: Bilder sagen mehr als tausend Worte.
Das Schwarz-Weiß-Foto links zeigt den erst wenige Tage alten John McCain 1936 in den Armen seines Großvaters John Sidney McCain. Der Vater des heutigen Senators von Arizona, John Sidney McCain Jr. sitzt neben ihnen. Traditionslinien spielen in der Familie McCain eine große Rolle, das zeigt nicht nur die Namensgebung der männlichen Nachkommen, sondern auch die Marineuniform des Großvaters, die schon auf die Zukunft des Enkels verweist. Auf dem Farbfoto rechts befindet sich der elfjährige Barack Obama (oberste Reihe, dritter von links). Das Bild von 1972 zeigt die 5. Klasse der Punahou Elementary in Honululu, Hawaii. Zwischen McCain und Obama liegt nicht nur eine Generation, sondern auch die Revolution von 1968. Während John McCain im Vietnamkrieg kämpfte, wuchs Barack Obama unter Blumenkindern auf. Was könnte den Hintergrund und die Geisteshaltung der beiden besser illustrieren als diese Einblicke in ihre Kindheit? Washington Watch IIIMontag, 14. Juli 2008
Es ist immer schön, Freunde zu haben, vor allem in Kampagnen. Freunde können die Kandidaten kommunikativ unterstützen, sie geben ihnen Expertise oder Glaubwürdigkeit bei wichtigen Zielgruppen. John McCain und Barack Obama haben zahlreiche solcher Freunde („surrogates“). In den vergangenen Tagen stellten diese Unterstützer aber mehr Wehe als Wohl für die Kampagnen dar.
Am Mittwoch war es Jesse Jackson, der in ein eingeschaltetes Mikrofon flüsterte, wie gerne er Barack Obama die „Eier abschneiden“ würde, weil er zu abgehoben und autoritär zur afro-amerikanischen Gemeinde spräche. Was hatte Obama gesagt? Im Frühjahr hatte er eine Rede vor einer schwarzen Gemeinde gehalten, in der er das Problem zerbrochener Familien und das geringe Verantwortungsbewusstsein afro-amerikanischer Männer ansprach. Dieser „straight talk“ hat anscheinend tiefe Wunden hinterlassen, vor allem bei schwarzen Symbolfiguren wie Jesse Jackson und Al Sharpton. Jackson bedauerte seinen Kommentar, aber das Thema rauschte ungedrosselt in die Abendnachrichten. Insgesamt kann diese Episode Obama aber helfen, der sich bewusst von der alten, etablierten, oft polarisierenden Bürgerrechtler-Garde absetzen kann. Punkt Obama. Anders verlief ein Ausrutscher von Phil Gramm, Ex-Senator aus Texas und einer der einflussreichsten Wirtschaftsberater von John McCain. Er diktierte Reportern der Washington Times in den Notizblock, dass Amerikaner keine reale Rezession durchleben würden, sondern eine mentale. Als Krönung nannte er das Land eine Nation von Jammerlappen. Das war starker Tobak, weil es das Bild eines John McCain zu bestätigen scheint, der sich den Nöten der Menschen nicht öffnet und sich unsicher auf dem Feld der Ökonomie bewegt. McCains Antwort auf den rhetorischen Ausfalls seines Beraters war schnell und konsequent. Er distanzierte sich von Gramm und stellte ihm in Aussicht, höchstens noch Botschafter in Weißrussland unter ihm werden zu können. Ob das reicht, ist zu bezweifeln. Der Gramm-Kommentar wird mit Sicherheit in demokratischen TV-Spots auftauchen. Einmal mehr zeigt sich: In einem komplexen kommunikativen Umfeld, in einem fragmentierten Medienumfeld, ist es unglaublich schwer, „on message“ zu bleiben. Wo ist die erste US-Präsidentin?Montag, 19. Mai 2008
Über Hillary Clintons Zunkunft ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, doch Kate Zernike macht sich in ihrem in der New York Times erschienenen Artikel schon Gedanken, wem die Rolle der ersten amerikanischen Präsidentin auch gut stehen würde.
Aber wer eignet sich für diese Rolle? Bildet man ein Potpourri aus den Vorschlägen von politischen Strategen, Talentscouts, Politikern und Wissenschaftlern, die zum Thema „Frauen in der Politik“ forschen, tritt folgende Figur zu Tage: Eine Frau, die aus dem Süden kommen wird oder aus der Region westlich des Mississippis. Sie wird der demokratischen Partei angehören, hat in zwei konservativen Staaten gewonnen, oder sie gehört der Partei der Republikaner an, kommt aus der Privatwirtschaft und kandidiert als Gouverneur. Sie hat Erfahrung als Führungskraft, Juristin und hat sich selbst als Kämpferin erprobt, als eine warmherzige natürlich. Sie wird jung genug sein, um als Postfeministin zu gelten. Sie wird verheiratet sein und Kinder haben, allerdings schon etwas ältere. Sie wird ihre Erfahrung hervorheben und Hosenanzüge tragen. Oh, und es könnte sein, dass es diese Frau gar nicht gibt. Bemerkenswert ist es, dass auf Seiten der Republikaner weitaus mehr Frauen für eine Kandidatur in Frage kommen, zum Beispiel Sarah Palin, Republikanerin und Gouvereurin von Alaska. Sie ist nicht nur als Reformerin bekannt, sondern auch als Motoradfahrerin.
Aber für viele Frauen stellt sich die Frage, warum eine Frau überhaupt kandidieren sollte, nachdem die Medien es ihnen offensichtlich besonders schwer machen. “Wer traut sich noch anzutreten?” fragt Karen O’Connor, Direktorin des Woman and Politics Institute an der American University. Auch Karen Tumulty spricht auf dem Time-Blog von sexistischer Medienberichterstatttung, aber sieht nicht ganz so schwarz, schließlich hat das Time-Magazin vor drei Jahren Amerikas Gouverneure bewertet. Dabei zeigte sich, dass zwei von den fünf besten Gouverneuren Frauen waren: Janet Napolitano (Arizona) und Kathleen Sebelius (Kansas). Wie Kate Zernike in der New York Times schreibt, gibt es auch eine große Zahl von Frauen aus dem „Corporate America“, die für eine Kandidatur in Frage kommt. Zu ihnen gehört zum Beispiel Meg Whitman, die auch schon mit der Politik liebäugelt. Die Medien und ihre FavoritenMittwoch, 5. März 2008Dass sich im US-Wahlkampf Favoriten herausbilden, liegt nicht nur an den Kandidaten selbst, sondern an der Meinungsmache der Medien, die ihre Lieblinge ins beste Licht rücken. Als ein schillerndes Beispiel dient ein in der New York Times erschienener Leserbrief, der aufzeigt, wie unterschiedlich Hillary Clinton und Barack Obama von der Presse dargestellt werden. Die Leserin Donna Lawler machte sich die Mühe, alle Adjektive und Umschreibungen, die die New York Times-Journalistin Maureen Dowd in ihrer Kolumne für Hillary Clinton und ihren Konkurrenten Barack Obama benutzt, herauszuschreiben. Das Ergebnis ist verblüffend: „verzweifelt, Urschrei, drohend, griesgrämig, verwirrend, bedrückt, ausflippen, missgünstig, wimmernd, Erfahrung, grün vor Neid, Wahrsagerin, Wasserfall, benommen, beunruhigend, strampelnd, gereizt, witzlos, sarkastisch“: diesen beleidigenden Tönen für Hillary Clinton steht ein Lobgesang auf Barack Obama entgegen: „Goldjunge, sonnig, Stetigkeit, blendend, Reiz, (fühlt sich) außergewöhnlich wohl in seiner Haut“. Dass die Redakteurin Maureen Dowd in ihrem Artikel die Aufgeschlossenheit der Presse gegenüber Hillary Clinton begrüßt, klingt wie schlechte Ironie, wenn man die Reihe der genannte Zitate betrachtet. Diese Ungleichheit in der Darstellung der Kandidaten fiel am Wochenende auch der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung auf. Sie konstatierte, dass die Senatorin Clinton von den Medien in die Rolle der Zicke gedrängt wird, während diese zugleich ein „Obamomentum“ schaffen. Jedes auch nur annähernd rassistische Argumentationsmuster ist ein starkes Tabu; sexistische Äußerungen gelten dagegen einfach als nicht besonders fair. Ein Beispiel dafür ist der Kommentar des rechten Radio-Moderators Rush Limbaugh. Er meint, Amerika sei noch nicht bereit zuzusehen, wie sein Präsident sich vor ihren Augen in eine alte Frau verwandelt. Schade nur, dass die FAZ sich in ihrer Überschrift „Plädoyer für eine Zicke“ eben genau dieser ollenstereotypen Rhetorik bedient, die sie anklagt.
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