
Einen Tag der choreografierten Einheit nannte die New York Times den ersten gemeinsamen Auftritt von Hillary Clinton und Barack Obama. Nicht nur ihre Äußerungen, ihre Mimik, Gestik, Körpersprache, auch ihre Outfits waren an diesem Tag auf einander abgestimmt.
„Unity is not only a beautiful place, it’s a wonderful feeling isn’t it?“ sagte Hillary Clinton und fügte an: „ I know what we start here in this field of unity will end on the steps of the Capitol when Barack Obama takes the oath of office.“ Mit diesen Worten lagen sich die vorherigen Rivalen in den Armen und winkten der jubelnden Menge zu.
Was deutschen Beobachtern vielleicht unglaubwürdig erscheinen mag, scheint dennoch zu funktionieren. Zahlreiche „Hillary“- Plakate und –Rufe ragten aus der Menge. Die Demokraten sind noch gespalten in Hillary- und Obama-Fans. Um Clintons-Anhänger nicht an McCain oder die Passivität der Nicht-Wähler zu verlieren, muss Obama auf Einheit mit seiner vormaligen Konkurrentin setzen. Dabei geht es besonders um die Stimmen der weißen männlichen Arbeiterschaft, die bislang nur Clinton gewann.
Vielleicht ist es auch gar nicht möglich einen Kandidaten so divers zu präsentieren und zu verbiegen, dass er allen Wählergruppen entspricht – ein Problem, das auch deutsche Kandidaten wie Kurt Beck teilen.
Ein Blick auf Barack Obamas iPod-Playlist, die gerade in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde, zeigt dies:
"Ich habe einen sehr vielseitigen Geschmack", bekennt Obama im Interview. Wer hätte das gedacht? Als erster schwarzer Kandidat der amerikanischen Geschichte steht er vor einer komplizierten Aufgabe.
Für scheinbar sämtliche Wählergruppen ist dementsprechend etwas geboten, das große Pop-Panorama: Bob Dylan ist vertreten, Bruce Springsteen natürlich, aber auch die Rapper Ludacris und Jay Z (der gelegentlichen Frauenfeindlichkeit in Rap-Songs steht Obama natürlich reserviert gegenüber: "Ich wünschte, es wäre nicht so . . . vulgär.") sowie dessen Frau, die R&B-Sängerin Beyoncé.
Die Rolling Stones singen "Gimme Shelter", Sheryl Crow ist dabei, Elton John, Earth, Wind & Fire und die schwarzen Jazzlegenden Miles Davis, John Coltrane und Charlie Parker.
Mut zur Mucke
Zum Bekenntnis taugt die Liste nur dort, wo etwas fehlt. Dieses Bekenntnis jedoch hat es in sich. Kein einziger musikalischer Held der weißen Arbeiterschicht ist vertreten, nicht einmal der Country-Weltstar Garth Brooks.
Doch gerade diese weiße Arbeiterschicht und ihre musikalischen Vorlieben könnten wahlentscheidend sein. Die Ignoranz dieser Musikkultur wird von der Süddeutschen Zeitung als mutig empfunden. Es sieht ganz so aus, als würde Hillary Clinton demnächst ihre Vorliebe für Country-Musik bekannt geben...