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Weiter hinten in der Galerie steht ein gerahmtes Portrait von Barack Obama auf dem Boden. Im Falle eines Wahlsieges sollte das Obama-Portrait aufgehängt werden und sich in die Reihe der Präsidenten fügen.
Die Ausstellung zog schon Tage vor der Wahlnacht Aufmerksamkeit auf sich. So berichtet der Künstler, dass die Leute alle paar Tage McCain-Palin-Sticker ans Fenster geklebt haben. Mittlerweile wurde das Obama-Portrait aufgehängt und es herrscht rege Nachfrage nach dem Bild und zwar von Interessenten, die normalerweise nicht die Galerie besuchen und auch nicht vorhatten, einen fünfstelligen Betrag zu investieren. Der New York Observer brachte es auf den Punkt: Hier treffen Kunst und Leben aufeinander. Übrigens ist in den Räumen von ProDialog noch die ganze Woche eine Ausstellung zum US-Präsidentschaftskampf zu sehen. Nicht Kunst, sondern Kampagnen-Elemente wie Direct Mail, Videos und die legendären Robo-Calls werden vorgestellt. McCains HochburgenMittwoch, 12. November 2008
Für amerikanische Verhältnisse hat John McCain die Wahl gegen Barack Obama haushoch verloren. Aber auch der Senator aus Arizona hat seine Hochburgen, seine Horte der elektoralen Glückseligkeit. Zugewinne gegenüber 2004 verzeichnete er z.B. in der Appalachen-Gegend, die sich vom Südwesten Pennsylvanias über West Virginia bis hinunter nach Tennessee zieht.
Die Staaten, in denen er am besten abgeschnitten hat, liegen alle samt in den dünn besiedelten Teilen des Landes, das man gemeinhin als Heartland der USA bezeichnet. In Wyoming, Oklahoma oder Utah war nichts von der Obamania zu spüren. Hier gewann McCain im Schnitt mit über 30 Prozentpunkten Vorsprung.
Schaut man auf die einzelnen Kreise, dann findet man einige gallische Dörfer, die sich dem landesweiten Trend stur widersetzt haben. Das beste Ergebnis hatte John McCain in King County im Norden von Texas. Hier gewann er mit sagenhaften 88 Prozent (!) gegen Barack Obama. Laut Volkszählung aus dem Jahr 2000 leben in King County 365 Einwohner in 108 Haushalten, das macht 0,39 Menschen pro Quadratmeile. 94 Prozent der Bewohner sind weiß, immerhin 9 Prozent Latino und 1 Prozent African American. Die größeren Siedlungen haben dort so schöne Namen wie Guthrie, Grow oder Dumont. Der größte Wirtschaftszweig in King County? Rinderzucht.
Dienstag, 11. November 2008
Am Wochenende nach den Präsidentschaftswahlen treffen sich die Berater der Kampagnen traditionell auf der Konferenz der International Association of Political Consultants (IAPC) in Washington, DC, um erste Gedanken über den abgelaufenen Wahlkampf auszutauschen. Auch in diesem Jahr fand die Tagung statt und bot interessante Einblicke in Strategie und Taktik von Barack Obama, John McCain und Hillary Clinton.
Für die Obama-Kampagne sprach Medienberaterin Anita Dunn. Sie hob noch einmal die transformative Kraft einer neuen Wahlkampfphilosophie hervor, die Kampagnen nicht mehr als Top-Down-Strategie, sondern als Bottom-Up-Prozess begreift.
Dunn nannte drei wesentliche Erfolgskriterien für Obamas Sieg. Erstens war seine Botschaft organisch mit dem Kandidaten und seiner Lebensgeschichte verwoben. Obamas Talent, „on message“ zu bleiben, beeindruckte selbst die erfahrene Medienberaterin. Sie erklärte sich diese Fähigkeit mit einer simplen Tatsache. Im Gegensatz zu vielen anderen Kandidaten, wusste Barack Obama von Beginn seiner Kampagne an, was er sagen und warum er es sagen wollte. Ein zweiter wichtiger Erfolgsfaktor war Obamas gute Kampagnenorganisation. Die Zahl der Freiwilligen schätzte Dunn insgesamt auf ca. 10 Millionen. Allein am letzten Wochenende vor der Wahl konnten die Freiwilligenzahlen noch einmal um 30 Prozent gesteigert werden. In den Schlüsselstaaten machten Volunteers am Samstag und Sonntag vor der Wahl 9 Mio. Hausbesuche. Allein in Pennsylvania fanden über 800.000 Live-Telefon-Anrufe statt. Als dritten wichtigen Punkt machte Dunn Obamas Gespür für die richtige Strategie aus. Der sonst so analytische Obama entschied sich instinktiv dafür, eine konsequente Kleinspenderstrategie zu verfolgen, den gesamten Fokus auf die Vorwahlen in Iowa zu setzen und die Kontroverse um seinen umstrittenen Pastor Jeremiah Wright mit einer eloquenten Rede frontal anzugehen. Insgesamt beschrieb Dunn Obama als einen transzendentalen Kandidaten, der weit über die rationale Sachebene hinaus denkt und einen höheren, ganzheitlicheren Anspruch an Politik hat. Diese Aussage teilte Bill McInturf, der langjährige Meinungsforscher von John McCain. Immer noch sichtlich frustriert über die Wahlniederlage räumte er zwar eigene Fehler ein, verwies aber auf die düsteren Makrotrends (Wirtschaftslage, politische Stimmung im Land, Zustimmungsraten für den amtierenden Präsidenten), vor deren Hintergrund diese Wahl stattfand. Kein republikanischer Kandidat hätte gegen diese Trends bestehen können, so McInturf. Mit dieser Aussage hatte er sicher Recht. Fragen nach der unglücklichen Vizepräsidentschaftskandidatenwahl von Sarah Palin oder die aufgesetzte „Joe, the Plumber“-Kampagne wehrte er allerdings ab. All das sei nicht entscheidend gewesen. Zentral für den Wahlkampf war für ihn die Finanzkrise, die das Rennen zugunsten von Obama verschoben habe. Als weiterer Wahlverlierer war Hillary Clintons Chefstratege Mark Penn geladen. Der CEO der weltweit agierenden PR-Firma Burson-Marsteller ging in seiner Rede kaum auf den Vorwahlkampf ein. Er betonte hingegen die historische Bedeutung der Präsidentschaftswahl für die Demokraten. Erstmals seit den 1990er Jahren sei eine Mehrheit links der Mitte in den USA möglich. Darauf deuteten die Wahlergebnisse hin. Die Demokraten seien zur Partei der Zukunft (und der Hoffnung) geworden, die Minoritäten, Jungwähler und nahezu alle Einkommensschichten gewinnen konnte.
Am Ende waren ihm jedoch auch kritische Töne zu Hillary Clintons Kampagne zu entlocken. Penn gab offen zu, dass die Planung über den Super Tuesday hinaus besser hätte sein können. Falls er jetzt noch einmal gegen Barack Obama antreten könnte, würde er Jungwähler aggressiver umwerben, deutlichere Kontraste zu Obama zeichnen und intensiver um die verlorenen Delegiertenstimmen in Michigan und Florida kämpfen, so der Meinungsforscher. Das Wichtigste sei jedoch, dass die Demokratie in den USA gesund und munter sei. Politische Partizipation sei zu einem echten Massentrend geworden. Dunn und McInturf stimmten – ganz im Sinne der von Obama geforderten Überparteilichkeit - kopfnickend zu.
Blogeintrag von Maik Bohne
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Die Obama-KoalitionFreitag, 7. November 2008
Für Politikwissenschaftler ist diese Nachwahlphase ein Fest. Seit Jahren sind sie auf der Suche nach einer neuen realignment election, also einer Epoche machenden Wahl, bei der sich Wählerblöcke neu orientieren und sich die Machttektonik zwischen den Parteien massiv verschiebt. Es zu früh, diese Präsidentschaftswahl in eine solche Kategorie einzuordnen. Die ersten Daten aus den Nachwahlbefragungen verraten aber sehr interessante Trends.
Vorweg: Der Sieg Barack Obamas ist maßgeblich der aktuellen Wirtschaftslage geschuldet. Sie führte zu einem massiven Wechsel vieler Wähler in das demokratische Lager. Je schlechter die Bürger die Wirtschaftsentwicklung bewerteten, desto höher stiegen die Umfragewerte für Obama (s. Grafik). Unweigerlich erinnert man sich an die Flutkatastrophe 2002 in Deutschland, die Gerhard Schröder maßgeblich die Wiederwahl sicherte.
Insgesamt hat Barack Obama seinen Sieg aber einer sehr bunten, zukunftsfähigen Koalition von Wählern zu verdanken. Beginnen wir mit der Jugend. Selten gab es eine solch eklatante Spanne zwischen den Kandidaten im Segment der Jungwähler. Obama gewann die Gruppe der 18-bis 29-jährigen mit 34 Prozentpunkten (!) Vorsprung. Insgesamt wählten 11 Prozent des Elektorats zum ersten Mal. Diese Wähler waren mehrheitlich jung und farbig, sie gingen klar an Obama. Interessant auch die Werte bei jungen Latinos, von denen 76 Prozent den Demokraten wählten. Auch die Genderlücke ist wieder größer geworden. Frauen präferierten Barack Obama mehrheitlich gegenüber John McCain (56%-43%). Das ist ein deutlicher Zuwachs zu 2004. Diesen Vorsprung hat Obama vor allem allein stehenden (und oft auch allein erziehenden) Frauen zu verdanken, bei denen er einen Vorsprung von 41 Prozent gegenüber John McCain hatte. Auch bei Männern konnte Obama eine knappe Mehrheit erreichen. Auch wenn die Mehrheit der weißen Wähler für John McCain stimmte (43%-55%), so konnte Obama diesen Nachteil mit einem Zuwachs an minoritären Wählern wettmachen. Waren 90 Prozent der McCain-Wähler weiß, so hatte Obama eine buntere Zusammensetzung von Unterstützern. 61 Prozent seiner Wähler waren weiß, 23 Prozent schwarz, 11 Prozent Latino und 2 Prozent Asiaten. Insgesamt stimmten 95 Prozent der Afro-Amerikaner für ihn. Das ist ein Zuwachs von 7% gegenüber John Kerry in 2004. Bei Asian Americans hatte Obama einen Vorsprung von knapp 30 Prozent. Bedeutender ist jedoch der Stimmungswechsel bei den Latinos. Hatte George W. Bush es vor vier Jahren noch geschafft, viele (kulturell konservative) Hispanics mit einem ausgeprägten Wertewahlkampf ins Lager der Republikaner zu ziehen, so wanderten 2008 viele dieser Wähler zu den Demokraten. Obama konnte bei dieser überproportional wachsenden Bevölkerungsgruppe 23 Prozentpunkte gut machen. Sie bescherte ihm u.a. Siege in New Mexico und Colorado. Wichtiger Bestandteil der obamaschen Wählerkoalition waren zudem die affluenten, weißen, gebildeten Wähler in den Vororten der größeren Städte. Obama nahm diese Bastion des gemäßigten Konservatismus in vielen Teilen des Landes ein, egal ob im Norden Virginias oder im reichen Orange County in Kalifornien. Obwohl Obama im Wahlkampf offen zugab, Umverteilungspolitik betreiben zu wollen, holte er massiv bei Gutverdienern auf, die über 100.000 Dollar Jahreseinkommen haben (+8%). Diese Gruppe hatte George W. Bush 2004 noch klar für sich entschieden. Auch die Mehrzahl der besser Gebildeten im Land scheint vermehrt zur Demokratischen Partei zurückzukehren. Bei Wählern mit einem Master- oder PhD-Abschluss gewann Obama 18 Prozentpunkte dazu, auch die College-Absolventen gewann er knapp. Hinzu kommen die Arbeiter und Geringverdiener, die zwar mehrheitlich in den Primaries für Hillary Clinton gestimmt hatten, aber im Laufe des Hauptwahlkampfes – auch dank der effektiven GOTV-Kampagne der Gewerkschaften – zurück ins demokratische Lager gekommen sind. Das Bild lässt einen klaren Schluss zu. Barack Obama hat es geschafft, die demokratische Wählerkoalition massiv auszubauen. Ob er sie allerdings längerfristig in der Demokratischen Partei halten kann, bleibt abzuwarten. Immerhin hat er seiner Partei das Label „Zukunft“ anheften können. Die Republikaner werden dagegen mehr und mehr zur Partei der angry white men im Heartland und im Süden des Landes. Die einzigen Bezirke, in denen McCain dazu gewinnen konnte, waren strukturschwache Gegenden in den Appalachen. Das sagt einiges aus.
Blogeintrag von Maik Bohne
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Historischer SiegDonnerstag, 6. November 2008
Die Zahlen sprechen für sich. Barack Obama siegt mit 190 Elektorenstimmen und über sieben Millionen Wählerstimmen Vorsprung gegen John McCain. Amerika verzeichnet die höchste Wahlbeteiligung seit 100 Jahren. Ein farbiger, charismatischer, junger Politnovize schafft es, innerhalb weniger Jahre vom Außenseiter zum Präsidenten der USA aufzusteigen.
Diese Wahlnacht in Washington, DC zu erleben, war einmalig. Den ganzen Tag über lag eine angespannte Stimmung über der Stadt, die zwar (noch) einen republikanischen Präsidenten beherbergt, aber ansonsten zu 95 Prozent demokratisch ist. Als klar wurde, dass Barack Obama der nächste Präsident der USA werden wird, kannte der Jubel keine Grenzen. Im sonst so kontrollierten, bürokratischen und spießigen DC fanden Straßenpartys statt, Autokorsi fuhren durch die City, mehrere Tausend Menschen versammelten sich vor dem Weißen Haus, um George W. Bush ein kleines Abschiedskonzert zu geben. Es waren vor allem junge College-Kids, die den Weg in die Pennsylvania Avenue gefunden hatten, gemixt mit ein paar Altlinken, die sich mit Tränen in den Augen ihre Siegeszigarren anzündeten. Die Ostküste schien regelrecht aufzuatmen. Dieser Sieg war ein Befreiungsschlag gegen die konservativen Eliten, die den Diskurs im Land viel zu lange mit Halbwahrheiten und Angstrhetorik dominiert hatten. Held des Abends war natürlich Barack Obama, der einmal mehr zeigte, mit welcher Eloquenz er es versteht, seine Botschaft zu senden. Geschickt wob er seinen eigenen Triumph in die Narration und Geschichte des Landes ein. Bemerkenswert - auch wenn ein solcher Auftritt natürlich einen Schuss zu viel Pathetik für europäische Ohren hat. In dem ganzen Trubel ist eine glorreiche Tat nahezu komplett untergegangen. John McCain zeigte sein wahres Gesicht – im positiven Sinne. Im Wahlkampf war er seinen Beratern gefolgt und hatte dem Land die üblich-simple konservative Soße aufgetischt. Terroristen, Hockey-Mums, Klempner-Joe, Sozialismus… die McCain-Kampagne ließ nichts aus. Umso beeindruckender war McCains offene und kompromisslose Unterstützung für den neuen Präsidenten Barack Obama!
Blogeintrag von Maik Bohne
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Mit Vorsprung in die letzten 72 StundenFreitag, 31. Oktober 2008
Die Mobilisierungsmaschinen der Kampagnen laufen auf Hochtouren. Jetzt geht es um das, was die Amerikaner „Get-Out-the-Vote“ (GOTV) nennen. Täglich erreichen die Aktivisten auf beiden Seiten des politischen Spektrums drei bis fünf E-Mails, die sie zu Last-Minute-Aktionen in den letzten 72 Stunden aufrufen. In diesem elektoralen Häuserkampf hilft es, sich noch einmal über die Grundkoordinaten der Wahl zu versichern.
Pünktlich vor der ganz heißen Phase des Wahlkampfes hat die New York Times in Kooperation mit CBS seine letzte große Umfrage vor den Wahlen veröffentlicht, im Rahmen derer sie 1.439 mögliche Wähler („likely voters“) befragt hatte. Die wichtigste Botschaft: Barack Obama scheint seinen Vorsprung konsolidiert zu haben. Er liegt mittlerweile mit 51 Prozent vor John McCain mit 40 Prozent. Natürlich muss man diese Führung in der NY Times-Umfrage mit Vorsicht genießen. Die Meinungsforscher haben in diesem Rennen große Probleme, sowohl den richtigen Anteil an afro-amerikanischen und jungen Wählern zu bestimmen als auch den viel zitierten Bradley-Faktor einzurechnen. Auch wenn andere Umfragen ein engeres Rennen sehen, so liegt Obama insgesamt stabil mit 3 bis 11 Prozent vorne. Dass sich Obamas Spitzenwerte Mitte Oktober - auf dem Höhepunkt der Finanzkrise – nicht halten ließen, war klar. Das Land ist polarisiert, die unentschlossene Mitte extrem klein. In der New York Times-Umfrage gaben weniger als zehn Prozent der Befragten an, überhaupt noch unentschieden zu sein. Insgesamt ist die Stimmung im Lande weiter äußerst düster. 89 Prozent der Befragten sehen die Wirtschaftslage negativ. 85 Prozent denken, dass Land sei auf dem falschen Weg in Richtung Zukunft. George W. Bush Zustimmungsraten liegen bei unterirdischen 22 Prozent. So tief herunter ist es bisher nur für Harry Truman im Wahljahr 1952 gegangen. Barack Obama hat bei den wichtigsten Themen der Zeit wie Wirtschaft, Arbeit, Gesundheit und Irak die Nase vorn. McCain besitzt hingegen auf zwei Sachfeldern einen Vorteil. Zum einen konnte er sich bei den Wählern mit seiner „Joe, the Plumber“-Kampagne deutlich stärker als der Mann für niedrige Steuern etablieren. Zum anderen gilt er weiterhin als der bessere Commander-in-Chief (47-33). Wir werden also von McCain in den letzten Tagen vor der Wahl noch einmal die übliche Stereo-Botschaft hören: „Obama ist eine unsichere Wahl für das Präsidentenamt und ein Staatsfetischist.“ Ob es noch etwas nutzen wird, bleibt offen. Zumindest wird schon jetzt deutlich, dass – abseits der finanziellen und organisatorischen Nachteile McCains - seine Auswahl von Sarah Palin und seine mäßigen TV-Duell-Auftritte entscheidende Faktoren für den Ausgang des Rennens sein könnten. 30 Minuten Obama-TV-SpotMittwoch, 29. Oktober 2008
Ein 30-minütiger Obama-Spot wird am Mittwochabend um 20:00 Uhr auf CBS, MSNBC und NBC ausgestrahlt. Zur besten Sendezeit wird Barack Obama landesweit auf diesen Sendern zu sehen sein und sich zwischen das reguläre Fernsehprogramm schalten. Barack Obamas Tochter Malia, so erzählte Michelle Obama in der Tonight Show, hat schon gefragt, ob ihr Dad wirklich auf allen Sendern sein wird und auch ihre Sendung unterbrechen wird. Aber Barack Obama konnte sie beruhigen, Disney wurde nicht nicht gekauft.(Video Minute 2:30 – 3:05)
Die Obama-Kampagne hätte die Werbung gerne auf noch mehr Sendern geschaltet, bekam aber Absagen von ABC und CNN. So gab ein CNN-Pressesprecher bekannt: “We were approached by the Obama campaign and declined their request. We did not want to pre-empt our programming lineup with a 30-minute spot. We rather use our air to continue to cover the campaign, candidates and issues like we always do from all points of view with the best political team on television.” ABC dagegen argumentierte, dass sie die Werbung nicht gleichzeitug mit CBS, NBC und Fox schalten möchten. Nach Angaben von Fox News wurde der Sender gar nicht angefragt. Geld spielte bei dieser Kampagne offenbar keine Rolle. Barack Obama hat derzeit mehr davon, als er Sendezeit kaufen kann, denn die 30 Minuten kosten pro Sender 1 Million Dollar. Die Obama-Kampagne hat 660 Millionen Dollar Spenden eingenommen, das macht pro Kalendertag seiner Kandidatur 1 Million Dollar. Zum ersten Mal in der Geschichte haben die Demokraten am Ende des Wahlkampfes mehr Geld zur Verfügung als die Republikaner. Auch John McCains Budget ist beachtlich, 36 Millionen stehen für die letzte Woche seiner Kampagne zur Verfügung. Aber – Barack Obamas Etat ist doppelt so hoch. Demokratischer Erdrutsch?Montag, 27. Oktober 2008
Die schlechten Nachrichten für John McCain reißen nicht ab. Die nationalen Umfragen sehen Barack Obama mittlerweile stabil zwischen acht und zehn Prozentpunkten vorne, seine Vizepräsidentschaftskandidatin fällt durch peinliche Auftritte und eine 150.000-Dollar-Couture auf, sein Kampagnenteam ist zerstritten, seine Partei fürchtet den Absturz in die Bedeutungslosigkeit.
In der Tat mehren sich die Stimmen, die einen demokratischen Erdrutschsieg am 4. November voraussagen, nicht nur auf der Präsidentenebene, sondern auch im Kongress. Schaut man sich an, in welchen Bundesstaaten die Kandidaten ihre restlichen Ressourcen einsetzen, so zeigt sich ganz deutlich, dass McCain nahezu ausschließlich in der Defensive ist, Obama hingegen nur noch Offensive spielt. McCain hat sich auf die Verteidigung der Staaten zurückgezogen, die George W. Bush 2004 zum Sieg reichten. Auch wenn er weiterhin im demokratischen Pennsylvania aktiv ist, so fokussiert er sich im Prinzip auf den Kampf in Ohio, Florida, Missouri, Virginia und North Carolina. In diesen Staaten hat Obama seinerseits voll auf Angriff umgeschaltet. Ein Blick auf die Wahlkarte zeigt die ausweglose Situation für McCain. Selbst traditionell republikanische Bundesstaaten wie Montana, North Dakota und South Dakota sind nicht mehr außer Reichweite für Obama. Selbst in Georgia und South Carolina profitiert er vom Hunger nach Wandel in ökonomisch harten Zeiten. Auch im Kongress sieht es düster aus für die Grand Old Party (GOP). Im Repräsentantenhaus könnten die Demokraten 20 bis 40 Sitze dazu gewinnen, im Senat sogar die obstruktionsfeste Zahl von 60 Stimmen erreichen, die gegen Filibuster von Seiten der Republikaner schützen würde. Ob den Demokraten ein solcher Erdrutsch aber wirklich gut tut? Mit einer absoluten gestalterischen Mehrheit in Washington wächst der Druck auf die Partei ins Unendliche. Erwartungen könnten schnell enttäuscht werden. Wie zwischen 1992 und 1994, als Bill Clinton das Land mit einem Reformschwall überzog und den Boden für ein wieder erstarktes „conservative movement“ rund um den damaligen republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus Newt Gingrich bereitete. Doch selbst besagter Gingrich fragt heute offen: „How did we get into this mess?“ Ganz einfach. Einmal mehr ist eine verdichtete Ideologie an ihrem missionarischen Eifer und ihrer Kompromisslosigkeit gescheitert, weil sie den Blick auf die Realitäten im Land Schritt für Schritt verloren hat. Das politische System der USA lebt vom Kompromiss. Das haben die Herren Bush, Gingrich, DeLay oder Boehner allzu oft vergessen. It´s all about… FreiwilligeFreitag, 24. Oktober 2008
Blass vor Neid schauen die deutschen Parteien regelmäßig in die USA, wenn sie die schiere Zahl enthusiastischer Freiwilliger sehen, die für die Kandidaten von Haus zu Haus ziehen, Wähler anrufen oder Geld spenden. Ohne Frage lebt Wahlkampf in den USA von basisnaher Manpower – gerade in den letzten Wochen vor der Wahl. Die Kampagnen von Barack Obama und John McCain stellen die eigene Basis konsequent in den Mittelpunkt. Ihr Credo lautet: „Jeder Unterstützer ist ein Botschafter!“
Beginnen wir mit Barack Obama. Befindet man sich auf der E-Mail-Liste des Demokraten, dann wird man mittlerweile im Stundentakt zu irgendwelchen Wahlkampfaktionen aufgefordert. Mal soll man seine Sachen packen und in einen angrenzenden battleground states fahren, um in den letzten Kampagnentagen als Freiwilliger am elektoralen Häuserkampf teilzunehmen. Mal fordert Obama dazu auf, Hausparties zu organisieren, auf denen bei Cola und Chips gemeinsam unentschlossene Wähler im ganzen Land angerufen werden sollen.
John McCain ruft derweil den „Super Saturday“ aus. Das Ziel: Am Wochenende sollen seine Anhänger Events in ihrer Nachbarschaft organisieren, um ihre Freunde, Familien oder Kollegen persönlich von den Qualitäten des Republikaners zu überzeugen. Dabei belässt es das Kampagnenteam von McCain nicht. Kürzlich startete es einen Videowettbewerb und forderte seine Unterstützer auf, das – mittlerweile ziemlich dekonstruierte – Kampagnenmaskottchen „Joe the Plumber“ zu mimen. Im O-Ton: “We want you to tell us how you are "Joe the Plumber" and why you're supporting John McCain and Sarah Palin in thirty seconds. You could even see your video as an official McCain TV ad.[...] Share your story of living the American Dream, working hard, or owning a small business to tell America why you're standing with John McCain and Sarah Palin.” Im Fachjargon heißt das: User-Generated Content.
Kampf mit dem TelefonMittwoch, 22. Oktober 2008
Für Barack Obama und John McCain geht es jetzt in die ganz heiße Phase des Wahlkampfes. Und dabei hilft ein altes, aber immer noch sehr effektives Kommunikationsmittel: das Telefon.
Die Republikaner setzen in diesem Bereich immer noch die Standards. Am kommenden Samstag, den McCain zu einem „Super Saturday“ für seine Freiwilligen ausgerufen hat, probiert der Senator das neue Format des Town-Hall-Calls aus. Anhänger, die in seinem Internet-Mitmachportal „McCain Nation“ registriert sind, haben die Chance, einen Conference Call mit ihrem Kandidaten abzuhalten. Per Zufallsgenerator werden einzelne Anrufer ausgesucht, die McCain Fragen stellen dürfen. Der Rest der Teilnehmer nimmt zuhörend teil. Parallel dazu überziehen die Republikaner die Schlüsselstaaten mit sog. „automated phone calls“. Diese Anrufe mit Informationen vom Band sind billig und können massenhaft eingesetzt werden, um Wähler zu mobilisieren, bei denen das Telefon oft bis zu fünf- bis zehnmal am Tag klingelt. In der heißen Phase des Wahlkampfes haben diese Anrufe fast zu 100 Prozent negative Inhalte. Unter der Oberfläche der Öffentlichkeit fahren McCain und Co. harte Geschütze auf. Immer wieder werden Anrufer mit Informationen über die Verbindung Obamas zum ehemaligen Linksterroristen Bill Ayres versorgt. Obama hält seine eigene Telefonarmada dagegen. Explizit ruft er seine Anhänger per E-Mail auf, mit persönlichen Anrufen im Rahmen seines „Neighbor-to-Neighbor-Program“ telefonisch gegenzusteuern. In der Tat zeigen Studien, dass der Anruf eines Freiwilligen weitaus effektiver und glaubwürdiger ist als ein Anruf vom Band. Das Persönliche ist das Effektive! Auch am Telefon.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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Obamas WochenendeMontag, 20. Oktober 2008
Demokrat zu sein tut gerade richtig gut. Nach Jahren der Niederlagen scheint die Partei von FDR, Kennedy und Clinton auf dem Weg zu einer neuen politischen Dominanz zu sein. Die so wichtige gestalterische Mehrheit von 60 Sitzen im Senat ist in greifbarer Nähe, die Majorität im Repräsentantenhaus wird wachsen. Und dann sind da ja noch die Erfolgsmeldungen des eigenen Präsidentschaftskandidaten.
Barack Obama erlebte ein Wochenende nach Maß. Am Freitag machten bereits Gerüchte die Runde, wonach er die historische Marke von 100 Mio. Dollar Spendeneinnahmen pro Monat reißen könnte. Am Ende waren es über 150 Mio. Dollar, die er im September auf seinem Kampagnenkonto verbuchte. Diese Summe ist mehr als doppelt so hoch wie der bisherige Rekordbetrag von 67 Mio., die er im August eingesammelt hatte. Die Zahlen sind außerirdisch. 632.000 neue Spender kamen allein im September dazu. Mittlerweile kann die Kampagne auf ein Netzwerk von 3,1 Mio. Geldgebern zurückgreifen, die nicht selten Kleinstbeträge bis zu 100 Dollar spenden. Normalerweise sind Wahlkämpfe notorisch unterfinanziert, sie stellen einen steten Kampf um die richtige Ressourcenverteilung dar. Anders bei Obama. Mittlerweile wissen die Mitarbeiter nicht mehr wohin mit dem Geld und denken offen darüber nach, Finanzmittel an die Kampagnenkomitees der Kongressparteien abzugeben. Nicht nur dominiert Obama den Basiswahlkampf, sondern er gibt Schätzungen zufolge drei- bis viermal mehr für TV-Spots aus als John McCain. In traditionellen republikanisch neigenden Staaten wie North Carolina, Virginia oder Missouri ist Obama in der Offensive. McCain beschränkt sich mittlerweile auf die Verteidigung der Bundesstaaten, die George W. Bush 2004 gewinnen konnte. Hinzu kam der Auftritt von Colin Powell, seines Zeichens hoch dekorierter Kriegsheld und ehemaliger Außenminister unter Bush, der sich bei „Meet the Press“ öffentlich für Obama aussprach. Obwohl er im Vorwahlkampf noch Geld an McCain gespendet hatte, entschied sich Powell gegen seinen Veteranenfreund. McCains Kampagne sei ihm zu erratisch, seine Vizepräsidentenkandidatin Sarah Palin zu schlecht, die republikanische Partei zu wenig wandlungsfähig. Obama lobte er hingegen als intelligenten, wissbegierigen, energischen Führer einer neuen politischen Generation. Das Endorsement Powells wird Obama helfen, Zweifel an seiner Kandidatur bei konservativen, sicherheitsdenkenden Independents zu zerstreuen. Zudem stärkt es sein überparteiliches Image. Es sieht gut aus für den Demokraten. Hoffentlich nicht schon zu gut… Was entscheidet die Wahl?Freitag, 17. Oktober 2008![]() Nach einer Woche, in der in Amerika der Rassismus hochschaukelte, fragen sich Journalisten wie Adam Nagourney, ob die Entscheidung in der Wahlkabine an schwarz oder weiß festgemacht wird. Am Samstag berichtete die New York Times über eine Wahlkampfveranstaltung McCains in Lakeville, Minnesota, bei der die aggressive Stimmung überkochte. Eine Frau meldete sich nach John McCains Rede in der Lakeville South High School, weit vom Stadtrand von Minneapolis, zu Wort. Sie sagte, dass sie Barack Obama nicht traue, weil er ein Araber sei. Nachdem John McCain eine Woche lang versuchte, seinen Gegener als Freund von Terroristen zu stilisieren, der das Land in den Bankrott führe, veränderte John McCain abrupt seinen Ton und sprach nur noch von einem anständigen Mann, einem Familienmenschen, mit dem er nur einige Meinungsverschiedenheiten habe. Offenbar hatte er selbst Angst bekommen vor seiner Welle von Attacken, die in nackten Hass umzuschlagen drohte. John McCain wurde in dieser Woche von einigen Journalisten harsch kritisiert, weil er - besonders, wenn er im Team mit Sarah Palin auftrat - die wütenden Massen gegen Barack Obama aufhetzte. In Wisconsin und Pennsylvania schrie die Menge “off with his head”. Bei einem Besuch Sarah Palins in Florida rief ein Mann aus der Menge “Kill him!”. Bei der gleichen Veranstaltung wurden einem afroamerikanischen Kameramann rassistische Beleidigungen entgegengebracht. Aber noch öfter werden Vorurteile geflüstert oder verstecken sich in Diskussionen über Kultur und Religion und sind somit schwer zu greifen. Weder Meinungsumfragen noch die täglichen Gespräche geben sie wider. Wie Adam Nagourney in der New York Times feststellte, nehmen politische Strategen an, dass die Meingsumfragen die Unterstützug für einen schwarzen Kandidaten überbewerten, da sich die Befragten mit ihren Ressentiments zurückhalten, wenn sie persönlich befragt werden. In der anonymen Wahlkabine sieht das anders aus. Saul Anuzis, Chairman der Republikaner in Michigan, sagte er hätte sich daran gewöhnt, dass von der Seite geflüstert würde: Obama wähle man nicht, weil er schwarz sei. Dagegen glaubt der Abgeordnete Artur Davis, ein afroamerikanischer Demokrat aus Alabama, ethische Zugehörigkeit sei nicht länger eine Schranke zum Weißen Haus, wie sie einmal war: “There is a group of voters who will not vote for people who are opposite their race,” Mr. Davis said. “But I think that number is lower today than it has been at any point in our history. I don’t believe this campaign will be decided by race; there are too many other important issues. Jesse Jackson would not have been elected in 1988. But we’ve changed.” McCain kämpft, Obama gewinntDonnerstag, 16. Oktober 2008
John McCain wusste um die Bedeutung des dritten TV-Duells. Es war seine letzte große Chance, das Rennen direkt und live vor einem Millionenpublikum zu wenden. Der 72-jährige gab alles. Er kämpfte, er attackierte, er wirkte energisch. Er setzte die Agenda des Abends.
Barack Obama musste hingegen nur eines tun: präsidentiell wirken. Und das tat er. Er ließ sich von John McCains Attacken nicht aus der Ruhe bringen oder in eine rhetorische Falle locken. Unerschütterlich und kühl stellte er sich den Angriffen seines Kontrahenten. Damit hatte er sein wesentliches Ziel erreicht. Nicht nur die unterschiedlichen politischen Philosophien der beiden Kandidaten wurden an diesem Abend an der Hoefstra University in New York deutlich, sondern auch deren unterschiedliche Kommunikationsstrategien. McCain hatte sich zwei Dinge vorgenommen, auf die er im Laufe der 90 Minuten immer wieder zurückkam. Zum einen wollte er Zweifel am Charakter von Obama streuen, in dem er ihn mit dem ehemaligen Links-Terroristen Bill Ayers und dem unlauteren Verhalten der links-progressiven Wählerregistrierungsorganisation ACORN in Verbindung brachte. Zum anderen versuchte er, Obama als „Big Spender“ - als ausgabesüchtigen Staatsgläubigen - hinzustellen, der einen Klassenkampf initiieren wolle, indem er auf Umverteilung anstatt auf angebotsorientierte Wirtschaftspolitik setze. Zur Unterstützung von McCains These musste ein Klempner namens Joe Wurzelbacher herhalten, der im Laufe der Debatte den liebevollen Namen „Joe the Plumber“ bekam. Joe hatte Barack Obama auf einer Wahlkampfveranstaltung offen seine Befürchtungen mitgeteilt, dass sein Handwerksbetrieb unter möglichen Rücknahmen von Steuererleichterungen für Einkommen über 250.000 Dollar leiden würde, die Obama fordert. McCain nahm Joes Ängste zum Anlass, um pathetisch über die Gefährdung des amerikanischen Traumes zu sprechen, die eine Wahl Obamas implizit bedeuten würde. Barack Obama nahm es gelassen. Er versicherte den Wählern, dass dies alles nicht stimme und er seinerseits Steuerkürzungen im Gepäck habe, die 95 Prozent der Mittelschicht zugute kommen würden. Immer wieder betonte der Demokrat geschickt, dass es einen grundlegenden Wandel zur Ära Bush/McCain geben müsse. Diese Botschaft schien auszureichen, um das TV-Duell als Sieger zu beenden. In einer Blitzumfrage des Nachrichtensenders CNN gaben 58 Prozent der Befragten an, Barack Obama habe das TV-Duell gewonnen, nur 38 Prozent sprachen sich für den aufopferungsvoll kämpfenden McCain aus. Zwar scheint die letzte Debatte die beste von McCain gewesen zu sein. Es wird aber kaum ausreichen, um das Rennen noch einmal grundlegend zu drehen. Hier ein Ausschnitt aus dem TV-Duell, bei dem besagter „Joe the Plumber“ im Mittelpunkt stand: McCains letzte Chance?Mittwoch, 15. Oktober 2008
John McCain ist in diesen Tagen nicht zu beneiden. Parallel zu den fallenden Börsenkursen bewegten sich auch seine Umfragewerte nach unten. Natürlich nicht in der Monstranz der einzigartigen Wall Street-Baisse, aber doch deutlich sichtbar. Barack Obama hat die Finanz- und Wirtschaftskrise ein großes Stück näher an die Pforten des Weißen Hauses gebracht. In Umfragen liegt er mittlerweile komfortabel vorne, in den Schlüsselstaaten baut er seinen Vorsprung aus, selbst in republikanischen Hochburgen wie North Carolina kann er punkten.
John McCain kämpft verzweifelt gegen seine drohende Niederlage an. Er probiert alles, was man als Präsidentschaftskandidat im Instrumentenkasten hat. Er zeigte sich überparteilich, als Retter der Nation. Er stellte sich als Macher und Aktionist dar, der den Wahlkampf sogar einstellen wollte, um in Washington nach Lösungen aus der Krise zu suchen, die andere viel besser meistern konnten. Zu guter Letzt hegte er massive Zweifel am Charakter seines Gegenübers. Er brachte ihn mit Terroristen in Verbindung, bezeichnete ihn als steuergierigen Liberalen und als zu riskante Wahl für den Präsidentenjob. Mittlerweile hat McCain seine Attacken offiziell zurückgefahren. Negativwahlkampf, das wirkt beim Mann, der den Wählern „Straight Talk“ versprochen hatte, aufgesetzt und unauthentisch. Zudem merkte McCain, dass er die Geister, die er gerufen hatte, nicht mehr richtig einfangen konnte. Die Stimmung auf seinen Veranstaltungen wurde immer gereizter. Ein Zuhörer rief an Obama adressiert: „Bringt ihn um!“ Eine ältere Frau war überzeugt davon, Obama sei ein arabischstämmiger Muslim. Daraufhin sah sich McCain genötigt, ihr das Mikrofon aus der Hand zu nehmen. In einer neuen New York Times/CBS-Umfrage gaben 61% der Befragten an, dass John McCain mehr Negativ- als Positivwahlkampf führe. Heute nun ist die letzte große Chance für McCain, das Rennen doch noch zu drehen. Die Kandidaten treten zum letzten TV-Duell an. Man darf gespannt sein, was McCain tun wird, um den Wahlkampf doch noch in seine Richtung zu bewegen. Mir fällt wenig ein, aber der alte erratische Haudegen ist immer für eine Überraschung gut. Er hat immerhin versprochen, die Peitsche heraus zu holen… |