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Am Wochenende nach den Präsidentschaftswahlen treffen sich die Berater der Kampagnen traditionell auf der Konferenz der International Association of Political Consultants (IAPC) in Washington, DC, um erste Gedanken über den abgelaufenen Wahlkampf auszutauschen. Auch in diesem Jahr fand die Tagung statt und bot interessante Einblicke in Strategie und Taktik von Barack Obama, John McCain und Hillary Clinton.
Für die Obama-Kampagne sprach Medienberaterin Anita Dunn. Sie hob noch einmal die transformative Kraft einer neuen Wahlkampfphilosophie hervor, die Kampagnen nicht mehr als Top-Down-Strategie, sondern als Bottom-Up-Prozess begreift.
Dunn nannte drei wesentliche Erfolgskriterien für Obamas Sieg. Erstens war seine Botschaft organisch mit dem Kandidaten und seiner Lebensgeschichte verwoben. Obamas Talent, „on message“ zu bleiben, beeindruckte selbst die erfahrene Medienberaterin. Sie erklärte sich diese Fähigkeit mit einer simplen Tatsache. Im Gegensatz zu vielen anderen Kandidaten, wusste Barack Obama von Beginn seiner Kampagne an, was er sagen und warum er es sagen wollte. Ein zweiter wichtiger Erfolgsfaktor war Obamas gute Kampagnenorganisation. Die Zahl der Freiwilligen schätzte Dunn insgesamt auf ca. 10 Millionen. Allein am letzten Wochenende vor der Wahl konnten die Freiwilligenzahlen noch einmal um 30 Prozent gesteigert werden. In den Schlüsselstaaten machten Volunteers am Samstag und Sonntag vor der Wahl 9 Mio. Hausbesuche. Allein in Pennsylvania fanden über 800.000 Live-Telefon-Anrufe statt. Als dritten wichtigen Punkt machte Dunn Obamas Gespür für die richtige Strategie aus. Der sonst so analytische Obama entschied sich instinktiv dafür, eine konsequente Kleinspenderstrategie zu verfolgen, den gesamten Fokus auf die Vorwahlen in Iowa zu setzen und die Kontroverse um seinen umstrittenen Pastor Jeremiah Wright mit einer eloquenten Rede frontal anzugehen. Insgesamt beschrieb Dunn Obama als einen transzendentalen Kandidaten, der weit über die rationale Sachebene hinaus denkt und einen höheren, ganzheitlicheren Anspruch an Politik hat. Diese Aussage teilte Bill McInturf, der langjährige Meinungsforscher von John McCain. Immer noch sichtlich frustriert über die Wahlniederlage räumte er zwar eigene Fehler ein, verwies aber auf die düsteren Makrotrends (Wirtschaftslage, politische Stimmung im Land, Zustimmungsraten für den amtierenden Präsidenten), vor deren Hintergrund diese Wahl stattfand. Kein republikanischer Kandidat hätte gegen diese Trends bestehen können, so McInturf. Mit dieser Aussage hatte er sicher Recht. Fragen nach der unglücklichen Vizepräsidentschaftskandidatenwahl von Sarah Palin oder die aufgesetzte „Joe, the Plumber“-Kampagne wehrte er allerdings ab. All das sei nicht entscheidend gewesen. Zentral für den Wahlkampf war für ihn die Finanzkrise, die das Rennen zugunsten von Obama verschoben habe. Als weiterer Wahlverlierer war Hillary Clintons Chefstratege Mark Penn geladen. Der CEO der weltweit agierenden PR-Firma Burson-Marsteller ging in seiner Rede kaum auf den Vorwahlkampf ein. Er betonte hingegen die historische Bedeutung der Präsidentschaftswahl für die Demokraten. Erstmals seit den 1990er Jahren sei eine Mehrheit links der Mitte in den USA möglich. Darauf deuteten die Wahlergebnisse hin. Die Demokraten seien zur Partei der Zukunft (und der Hoffnung) geworden, die Minoritäten, Jungwähler und nahezu alle Einkommensschichten gewinnen konnte.
Am Ende waren ihm jedoch auch kritische Töne zu Hillary Clintons Kampagne zu entlocken. Penn gab offen zu, dass die Planung über den Super Tuesday hinaus besser hätte sein können. Falls er jetzt noch einmal gegen Barack Obama antreten könnte, würde er Jungwähler aggressiver umwerben, deutlichere Kontraste zu Obama zeichnen und intensiver um die verlorenen Delegiertenstimmen in Michigan und Florida kämpfen, so der Meinungsforscher. Das Wichtigste sei jedoch, dass die Demokratie in den USA gesund und munter sei. Politische Partizipation sei zu einem echten Massentrend geworden. Dunn und McInturf stimmten – ganz im Sinne der von Obama geforderten Überparteilichkeit - kopfnickend zu.
Blogeintrag von Maik Bohne
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Palin und Clinton in SNLMittwoch, 17. September 2008
Saturday Night Live, kurz SNL, ist seit Jahren eine der Kultshows im amerikanischen Fernsehen, die sich immer noch gegen die Daily Show oder den Colbert Report behaupten kann. Bill Clinton spielte hier einst das Saxophon, George W. Bush bekam hier regelmäßig sein Fett weg. Paradedisziplin der Crew ist die Parodie.
Das war am Samstag mal wieder eindrucksvoll mitzuerleben, als Sarah Palin (alias Tina Fey) und Hillary Clinton (alias Amy Poehler) in den Ring stiegen, um sich über Sexismus im Wahlkampf auszulassen. Ein absolutes Highlight, vor allem die Imitation von Sarah Palin durch Tina Fey:
Was hat sie, was er nicht hat?Dienstag, 2. September 2008
Sie ist jung, extrem konservativ und technikfreundlich - damit kompensiert sie alle Defizite John McCains. Aber die Clinton-Anhänger wird Sarah Palin nicht in ihr Lager ziehen.
Der 72-jährige John McCain hat im Wahlkampf stark mit seinem Alter zu kämpfen. Nicht, dass er sich als schwach und gebrechlich erweisen würde. Dennoch wird ihm Skepsis entgegengebracht und die Sorge, er könne das Ende der Amtszeit nicht mehr erleben. Umso wichtiger ist, dass seine Vize im Falle eines Falles sofort das Präsidentenamt übernehmen könnte. Das kann man beim besten Willen nicht über Palin sagen. Die 44-jährige Sarah Palin ist nicht nur jünger als Barack Obama, sondern auch unerfahrener. Sie bringt weniger als zwei Jahre Erfahrung als Gouverneurin von Alaska mit, einem Staat mit weniger als einer Million Einwohner. Die Zielgruppe der evangikalen Rechten begrüßt Palin uneingeschränkt. Sie bezeichnet sich selbst als konservative Republikanerin und bezieht zu den Wertefragen Abtreibung und Stammzellenforschung wesentlich klarer Stellung als John McCain. Selbst James Dobson, einer der Führer der christlichen Rechten und bisheriger McCain-Gegner, kündigte an, er könne nun doch einen republikanischen Präsidenten wählen. An Glaubwürdigkeit mangelt es ihr wahrlich nicht, Sarah Palin lebt die konservativen Werte, denn sie ist selbst Mutter von 5 Kindern und ihr jüngstes Kind leidet am Down-Syndrom. Selbst die 17-jährige Tochter, die soeben für Schlagzeilen sorgte, weil sie im im 5. Monat schwanger ist, wird nun heiraten und das alte Ordnungsmodell wieder herstellen. Was Technikfreundlichkeit und Offenheit für das Internet betrifft, so ist Sarah Palin McCain weit voraus. Das jedenfalls berichtet die Bloggerin Nancy Scola auf der Website von TechPresident. Demnach hat Sarah Palin sich für Alaska's Check Book eingesetzt, eine Website, die staatliche Aufträge und Geschäfte transparent macht. Palin scheint moderner Technologie auch im Alltag zugetan, zumindest der, die man in die Hosentasche stecken kann. Auf dem Foto ist die Kandidatin für das Vizepresidentenamt mit ihrem wenige Wochen alten Sohn in der einen und einem Mobiltelefon in der anderen Hand, während das Blackberry vor ihr liegt. Wie hierzulande Ursula von der Leyen gelingt es Sarah Palin, Karriere und ein konservatives Mutterbild zu vereinen. Doch sie ist keine Hillary Clinton, die auch die Kompetenz für das Präsidentenamt mitbringt. Allein deshalb dürfte McCains Rechnung nicht aufgehen, die gender-motivierten Hillary-Unterstützer mit Sarah Palin auf seine Seite zu ziehen. Hillary At Her BestMittwoch, 27. August 2008
Es war ein emotionaler Tag für Hillary Clinton und ihre Anhänger. Gerne hätte die Kandidatin am Donnerstag gesprochen, um die Nominierung ihrer Partei anzunehmen. So blieb ihr nach der verlorenen Vorwahl nur der 20-minütige Prime-Time-Spot am Dienstag vorbehalten. Allerdings hätte dieser 26. August nicht symbolbeladener sein können, ist er doch der offizielle der Tag der Gleichberechtigung und der 88. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts in den USA.
Auch wenn Michelle Obama noch in ihrer Rede am Montag deutlich gemacht hatte, dass die viel beschworene gläserne Decke für Frauen in den USA durch Clinton und ihre Kampagne 18 Millionen Sprünge bekommen habe, so blieb doch ein fader Beigeschmack bei vielen Hillary-Unterstützern übrig. Sie dachten sicherlich: „Sprünge sind ja schön, aber Barack Obama verhinderte, dass die Decke komplett gesprengt worden ist.“ Nun zu Clintons Rede. Sie machte alles richtig. Die Ex-First Lady gab eine eindrucksvolle Unterstützungserklärung für Obama ab („Obama is my candidate“). Sie machte deutlich, dass es ab jetzt um mehr geht als um ihre Person, ergo: um die richtigen Problemlösungen für das Land ("Whether you voted for me, or voted for Barack, the time is now to unite as a single party with a single purpose. And you haven’t worked so hard over the last 18 months, or endured the last eight years, to suffer through more failed leadership”). Gleichzeitig griff Clinton das Duo John McCain und George W. Bush frontal an („it is hard to tell them apart“). So weit, so gut. Was den geschulten Beobachter aber ins Mark traf, war die Qualität von Clintons Rede. Jetzt erst, nach der bitteren Niederlage gegen Obama, scheint sie ihre Stimme gefunden zu haben. Wie weggeblasen schienen die künstlich wirkenden Auftritte der Sachpolitikerin, die auf ihre Stärke und Erfahrung setzte und dabei die emotionale Ansprache der Wähler vergaß. Hillary war witzig, rhetorisch auf der Höhe, Gestik und Mimik passten, sie war einfühlsam und bissig zugleich. In der Tat schien sie wie verwandelt. Eine Frage hat viele Zuhörer an diesem Abend sicher beschlichen: What if? Was hätte möglich sein können, wenn sie von Anfang an so aufgetreten wäre? Hier die komplette Rede in drei Teilen: Teil 1: Teil 2: Teil 3:
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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14:23
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Joe Biden: Eine gute WahlMontag, 25. August 2008
Barack Obama hat die übliche Kritik einstecken müssen nach seiner Entscheidung für Joe Biden als „running mate“. Biden sei eine ZU sichere Wahl. Obama habe sich nicht getraut, den von ihm propagierten politischen Wandel mit einem jungen, energischen, zukunftsorientierten Politiker wie Virginias Gouverneuer Tim Kaine (50) oder Iowas Senator Evan Bayh (52) zu unterstreichen. So zumindest einige Kommentatoren. Diese Kritik mag berechtigt sein. Insgesamt war die Wahl von Senator Biden aber ein sehr kluger Schachzug von Obama. Biden ergänzt das Ticket in drei entscheidenden Punkten. Er kann helfen, die größten Schwächen des jungen Senators zu korrigieren.
1. Politische Erfahrung Es gibt kaum einen anderen Politiker in Washington, der so viel Erfahrung in außen- und innenpolitischen Sachfragen hat wie Joe Biden. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat ist ein gefragter Gesprächspartner in Paris oder Berlin, in Tiflis oder Peking. Immer stärker zeigt sich in Umfragen, dass die Wähler die größten Zweifel an Obama anmelden, wenn es um Außenpolitik und nationale Sicherheit geht. Bei diesen Themen hat McCain klar die Nase vorn. Das zeigte sich auch wieder im Georgien-Konflikt, als McCain selbstsicherer als Obama Stellung nahm zu den Geschehnissen im Kaukasus. Biden kann helfen, der Obama-Kampagne mehr außenpolitische Gravitas zu geben. 2. Otherness Mike Podhorzer, Kampagnenchef der Gewerkschaften in den USA, sagte mir kürzlich im Interview, dass viele weiße Arbeiter nach politischem Wandel verlangten, aber nicht wissen, ob sie SO VIEL Wandel wollen. Die Andersartigkeit Obamas, seine Hautfarbe, seine Fähigkeit zu inspirieren, seine rhetorischen Fertigkeiten, stoßen bei vielen kulturell konservativen Amerikanern nicht nur auf ungeteilte Freude, sondern auf große Skepsis. Joe Biden ist der richtige Kandidat, um diesen Wählern zu versichern: Alles ist okay! Biden stammt aus einfachen Verhältnissen; aus Trenton (Pennsylvania), einer der alten, großen Arbeiterregionen des Landes. Er kennt den Rust Belt sehr genau. Zudem ist Biden schon vom Äußeren her eine Art Rückversicherung für skeptische Wähler. Er ist alt, weiß, ein erfahrener Haudegen. 3. Attack Dog Joe Biden ist ein der schärfsten und redegewandtesten Kritiker George W. Bushs und der Republikanischen Partei. Er hat die Aura und Chuzpe, den Attacken McCains contra zu geben. Obama braucht solch einen Attack Dog, hat er sich doch in den letzten Wochen unnötig in die Defensive drängen lassen, weil das Team McCain erfolgreich war, in als abgehobenen, leichtgewichtigen Politstar ohne Erfahrung zu portraitieren. Bidens eloquente Angriffe auf McCain bei seinem Auftritt mit Obama am Samstag in Springfield, Illinois, gaben einen Vorgeschmack auf die Dinge, die im Herbst folgen werden. Natürlich birgt die Nominierung Bidens auch eine Gefahr. Für einen Vizepräsidentschaftskandidaten kommt es vor allem darauf an, intelligent im Halbschatten der Kampagne zu wirken. Biden ist dafür bekannt, dass er ein loses Mundwerk besitzt, das ihm schon an vielen Stellen seiner Karriere zum Verhängnis geworden ist. U.a. kritisierte er Obama während des Vorwahlkampfes ganz offen als zu unerfahren für den Job des Präsidenten. Die Republikaner zögerten deshalb auch nicht lange und produzierten innerhalb weniger Stunden einen TV-Spot mit Bidens Aussagen: Mittlerweile hat das McCain-Team nachgelegt. Nun ist es Hillary Clinton, die gegen Obama in Stellung gebracht wird. Implizit erinnert dieser Spot viele weiße, weibliche Wähler daran, wer die eigentliche Kandidatin für das Vize-Amt hätte sein können. Obamas VizeSamstag, 23. August 2008
Die Bekanntgabe von Barack Obamas Vizepräsidenten spannt nicht nur die Amerikaner auf die Folter. Seit Obamas Kampagne verkündete, dass die Neuigkeit per SMS versendet wird, herrscht angespanntes Warten bei allen, die sich für diesen Info-Dienst registriert haben. Die 31-jährige Alice Marwick, die in Manhattan studiert, ist eine von ihnen und hat schon eine SMS erhalten, die sie in Aufregung versetzte:
„Thank you for your support. Barack wants you to know he has chosen Hillary Clinton as his VP.“ Erst als sie im Internet recherchierte, stellete sich heraus, dass es sich um einen Scherz handelte. Wer dahinter steckt, ist bislang unbekannt, aber Alice Marwick, die an der New York University im Fach Neue Medien promoviert, vermutet den Hacker in ihrem Freundeskreis. Sie sagt, diese Aktion zeige einfach, wie leicht es ist, die Technologie zu überlisten. Ein aussagekräftigerer Hinweis auf Barack Obamas Vizepräsidenten könnte eine E-Mail sein, die angeblich aus der Obama-Kampagne an die Huffington Post gelangte.Nach Angaben der Online-Zeitung sind bereits T-Shirts und andere Obama-Biden Kampagnen-Artikel am Donnerstag verschickt worden. "Obama-Biden campaign items will be posted on Thursday, Aug. 21, 2008." Schenkt man diesen Spekulationen Glauben, wäre Joe Biden, den wir in dieser Woche als den Anwärter mit der größten Chance auf dasVizepräsidentenamt ausgemacht haben, tatsächlich ausgewählt. Wer wird Obamas VP?Dienstag, 19. August 2008
Ein beliebter Sport unter Politjournalisten in den USA ist das Ratespiel „Wer wird Vize?“ Die V-Frage ist derzeit in aller Munde, hat Barack Obama doch angekündigt, Die Wahl seines "Running Mate" im Laufe des morgigen Tages bekannt zu geben. Ganz nach Obama-Art werden es aber nicht die Journalisten sein, die zuerst von der Entscheidung erfahren, sondern Menschen wie Du und ich, die sich im Vorfeld per SMS oder Internet auf my.barackoabama.com registrieren lassen haben (s. Beitrag Strukturwandel in der Öffentlichkeitsarbeit)
Nun zur V-Frage. Wer wird es? Die besten Chancen hat zurzeit ein Kandidat, der erst vor Kurzem in den Kreis der Aspiranten aufgestiegen ist (ein sicheres Zeichen für einen heißen Tipp): Joe Biden. Der langjährige Senator und Konkurrent von Obama im Vorwahlkampf bringt die nötige internationale und innenpolitische Erfahrung mit, die Politnovize Obama so dringend braucht. Ein erfahrener, eloquenter Politiker an der Seite des jungen Wandelpredigers. Das macht Sinn. Hoch im Kurs steht zudem der Senator aus Indiana, Evan Bayh. Auch er ist ein erfahrener Politiker, der seine politische Heimat in einem Staat hat, der zu den am härtesteten umkämpften Battleground States dieser Wahlsaison gehören wird. Bayh trägt jedoch den Makel mit sich herum, den Irak-Krieg 2003 offen unterstützt zu haben. Ein Widerspruch zur Position Obamas. Ansonsten gibt es noch Tim Kaine, Gouverneur aus Virginia, einem weiteren Schlüsselstaat. Kaine ist jung, er hat Exekutiverfahrung und nationale Ambitionen. Zudem könnte er das Thema Wandel und Generationswechsel perfekt zusammen mit Obama verkörpern. Da aber immer deutlicher wird, dass viele Wähler schon die Wahl Barack Obamas selbst als forschen Schritt des Wandels ansehen, wird Kaine es aller Voraussicht nach nicht. Der junge Senator aus Illinois braucht einen erfahrenen Politiker an der Seite, um das Ticket auszubalancieren. Alles spricht für Biden… Auch wenn sich eine Mehrheit der Demokraten immer noch Hillary Clinton als VP wünscht, so wird sie es sicherlich nicht. Auch Kathleen Sebelius, die noch vor ein bis zwei Monaten hoch gehandelte Kandidatin, ist ein zu unbeschriebenes Blatt aus dem Staate Kansas, der für Obama nicht zu gewinnen sein wird. Ob sich Barack Obama mit der Nicht-Berücksichtigung einer Frau schaden wird, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung für einen Mann wird die weiblichen Clinton-Unterstützerinnen aber sicher nicht gerade in seine Arme treiben. Wir warten gespannt auf die Entscheidung… Das soll einmal mehr die Basisorientierung der Kampagne symbolisieren, hat aber den schönen Nebeneffekt, dass Obama weiter fleißig Adressen und Telefonnummern seiner Unterstützer sammeln kann.
Blogeintrag von Maik Bohne
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Große Kunst im WahlkampfMontag, 21. Juli 2008
JibJab is back! Die Humorspezialisten, bekannt für satirisch-bissige Web-Videos, schalten sich wieder in den Präsidentschaftswahlkampf ein. Mit ihrem witzigen Film: „Time for Some Campaignin`“ haben sie einmal mehr einen Internet-Hit gelandet. Bekannt geworden ist die Gruppe mit ihrem Stück „This Land“, das der erste große virale Internet-Erfolg des Wahljahres 2004 war.
In ihrem neuen Video lassen die Macher nichts aus. George W. Bush, Dick Cheney, Hillary Clinton, John McCain und Barack Obama, sie alle bekommen ihr Fett weg. Die schönste Szene: Obama reitet auf einem Einhorn durch den Zauberwald des Wandels. Großartig! Sehen Sie selbst:
Blogeintrag von Maik Bohne
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10:55
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Warum Obama Clinton nicht brauchtMontag, 7. Juli 2008
Es war eine schöne Veranstaltung in Unity, New Hampshire. Beide Kandidaten feierten ihre Einheit (und sich selbst). Obamas Schlips passte zu Clintons Hosenanzug, beide fielen sich in die Arme und lobten sich bis über den grünen Klee. Alles perfekt.
Beobachter dieser Szene stellten sich natürlich sogleich die Frage, ob die neue Eintracht auch ein Ticket Obama-Clinton zeitigen könnte. Einiges würde für dieses Traum-Duo sprechen. Unter anderem könnte Hillary Clinton die obamafernen Wählerschichten zurück in die Partei bringen und dem Ticket eine deutliche Prise politische Erfahrung beigeben. Mir stellte sich allerdings eine andere, eher ketzerische Frage: Braucht Barack Obama Hillary überhaupt noch? Erstens: Die demokratischen Hillary-Wähler sammeln sich schon jetzt hinter Obama. Kürzlich fand eine Umfrage von NBC und Wall Street Journal heraus, dass Frauen, die in den Vorwahlen für Clinton gestimmt hatten, Obama klar gegenüber McCain favorisieren (61% zu 19%). Auch Hispanics stehen zu großen Teilen hinter der Kandidatur von Barack Obama, der in dieser Zielgruppe 30 Prozentpunkte vor John McCain liegt. Schaut man ganz allgemein auf die potenziellen Abweichler bei den Demokraten, die ihre Stimme John McCain geben wollen, so liegt diese Zahl unter 10%. Ein normaler Wert. Man sieht, dass die Partei sich schneller hinter ihrem Kandidaten vereinigt hat als angenommen. Sicher ist der harte Vorwahlkampf bei vielen nicht vergessen. Die Erinnerung an diese Zeit wird aber verblassen, sobald die inhaltlichen Gegensätze zu McCain deutlicher werden. Zweitens: Obama ist finanziell autark. Zwar traf er sich erst kürzlich mit den Top-Fundraisern der Clinton-Kampagne in Washington, DC. Dies war aber eher dem Anstand gegenüber Hillary gezollt und deutete weniger auf den Bedarf an einer kräftigen Geldspritze hin. Obama hat ein unglaubliches Netzwerk von über 1,5 Millionen Kleinspendern aufgebaut. Diese grasverwurzelte Geldmaschine wird ihn mit genügend finanziellen Ressourcen bis zum Wahltag am 4. November versorgen und ihm das Image des volksfinanzierten Kandidaten verleihen. Clintons Edelgeldgeber stören da nur. Drittens: Hillary Clinton und ihr Mann Bill, mit dem sich Obama inzwischen ausgesprochen hat, sind gute Wahlkämpfer. In bestimmten Gegenden der USA werden sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Arbeiter, Kleinstädter und Senioren von Obama zu überzeugen. Insgesamt möchte Barack aber ein neuer, anderer Kandidat sein, der gegen den Status Quo in Washington kämpft. Für diesen Status Quo stehen die Clintons jedoch wie kaum eine andere Politikerfamilie. Sie wecken Erinnerungen an eine Zeit der politischen Grabenkämpfe und Skandale, die Obama weit hinter sich lassen möchte. Mein Rat an Obama: Mach Dein (eigenes) Ding! Die Macht des TeamsMittwoch, 2. Juli 2008![]() Einen Tag der choreografierten Einheit nannte die New York Times den ersten gemeinsamen Auftritt von Hillary Clinton und Barack Obama. Nicht nur ihre Äußerungen, ihre Mimik, Gestik, Körpersprache, auch ihre Outfits waren an diesem Tag auf einander abgestimmt. „Unity is not only a beautiful place, it’s a wonderful feeling isn’t it?“ sagte Hillary Clinton und fügte an: „ I know what we start here in this field of unity will end on the steps of the Capitol when Barack Obama takes the oath of office.“ Mit diesen Worten lagen sich die vorherigen Rivalen in den Armen und winkten der jubelnden Menge zu. Was deutschen Beobachtern vielleicht unglaubwürdig erscheinen mag, scheint dennoch zu funktionieren. Zahlreiche „Hillary“- Plakate und –Rufe ragten aus der Menge. Die Demokraten sind noch gespalten in Hillary- und Obama-Fans. Um Clintons-Anhänger nicht an McCain oder die Passivität der Nicht-Wähler zu verlieren, muss Obama auf Einheit mit seiner vormaligen Konkurrentin setzen. Dabei geht es besonders um die Stimmen der weißen männlichen Arbeiterschaft, die bislang nur Clinton gewann. Vielleicht ist es auch gar nicht möglich einen Kandidaten so divers zu präsentieren und zu verbiegen, dass er allen Wählergruppen entspricht – ein Problem, das auch deutsche Kandidaten wie Kurt Beck teilen. Ein Blick auf Barack Obamas iPod-Playlist, die gerade in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde, zeigt dies:
Doch gerade diese weiße Arbeiterschicht und ihre musikalischen Vorlieben könnten wahlentscheidend sein. Die Ignoranz dieser Musikkultur wird von der Süddeutschen Zeitung als mutig empfunden. Es sieht ganz so aus, als würde Hillary Clinton demnächst ihre Vorliebe für Country-Musik bekannt geben... Das Thema IrakFreitag, 27. Juni 2008
Barack Obama hat seinen Vorwahlsieg auch dem Thema Irak zu verdanken. Im Wahlkampf betonte er stets seine Opposition gegen den Krieg, vor dem er schon 2002 in seiner Chicagoer Rede gewarnt hatte. Das machte ihn beliebt bei der demokratischen Basis, bei progressiven Interessengruppen und Bloggern. Es gab ihm die Möglichkeit, sich substantiell von Hillary Clinton abzusetzen, die sich für ihre Zustimmung zur Irak-Resolution nicht entschuldigen wollte.
In der letzten Woche kam das Thema Irak wieder medial auf die Agenda. Die New York Times berichtete von „Big Gains for Iraq´s Security“, der Economist titelte “Is it turning a corner?” Die Sicherheitslage im Irak hat sich seit der neuen Strategie der amerikanischen Zusammenarbeit mit sunnitischen Stammesführern (Sunny Awakening) deutlich verbessert. Die steigenden Ölpreise füllen die Kassen des Staates, auch politische Kompromisse über die föderale Ordnung, über die Finanzverfassung und das neue Rentensystem rücken näher. Natürlich ist die Lage weiterhin äußerst instabil. Es gibt immer noch verheerende Anschläge, Al-Qaida ist in einigen Provinzen wie Diyala nordöstlich von Bagdad weiterhin stark, die Armee des schiitischen Predigers Muktada Al Sadr kann jederzeit den Aufstand gegen das Regime in Bagdad proben. Generell scheint sich die Lage aber zu beruhigen. Die Frage kommt auf: Schadet dieser Erfolg Barack Obama, der einen schnellen Truppenabzug möchte? Gibt er McCain die Chance, sich als vorausschauender und erfahrener Außenpolitiker zu präsentieren, dessen Durchhalteparolen im Irak sich nun auszahlen? Chris Cillizza von The Fix hat sich des Themas angenommen und dazu eine Umfrage unter demokratischen und republikanischen Politikberatern gestartet. Das Ergebnis ist eindeutig: Obama kann von der Situation im Irak nur profitieren. Aus zwei Gründen: Zum einen haben die US-Bürger ihr Urteil über den Irakfeldzug bereits gefällt. Unabhängig von der dortigen Sicherheitslage geben heute konstant über 60 Prozent an, dass es sich nicht gelohnt hat, diesen Krieg zu kämpfen. Die Mehrheit ist für einen Truppenabzug. Zum anderen hat die Entspannung im Irak zur Folge, dass sich die Agenda noch stärker als bisher auf innenpolitische Themen, sprich: Wirtschaft und Arbeit, konzentriert. Ein großes Problem für einen National-Security-Kandidaten wie John McCain.
Blogeintrag von Maik Bohne
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17:28
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1 Million Obama-Fans auf FacebookMontag, 23. Juni 2008 Barack Obama hat nun über 1 Million Freunde auf Facebook. Laut Politics Online ist das mehr als jede andere Seite in der Facebook-Geschichte jemals erreicht hat. Allerdings revidierte Pensito Review diese Meldung bereits und gibt an, dass die Gruppe One Million Against Hillary Clinton schon vor zwei Monaten die Millionen-Grenze überschritten hat. Was an dieser Stelle vielleicht paradox anmuten mag, Hillary Clinton ist auch der Grund für den plötzliche Zuwachs auf Obamas Facebook-Profil, da ihr Ausscheiden aus dem Rennen tausende Demokraten zu einer Neuorientierung bewegte. Barack Obama bedankte sich mit einer Notiz bei seinen Facebook-Freunden und nutzte den Moment, um zu weiterem Engagement zu mobilisieren. Er forderte auf, die Obama-Applikation zu installieren, die aktuelle Informationen über die Kampagne liefert. Außerdem sollen die virtuellen Unterstützer auch im realen Leben aktiv werden und lokale Obama-Gruppen in ihrer Stadt oder Schule gründen, um die Freiwilligen zu organisieren. Auch die Skeptiker spricht Obama direkt an. Die in den USA nur allzu oft gestellte Frage "Werden diese Menschen auch zur Wahl gehen?", beantwortet er mit einem klaren Statement: Die Vorwahlen hätten im ganzen Land gezeigt, dass junge Menschen diese Frage mit einem klangvollen JA beantworten, das zeige sich in historischen Zahlen. John McCain, der ebenfalls in die Internet-Offensive gehen will, hat in das Foto seines Facebook-Profils den Textbanner "A Leader we can believe in" eingefügt. An ihn glauben aber - zumindest auf Facebook - nur 151.430 Anhänger. PS: Heute hat Obama 1.032.717 Anhänger. Obama mit VorsprungFreitag, 20. Juni 2008
Die neueste Umfrage von Washington Post und ABC News hält interessante Daten und Trends für den beginnenden Zweikampf zwischen Barack Obama und John McCain bereit. Das Wichtigste zuerst: 48 Prozent der Wähler würden sich derzeit für Obama entscheiden, 42 Prozent für McCain. Weitere Indikatoren deuten auf Vorteile für den jungen Senator aus Illinois hin. Es gibt aber auch Zahlen, die Obamas Team Kopfschmerzen bereiten sollten.
Das Land giert nach Wandel Die politische Stimmung in den USA steht eindeutig auf Wechsel. Die Zustimmungsraten für Präsident George W. Bush sind auf einem erneuten Tiefststand angelangt. Nur 29% der Befragten sind noch mit seiner Arbeit zufrieden, 68% stehen ihm ablehnend gegenüber (davon 54% sogar stark ablehnend). Erstaunliche 84% Amerikaner sehen das Land auf dem Weg in eine falsche Richtung, ein Allzeithoch. Fragt man Wähler nach ihren Parteipräferenzen für die Kongresswahlen, so entscheiden sich 52% für die Demokraten, nur 37% für die Republikanische Partei. Agenda ist günstig für Obama Das wichtigste Thema für die Wähler ist mit Abstand „Wirtschaft und Arbeitsplätze“ (33%), dahinter folgen „Irak“ (19%), „Krankenversicherung“ (8%) und „Energie“ (6%). Die Themen „Terrorismus“ (4%), „Steuern“ (2%), „Werte und Moral“ (2%) und „Kampf gegen den Terrorismus“ (2%) liegen vergleichsweise weit abgeschlagen dahinter. Beim Kernthema „Wirtschaft und Arbeit“ hat Obama einen deutlichen Kompetenzvorsprung von 16 Prozentpunkten vor McCain, ähnlich sieht es bei den Themen „Krankenversicherung“ (53-33), „Energie/Benzinpreise“ (50-30) und „Klimawandel“ (55-28) aus. Beim Thema „Irak“ geben die Befragten Obama ähnlich hohe Kompetenzen wie McCain (46-47). Nur bei den Punkten „Internationale Erfahrung“ und „Kampf gegen den Terrorismus“ liegt der politische Haudegen McCain vorne. Insgesamt sagen 60% der Wähler, dass Obama der Kandidat ist, der den nötigen Politikwechsel am Besten herbeiführen kann. McCain trauen dies nur 26% zu. Ein großes Plus in einem Wahlkampf, der von Wechsel und Wandel bestimmt ist. Mythos Obama lebt und motiviert Der teils erbittert geführte Zweikampf gegen Hillary Clinton konnte der positiven Sichtweise der Menschen auf Obama wenig anhaben. 63% haben eine positive Meinung von Barack Obama, nur 33% schätzen ihn negativ ein. Ein Traumwert für jeden Wahlkampfmanager! John McCains Zahlen (56-38) sind gut, die Mehrzahl der Wähler folgt Obamas Kandidatur jedoch enthusiastischer (55%) als McCains (45%). Obama hat zudem eine höhere Zahl an Festentschlossenen in seinen Reihen. 73% seiner Sympathisanten haben sich schon jetzt entschieden, ihre Stimme für ihn abzugeben. Von den 25% der unsicheren Obama-Kantonisten halten es nur 7% für wahrscheinlich, dass sich ihre Stimmung noch einmal ändern wird. Dagegen sind 31 Prozent von McCains Anhängern noch unschlüssig, ob sie dem „Mac“ ihre Stimme geben sollen, 17% davon halten einen Wechsel zu Obama sogar für wahrscheinlich. Ungemach inmitten positiver Daten Die Washington Post/ABC-Umfrage zeigt aber auch Schwachstellen Obamas auf. Bei den wichtigen Wählern der Mitte, den sog. Independents, liegen Obama und McCain weiterhin gleich auf. Obama scheint zudem Probleme zu haben, die Gräben innerhalb seiner Partei zu schließen. Nur acht von zehn Demokraten unterstützten Obama, McCain kann hingegen auf die Unterstützung von 90 Prozent der Republikaner bauen. Die Unzufriedenheit mit dem Ausgang des demokratischen Vorwahlkampfes sieht man auch bei der Frage nach einem möglichen Vizepräsidentschaftskandidaten für Obama. 46% geben an, dass er sich für Hillary Clinton entscheiden sollte. Alle anderen Kandidaten liegen abgeschlagen dahinter. Obamas größte Schwäche ist jedoch seine fehlende Erfahrung. Obwohl er sich politische Sporen im Duell mit Hillary Clinton verdient hat, haben sich seine Werte im Bereich „experience“ nicht verbessert. Nur 50 Prozent der Befragten gaben an, dass Obama die nötige Erfahrung besitzt für das Präsidentenamt, genauso viele wie im März. Ein klares Einfallstor für McCain. Campaigns will matter! Alles in allem bleibt das Rennen spannend. Die Kampagnen haben viel Arbeit vor sich. Das zeigen auch die Daten. Trotz eines langen, informationsgesättigten, zermürbenden Vorwahlkampfes geben über die Hälfte der Wähler an, wenig bis gar nichts über die Kandidaten und ihre Positionen zu wissen.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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09:19
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Hillarys Fehler – Ein KommentarMontag, 9. Juni 2008
Hillary Clinton machte am Samstag auf ihrer Abschiedsgala in Washington alles richtig. Sie unterstützte Barack Obama vorbehaltlos, sie trat nicht nach, sie forderte ihre Anhänger auf, für den Sieg im November zu kämpfen. Mit dieser Geste dämpfte sie die Kritik von Teilen der Parteielite, die sich ein früheres Ausscheiden der Ex-First Lady gewünscht hatten. So endete ein geschichtsträchtiger, geradezu epischer Vorwahlkampf der Demokraten. An dieser Stelle wollen wir einen analytischen Blick zurück wagen auf die Kandidatur und die Kampagne Hillary Clintons. Wie konnte es passieren, dass eine so etablierte Kandidatin, die noch im Dezember 2007 nahezu unangefochten vor ihren Herausforderern lag, gegen einen schwarzen Politnovizen mit einem unaussprechlichen Namen verlieren konnte? Es gibt drei wesentliche Gründe: 1) Botschaft Clintons Chefstratege Mark Penn positionierte Hillary Clinton zu Beginn der Kampagne als „Ready to Lead“. Hillary betonte ihre politische Stärke, Erfahrenheit und Sachkenntnis, auch um Zweifel an einer weiblichen (führungsschwachen) Kandidatin zu zerstreuen. Zudem deutete das „Ready to Lead“ einen Gegensatz zu George W. Bushs Präsidentschaft an. Das Land gierte nach verlässlicher Führung, nach guten (sachlichen) Lösungen, nach Kompetenz statt Unfähigkeit, so die Einschätzung des Clinton-Teams. Mit dieser Ausrichtung wählte die Kampagne allerdings das falsche Spielfeld. Den Wählern ging es vorwiegend um Wandel, weniger um Sachlichkeit und schnöde Kompetenz. So konnte sich Barack Obama den Mantel des wahren Wandelpredigers überstreifen. Clinton bot ihm die Möglichkeit, das politische Wort des Jahres („Change“) zu besetzen, u.a. durch ihre Weigerung, sich für die Autorisierung des Irakkrieges zu entschuldigen. Später versuchte Hillary krampfhaft, Obamas Botschaft zu kooptieren mit Slogans wie „Ready for Change“ oder „Yes, She Will“. Das wirkte unauthentisch, künstlich, reaktiv. Ein weiterer Fehler Clintons war es, die Kandidatur als Kampagne der Unvermeidlichkeit darzustellen. Zu Beginn rief sie voller Selbstbewusstsein: „I Am In to Win!“. Das war nachvollziehbar, weil sie lange Zeit unangefochten in den Meinungsumfragen vor ihren Herausforderern Barack Obama und John Edwards führte. Clinton wollte mit dieser Art von Kampagne ihren Gegnern die Luft zum Atmen nehmen, sie wollte der Parteielite ihre Dominanz zeigen, ihren natürlichen Anspruch auf die Nominierung deutlich machen. Eine solche Strategie funktionierte nur so lange, wie Hillary Clinton unverletzlich erschien; sie musste aber in sich zusammenfallen, als sie erste Schwächen während der TV-Debatten im Herbst und schließlich in den ländlichen Weiten Iowas zeigte. Clintons Strategie der Unvermeidlichkeit ermöglichte es Barack Obama erst, sich als populistisch-positiver Außenseiter zu etablieren, der gegen den Status Quo in Washington antrat, gegen die alte Form, Politik zu machen, gegen die Powerplays und Ränkespiele der Eliten, die die Menschen in den USA so satt haben wie in anderen westlichen Staaten auch. 2) Kampagne Hillary Clintons Team führte eine gute, solide, professionelle Kampagne. Sie bezog neue Kommunikationsformen in ihren Wahlkampf ein, allen voran das Internet. Wir erinnern uns an das Web-Video mit ihrem Mann Bill, das nach Machart der Sopranos gedreht worden war. Das Problem: Clinton nutzte das Internet nur punktuell, nur sporadisch. Während Barack Obama virtuos mit dem Netz arbeitete, es zum natürlichen Bestandteil seiner Kampagnenstrategie und –botschaft machte, sahen die Verantwortlichen der Clinton-Kampagne es als nettes Zubrot zum traditionellen Medienwahlkampf an, nicht aber als ein Meta-Medium, das ganz neue gesellschaftliche Tiefenwirkung erzielen kann. Von dieser Tiefenwirkung profitierte Obama. Seine Kampagne zeigte sich offen gegenüber innovativen Einflüssen aus der Netzwelt, sie nutzte das Potenzial der interaktiven Kreativgemeinde, ohne je die Kontrolle über die eigene Botschaft zu verlieren. Auch das Fundraising der Clintons lief sehr traditionell ab. Mit Terry McAuliffe hatte sich Hillary den „Mr. Money“ der Demokraten ins Boot geholt. McAuliffe organisierte das Geldsammeln auf traditionelle, elitäre Weise, so wie er es in den 1990er Jahren unter Bill Clinton gelernt hatte. Das Motto: Kleine Geldspenden unter 200 Dollar sind schön, aber das große Geld treiben wir bei den affluenten Spendern, bei den „Fat Cats“ ein. Die Strategie: große Fundraising-Dinner, ein Quotensystem für sog. „Hillraiser“, private Treffen mit Millionären in Hollywood und New York. Auch Barack Obama bat um Spenden und Bündeldienste der besser Verdienenden, sein Hauptaugenmerk lag jedoch auf dem Ausbau der Klein(st)spenderbasis. Das Resultat kann sich sehen lassen: Obama schuf ein Netzwerk von über 1,5 Mio. Spendern, die im Schnitt 100 Dollar an die Kampagne gaben. Diese Spenden kamen zu 90% über das Internet (und damit kostengünstig und schnell) herein. 3) Strat |