UmfrageWer wird die Präsidentsschaftswahl gewinnen?
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Die Gewinner des MoveOn-Videowettbewerbs sind bekanntgegeben worden: David Gaw und Lance Mungia produzierten das Video „Obamacan“. Wie man „Obamacan“ übersetzt, zeigt das Urban Dictionary. Es handelt sich dabei um ein Wortspiel aus den Namen des Kandidaten Obama und der Bezeichnung „Republican“ für Anhänger der konservativen Partei.
In „Obamacan“ erzählt ein Veteran, der jahrelang republikanische Kandidaten unterstützt hat, dass er voll hinter Barack Obama steht und ihn wählen wird. Die Prämierung dieses Videos gilt strategisch als brillianter Schachzug der MoveOn-Jury, da der Werbefilm sich an republikanische Wähler richtet, die sich zwischen Obama und John McCain noch nicht entschieden haben. Mit über 400.000 Clicks erreichte der Spot bereits enorme Aufmerksamkeit auf YouTube und wird nun auch in den Staaten Ohio, Colorado, and Wisconsin im US-Fernsehen ausgestrahlt. Laut Politico stehen dafür 200.000$ zur Verfügung. Wie die Kommentare im Politico-Blog zeigen, hinterlässt der Spot bereits erste Spuren bei Republikanern. So fragt EDFromNH die Obama-Kampagne, ob sie auch Buttons mit der Aufschrift „Republicans für Obama“ zur Verfügung stellen… Es lohnt sich auch ein Blick auf die anderen prämierten Videos des Wettbewerbs unter obamain30seconds.org.
Blogeintrag von Ute Pannen
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Brücken schlagen für ObamaFreitag, 2. Mai 2008Der Präsidentschaftswahlkampf findet nicht allein in den USA statt. Die Kampagnen von Barack Obama, Hillary Clinton und John McCain sind bemüht, Amerikaner weltweit in ihren Wahlkampf einzubeziehen. Der beliebteste Kandidat unter den amerikanischen Ex-Patriots: Barack Obama. Er gewann nicht nur die globale Vorwahl der Democrats Abroad mit 66 zu 33 Prozent, sondern nahm auch rekordverdächtige Summen von amerikanischen Bürgern im Ausland ein. Bisher konnte er über $1,4 Mio. an Spenden generieren. Hillary Clinton kam auf $556.000 Dollar, John McCain lediglich auf $127.000. Viele Amerikaner, die aufgrund von Arbeitsplatzwechseln, Militäreinsätzen oder Botschaftsarbeit im Ausland leben, organisieren zurzeit Veranstaltungen für die Kandidaten. Allein für Obama fanden im April große Events in Tokio, Peking und London statt. Eine neue Idee kommt nun von Franko-Amerikanerin Meredith Wheeler. Sie organisierte (ganz im Sinne der verbindenden Botschaft Obamas) einen Brückenschlag der besonderen Art. Im südfranzösischen Lautrec versammelten sich im März Obama-Unterstützer auf einer der malerischen Brücken des Ortes und riefen „Yes, We Span“. Die Idee verbreitete sich in ganz Europa. Brückentreffen fanden bisher u.a. in Paris (Pont Neuf) und in Instanbul (Bosporus-Brücke) statt. Kreative Geister haben sogar das französische Kinderlied „Sur le Pont D´Avignon“ umgedichtet in „Sur le Pont d´Avignon/ on y vote/ on y vote/ Obama“. Wer Lust auf einen obamaschen Brückenschlag in Berlin hat, der sollte sich am Samstag, 3. Mai um 15:30 Uhr auf der Oberbaumbrücke einfinden. Hier schon einmal ein Video aus Frankreich, dem Mutterland des Obama Bridge Project: Netzwerke sind die RevolutionMontag, 21. April 2008
Am Freitag hielt der Techpresident-Blogger Micah L. Sifry zum Ausklang der Politics Web 2.0-Konferenz in London einen Vortrag über die Rolle von Web 2.0 im US-Wahlkampf: Die Netzwerke sind die Revolution, lautet sein Credo, dass sich an einer simplen Frage festmachen lässt. Was ist mächtiger, eine E-Mail-Liste mit einer Million Adressen oder ein Netzwerk von 1000 Bloggern? Anhand der drei Punkte Botschaft, Basis-Mobilisierung und Fundraising zeigte Micah L. Sifry, in welche Richtung die Zukunft weist:
1. Die Botschaft können die Wähler selbst durchaus besser vermitteln als die Kampagnen-Zentrale. Allein die YouTube–Videos Vote Different (5 Millionen Zuschauer), Yes We Can (7 Millionen Zuschauer) und Hillary and the Band (410.000 Zuschauer) haben enorme Aufmerksamkeit erreicht. Phil de Vellis, der Produzent des „Vote Different“-Videos sagte einmal in der Huffington Post, dass er das Video konzipiert hat, um zu zeigen, wie ein einzelner Bürger den Wahlkampf beeinflussen kann. 2. Die Mobilisierung von Freiwilligen geht von den Grassroots-Netzwerken selbst aus. So hatte Joe Antony mit MySpace for Obama die Massen aufgerufen. Farouk Olu Aregbe aktivierte One Million Strong for Barack bei Facebook. Websites wie Meetup.com und eventful.com helfen tausende Menschen vor Ort zu mobilisieren. 3. Nicht zuletzt spiegelt sich die Grassroots-Aktivität und das Netzwerken auch in der Fundraising-Struktur Barack Obamas wider. Er spricht nicht die großen Geldgeber an, sondern den “kleinen Mann”, dessen 20$-Spenden im Gegensatz zu Großspenden auch mehrfach eingehen dürfen. Auch die Grassroots-Organisation MoveOn.org unterstützte Obama, indem sie ihr Netzwerk zum Fundraising aktivierte. Die Lektion lautet also: Netzwerke sind einflussreicher als E-Mail-Listen.
Blogeintrag von Ute Pannen
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Promi-Dinner mit ObamaMittwoch, 26. März 2008
Barack Obamas Kampagne produziert immer neue, kreative Fundraising-Ideen. Vor den Vorwahlen in Iowa konnte man Obama einen Tag des Wahlkampfes schenken, in dem man ihn durch Kleinspenden vom lästigen Geldsammeln auf den üblichen Fundraising-Dinners befreite. Kurz darauf gab Obamas Kampagnenchef David Plouffe die Zielmarke von einer Million Geldgebern aus. Die wurde bereits Ende Januar gerissen. Nun kommt die nächste Sammelaktion frei Haus ins elektronische Postfach. Jeder Sympathisant, der bis zum Monatsende spendet, hat die Chance, ein Dinner mit Barack Obama zu gewinnen. Der Politstar will sich einen Abend Zeit nehmen, um mit den Auserwählten politische Themen zu diskutieren.
![]() Auch diese Aktion ist Teil der Meta-Botschaft, die Obama zum Kern seiner Kommunikation gemacht hat: Ich bin neu, ich bin grasverwurzelt, ich bin nicht Washington! Denn mit dieser Spendenaktion setzt er sich explizit ab vom landläufigen Image des Washingtoner Insiders, der sich von Lobbyisten zum Dinner in teuren Restaurants einladen lässt. Folgerichtig betont Obama in seinem Aufruf zum Abendessen auch, dass 94% seiner Einnahmen aus Spenden unter 200 Dollar generiert werden, und dass er kein Geld von Interessengruppen annimmt. Ob der junge Politstar allerdings selber für seine treuesten Fans kocht, ist nicht weiter bekannt. Hier ein YouTube-Video von einem Grassroots-Dinner mit Obama im Juli 2007: MoveOn will Obama in 30 SekundenMontag, 17. März 2008
Die linke Internetorganisation MoveOn.org hat gestern einen neuen Videowettbewerb gestartet. Sie fordert ihre über 3.5 Millionen Mitglieder auf, einen neuen Obama-TV-Spot zu filmen, den MoveOn kurz vor den Vorwahlen in Pennsylvania flächendeckend schalten wird. Der Wettbewerb unter dem Titel „Obama in 30 Seconds“ ist eine Neuauflage aus dem Jahr 2004. Damals hatte MoveOn seine Anhänger aufgerufen, einen kritischen Spot über George W. Bush zu drehen. Der Wettbewerb hatte eine Kontroverse ausgelöst, da einer der Kurzfilme, den MoveOn auf seiner Website eingestellt hatte, Präsident Bush mit Adolf Hitler verglich. Das war Futter für die republikanischen Wahlkampfstrategen, die den Ausschnitt benutzten, um MoveOn als radikale Linksaußen-Gruppe darzustellen.
Der neue Wettbewerb hat einen positiveren Grundton, ganz im Sinne der von Obama geforderten Botschaft der Hoffnung und des Neuanfangs. Ab sofort kann die Kreativgemeinde Vorschläge einreichen, über die dann die MoveOn-Mitglieder basisdemokratisch per Internet abstimmen werden. Die letzte Entscheidung hat am Ende jedoch eine prominent besetzte Jury (u.a. Oliver Stone, Matt Damon, Jesse Jackson, Moby und Eddie Vedder). Der Gewinner bekommt 20.000 Dollar und die Genugtuung, seinen Spot im nationalen TV rotieren zu sehen. Hier der Aufruf von MoveOn-Geschäftsführer Eli Pariser: Clinton kann Obamamentum stoppenMittwoch, 5. März 2008
Die Achterbahnfahrt geht weiter, der gordische Knoten bleibt ungelöst. Mit ihren Siegen in Ohio, Texas und Rhode Island hat Hillary Clinton es geschafft, das Rennen um die Kandidatur weiter offen zu halten. Obama verpasste es gestern Abend, sich die Krone der Demokratischen Partei aufzusetzen. Hätte er einen der beiden großen Vorwahlstaaten Ohio oder Texas gewonnen, wäre das demokratische Establishment bereit gewesen, sich hinter seiner Kandidatur zu sammeln. Es bleibt ihm aber ein klarer Sieg in Vermont und ein Vorsprung bei den Delegierten. Obama ist damit weiterhin in der strategisch besseren Lage für den Parteitag im August.
Den Abstimmungen war ein harter Vorwahlkampf vorausgegangen, der den Kandidaten alles abverlangte. Obama investierte erhebliche Mittel in die Wahlkämpfe. Er versuchte alles, um Clinton in die Knie zu zwingen. Er gab doppelt so viel Geld für TV-Spots aus wie Hillary, auch seine Grassroots-Kampagne lief auf vollen Touren. Obama-Anhänger tätigten allein in den letzten Tagen vor den Abstimmungen mehr als 1.5 Millionen Anrufe (!), um unentschiedene Wähler von den Qualitäten des jungen Senators zu überzeugen. Hillary Clinton spielte dagegen ihre letzten Trumpfkarten aus. Sie stilisierte die Vorwahlen zu einem Do-Or-Die-Wettbewerb. Damit gab sie ein klares Signal an ihre Anhänger: Geht zur Wahl, sonst bin ich weg! Clinton spielte auf allen Tasten der Wahlkampf-Klaviatur. In der ersten TV-Debatte gab sie sich sanft und ausgleichend, mit ihren Auftritten bei Saturday Night Live und der Today Show zeigte sie ihre humorvolle Seite. Parallel dazu ging sie in die Offensive. Sie attackierte Obama hart, sie setzte auf populistische Botschaften und bemühte zum Schluss sogar das legendäre rote Telefon, um bei den Vorwählern Zweifel an Obamas politischer Kompetenz und Erfahrung zu wecken. Eine erste Analyse der Nachwahlbefragungen zeigt, dass Hillary Clinton mit dieser Kampagne Erfolg hatte. Mit deutlichem Abstand gewann sie diejenigen Wähler, die sich erst in den letzten drei Tagen vor der Abstimmung entschieden hatten, in Ohio mit 11 Punkten Vorsprung, in Texas sogar mit 23 Punkten. Diese Gruppe hatte sich bisher fast immer mehrheitlich für Obama ausgesprochen. Clintons Siege basierten jedoch vor allem darauf, dass sie ihre Stammklientel wieder fest auf ihre Seite ziehen konnte. Verfrüht waren die Annahmen, dass Obama nachhaltig in die Clinton´schen Wählergruppen vorstoßen können würde. Hillary gewann bei weißen Frauen, älteren Wählern, weniger formal Gebildeten und bei der Mittel- und Arbeiterschicht. Hispanics konnte sie in Texas sogar mit 67-31 Punkten für sich entscheiden. In Ohio gewann sie zudem die Mehrheit der Independents (unabhängige Wähler) und der weißen Männer. Wähler also, die zuvor zur Stammklientel Obamas gehört hatten. Alles in allem also ein guter Abend für Hillary Clinton. Unter „Yes, she will“-Rufen ihrer Anhänger zeigte sie sich kämpferisch. Sie sagte: „Wir machen weiter, wir bleiben stark und wir werden den Weg bis zu Ende gehen!“ Dieser Weg bleibt jedoch ein äußerst steiniger. Clinton konnte Obamas Vorsprung bei den Parteitagsdelegierten zwar verringern, jedoch nur sehr minimal. Aufgrund der komplizierten proportionalen Zuteilung der Delegierten sehen Experten kaum Möglichkeiten, dass sie bis zum Ende der Vorwahlsaison noch an Obama vorbeiziehen kann. Was bleibt ihr? Sie muss versuchen, ihre Siege in Ohio, Texas und Rhode Island in eine neue Erzählung zu gießen, die das Parteiestablishment in Form der Superdelegierten überzeugen wird, ihre Stimme für die Ex-First Lady abzugeben. Eine solches Narrativ könnte sein: „Obwohl Obama erhebliche Ressourcen in den Wahlkampf gesteckt hat, melden die Wähler Zweifel an seiner Person und seiner Botschaft des blumigen Wandels an („He can´t close the deal“). Die rhetorische Blase scheint zu platzen. Menschen und Medien beginnen zu sehen, dass sich hinter der Obamania ein unerfahrener Politiker verbirgt, der nicht die nötige politische Härte und Erfahrung besitzt, um gegen John McCain und die republikanische Medienmaschine anzutreten.“ Zudem kann Clinton darauf verweisen, dass sie in den bevölkerungsreichsten Staaten gewonnen hat, die zudem noch die Herzkammer der Demokratischen Partei bilden (New York, Kalifornien, Massachusetts, Ohio, Michigan). Der Zweikampf geht also weiter, spätestens bis zur Vorwahl in Pennsylvania am 22. April. Bis dahin muss Hillary jedoch noch zwei Abstimmungen in Wyoming (Caucus) und Mississippi überstehen. Beide Staaten favorisieren Obama, der seine Siege benutzen wird, um den Druck auf seine Konkurrentin zu erhöhen. Gewinnt Clinton jedoch in Pennsylvania, dann geht die Partei ohne Nominierten in einen heißen Sommer. Die größte Kontroverse könnte Hillary vom Zaun brechen, wenn sie versuchen würde, die (als ungültig deklarierten) Delegierten aus Michigan und Florida für sich zu reklamieren. Einer würde sich darüber diebisch freuen: John McCain! Hier eine interessante Unterhaltung zwischen DNC-Chef Howard Dean, Howard Fineman (Newsweek) und Chris Matthews (Hardball, MSNBC) über den weiteren Verlauf der Vorwahlen:
Blogeintrag von Maik Bohne
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Nichts ist unmöglichDienstag, 26. Februar 2008Wie erfolgreicher Graswurzel-Wahlkampf funktioniert, hat Senator Barack Obama in den letzten Monaten gezeigt. Im Februar erwartet er mit 60 Mio.$ Spenden den Höhepunkt seiner Basis-Mobilisation. Während Hillary Clinton ihre Wahlkampfzuwendungen vorrangig von Großspendern erhielt, die mitlerweile ihre maximal erlaubten Zahlungen ausgeschöpft haben, konzentrierte Barack Obama sich auf die Spenden des kleinen Mannes. 20$-Scheine waren das Objekt seiner Begierde, und mit Hilfe einer Armada freiwilliger Wahlkampf-Fundraiser rief er die Bürger Amerikas zu Hause in ihren Wohnzimmern an, um ihre Geldbeutel zu öffnen. Im Gegenzug gab er Hoffnung. Diese Rechnung scheint aufzugehen, denn während Hillary Clinton kürzlich 5 Mio. $ aus ihrem persönlichen Vermögen beisteuern musste, macht ihr Konkurrent Schlagzeilen mit einem bevorstehenden Spendenrekord. Obama konnte in diesem Jahr bis Ende Januar 256.000 Spender für seine Ziele bewegen, die insgesamt 36 Mio.$ überwiesen. Der durchschnittliche Betrag lag bei 140 $ pro Spender. Mitte Februar zählt Obama bereits 583.525 Förderer, was einen Zuwachs von 327.000 Menschen allein im Februar bedeutet. Geht man von dem gleichen Durchschnittsbetrag aus, so hat Obama 46 Mio.$ in 21 Tagen erhalten. Es würde niemanden überraschen, wenn er am Monatsende 60 Mio. $ in seiner Wahlkampf-Kasse zählt. Berücksichtigt man die E-Mails, die jedesmal 36.000 Beiträge in Höhe von bis zu 4 Mio.$ generieren, wird deutlich, dass das 60 Mio.$-Ziel schon mit drei oder vier weiteren E-Mails erreicht wird. Seit dem Wochenende definiert Obamas Wahlkampf-Team ein neues Ziel: 1 Million Anrufe bis zum 4. März Barack Obama möchte bis zum nächsten Vorwahl-Tag 1 Million Menschen als finanzielle Förderer seiner Kampagne zählen. Auf seiner Webseite ruft er nun auf, Geschichte zu schreiben und wenn es nur mit einem 5$ Beitrag geschieht. Jeder Amerikaner kann sich dort registireren, um für den Senator Anrufe in Texas oder Ohio zu tätigen, wahlweise auch in Spanisch. Es sieht ganz so aus, als könnten gewöhnliche Menchen außergewöhnliche Dinge erreichen, wenn sie zusammenstehen. Obama weiter auf ErfolgskursMittwoch, 20. Februar 2008Die letzten Umfragen vor der Primary in Wisconsin deuteten noch auf einen knappen Wahlausgang hin. Umso erstaunlicher, wie deutlich Barack Obama im Badger State gewinnen konnte. Er siegte mit 58 Prozent der Stimmen, Hillary Clinton kam auf 41 Prozentpunkte. Wie schon mehrfach betont, führt dieser Sieg aufgrund der proportionalen Zuteilung nicht zu einem substantiellen Gewinn von Delegierten. Und doch ist es ein wichtiger symbolischer Erfolg für Obama. Wisconsin und Hawaii sind seine Siege Nr. 9 und 10 in Folge. Wichtiger ist jedoch, dass es Obama einmal mehr geschafft hat, in das Wählerlager von Hillary Clinton einzubrechen. Ein Drittel der Vorwähler in Wisconsin waren Gewerkschaftsmitglieder. Obama teilte sich deren Stimmen mit Clinton, ein substantieller Erfolg für den jungen Senator aus Illinois. Sicher half Obama dabei auch das offizielle Endorsement der größten Einzelgewerkschaft der USA, der Service Employees International Union (SEIU). Obama gewann zudem 51% der Frauen für sich, auch 50% der demokratischen Stammwähler entschieden sich für ihn. Eine weitere wichtige Zahl: Obama gewann die Mehrheit der Wähler, die als wahlentscheidende Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze angaben. In dieser Gruppe schlug er Clinton mit 12 Prozentpunkten, obwohl die Senatorin in den vergangenen Tagen einen populistisch-linkeren Ton angeschlagen hatte. Der Wanderzirkus zieht nun weiter nach Texas und Ohio (4.März), eine Wasserscheide für die Clinton-Kampagne. Schafft es Obama, einen dieser Staaten zu gewinnen, wird es eng für Hillary Clinton. Sie darf den Vorsprung Obamas bei den Delegierten nicht zu groß werden lassen, um die Superdelegates am Ende der Vorwahlsaison noch auf ihre Seite ziehen zu können. Clinton wird in den nächsten Tagen versuchen, Kontraste deutlicher zu machen. Sie wird Obamas politische Unerfahrenheit, sein lückenhaftes Konzept zur Reform der Krankenversicherung und seine blumige Rhetorik härter als bisher angreifen.
Dass Obama sich aber nicht allein auf seine elektorale Stärke verlässt, zeigt ein E-Mail-Aufruf, den sein Kampagnenmanager David Plouffe vor zwei Tagen veröffentlichte. Er rief Obamas Unterstützer auf, eine E-Mail an die knapp 800 Superdelegierten zu schreiben und sie persönlich aufzufordern, ihre Stimme für Obama abzugeben. Hier ein Auszug aus dem Aufruf: „Our work so far has taught us one important lesson: that your personal story about why you support Barack Obama is often the most powerful persuasion tool for someone who's undecided. That's true whether that undecided voter is your neighbor or a superdelegate.The story of where you're from, what brought you into the political process, the issues that matter to you, and why you became part of this movement has the potential to inspire someone who could cast a deciding vote in this contest.”
Blogeintrag von Maik Bohne
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11:30
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Videos der WocheDienstag, 19. Februar 2008Der Einfluss von Will.I.ams unglaublich populärem „Yes we can“ –Video inspirierte die amerikanischen Wähler in der letzten Woche zu einer Reihe von Parodien. Die meisten kommen aus dem linken Lager des US-Wahlkampfes und unterstützen Hillary Clinton oder Barack Obama. Voter-generated, also selbstgemachte Videos für John Mc Cain sind nicht im Umlauf, womit sich wieder einmal bewahrheitet, dass die Grassroots-Bewegung eher von den Demokraten ausgeht oder das Schnittprogramm „final cut pro“ einfach nur auf den Computern der Demokraten läuft. Das Video „John.he.is“ geht von der Grassroots-Organisation Billionaires for Bush aus und greift die Schwarz-Weiß-Ästhetik des Originals auf, die mit diesen Farben der Ewigkeit eine Allgemeingültigkeit suggeriert. Aber auch die grundsätzliche Dramaturgie von Ausschnitten großer Reden montiert mit Schauspielern, Sängern und Sportlern in ihren Alltags-Outfits wird übernommen, auch wenn es sich hier nicht um echte Stars handelt. Die satirische Attacke wendet sich in erster Linie gegen John McCains Haltung zum Irakkrieg. So wird sein bekannter Patzer „Bomb Iran“ eingespielt, den er im April 2007 bei einer Wahlkampfrede zum Besten gab, eine Analogie zu dem Beach Boys-Song „Barbara Ann“. Am Ende wird McCain mit einem Satz zitiert, der ihn seit geraumer Zeit verfolgt: „Ich glaube, die Amerikaner sind nicht besorgt, wenn wir noch 100 Jahre im Irak bleiben...“ Ganz ähnlich funktioniert die Satire „No you can’t“, das ironisch die zu Serotonin-Ausstoß führenden „Yes you can“ - Rufe der Massen im Originalvideo aufgreift. In der Verneinung „No, you can’t“ wird hier gezeigt, was in John McCains Präsidentschaft alles nicht möglich wäre: Kann ich mir eine Krankenversicherung leisten? Kann ich aus dem Irak heimkommen? Kann ich die Raten für mein Haus bezahlen? Kann ich heiraten, wenn ich homosexuell bin? NO, YOU CAN’T. Hillary Clintons Fangemeinde hat Aufnahmen der Kandidatin in dem Video „Superwoman“ mit dem gleichnamigen Song von Alica Keys zusammengeschnitten: „.., because I am a superwoman. Yes I am.“ „Yes she is.“ Die Angst vor sich selbstDienstag, 12. Februar 2008
Seit dem Sieg Barack Obamas in Iowa ist aus den Vorwahlen das geworden, was die Amerikaner eine epic battle nennen. Die Mär dieses Kampfes geht so: Auf der einen Seite steht die kühle, erfahrene Politikerin mit effektiver Wahlkampfmaschine. Auf der anderen Seite kandidiert der junge, eloquente Charismatiker, der eine neue politische Graswurzel-Bewegung anführt. Clinton steht für klassische demokratische Politik. Obama hat sich hingegen den Mantel des wandelnden Hoffungsträgers überstreifen lassen. Clinton gegen Obama. Das begeistert die Massen. Erstaunliche 81 Prozent der Amerikaner verfolgen die Primaries mit großem Interesse, die demokratischen Vorwähler beteiligen sich wie selten zuvor, die Veranstaltungen der Kandidaten gleichen Popkonzerten.
Und doch bereitet das Rennen vielen demokratischen Politprofis schlaflose Nächte. Das Schreckgespenst einer brokered convention, von Verhandlungen des Parteiestablishments in rauchgeschwängerten Hinterzimmern, macht die Runde. Der Rückfall in die alten Zeiten der Parteibosse wird prophezeit. Howard Dean, Chef des Democratic National Committee und oberster Zeremonienmeister des Parteitages, will sich das nicht vorstellen. Er betonte jüngst in einem Interview, dass er die beiden Kandidaten im Falle einer Patt-Situation zu einem Gespräch laden will, um die Situation zu klären. Das ist utopisch, denn weder Clinton noch Obama haben das Ego, freiwillig ihren Verzicht auf die Kandidatur zu erklären oder sich als running mate des jeweils anderen zu verdingen. Die Konsequenz: Alte Ängste kommen auf, die schon lange überwunden schienen. Ängste vor sich selbst, vor der Gabe der Demokratischen Partei, es bei guter Ausgangslage doch noch zu vermasseln. Der Grundtenor der Angst lautet: „Wettbewerb war in der Anfangsphase des Vorwahlkampfes gut und schön. Jetzt muss aber Schluss sein mit dem Gerangel. Sonst reißen wir Gräben auf, die wir nach dem Nominierungsparteitag nicht mehr zuschütten können. Und dann ist der Einzug in die Pennsylvania Avenue 1600 in Gefahr, auf den wir seit acht Jahren so inständig hoffen.“ Meine Empfehlung an die Demokraten: Relax! Alle Zeichen stehen auf Sieg. Das Land ist müde von George W. Bush und seiner hyper-ideologisierten Gefolgschaft im Kongress. Zwei Drittel der Amerikaner sagen, dass sich das Land in die falsche Richtung bewegt. Demokraten bekommen auf allen Politikfeldern die größeren Kompetenzen zugesprochen (selbst bei den Themen Wirtschaft und Steuern). Die Republikaner haben einen 72-jährigen Senator zu ihrem De-Facto-Kandidaten gekürt, der zwar Wechselwähler ansprechen kann, aber keinen ernsthaften Politikwechsel verkörpert. Amerika giert nach echtem Wandel und glaubwürdiger Erneuerung. Den versprechen Clinton und/oder Obama. Zudem muss eine umkämpfte Vorwahl nicht per se die Partei spalten. Denn es ist doch gerade der Zweikampf dieser Polit-Titanen, der unglaublich viele Demokraten und Unabhängige in den politischen Prozess hineinzieht; der Menschen für die Partei aktiviert, die vorher durch das Raster der GOTV-Maschinerie gefallen wären. Fakt ist doch: Selten zuvor hat es so hohe Beteiligungszahlen bei demokratischen Vorwahlen gegeben, selten zuvor herrschte eine solch gute Stimmung an der demokratischen Basis. Natürlich wird es in beiden Kandidatenlagern enttäuschte Anhänger geben, die sich im Falle einer Niederlage von der Kampagne abwenden werden. Die Zahl dieser Enttäuschten wird aber gering sein, denn was die Kandidaten trennt ist nicht Inhalt, sondern lediglich politischer Stil. Eine Spaltung einer Partei entsteht erst, wenn Bewerber unterschiedliche programmatische Flügel repräsentieren, die um die Vormachtstellung kämpfen. Das ist bei den Demokraten sicherlich nicht der Fall. Zwischen Clinton und Obama passt inhaltlich kein Blatt Papier. Zwischen John McCain und die konservative Stammklientel passt hingegen ein ganzes Buch. Mein Tipp: Bis zum Frühsommer hat sich ein Gewinner herausgeschält (wahrscheinlich Obama). Denn selbst wenn die Vorwahlen keinen Sieger ergeben, werden sich die Super-Delegierten spätestens im Juni zusammenfinden, um eine schnelle, transparente Lösung zu erzielen. Keiner wartet bis zum Parteitag im August, um vor Ort in Denver anzufangen, eine Mehrheit auszuhandeln. Parteitage sind heute (leider) fernsehgerecht gestylte Krönungsmessen. Keiner will zurück zu einem Prä-68er-Nominierungssystem. Es bleibt also genug Zeit, um Brücken zu schlagen und die Truppen auf den eigentlichen Gegner einzuschwören: Die Republikaner.
Blogeintrag von Maik Bohne
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17:14
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Obama siegt sich durchs WochenendeMontag, 11. Februar 2008Die Obamania hält an. Der junge Senator aus Illinois erlebte ein Wochenende nach Maß, an dem er nicht nur die erwarteten Siege in Washington, Nebraska und Louisiana einfuhr, sondern auch den Caucus in Maine gewann. Die Dominanz Obamas in diesen Vorwahlstaaten war erstaunlich. Sein geringster Vorsprung vor Hillary Clinton betrug 19 Prozentpunkte (Maine). Der Februar scheint zum Obama-Monat zu werden, denn auch die Umfragen für die Potomac-Primary (Maryland, DC, und Virgina) am Dienstag sehen ihn mit weitem Abstand vorn. Natürlich sollten wir mit Umfragedaten vorsichtig umgehen, aber es ist gut möglich, dass Obama alle noch ausstehenden Vorwahlen im Februar für sich entscheiden wird. Speziell in Staaten mit Caucus-Verfahren scheint er unschlagbar zu sein. Einmal mehr zeigte sich in Maine, dass seine Grassroots-Kampagne erheblich besser aufgestellt ist als die Hillary Clintons. Passend dazu sendeten Fernsehsender am Wochenende die erwünschten Bilder von enthusiastischen Obama-Wählern, die sich vor Abstimmungsräumen drängten und sogar Verkehrsstaus auf der Autobahn verursachten. Hillary Clinton hatte zwar auf einen Sieg in Maine gehofft. Insgesamt kamen die Niederlagen für die Kampagne aber nicht überraschend. Das Clinton-Team setzt alles auf eine Strategie der großen Siege (und ließ dies auch die Medien die ganze Woche über wissen). Clintons Spin: Obama mag zwar die kleineren Vorwahlstaaten für sich entscheiden, aber wir siegen in den wichtigen, bevölkerungsreichen Staaten wie Ohio, Texas und Pennsylvania. Der Vorwahlkampf ist noch lange nicht entscheiden. Das liegt auch an der komplexen proportionalen Verteilung der Delegierten in den einzelnen Bundesstaaten. Aber momentan fällt es schwer, sich dem Enthusiasmus und dem Elan der Obama-Kampagne zu entziehen. Obama hat mehr Geld, mehr Kampagnenbüros, mehr Freiwillige, mehr Charisma. Der „Messias-Faktor“ (Der SPIEGEL) wird von Tag zu Tag einflussreicher. Obama und das InternetDonnerstag, 7. Februar 2008„The revolution will not be televised“. Auf diesem Motto basierte die Präsidentschaftskandidatur von Howard Dean im Jahr 2004. Dean setzte zusammen mit seinem Wahlkampfchef Joe Trippi konsequent auf die virale Kraft des Internets. Seine Kampagne war der Durchbruch des wahlkämpfenden Web 2.0. Alle Kandidaten sprangen auf diesen virtuellen Zug auf, Internetkommunikation ist heute integraler Bestandteil einer gut geführten Kampagne. Generell hat das Internet drei wichtige Qualitäten im Wahlkampf: Es ist ein intelligentes Instrument für Fundraising, ein kostengünstiges Tool zur Organisation von Freiwilligen und ein wertvoller Kanal für Kampagnenbotschaften. Keiner setzt diese Funktionen des Internets so gut und geschickt ein wie Barack Obama. Schauen wir uns seine Internet-Kampagne genauer an. Fundraising: Die Zahlen sind bemerkenswert. Barack Obama nahm im Januar 2008 unglaubliche 32 Millionen Dollar ein. Sagenhafte 28 Millionen davon kamen über das Internet. Während Hillary Clinton ihrer Kampagne 5 Millionen Dollar aus ihrem privaten Vermögen leihen musste, sammelte Obama jeden Tag im Schnitt über 1 Million bei seinen Unterstützern, oft in Form von Kleinspenden im Wert von 25 bis 50 Dollar. Seit die Wahllokale am Super Tuesday schlossen, hat er 7,2 Mio. Dollar flüssig gemacht. In Emails an seine Sympathisanten denken sich Obamas Kampagnenmacher immer neue Techniken des Fundraising aus. Vor den Vorwahlen in Iowa konnte man Obama einen Tag des Wahlkampfes schenken, in dem man ihn durch Kleinspenden vom lästigen Geldsammeln auf den üblichen Fundraising-Dinners befreite. Magische Grenzen („Never before has a campaign activated 500,000 individual donors“) werden vorgegeben. Nie fehlt in Obamas Motivationsmails der Hinweis auf den „Donate-Button“. Organisation: Obamas Freiwilligenteams bestehen größtenteils aus jungen, motivierten Volunteers, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Obama ist der Held von sozialen Networking-Seiten wie Facebook oder MySpace. Aber auch auf seiner eigenen Homepage gibt es alle Tools, die ein heutiges virales Internetmarketing braucht. Man kann lokale Wahlkampfgruppen starten, sein eigenes Blog anlegen oder Events und Hausparties finden. Pünktlich zur heißen Phase des Vorwahlkampfes hat Obama zudem MoveOn´s Konzept der „liquid phone bank“ übernommen. Freiwillige können sich Telefondaten von potentiellen Obama-Wählern in allen Staaten der USA über das Netz herunterladen und von zu Hause Mobilisierungsanrufe tätigen. Message: In E-Mails werden Obamas Unterstützer zur Zeit täglich mit Kampagnen-Updates versorgt. Man fühlt sich wahrhaftig als Teil des Wahlkampfes, schnell ist man ein Glied in der großen Email-Kette der Kampagne. Gestern erreichte mich eine elektronische Nachricht von Michelle Obama. Sie wollte ein Video mit mir teilen, das die Black Eyed Peas mit Stars wie Herbie Hancock und Scarlett Johansson aufgenommen haben. Ich möchte es ganz im viralen Sinne an unsere Leser weitergeben. Internet funktioniert.
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