Wer bis zuletzt daran zweifelte, dass Blogs im Wahlkampf eine wichtige Bedeutung erlangt haben, der ist nun eines Besseren belehrt. Denn die Online-Tagebücher sind im US-Wahlkampf jetzt auch rechtlich den Massenmedien gleichgesetzt. Das entschied die Bundeskommission, die in den USA für die Kontrolle der Wahlkampffinanzierung zuständig ist. Darüber berichtete auch Spiegel Online:
„Die Federal Election Commission (FEC) entschied über zwei konkrete Fälle, in denen Blogger beschuldigt worden waren, am Gesetz vorbei Wahlkampf betrieben zu haben. Wahlkämpfer unterliegen in den USA bestimmten Einschränkungen, was die Finanzierung ihrer Aktivitäten angeht. Der konservative Blogger John Bambenek etwa hatte dem eher linksorientierten Blog Daily Kos vorgeworfen, für die Demokraten zu werben. Daily Kos nehme einerseits Geld für Werbung auf den eigenen Seiten, andererseits aber "schenke" das Blog-Angebot politischen Kandidaten "kostenlose Werbung und Mediendienstleistungen", weil dort Beiträge veröffentlicht werden, die einzelne Kandidaten unterstützen. Das hätte im Prinzip bedeutet, dass sich Daily Kos auf illegale - weil finanziell nicht offengelegte - Weise am Wahlkampf der Demokraten beteiligt. Die FEC widersprach nun: Die Aktivitäten von Daily Kos fielen exakt in den Ausnahmebereich, den das Gesetz für Medien vorsehe, so die Kommission. Laut sitemeter.com besuchen zwischen 14 und 24 Millionen Nutzer monatlich die Seiten von Daily Kos.
Derweil machen sich die Konservativen Gedanken ob der Wunderwaffen im Netz, über die das demokratische Lager verfügt. Und ob man nicht ein konservatives Pendant zum Daily Kos benötige. Wenn man es schon nicht verbieten kann, dann sollte man es schließlich gekonnt imitieren. Doch die Ausgangslage für ein derart erfolgreiches konservatives Blog seien nicht gegeben, meinen die Kommentatoren hier und hier.
“Conservative blogger Dean Barnett asks this interesting question in the Weekly Standard: Why isn't there a conservative version of liberal blogger Markos Moulitsas or his blog Daily Kos -- at least in terms of influence and power? Our quick answers to this question: 1) because the Republican Party is typically a top-down organization, which isn't necessarily a conducive environment for an uncontrollable blogger like Kos; and 2) the GOP has controlled the White House in these last six-plus years, and folks like Kos sprouted when the Democrats were out of power -- much like conservative radio flourishing during the Clinton years.”