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Auch wenn Barack Obama mittlerweile in die nüchternen Tiefen der Regierungsplanung eingetaucht ist, so hält die Begeisterung und Faszination für seine Kampagne ungehindert an. Aus einer anfangs simplen Botschaft formte Obama eine Bewegung, die ein historisches Ausmaß angenommen hat.
Obamas Medienberaterin Anita Dunn schätzte die Zahl der Freiwilligen auf 10 Millionen. Auch gesicherte Angaben über den Umfang von Obamas Online-Community gibt es noch nicht. Folgende Zahlen kursierten allerdings auf TechPresident, dem führenden Weblog zum Online-Wahlkampf in den USA: • 10-12 Mio. E-Mail-Adressen • 3-5 Mio. Handynummern • 2 Mio. MyBo-Nutzer Hinzu kommen ca. 80-100 Mio. Videoviews auf YouTube pro Tag, 3,1 Mio. Facebook-Anhänger und 900.000 Freunde auf MySpace. Mit einem Wort: Wow! Die große Frage wird nun sein, wie der Kandidat Obama diese organisch gewachsene Gemeinschaft als Präsident Obama nutzen wird. Spekulationen schießen in der Blogosphäre ins Kraut. Den einzigen offiziellen Hinweis haben wir bisher von Obamas Internguru Chris Hughes erhalten, der auf seinem Blog kurz nach dem Wahlsieg schrieb: „This site is not going anywhere. The online tools in My.BarackObama.com will live on. Barack Obama supporters will continue to use the tools to collaborate and interact.” Pünktlich nach der Wahl ging zudem die Webseite „change.gov“ online, die Obamas Internetfirma Blue State Digital seiner Kandidaten-Homepage nachempfunden hat. Auch wenn es noch an politischem Inhalt auf der Seite fehlt, so deutet dieses Blog doch an, das Obama auch in Zukunft intensiv online kommunizieren wird. Erhellend ist auch die Tatsache, dass das New Media-Transition-Team von Obama als eines der ersten vollständig benannt worden und ab sofort funktionsfähig ist. Was wird aber mit der E-Mail-Liste des neuen Präsidenten passieren? Obama darf sie nicht aus dem Weißen Haus heraus für politische Zwecke nutzen. Das ist gesetzlich verboten. Die realistischste Option wird es sein, sie in ein Political Action Committee (PAC) auszugliedern, dem es erlaubt ist, TV-Spots zu schalten, Wählermobilisierung für demokratische Themen und Kandidaten zu betreiben oder Trainings für lokale Aktivisten anzubieten. Eine ähnliche Organisationsform hat im Übrigen auch MoveOn.org gewählt. Vieles wird allerdings vom Enthusiasmus der Obamaniacs abhängen, die Regieren wahrscheinlich nicht ganz so spannend finden werden wie Wahlkämpfen. Wir werden sehen. Eines scheint aber schon jetzt klar zu sein. Obama wird das Internet benutzen, um wieder direkter mit den Bürgern zu kommunizieren. In der Tat denkt sein Team über eine Art digitalen „Fireside Chat“ nach, den Präsident Roosevelt in den 1930er Jahren über das Radio kultiviert hatte. Als Vorbild könnte ihm Gordon Browns „Number10“-Blog dienen, auf dem der britische Premierminister jede Woche eine Bürgerfrage per YouTube-Video beantwortet. Nicht alles Neue macht Amerika. Republikaner gründen ObamabookDonnerstag, 31. Juli 2008
Soll noch einer sagen, die Republikaner seien nicht auf der Höhe des modernen Internetwahlkampfes. Mit einer neuen Webseite nehmen sie Barack Obamas Erfolg auf der sozialen Netzwerkseite Facebook aufs Korn. Auf www.barackbook.com haben sie ein fiktives Profil des jungen Senators angelegt, das ihn als virtuellen Freund von zwielichtigen Chicagoer Figuren wie dem Immobilienmakler Antoin Rezko oder dem ehemaligen linken Untergrundkämpfer William Ayres zeigt. Wegen dieser immer noch nicht ganz geklärten Verbindungen hatte ihn auch Hillary Clinton bereits scharf angegriffen.
Die Parodie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man das Internet für einfache, aber effektive Attacken gegen den politischen Gegner nutzen kann. In diesem konkreten Fall geht der Angriff sogar in zwei Richtungen. Nicht nur Obama wird diskreditiert, sondern auch der Leiter seines Internetportals my.barackobama.com, der Chris Hughes heißt und einer der Gründer von Facebook ist. Vielleicht sollte Facebook sich gerichtlich gegen das Plagiat wehren, so wie im Falle der deutschen Netzwerkseite StudiVZ. Das würde Barackbook allerdings nur eines bescheren: Aufmerksamkeit. Die Werkzeuge der Obama-KampagneDonnerstag, 24. Juli 2008
Der Mitbegründer von Facebook, Chris Hughes, und Judith Freeman, die jetzt in der Obama-Kampagne arbeitet, gaben in dieser Woche auf dem TechPresident-Blog einen ausgezeichneten Überblick, wie Obamas Kampagne soziale Netzwerke aller Art einsetzt, um neue Unterstützer zu gewinnen. Dabei erlangt die Organisation vor Ort großen Stellenwert, vor allem, wenn es darum geht, selbständiges Arbeiten von Ehrenamtlichen zu ermöglichen.
MyBarackObama: Bei diesem sozialen Netzwerk handelt es sich um ein „geschlossenes“, also ein Netzwerk, das auf der Kandidaten-Website entstanden ist und folglich kaum mit Nicht-Fans vernetzt ist, wie Facebook oder Myspace. Ob es sich dabei um ein cross-medial vernetztes Netzwerk handelt, ist umstritten, aber die über eine Million Mitglieder sind extrem nützlich für die Kampagne. Durch die Tools der MyBO-Website können die Mitglieder House Parties und Fundraising Drives organisieren, noch bevor die Kampagne dies „von oben“ steuert. Facebook: Natürlich können nicht viele Organisationen ein Netzwerk wie MyBO aufbauen, weil sie entweder keine kritische Masse erreichen oder es die Kosten in die Höhe treiben würde. Deshalb sind Facebook und Myspace taktische Ziele für die Kampagne. Obamas Facebook-Aktivität lässt sich auf drei Elemente herunterbrechen: • Die Facebook-Profil-Seite: Eines der erfolgreichsten Instrumente der Kampagne. Mit über 1 Million „Freunden“ hat Obama dreimal so viele Unterstützer als jede andere - auch unpolitische - Facebook-Seite. Die Seite erlaubt der Kampagne, Nachrichten an ihre Anhänger zu senden und bietet einen Treffpunkt, von dem weiteres Engagement ausgeht. • Lokale Gruppen: Die „field organizer“ (Manager der lokalen Aktivitäten) wurden beauftragt, lokale Facebook-Gruppen zu gründen, die von einem kleinen Kern ausgehend sehr schnell wachsen können. Mit dem Facebook-Newsfeed wird eine neue Mitgliedschaft automatisch beworben, da im Feed der Freunde aktualisiert wird, wer einer Gruppe beitritt. Diese lokalen Gruppen können von der Kampagne auch als E-Mail-System genutzt werden, das Einzelne oder Gruppen adressiert. MySpace: Wie den Nutzern von MySpace bekannt ist, erlaubt dieses Netzwerk wesentlich mehr Anwendungen als Facebook. MySpace bietet größte Flexibilität, zum Beispiel wenn es darum geht, ein E-Mail-Signup einzufügen oder einen Link zu wichtigen Features auf der Obama-Seite einzubauen. Außerdem ist es für die einzelnen Nutzer recht einfach, auf der MySpace-Seite Bestandteile der Obama-Kampagne zu ihren eigenene Profilen hinzuzufügen. Die Kampagne bietet dazu eine Auswahl von Buttons, Badges und Widgets, um ihre Botschaft zu verbreiten. Die Kampagne versucht die Profil-Seiten der MySpace-Nutzer zu einem Kommunikationszentrum zu machen, damit in diesen privaten Netzwerken ehrenamtliche Mitarbeiter generiert werden können. Die Lektion Die Obama-Kampagne wurde auch in anderen sozialen Netzwerken aktiv, wie der Online-Community für Afro-Amerikaner Black Planet. In jedem einzelnen Fall hat sie sich den Möglichkeiten des jeweiligen sozialen Netzwerks angepasst. Die meisten Kampagnen haben nicht die personellen und finanziellen Ressourcen, um in die Tiefe zu gehen und ein Kader von Superaktivisten zu bilden oder ihre eigenen sozialen Netzwerke aufzubauen. Aber die Werkzeuge, um einen Kandidaten auf seiner eigenen Seite zu promoten sind recht simpel: Profilseite, Badges, Buttons und Widgets sind einfach einzusetzen. Es bedarf also nicht unbedingt eines Tiefseetauchgangs, sondern oftmals reicht es aus, einen Zeh oder zwei in den Pool der Facebook- und MySpace-Freunde zu tauchen. Das Internet schlägt zurückMittwoch, 16. Juli 2008
Die Geister, die er rief, wenden sich nun gegen Barack Obama, den Vorreiter des amerikanischen Online-Campaignings. Sehr anschaulich berichtet Nancy Scola auf dem techPresident-Blog über die neue Dynamik des Internets.
Auslöser dieser Entwicklung ist der Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA), für den der US-amerikanische Senat und auch Barack Obama am Mittwoch stimmten. Das Gesetz erlaubt eine umfassendere Überwachung der Telekommunikation mit dem Ziel der Terrorabwehr, und die Debatte darüber erinnert an den in Deutschland heftig diskutierten großen Lauschangriff. Besonders empört sich derzeit die Internet-affine Gemeinde der Online-Aktivisten gegen Barack Obamas Abstimmung für dieses Gesetz und schlägt ihn mit seinen eigenen Waffen, hier drei Beispiele: • Auf der Kandidatenwebsite MyBarackObama.com wurde die mit 16.000 Mitgliedern bisher größte Gruppe gegründet: Senator Obama - Please Vote NO on Telecom Immunity - Get FISA Right • Ein Twitter-Kanal wurde eingerichtet, um die Kampagne zu beleben. • In einer Night of Facebook-Aktion wurde die Abstimmung im Senat virtuell gezeigt und mit einem Wiki für Diskussionen begleitet. Diese Internet-Bewegung gegen das FISA ist schon jetzt eine faszinierende Fallstudie, die zeigt, wie digitale Aktivisten ohne Kosten und ohne unter einem Dach zu sitzen eine lebendige Bewegung schaffen können. 1 Million Obama-Fans auf FacebookMontag, 23. Juni 2008 Barack Obama hat nun über 1 Million Freunde auf Facebook. Laut Politics Online ist das mehr als jede andere Seite in der Facebook-Geschichte jemals erreicht hat. Allerdings revidierte Pensito Review diese Meldung bereits und gibt an, dass die Gruppe One Million Against Hillary Clinton schon vor zwei Monaten die Millionen-Grenze überschritten hat. Was an dieser Stelle vielleicht paradox anmuten mag, Hillary Clinton ist auch der Grund für den plötzliche Zuwachs auf Obamas Facebook-Profil, da ihr Ausscheiden aus dem Rennen tausende Demokraten zu einer Neuorientierung bewegte. Barack Obama bedankte sich mit einer Notiz bei seinen Facebook-Freunden und nutzte den Moment, um zu weiterem Engagement zu mobilisieren. Er forderte auf, die Obama-Applikation zu installieren, die aktuelle Informationen über die Kampagne liefert. Außerdem sollen die virtuellen Unterstützer auch im realen Leben aktiv werden und lokale Obama-Gruppen in ihrer Stadt oder Schule gründen, um die Freiwilligen zu organisieren. Auch die Skeptiker spricht Obama direkt an. Die in den USA nur allzu oft gestellte Frage "Werden diese Menschen auch zur Wahl gehen?", beantwortet er mit einem klaren Statement: Die Vorwahlen hätten im ganzen Land gezeigt, dass junge Menschen diese Frage mit einem klangvollen JA beantworten, das zeige sich in historischen Zahlen. John McCain, der ebenfalls in die Internet-Offensive gehen will, hat in das Foto seines Facebook-Profils den Textbanner "A Leader we can believe in" eingefügt. An ihn glauben aber - zumindest auf Facebook - nur 151.430 Anhänger. PS: Heute hat Obama 1.032.717 Anhänger. Vernetzter WahlkampfFreitag, 20. Juni 2008
Facebook, YouTube, Blogs… das sind die innovativen Begriffe des US-Wahlkampfes anno 2008. Das Internet ist in aller Munde, kein Wahlkämpfer kommt mehr an diesem Meta-Medium vorbei. Kürzlich hat das Pew Research Center deshalb eine neue Studie zur Internetnutzung im Präsidentschaftswahlkampf veröffentlicht. Die wichtigste Botschaft: Das Netz hat sich in den USA fest etabliert als bedeutender Raum für politische Informationen und Aktionen.
Erstaunliche 46 Prozent der Amerikaner nutzen das Internet, um sich über die Kampagnen zu informieren, um Gedanken über die Kandidaten auszutauschen und um zu mobilisieren. Diese Zahl ist deutlich höher als zu einem vergleichbaren Zeitpunkt in den Wahljahren 2004 (31%) oder 2000 (16%). Internetnutzung im Wahlkampf steigt aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Diejenigen, die im Netz auf der Suche nach politischen Informationen sind, nutzen es intensiver als zuvor. 35% der Nutzer haben sich bereits ein Web-Video der Kandidaten angeschaut, 10% sind auf sozialen Netzwerkseiten politisch aktiv, 8% haben bereits online Geld an einen der Kandidaten gespendet. Die Pew-Studie belegt, dass es vor allem jüngere Menschen sind, die das Internet für politische Zwecke nutzen. Da Jungwähler tendenziell stärker zu demokratischen Kandidaten tendieren, überrascht es nicht, dass Anhänger der Demokraten spürbar aktiver im Netz sind als ihre republikanischen Pendants. Die Differenzen sind nicht groß, aber erkennbar. Demokraten nutzen öfter soziale Netzwerkseiten (36%-21%), schauen häufiger Web-Vidoes (51%-42%) und informieren sich intensiver über die Kandidaten (36%-21%) als Republikaner. Wie zu erwarten war, sind die Anhänger Obamas so netzaktiv wie keine andere Gruppe. 74 Prozent der Obamaniacs nutzen das Internet, um sich politisch zu informieren, 17 Prozent haben bereits online gespendet, 14 Prozent haben eine eigene Gruppe auf sozialen Netzwerkseiten wie Facebook oder MySpace eingerichtet. Obwohl die Zahl derer steigt, die sich im WorldWideWeb bewegen, meldet eine große Zahl von Nutzern Zweifel an den Informationen im Netz an. 60 Prozent der Befragten sagten, dass das Internet voll von falschen Informationen und Propaganda sei. 35 Prozent meinten, das Internet sei ein Ort für extreme Ansichten und politische Schreihälse.
Die Obama-ConnectionMittwoch, 11. Juni 2008
Ohne die Macht der Netzwerke zu begreifen, kann man heutzutage weder den Terrorismus bekämpfen, noch eine Wahl gewinnen. So fasste kürzlich der New York Times-Kolumnenschreiber Roger Cohen die aktuelle Lage zusammen. Mit The Obama Connection benennt Cohen den Grund für den Sieg Barack Obamas gegenüber Hillary Clinton in den Vorwahlen im US-Präsidentschaftswahlkampf: Ihre Strategie, so Cohen, ist im 20. Jahrhundert steckengeblieben.
Mit der Zeit ist das Verständnis für internetbasierte Netzwerke jedoch zumindest bei John McCains Wahlkampfteam eingekehrt. So berichtet der konservative Online-Stratege Patrick Ruffini auf der techPresident-Website, dass McCains Website die von Barack Obama schlagen kann, indem sie jetzt zu einer Plattform wird (wir berichteten). Ein Instrument, dass die Wahl-Strategen bereits aus dem Web 2.0 übernommen haben, ist ein gutes Application Programming Interface (API), das erlaubt Twitter-Daten und Login-Informationen für die Kandidatenseite zu verwenden. Patrick Ruffini empfielt der McCain-Kampagne, ihre Website mit Hilfe von API auf einen Stand zu bringen, der es möglich macht, Netzwerke noch intensiver zu nutzen als Barack Obama dies tut. Wie das in der Praxis aussieht? Ganz einfach. Mit Hilfe einer McCain-API könnten alle Wahlkampf-Aktivitäten von Freiwilligen auf der Kandidatenseite sichtbar werden. Zum Beispiel könnte die McCain-API mit Facebook-Applikationen verbunden werden, sodass Unterstützer ihre Aktivitäten auf der Kandidatenwebsite veröffentlichen können. Facebook-Newsfeeds könnten aktualisiert werden mit Meldungen wie „Patrick Ruffini hat für John McCain gespendet“ oder „Patrick Ruffini hat soeben 10 Unterstützer für McCain rekrutiert“. Gleichermaßen könnte der eigene Aktivitätsfluss wie das Rekrutieren von Freiwilligen, Unterschriften für Petitionen und Spenden auf der Kandidatenseite veröffentlicht und mit einer vorbereiteten Adressenliste kombiniert werden. In diesem Moment wird die McCain-Website zur Plattform für aktiven Austausch der Freiwilligen untereinander. Suchbegriffe wie die Postleitzahl können helfen, Gleichgesinnte in der unmittelbaren Nachbarschaft ausfindig zu machen. Diese Geo-Codierung kann unter anderem nützlich sein, um Wahlkampf-Veranstaltungen zu organisieren, die von den Webnutzern selbst, nicht von der Kampagnenführung ausgehen. Die Kampagnen selbst können die Kontrolle über ihre Botschaft nicht mehr behalten. Wenn sie erfolgreich sind, verselbständigt sich die Kommunikation über den Kandidaten und wird für die Medien relevant. So ist auch Obamas Massenbewegung für die Presse interessanter als seine Botschaft. Die von Patrick Ruffini vorgeschlagenen APIs sind die logische Fortsetzung dieses Trends. Die Wähler bilden bereits virale Netzwerke auf Facebook, Twitter und anderen Kanälen. Aber es gibt noch keine Möglichkeit, sie mit Aktionen auf den offiziellen Kandidatenseiten zu verbinden, denn wer einer Facebook-Gruppe beitritt, bleibt bisher trotzdem unsichtbar für die Kampagenführung. Was passiert eigentlich auf Facebook?Dienstag, 6. Mai 2008Heute wurde ich von einem Freund eingeladen, Mitglied seiner Facebook-Gruppe zu werden und stellte fest, dass die Namen dieser Gruppen immer länger werden. Seit heute bin ich also Mitglied der Gruppe „ Americans Against a third Bush Term (a.k.a.) A McCain Presidency“, die nun 41 Unterstützer hat. Die Selbstdefinition der Gruppe beginnt mit dadaistisch anmutenden Wortspielen wie „... against a John Bush, George McCain ... John McCain presidency.“ Dann geht sie in populistische Klagen über die Benzinpreise über und endet mit dem ironischen Satz „Yeah John, we’re right where we wanna be.“ Wer sich zu dieser Gruppe hingezogen fühlt, hat verschiedene Möglichkeiten sich zu engagieren. Zum einen gibt es den Link, der dazu auffordert, weitere Freude in die Gruppe einzuladen, zum anderen die Chance, sich selbst mit Kommentaren einzubringen und ähnlich wie in einem Forum Diskussionen anzustoßen. Die "Americans Against a third Bush Term (a.k.a.) A McCain Presidency"-Gruppe hat bisher zwei Diskussionsbeiträge. Andere Beiträge können nur von dem Gruppen-Administrator gepostet werden. Die Rubrik "Recent News" beispielsweise informiert über John McCains Politik, die Bushs Steuerkürzungen für Reiche fortsetzen will, den Krieg im Irak weiterführen möchte und vieles mehr. Außerdem bezeugen Fotos die innige Freundschaft zwischen Bush und McCain, während die Applikation Video bislang ungenutzt beibt. Allerdings findet sich unter der Kategorie "Posted Items" ein YouTube-Video mit peinlichen Momenten McCains und unter anderen findet man dort einen satirisches Bild zu John Mc Cains Haltung zur Homoehe. Facebook bietet also beste Möglichkeiten, negative campaigning zu betreiben und viral zu verbreiten. Schauen wir uns doch einmal an, welche politischen Gruppen derzeit bei StudiVZ in Deutschland entstehen. Da wäre die Gruppe "Angela Merkel: Bundeskanzlerin der Herzen – wir lieben Dich" (2 Mitglieder) oder Anti-Gruppen wie "Wenn Kurt Beck Kanzler wird, wandere ich aus!" (46 Mitglieder). Niemand polarisiert jedoch so sehr wie Claudia Roth, um die sich sowohl ein Fanclub (183 Mitglieder) als auch die Gruppe "Ich hasse Claudia Roth" (448 Mitglieder) ranken. Außerdem häufen sich zu ihrer Person Geschmacklosigkeiten wie "Gott hasst Claudia Roth" (4 Mitglieder), "Burkapflicht für Claudia Roth" (38 Mitglieder) und "Ich bremse nicht für Claudia Roth" (69 Mitglieder). Die Gruppe "Ich war mit Guido Westerwelle in der Sauna" (7 Mitglieder) zeigt, dass sich nicht alle StudiVZ-Gruppen in die normativen Kategorien von Pro und Contra, von Kampagne und und negative campaigning einordnen lassen. Zur Wahlkampfkommunikation eignet sich StudiVZ ohnehin nur sehr eingeschränkt. Es gibt weder ein "Discussion Board", noch die Möglichkeit, Links oder Beiträge zu posten. Bei der Entscheidung zu einer Gruppenmitgliedschaft auf StudiVZ handelt sich demnach eher um das Abgeben eines Statements. Die einzigen aktiven Partizipationsmöglichkeiten bestehen in dem Einladen weiterer Gruppenmitglieder und dem Melden von Gruppen, die möglicherweise die Gefühle oder Moralvorstellungen der Teilnehmer verletzen. P.S.: Um die Gruppen anzuschauen, muss man sowohl im Fall von Facebook als auch bei StudiVZ einen eigenen Account haben.
Blogeintrag von Ute Pannen
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10:09
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Netzwerke sind die RevolutionMontag, 21. April 2008
Am Freitag hielt der Techpresident-Blogger Micah L. Sifry zum Ausklang der Politics Web 2.0-Konferenz in London einen Vortrag über die Rolle von Web 2.0 im US-Wahlkampf: Die Netzwerke sind die Revolution, lautet sein Credo, dass sich an einer simplen Frage festmachen lässt. Was ist mächtiger, eine E-Mail-Liste mit einer Million Adressen oder ein Netzwerk von 1000 Bloggern? Anhand der drei Punkte Botschaft, Basis-Mobilisierung und Fundraising zeigte Micah L. Sifry, in welche Richtung die Zukunft weist:
1. Die Botschaft können die Wähler selbst durchaus besser vermitteln als die Kampagnen-Zentrale. Allein die YouTube–Videos Vote Different (5 Millionen Zuschauer), Yes We Can (7 Millionen Zuschauer) und Hillary and the Band (410.000 Zuschauer) haben enorme Aufmerksamkeit erreicht. Phil de Vellis, der Produzent des „Vote Different“-Videos sagte einmal in der Huffington Post, dass er das Video konzipiert hat, um zu zeigen, wie ein einzelner Bürger den Wahlkampf beeinflussen kann. 2. Die Mobilisierung von Freiwilligen geht von den Grassroots-Netzwerken selbst aus. So hatte Joe Antony mit MySpace for Obama die Massen aufgerufen. Farouk Olu Aregbe aktivierte One Million Strong for Barack bei Facebook. Websites wie Meetup.com und eventful.com helfen tausende Menschen vor Ort zu mobilisieren. 3. Nicht zuletzt spiegelt sich die Grassroots-Aktivität und das Netzwerken auch in der Fundraising-Struktur Barack Obamas wider. Er spricht nicht die großen Geldgeber an, sondern den “kleinen Mann”, dessen 20$-Spenden im Gegensatz zu Großspenden auch mehrfach eingehen dürfen. Auch die Grassroots-Organisation MoveOn.org unterstützte Obama, indem sie ihr Netzwerk zum Fundraising aktivierte. Die Lektion lautet also: Netzwerke sind einflussreicher als E-Mail-Listen.
Blogeintrag von Ute Pannen
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14:52
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Die soziale Dimension der PolitikDienstag, 8. April 2008
Nach einer Studie des PEW- Meinungsforschungsinstitut nimmt der Gebrauch sozialer Netzwerke und Videos im US-Wahlkampf stark zu.
Die Untersuchung zeigt, dass sich unter den jungen Amerikanern ein neues Medienverhalten verzeichnen lässt. Nachrichten werden nicht mehr in erster Linie aus Tageszeitungen oder Nachrichtensendungen im Fernsehen entnommen, sondern aus E-Mails von Freunden. Damit werden die Jugendlichen nicht nur zu Konsumenten von Nachrichten, sondern auch zu Sendern. In der New York Times wird die 25 jährige Lauren Wolfe zitiert, die als „President of College Democrats of America“ aktiv ist: „Oft lese ich eine interessante Meldung im Internet und sende die URL an zehn Freunde.“ Sie fügt hinzu, dass sie lieber einen Artikel liest, der sie in einer E-Mail eines Freundes erreicht, als den Artikel selbst in der Zeitung zu suchen. Somit wächst die Bedeutung sozialer Netzwerke wie Facebook und sozialer Medien wie YouTube von reinen Unterhaltungsformaten zu Nachrichtenmedien. Dieses Phänomen lässt sich auch in den Kampagnen der Kandidaten beobachten. Allen voran nutzt Barack Obama die Möglichkeiten des wachsenden Interesses an Web 2.0. Als Barack Obama im Januar auf die letzte „State of the Union“-Rede von George W. Bush mit einem fünfminütigen Video-Kommentar reagierte, erreichte diese Rede wenig Aufmerksamkeit von Zeitungen und Fernsehen. Aber das Video war vielmehr für das Internet geschaffen und schnell auf YouTube veröffentlicht, wo es auf der Liste der populärsten Videos erschien und auf Googles Liste der meist gebloggten Themen. Es wurde über 1,3 Millionen Mal angeschaut und von mehr als 500 Blogs verlinkt. Außerdem zirkulierte es weitreichend in sozialen Netzwerken wie Facebook. Zwei Drittel der unter 30-jährigen amerikanischen Web-Nutzer geben an, soziale Netzwerke zu nutzen, während weniger als 20% der Älteren sich dort registrieren. MySpace und Facebook dienen auch als Bindeglied zu den Kandidaten. Die Nase vorn hat in diesem Rennen um die Wählergunst eindeutig Barack Obama mit zirka 1 Million „Freunden“ auf den beiden Webseiten. Hillary Clinton, seine Rivalin innerhalb des demokratischen Lagers, folgt mit kaum 330.000 Freunden und der Republikaner John McCain verzeichnet dort über 140.000 Anhänger. Nach Angaben des PEW Instituts haben vier von zehn jungen Wählern Kandidaten-Reden, Interviews und Spots im Internet angesehen. Sie bezeichnen die Online-Diskussionen und Videos als relevante Quelle für Wahlkampfinformationen. So war in den Tagen nach Barack Obamas Speech on Race der Link zu dem Video und dem Text das meistversandte Thema auf Facebook.
Blogeintrag von Ute Pannen
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Web 2.0-WählerMontag, 10. März 2008
Wenn es um soziale Netzwerke geht, ist Fred Stutzman, Autor des Weblogs TechPresident, Muttersprachler. Facebook, YouTube, Twitter – diese Anwendungen sind tief in seinen Alltag integriert. Er stellte in dieser Woche die Bedeutung von Web 2.0 für den amerikanischen Wahlkampf vor. Dabei betont er, dass soziale Medien nie die alleinigen Kampagneninstrumente sind, aber die Stoßkraft und Eigendynamik einer Bewegung unterstützen. Barack Obamas Momentum bietet das beste Beispiel, wie soziale Netzwerke Wähler aktivieren können: online und offline. Sie spenden, senden E-Mails, SMS und YouTube-Videos, doch allem voran generieren sie Aufmerksamkeit und Interesse.
In diesem US-Wahlkampf interagieren eine beträchtliche Zahl von Wählern auf sozialen Netzwerken mit ihren Kandidaten. Millionen schauten YouTube-Videos an, Tausende pflegen Facebook-Freundschaften mit Kandidaten. Diese Wähler tragen massiv zur Verbreitung von Informationen rund um die Kandidaten bei, und manche von ihnen nehmen wichtige Funktionen ein. Wer sind also diese Web 2.0-Wähler? Offensichtlich gibt es verschiedene Typen: 1. Der Schaufenster-Typus Nach Angaben des Pew Research Centers haben fast 70 Millionen Amerikaner ein Profil in einem sozialen Netzwerk und viele Millionen haben sich YouTube-Videos angesehen. Der Schaufenster-Typus repräsentiert die große Mehrheit der Web 2.0-Wähler. Sie nehmen aus der Distanz am Geschehen in den sozialen Netzwerken teil: Sie schauen Videos an, beobachten Freunde, wie diese in sozialen Netzwerken politische Positionen einnehmen, aber sie nutzen sie nicht selbst zur politischen Meinungsäußerung. Das Pew Forschungsinstitut geht davon aus, dass fast ein Viertel der Amerikaner einen Teil ihrer politischen Informationen aus dem Internet zieht. Man kann sich also vorstellen, wie verbreitet der Schaufenster–Typus ist. 2. Die Zehen-Eintunker Die Zehen-Eintunker gehen einen Schritt weiter als die Schaufenster-Typen, sie kommunizieren ihre Interessen aktiv in sozialen Netzwerken. Sie unterstützen Kandidaten auf Facebook oder nutzen traditionelle Möglichkeiten wie E-Mails, um im Sinne von viralem Marketing eine politische Botschaft zu verbreiten. Die Gruppe der Zehen-Eintunker ist kleiner und jünger als die der Schaufenster-Typen. Nach Angaben von Pew pflegen 3% der Amerikaner eine „Freundschaft“ mit einem Kandidaten innerhalb eines sozialen Netzwerkes. 3. Der Kommunikator Der Kommunikator ist in etwa die Person, die man als Web 2.0-Muttersprachler bezeichnen würde. Sie benutzen Blogs, Foren oder soziale Netzwerke, um ihre politische Information zu streuen. Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass sie selber Blogger sind, aber sie nutzen sie gelegentlich, um Botschaften zu versenden. Laut der Blogads-2008-Erhebung haben 17% der Leser politischer Blogs ihr eigenes Blog. Die Kommunikatoren sind wichtige Produzenten von Inhalten in sozialen Netzwerken. 4. Experte Zu den Experten auf dem Gebiet des sozialen Netzwerkens gehören zum Beispiel die 14.000 Amerikaner, die Barack Obama auf Twitter Es sind interessante Parallelen zwischen diesen Gruppen zu beobachten. Sowohl Schaufenster-Typen als auch Experten neigen dazu, im Internet zu spenden. Beide besuchen die Kandidaten-Webseiten und abonnieren Newsletter. Der Unterschied liegt nicht im Konsumieren von Nachrichten, sondern im Produzieren. Soziale Netzwerke sind also zu einem wichtigen Instrument des US-Wahlkampfes geworden, weil jeder, der etwas zu sagen hat, das auch tun kann. Die Zahl der Schaufenster-Typen überwiegt natürlich über allen anderen, aber mit der Zeit entwickeln sich immer mehr Wähler zu Web2.0-Muttersprachlern. Es ist eine Langzeitentwicklung, aber eine vielversprechende - auch für Deutschland.
Blogeintrag von Ute Pannen
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