UmfrageWer wird die Präsidentsschaftswahl gewinnen?
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Super spannend, duper knapp: Analysen zum Super TuesdayMittwoch, 6. Februar 2008
Historisch, dramatisch, spannend. Die versammelte amerikanische Wahlkampfexpertenschar fand gestern Abend große Worte für den Ausgang des Super Tuesday. Der Vorwahlkuchen hatte sich gut verteilt, jeder der Kandidaten schien Anlass zum Feiern zu haben. Wir wollen hier jedoch einen Blick hinter die schillernde Welt von Siegesreden, Konfettiregen und 30-Sekunden-Kommentaren wagen. Unsere Analyse der Wahlergebnisse soll eine erste Erklärung liefern für den Ausgang dieses aufregenden Vorwahlabends.
DEMOKRATEN Hillary Clinton und Barack Obama gehen beide als Sieger aus dem Super Dienstag hervor. Clinton gewann die bevölkerungsreichen Staaten Kalifornien und New York, sie liegt zudem im Rennen um die Delegierten vorn. Obama konnte die Mehrzahl der Super-Tuesday-Staaten (13-8) für sich entscheiden, er machte entscheidenden Boden gut gegenüber der noch vor zwei Wochen in nahezu allen Umfragen führenden Hillary Clinton. Eine Analyse der Nachwahlbefragungen ergibt ein interessantes Bild. Hillary Clinton gewann wichtige Wettbewerbe im Nordosten der USA. Siege in New York und New Jersey waren keine Überraschung, der Gewinn in Massachussetts hingegen schon. Obama hatte hier die gesamte politischen Elite des Staates hinter sich gewusst, u.a. Gov. Patrick Deval, Sen. Ted Kennedy und Sen. John Kerry. Auch im Westen der USA trumpfte Hillary mit lebenswichtigen Siegen in Kalifornien und Arizona auf. Ein Triumph in ihrer zweiten Heimat Arkansas war abzusehen, der erste Platz in Tennessee überraschte. Hillary Clinton konnte sich auch in dieser Vorwahlrunde wieder auf die klassische demokratische Wählerkoalition stützen, von der sie schon in New Hampshire, Nevada und Florida zu Siegen geführt worden war. Weiße Frauen aus der Mittelschicht sind ihre verlässlichsten Unterstützer, sie machten in den meisten Staaten den größten Wählerblock aus. Hier hat Clinton einen enormen Vorsprung vor Obama. Ältere Wähler Ü-60 sind fest in ihrem Lager. Auch ihre Unterstützung bei Latinos konnte sie festigen. Sie gewann die Mehrheit dieser schnell wachsenden Wählergruppe in allen 22 Vorwahlstaaten. Teil ihrer Wählerkoalition ist zudem die klassische demokratische Schutzklientel: Menschen mit geringerem Einkommen und mit weniger formeller Bildung. Barack Obama´s Siege kann man mit Recht als geografisch divers bezeichnen. Er gewann in Staaten wie Alaska und Idaho genauso wie in Connecticut und dem Trendstaat Missouri. Verlassen konnte er sich auf die afro-amerikanischen Wähler, die ihm u.a. zu Erfolgen in Georgia und Alabama verhalfen. Auch in den Staaten, die einen Caucus (lokale Parteiversammlungen) abhielten, hatte Barack die Nase vorn. Ein weiteres Indiz für die gute Organisation und den Enthusiasmus an den Graswurzeln der Obama-Kampagne. Obama stützte sich zu großen Teilen wieder auf seine bunte Wählerkoalition aus Schwarzen, U-40-Wählern sowie aus Wählern der akademischen Mittel- und Oberschicht. Bedeutend ist jedoch, dass er einen substantiellen Anteil von weißen Männern hinzu gewann, vor allem in Arizona, Connecticut, New York, Missouri und New Jersey. Die Splits in den Wählerschaften der beiden Kandidaten verlaufen also in erster Linie zwischen schwarz und weiß (racial gap) sowie zwischen männlich und weiblich (gender gap). Der deutlichste aller Gräben tut sich aber zwischen Wählern auf, die Wandel bevorzugen (Obama) und Wählern, die Erfahrung als wichtigste Eigenschaft eines Kandidaten betrachten (Clinton). REPUBLIKANER Auf Seiten der Republikaner ist der Kampf um die Kandidatur übersichtlicher. John McCain hat zwar unbeeindruckender abgeschnitten als angenommen. Es reichte aber, um sich als klarer Frontrunner der Partei zu etablieren. Die Überraschung des Abends war sicherlich das gute Abschneiden von Mike Huckabee. Mitt Romney schaffte es nicht, aus dem Vorwahlkampf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit McCain zu machen. John McCain profitierte am gestrigen Tag entscheidend davon, dass Mitt Romney und Mike Huckabee die konservativen Wähler der Partei aufsplitteten. Nur so waren seine Siege in Illinois, Missouri oder Oklahoma möglich. Stark zeigte sich McCain im Nordosten der USA, in einem Teil des Landes also, der viele moderate, konservative Republikaner und Independents beheimatet. Ähnliches gilt für Kalifornien, wo er nahezu alle Stimmbezirke für sich entschied. Bedenklich ist für McCain jedoch, dass er seinen Anteil bei sozialkonservativen Wählern nicht signifikant steigern konnte. Nicht nur die Eliten der Bewegung wie Rush Limbaugh, Ann Coulter oder James Dobson sind offen gegen ihn, sondern auch die konservative Basis will nicht so recht warm werden mit dem republikanischen Frontrunner. McCain punktete hingegen bei Wählern, die unzufrieden mit der Bush-Regierung sind, die dem Irak-Krieg kritisch gegenüber stehen und für die Charakterzüge der Kandidaten wichtiger sind als spezifische Themen. Kaum bemerkt worden ist bisher auch der Vorteil, den McCain bei weiblichen Wählern hat, den sog. „security moms“. Wie angesprochen teilten sich Mitt Romney und Mike Huckabee die Stimmen der konservativeren Wähler. Romney, der Siege in seiner Heimat Massachussetts und in einigen Staaten im Westen des Landes (Colorado, Montana, North Dakota, Utah) einfuhr, konnte keinen entscheidenden Rückenwind für seine Kampagne erzeugen. Vorteile hatte er lediglich bei konservativen Wählern in den Vororten der größeren Städte, deren Top-Thema illegale Einwanderung ist. Mike Huckabee eroberte hingegen einmal mehr die Herzen der religiösen, evangelikalen Wähler. So erklären sich seine Siege in Georgia, Alabama, Arkansas, West Virginia und Tennessee. Huckabee wird damit zum perfekten Vize-Präsidentschaftskandidaten für McCain.
Blogeintrag von Maik Bohne
um
16:02
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Super Tuesday: Wie funktioniert das?Dienstag, 5. Februar 2008Interessierte wissen, dass der Super Tuesday ein entscheidender Tag im Rennen um die Kandidaturen ist. Heute werden 41% der republikanischen und 52% der demokratischen Delegierten vergeben. Aufgrund der engen Rennen in beiden Parteien kommt es nun weniger auf symbolische Siege an, sondern vor allem auf die Zahl der Delegierten, die ein Kandidat für sich gewinnen kann. So schön, so einfach? Natürlich nicht. Das Vorwahlsystem in den USA ist höchst komplex. Wir haben ein Q&A, das in die Komplexität des Vorwahlsystems einführt. 1. Welche Abstimmungsverfahren gibt es? Caucus oder Primary: In der Regel gibt es zwei Formen von Vorwahlen. Die eine ist die Primary, die einem normalen Urnengang mit Stimmzettel und Kreuzchenmachen entspricht. Der Caucus ist eine lokale Parteiversammlung, die in Feuerwehrgerätehäusern, Turnhallen, Kirchen oder Wohnzimmern stattfindet. Am Super Tuesday werden in den meisten Staaten Primaries abhalten. Caucuses finden hingegen in Kansas, Minnesota oder Colorado statt. Offen oder geschlossen: Generell wird unterschieden zwischen offenen und geschlossenen Vorwahlen. In offenen Vorwahlen können sich Demokraten, Unabhängige (sog. Independents) und Republikaner in der Regel frei entscheiden, in welcher Partei sie an der Abstimmung teilnehmen wollen. Bei geschlossenen Vorwahlen sind nur diejenigen Wähler stimmberechtigt, die sich im Vorhinein als Demokraten oder Republikaner registrieren lassen haben. Independents dürfen nicht teilnehmen. 2. Wie werden die Delegierten verteilt? Demokraten: Die Demokraten haben ein komplexes Verfahren der Delegiertenzuteilung. Erstens gibt es Delegierte, die auf der Ebene der Bundesstaaten vergeben werden. Sie machen in der Regel ca. 30% der Gesamtzahl der Delegierten aus. Diese „statewide delegates“ werden dem Vorwahlsieger komplett zugesprochen. Zweitens: Die meisten Delegierten (ca. 70%) werden auf der Ebene der Kongresswahlkreise vergeben. Wer in diesen Stimmbezirken mehr als 15% der Stimmen erreicht, bekommt Delegierte anteilig zugesprochen. Drittens gibt es die sog. Super-Delegierten. Dies sind Delegierte, die qua Amt am Parteitag teilnehmen dürfen, also Kongressabgeordnete, Senatoren, Gouverneure und Mitglieder des Democratic National Committee. Republikaner: Die Republikaner vergeben den Großteil ihrer Delegierten im sog. „Winner-takes-all-Verfahren“. Derjenige Kandidat, der die meisten Stimmen (einfache Mehrheit) in einem Kongresswahlkreis erhält, bekommt alle Delegierten aus diesem Distrikt zugesprochen. Einige Staaten wie Missouri, New Jersey, New York oder Utah verteilen die Delegierten jedoch komplett auf Bundesstaatsebene. Wer hier die meisten Wählerstimmen „statewide“ gewinnt, bekommt dann auch alle Delegierten zugesprochen. Die Republikaner haben zudem eine geringe Anzahl von „unpledged delegates“, die qua Amt Teil des Parteitages sind. 3. Wo finden die entscheidenden Kämpfe statt? Kalifornien und New York sind die beiden Staaten, die die größte Anzahl von Delegierten vergeben werden. Auch Missouri, Arizona, Tennessee, Georgia und New Jersey werden hart umkämpft sein. Es ist aber wichtig, nicht zu sehr in der Struktur von Einzelstaaten zu denken. Entscheidender sind in den meisten Staaten die Kongressbezirke, in denen die Merhzahl der Delegierten vergeben wird. 4. Wird es bei solch einem komplexen Verteilungssystem eine Vorentscheidung geben? Bei den Republikanern hat sich John McCain in den nationalen Umfragen als führender Kandidat etabliert. Aufgrund der unproportionaleren Delegiertenzuteilung bei den Republikanern (winner-takes-all) könnte sich John McCain bereits morgen als faktischer Kandidat durchgesetzt haben. Sicherlich wird er nicht die magische Zahl von 1.191 Delegierten erreichen, die ihm zum Gewinn der Nominierung reichen würden. Falls er aber Mitt Romney und Mike Huckabee in den meisten Staaten klar bezwingt, werden es seine Konkurrenten schwer haben, ihre Kandidatur weiter zu rechtfertigen. Bei den Demokraten sieht es anders aus. Erstmals seit der Einführung der Vorwahlen auf Präsidentschaftsebene gibt es zwei Kandidaten einer Partei, die auch noch nach dem Super Tuesday gleichauf liegen könnten. Der Blick richtet sich für Hillary Clinton und Barack Obama deshalb schon auf die Vorwahlen, die nach dem 5. Februar stattfinden werden. Entscheidend könnten die Wahlen in Ohio und Texas am 4. März sein. Es wird aber auch schon von der „Doomsday Primary“ am 22. April in Pennsylvania gesprochen.
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