UmfrageWer wird die Präsidentsschaftswahl gewinnen?
TagsAfro-Amerikaner Al Gore al-Qaida Angela Merkel Ann Coulter arnold schwarzenegger Barack Obama berater Bill Clinton Bill Richardson bittergate Blog blogosphäre caucus cnn daily kos delegierte democrats abroad Demokraten deutschland dnc Elton John Endorsement Facebook fec Florida Frauen fred thompson Fundraising George Bush GOTV grassroots Hillary Clinton Howard Dean Indiana Internet iowa Irak Iran islam Joe Biden Joe Trippi John Edwards john kerry John McCain Junge Wähler kalifornien Kampagnenmanager Kandidaten kentucky
|
Advantage ObamaMittwoch, 7. Mai 2008
Barack Obama hat im Rennen um die Kandidatur der Demokraten einen entscheidenden Schritt nach vorn gemacht. Hillary Clinton brauchte überzeugende Resultate, die sie nicht liefern konnte. Ein hauchdünner Sieg in Indiana (51-49%) und eine Niederlage in North Carolina (42-56%) reichten nicht aus, um dem Vorwahlkampf eine clintonsche Wendung zu geben. Der Vorteil liegt nach diesem Abend eindeutig bei Obama. In einem Q&A wollen wir die wichtigsten Fragen des Tages beantworten.
Hat Barack Obama die Nominierung jetzt (endlich) sicher? Nein, das hat er noch nicht. Die absolute Mehrheit der Delegiertenstimmen konnte er nicht erreichen. Mit dem guten Abschneiden gestern stellte er aber die Weichen für einen endgültigen Sieg gegen Hillary. In North Carolina gewann Obama mit mehr als 200.000 Wählerstimmen Vorsprung, das ist beeindruckend. Zählt man sein gutes Resultat in Indiana hinzu, so besteht für Hillary Clinton mathematisch kaum noch die Chance, Obama in Form von Delegiertenstimmen und absoluten Wählerstimmen zu überholen. Die noch unentschiedenen Superdelegierten (ca. 275 von 796) werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gegen das Votum der Basis stellen. Wichtiger für Obama ist aber, dass er nach seinem härtesten Kampagnenmonat (Stichworte: Jeremiah Wright, Kleinstadtwähler-Schelte, Niederlage in Pennsylvania) zurück in der Erfolgsspur ist. Er hat den Wählern und (vor allem) dem Parteiestablishment gezeigt, dass er die Härte und Standhaftigkeit für den Hauptwahlkampf hat. Wie sieht die Zukunft für Hillary Clinton aus? Mit einem Wort: Düster. Hillary Clintons Team hatte sich Hoffnungen gemacht, dass sie in Indiana klar gewinnen und Obamas Umfragevorsprung in North Carolina deutlich verringern würde. Daraus wurde nichts. Ihre ganze Argumentation ist damit ins Wanken geraten, die da hieß: „Ich habe Momentum. Obama schwächelt. Ich bin die wahre Vertreterin der demokratischen Basis. Obama ist zu elitär und abgehoben, er hat keinen Zugang zum „kleinen Mann“. Zwar hat Hillary auch gestern wieder die weißen Wähler am Besten erreicht (vor allem weiße, ältere Frauen). Die Zweifel an Obama sind also berechtigt. Doch was am Ende zählt, sind die Konstruktionen von Sieg und Niederlage, Mikrodaten geraten da schnell in Vergessenheit. Auch wenn sie gestern Abend noch mit dem nötigen Zweckoptimismus erklärte: „We go full speed – on to the White House“, hat Hillary Clinton in der derzeitigen Konstellation kaum noch Chancen auf einen Sieg. Ihr einziger Pfad zur Nominierung ist es, das Spielfeld zu ändern, in dem sie darauf drängt, die Delegierten und Wählerstimmen aus Michigan und Florida vollständig zählen zu lassen. Da sie beide Staaten mit großem Abstand gewonnen hatte, könnte ihr das eine Art Momentum am Grünen Tisch verschaffen. Zur Information: Michigan und Florida hatten ihre Vorwahlen zeitlich unrechtmäßig nach vorne verlegt. Als Konsequenz strafte sie das Democratic National Committee (DNC) mit einem Ausschluss vom Parteitag. Es fand kein Wahlkampf in den beiden Staaten statt, Obama stand noch nicht einmal auf dem Wahlzettel in Michigan. Am 31.Mai tagt das Rules and Bylaws Committee (eine Art Parteischiedsgericht) des DNC in Washington, um eine Empfehlung über das Schicksal der Delegierten in Michigan und Florida abzugeben. Es sieht aber nicht danach aus, als wenn Clinton sich mit ihren Forderungen durchsetzen könnte. Wie geht es weiter? Sechs demokratische Vorwahlen stehen noch aus, bei denen allerdings nur 187 Delegiertenstimmen vergeben werden. Hillary Clinton kann nach derzeitigen Umfragen auf Siege in West Virginia (13. Mai) und Kentucky (20. Mai) spekulieren; Obama liegt hingegen in Oregon (20. Mai) vorn. Danach stimmen noch Puerto Rico (1. Juni) sowie Montana und South Dakota (3. Juni) ab. Dort ist das Rennen noch relativ offen. Alles Hin und Her nützt aber nichts: Hillary Clinton muss sich vorsichtig damit abfinden, dass sie (nach hartem Kampf) das Rennen gegen Barack Obama verloren hat. Hier Obamas Siegesrede, gehalten in Raleigh, North Carolina:
Blogeintrag von Maik Bohne
um
12:12
| Kommentare (0)
| Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: barack obama, bittergate, dnc, florida, hillary clinton, indiana, michigan, north carolina, pennsylvania, superdelegierte
Obama gibt sich bodenständigMittwoch, 30. April 2008
Die vergangenen Vorwahlen in Texas, Ohio und Pennsylvania haben es gezeigt. Barack Obama hat Probleme, (weiße) Wähler aus der unteren Mittelschicht und der Arbeiterschaft an sich zu binden. Seine blumige Rhetorik des Wandels scheint bei den ökonomisch Benachteiligten in Zeiten einer drohenden Rezession nicht richtig zu verfangen.
Die nicht enden wollende Kontroverse um den umstrittenen Pastor Jeremiah Wright, Obamas Aussagen über frustrierte Kleinstädter und sein furchtbar unsportlicher Bowling-Auftritt haben diese Kluft sicher nicht gerade verkleinert. Paradox ist die Lage schon: Obama führt eine der basisorientiertesten, lebensnahesten Kampagnen der Neuzeit, gilt aber dennoch als elitär und entrückt vom normalen Amerikaner, der gerne in Form von Jim, Joe oder Cindy durch den Blätterwald gejagt wird. Politico.com spekulierte sogar schon darüber, ob Obama zu intelligent für die breite Wählerschar sei.
Obamas Reaktion: Zusammen mit seinem Team hat er in jüngsten Strategiesitzungen beschlossen, seine Herkunft wieder stärker in den Mittelpunkt der Wahlkampfreden zu stellen. Sein Aufwachsen in kleinen Verhältnissen bei seiner allein erziehenden Mutter in Kansas und seine Zeit als Sozialarbeiter in Chicago will Obama rhetorisch mit einer populistischeren Wirtschaftsbotschaft verbinden. Zudem gibt er sich im Vorwahlkampf in Indiana volksnäher und bodenständiger als bisher. Nach einem Wahlkampfauftritt im ländlichen Kokomo (Indiana) spielte er am Freitag publikumswirksam 3-on-3-Basketball. Im sportverrückten Indiana war ihm damit ein Beitrag in den lokalen Abendnachrichten sicher. Zudem trat Obama am Wochenende zum ersten Mal in der Sonntagstalkshow des Nachrichtensenders Fox News auf, die auch unter weißen Arbeitern beliebt ist. Dort versprach er dem Gastgeber Chris Wallace eindringlich, härter für die Stimmen der „blue-collar voters“ zu kämpfen. Nachdem er während einer Pressekonferenz an einer Tankstelle irgendwo in Indiana die zu hohen Benzinpreise kritisiert hatte, bekannte er kürzlich sogar, nur fünf Anzüge zu besitzen, die er im Wechsel trage. Nur fünf Anzüge… Ob diese Form des Stilwechsels bei den bodenständigen Wählern in Indiana ankommt, bleibt fraglich. Apropos Benzinpreise: Im Rennen um die Zustimmung des „kleinen Mannes“ hat Hillary Clinton gerade eine neue Sau durch das Vorwahldorf getrieben. Sie schlug (genauso wie John McCain) vor, die Benzinsteuern den Sommer über auszusetzen. Obama lehnt dies ab, aus ökologischen und fiskalischen Gründen. Das ist rational und aller Ehren wert, wird dem autofixierten Durchschnittsamerikaner aber sicher nicht ganz einleuchten. Populist zu sein, ist schwerer als gedacht! Bitter für ObamaMittwoch, 16. April 2008
Der "kleine Mann" ist ein beliebter Zeitgenosse in Wahlkämpfen. Kandidaten und Parteien scheinen ihn stets persönlich zu kennen; sie scheinen zu fühlen, was er fühlt; sie scheinen zu wissen, was er will. In den USA kennt man den kleinen Mann wahlweise als „common man“ oder Joe Sixpack. Dieser Stellvertreter des „small town America“ ist heilig und unangreifbar, repräsentiert er doch das, wofür die Vereinigten Staaten (vermeintlich) stehen: Patriotismus, Gemeinsinn und Bodenständigkeit.
Barack Obama weiß, dass er nichts gewinnen und alles verlieren kann, wenn er diese heilige Kuh des Wahlkampfes kritisiert. Er hat es dennoch getan, weit weg vom ländlichen Amerika, auf einem Fundraiser in San Franscisco, der Hauptstadt des liberalen Amerika. Auf die Frage eines Geldgebers, warum er in Pennsylvania Schwierigkeiten habe, weiße Wähler aus der Arbeiterschicht für sich zu gewinnen, sagte Obama den folgenschweren Satz, der sich bereits als „Bittergate“ in die Terminologie dieses Wahlkampfes eingeschlichen hat. Er bezeichnete Kleinstädter in Pennsylvania als verbitterte Menschen, die sich aus ökonomischer Unsicherheit heraus an Waffen, Religion und xenophobe Ideen klammern würden. Kein unwahrer Satz, politisch allerdings ein höchst inopportuner. Hillary Clinton brauchte deshalb auch nicht lange, um Barack Obama für seinen rhetorischen Ausfall zu kritisieren. Sie, die sich in Pennsylvania gerade als religiöses Kleinstadt-Kind mit Liebe zu Waffen ausgibt, bezeichnete den jungen Senator aus Illinois als elitär und entrückt von der Basis. In einem neuen TV-Spot lässt Clinton das „small town America“ selbst zu Wort kommen. Im sog. „man-on-the-street“-Design sprechen Bürger direkt in die Kamera, um sich über Obamas Aussagen zu mokieren und ihren kleinstädtischen Lebensstil zu verteidigen: Auch John McCain wartete nicht lange, um die Chance zu ergreifen, die ihm Obama geboten hatte. Ähnlich wie Clinton kritisierte er Obama als elitär und „out of touch“ mit dem Mainstream Amerikas. Immer stärker wird die Angriffslinie deutlich, die die Republikaner gegen Obama fahren könnten. Sie würden ihn als Harvard-Snob darstellen, der zwar schön reden kann, aber hinter seinen blumigen Auftritten verbirgt, dass er den Amerikanern eine Links-außen-Agenda überstülpen will, die entrückt ist von der Lebenswirklichkeit der Menschen. John Kerry lässt grüßen. Heute Abend treffen sich Obama und Clinton in Philadelphia zu einer weiteren TV-Debatte. Es wird interessant zu verfolgen sein, wie sich Obama gegen die Vorwürfe Clintons wehrt, ob er in die Offensive geht, ob er sich beim fiktiven kleinen Mann nochmals für seine Aussagen entschuldigen wird. Neueste Umfragen zeigen, dass Obama bisher kaum an Zustimmung einbüßen musste. Vorsicht ist aber geboten: Solche Dinge brauchen in der Regel vier bis sechs Tage, um sich im Bewusstsein der Wähler zu verankern. Wahrscheinlich werden wir erst am 22. April (Vorwahltag in Pennsylvania) wissen, ob die Kontroverse Obama geschadet hat.
(Seite 1 von 1, insgesamt 3 Einträge)
© Initiative ProDialog, Dorotheenstr. 35, 10117 Berlin - Impressum |