Auch wenn Barack Obama mittlerweile in die nüchternen Tiefen der Regierungsplanung eingetaucht ist, so hält die Begeisterung und Faszination für seine Kampagne ungehindert an. Aus einer anfangs simplen Botschaft formte Obama eine Bewegung, die ein historisches Ausmaß angenommen hat. Obamas Medienberaterin Anita Dunn schätzte die Zahl der Freiwilligen auf 10 Millionen. Auch gesicherte Angaben über den Umfang von Obamas Online-Community gibt es noch nicht. Folgende Zahlen kursierten allerdings auf TechPresident, dem führenden Weblog zum Online-Wahlkampf in den USA:
• 10-12 Mio. E-Mail-Adressen
• 3-5 Mio. Handynummern
• 2 Mio. MyBo-Nutzer
Hinzu kommen ca. 80-100 Mio. Videoviews auf YouTube pro Tag, 3,1 Mio. Facebook-Anhänger und 900.000 Freunde auf MySpace. Mit einem Wort: Wow!
Die große Frage wird nun sein, wie der Kandidat Obama diese organisch gewachsene Gemeinschaft als Präsident Obama nutzen wird. Spekulationen schießen in der Blogosphäre ins Kraut. Den einzigen offiziellen Hinweis haben wir bisher von Obamas Internguru Chris Hughes erhalten, der auf seinem Blog kurz nach dem Wahlsieg schrieb: „This site is not going anywhere. The online tools in My.BarackObama.com will live on. Barack Obama supporters will continue to use the tools to collaborate and interact.”
Pünktlich nach der Wahl ging zudem die Webseite „change.gov“ online, die Obamas Internetfirma Blue State Digital seiner Kandidaten-Homepage nachempfunden hat. Auch wenn es noch an politischem Inhalt auf der Seite fehlt, so deutet dieses Blog doch an, das Obama auch in Zukunft intensiv online kommunizieren wird. Erhellend ist auch die Tatsache, dass das New Media-Transition-Team von Obama als eines der ersten vollständig benannt worden und ab sofort funktionsfähig ist.
Was wird aber mit der E-Mail-Liste des neuen Präsidenten passieren? Obama darf sie nicht aus dem Weißen Haus heraus für politische Zwecke nutzen. Das ist gesetzlich verboten. Die realistischste Option wird es sein, sie in ein Political Action Committee (PAC) auszugliedern, dem es erlaubt ist, TV-Spots zu schalten, Wählermobilisierung für demokratische Themen und Kandidaten zu betreiben oder Trainings für lokale Aktivisten anzubieten. Eine ähnliche Organisationsform hat im Übrigen auch MoveOn.org gewählt.
Vieles wird allerdings vom Enthusiasmus der Obamaniacs abhängen, die Regieren wahrscheinlich nicht ganz so spannend finden werden wie Wahlkämpfen. Wir werden sehen. Eines scheint aber schon jetzt klar zu sein. Obama wird das Internet benutzen, um wieder direkter mit den Bürgern zu kommunizieren. In der Tat denkt sein Team über eine Art digitalen „Fireside Chat“ nach, den Präsident Roosevelt in den 1930er Jahren über das Radio kultiviert hatte.
Als Vorbild könnte ihm Gordon Browns „Number10“-Blog dienen, auf dem der britische Premierminister jede Woche eine Bürgerfrage per YouTube-Video beantwortet. Nicht alles Neue macht Amerika.