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Für Politikwissenschaftler ist diese Nachwahlphase ein Fest. Seit Jahren sind sie auf der Suche nach einer neuen realignment election, also einer Epoche machenden Wahl, bei der sich Wählerblöcke neu orientieren und sich die Machttektonik zwischen den Parteien massiv verschiebt. Es zu früh, diese Präsidentschaftswahl in eine solche Kategorie einzuordnen. Die ersten Daten aus den Nachwahlbefragungen verraten aber sehr interessante Trends.
Vorweg: Der Sieg Barack Obamas ist maßgeblich der aktuellen Wirtschaftslage geschuldet. Sie führte zu einem massiven Wechsel vieler Wähler in das demokratische Lager. Je schlechter die Bürger die Wirtschaftsentwicklung bewerteten, desto höher stiegen die Umfragewerte für Obama (s. Grafik). Unweigerlich erinnert man sich an die Flutkatastrophe 2002 in Deutschland, die Gerhard Schröder maßgeblich die Wiederwahl sicherte.
Insgesamt hat Barack Obama seinen Sieg aber einer sehr bunten, zukunftsfähigen Koalition von Wählern zu verdanken. Beginnen wir mit der Jugend. Selten gab es eine solch eklatante Spanne zwischen den Kandidaten im Segment der Jungwähler. Obama gewann die Gruppe der 18-bis 29-jährigen mit 34 Prozentpunkten (!) Vorsprung. Insgesamt wählten 11 Prozent des Elektorats zum ersten Mal. Diese Wähler waren mehrheitlich jung und farbig, sie gingen klar an Obama. Interessant auch die Werte bei jungen Latinos, von denen 76 Prozent den Demokraten wählten. Auch die Genderlücke ist wieder größer geworden. Frauen präferierten Barack Obama mehrheitlich gegenüber John McCain (56%-43%). Das ist ein deutlicher Zuwachs zu 2004. Diesen Vorsprung hat Obama vor allem allein stehenden (und oft auch allein erziehenden) Frauen zu verdanken, bei denen er einen Vorsprung von 41 Prozent gegenüber John McCain hatte. Auch bei Männern konnte Obama eine knappe Mehrheit erreichen. Auch wenn die Mehrheit der weißen Wähler für John McCain stimmte (43%-55%), so konnte Obama diesen Nachteil mit einem Zuwachs an minoritären Wählern wettmachen. Waren 90 Prozent der McCain-Wähler weiß, so hatte Obama eine buntere Zusammensetzung von Unterstützern. 61 Prozent seiner Wähler waren weiß, 23 Prozent schwarz, 11 Prozent Latino und 2 Prozent Asiaten. Insgesamt stimmten 95 Prozent der Afro-Amerikaner für ihn. Das ist ein Zuwachs von 7% gegenüber John Kerry in 2004. Bei Asian Americans hatte Obama einen Vorsprung von knapp 30 Prozent. Bedeutender ist jedoch der Stimmungswechsel bei den Latinos. Hatte George W. Bush es vor vier Jahren noch geschafft, viele (kulturell konservative) Hispanics mit einem ausgeprägten Wertewahlkampf ins Lager der Republikaner zu ziehen, so wanderten 2008 viele dieser Wähler zu den Demokraten. Obama konnte bei dieser überproportional wachsenden Bevölkerungsgruppe 23 Prozentpunkte gut machen. Sie bescherte ihm u.a. Siege in New Mexico und Colorado. Wichtiger Bestandteil der obamaschen Wählerkoalition waren zudem die affluenten, weißen, gebildeten Wähler in den Vororten der größeren Städte. Obama nahm diese Bastion des gemäßigten Konservatismus in vielen Teilen des Landes ein, egal ob im Norden Virginias oder im reichen Orange County in Kalifornien. Obwohl Obama im Wahlkampf offen zugab, Umverteilungspolitik betreiben zu wollen, holte er massiv bei Gutverdienern auf, die über 100.000 Dollar Jahreseinkommen haben (+8%). Diese Gruppe hatte George W. Bush 2004 noch klar für sich entschieden. Auch die Mehrzahl der besser Gebildeten im Land scheint vermehrt zur Demokratischen Partei zurückzukehren. Bei Wählern mit einem Master- oder PhD-Abschluss gewann Obama 18 Prozentpunkte dazu, auch die College-Absolventen gewann er knapp. Hinzu kommen die Arbeiter und Geringverdiener, die zwar mehrheitlich in den Primaries für Hillary Clinton gestimmt hatten, aber im Laufe des Hauptwahlkampfes – auch dank der effektiven GOTV-Kampagne der Gewerkschaften – zurück ins demokratische Lager gekommen sind. Das Bild lässt einen klaren Schluss zu. Barack Obama hat es geschafft, die demokratische Wählerkoalition massiv auszubauen. Ob er sie allerdings längerfristig in der Demokratischen Partei halten kann, bleibt abzuwarten. Immerhin hat er seiner Partei das Label „Zukunft“ anheften können. Die Republikaner werden dagegen mehr und mehr zur Partei der angry white men im Heartland und im Süden des Landes. Die einzigen Bezirke, in denen McCain dazu gewinnen konnte, waren strukturschwache Gegenden in den Appalachen. Das sagt einiges aus.
Blogeintrag von Maik Bohne
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Tags für diesen Artikel: Barack Obama, Erstwähler, John McCain, Junge Wähler, mobilisierung, Umfrage, Wählergruppen, wählerregistrierung, wirtschaft, zielgruppen
Mit Vorsprung in die letzten 72 StundenFreitag, 31. Oktober 2008
Die Mobilisierungsmaschinen der Kampagnen laufen auf Hochtouren. Jetzt geht es um das, was die Amerikaner „Get-Out-the-Vote“ (GOTV) nennen. Täglich erreichen die Aktivisten auf beiden Seiten des politischen Spektrums drei bis fünf E-Mails, die sie zu Last-Minute-Aktionen in den letzten 72 Stunden aufrufen. In diesem elektoralen Häuserkampf hilft es, sich noch einmal über die Grundkoordinaten der Wahl zu versichern.
Pünktlich vor der ganz heißen Phase des Wahlkampfes hat die New York Times in Kooperation mit CBS seine letzte große Umfrage vor den Wahlen veröffentlicht, im Rahmen derer sie 1.439 mögliche Wähler („likely voters“) befragt hatte. Die wichtigste Botschaft: Barack Obama scheint seinen Vorsprung konsolidiert zu haben. Er liegt mittlerweile mit 51 Prozent vor John McCain mit 40 Prozent. Natürlich muss man diese Führung in der NY Times-Umfrage mit Vorsicht genießen. Die Meinungsforscher haben in diesem Rennen große Probleme, sowohl den richtigen Anteil an afro-amerikanischen und jungen Wählern zu bestimmen als auch den viel zitierten Bradley-Faktor einzurechnen. Auch wenn andere Umfragen ein engeres Rennen sehen, so liegt Obama insgesamt stabil mit 3 bis 11 Prozent vorne. Dass sich Obamas Spitzenwerte Mitte Oktober - auf dem Höhepunkt der Finanzkrise – nicht halten ließen, war klar. Das Land ist polarisiert, die unentschlossene Mitte extrem klein. In der New York Times-Umfrage gaben weniger als zehn Prozent der Befragten an, überhaupt noch unentschieden zu sein. Insgesamt ist die Stimmung im Lande weiter äußerst düster. 89 Prozent der Befragten sehen die Wirtschaftslage negativ. 85 Prozent denken, dass Land sei auf dem falschen Weg in Richtung Zukunft. George W. Bush Zustimmungsraten liegen bei unterirdischen 22 Prozent. So tief herunter ist es bisher nur für Harry Truman im Wahljahr 1952 gegangen. Barack Obama hat bei den wichtigsten Themen der Zeit wie Wirtschaft, Arbeit, Gesundheit und Irak die Nase vorn. McCain besitzt hingegen auf zwei Sachfeldern einen Vorteil. Zum einen konnte er sich bei den Wählern mit seiner „Joe, the Plumber“-Kampagne deutlich stärker als der Mann für niedrige Steuern etablieren. Zum anderen gilt er weiterhin als der bessere Commander-in-Chief (47-33). Wir werden also von McCain in den letzten Tagen vor der Wahl noch einmal die übliche Stereo-Botschaft hören: „Obama ist eine unsichere Wahl für das Präsidentenamt und ein Staatsfetischist.“ Ob es noch etwas nutzen wird, bleibt offen. Zumindest wird schon jetzt deutlich, dass – abseits der finanziellen und organisatorischen Nachteile McCains - seine Auswahl von Sarah Palin und seine mäßigen TV-Duell-Auftritte entscheidende Faktoren für den Ausgang des Rennens sein könnten. Demokratischer Erdrutsch?Montag, 27. Oktober 2008
Die schlechten Nachrichten für John McCain reißen nicht ab. Die nationalen Umfragen sehen Barack Obama mittlerweile stabil zwischen acht und zehn Prozentpunkten vorne, seine Vizepräsidentschaftskandidatin fällt durch peinliche Auftritte und eine 150.000-Dollar-Couture auf, sein Kampagnenteam ist zerstritten, seine Partei fürchtet den Absturz in die Bedeutungslosigkeit.
In der Tat mehren sich die Stimmen, die einen demokratischen Erdrutschsieg am 4. November voraussagen, nicht nur auf der Präsidentenebene, sondern auch im Kongress. Schaut man sich an, in welchen Bundesstaaten die Kandidaten ihre restlichen Ressourcen einsetzen, so zeigt sich ganz deutlich, dass McCain nahezu ausschließlich in der Defensive ist, Obama hingegen nur noch Offensive spielt. McCain hat sich auf die Verteidigung der Staaten zurückgezogen, die George W. Bush 2004 zum Sieg reichten. Auch wenn er weiterhin im demokratischen Pennsylvania aktiv ist, so fokussiert er sich im Prinzip auf den Kampf in Ohio, Florida, Missouri, Virginia und North Carolina. In diesen Staaten hat Obama seinerseits voll auf Angriff umgeschaltet. Ein Blick auf die Wahlkarte zeigt die ausweglose Situation für McCain. Selbst traditionell republikanische Bundesstaaten wie Montana, North Dakota und South Dakota sind nicht mehr außer Reichweite für Obama. Selbst in Georgia und South Carolina profitiert er vom Hunger nach Wandel in ökonomisch harten Zeiten. Auch im Kongress sieht es düster aus für die Grand Old Party (GOP). Im Repräsentantenhaus könnten die Demokraten 20 bis 40 Sitze dazu gewinnen, im Senat sogar die obstruktionsfeste Zahl von 60 Stimmen erreichen, die gegen Filibuster von Seiten der Republikaner schützen würde. Ob den Demokraten ein solcher Erdrutsch aber wirklich gut tut? Mit einer absoluten gestalterischen Mehrheit in Washington wächst der Druck auf die Partei ins Unendliche. Erwartungen könnten schnell enttäuscht werden. Wie zwischen 1992 und 1994, als Bill Clinton das Land mit einem Reformschwall überzog und den Boden für ein wieder erstarktes „conservative movement“ rund um den damaligen republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus Newt Gingrich bereitete. Doch selbst besagter Gingrich fragt heute offen: „How did we get into this mess?“ Ganz einfach. Einmal mehr ist eine verdichtete Ideologie an ihrem missionarischen Eifer und ihrer Kompromisslosigkeit gescheitert, weil sie den Blick auf die Realitäten im Land Schritt für Schritt verloren hat. Das politische System der USA lebt vom Kompromiss. Das haben die Herren Bush, Gingrich, DeLay oder Boehner allzu oft vergessen. McCains letzte Chance?Mittwoch, 15. Oktober 2008
John McCain ist in diesen Tagen nicht zu beneiden. Parallel zu den fallenden Börsenkursen bewegten sich auch seine Umfragewerte nach unten. Natürlich nicht in der Monstranz der einzigartigen Wall Street-Baisse, aber doch deutlich sichtbar. Barack Obama hat die Finanz- und Wirtschaftskrise ein großes Stück näher an die Pforten des Weißen Hauses gebracht. In Umfragen liegt er mittlerweile komfortabel vorne, in den Schlüsselstaaten baut er seinen Vorsprung aus, selbst in republikanischen Hochburgen wie North Carolina kann er punkten.
John McCain kämpft verzweifelt gegen seine drohende Niederlage an. Er probiert alles, was man als Präsidentschaftskandidat im Instrumentenkasten hat. Er zeigte sich überparteilich, als Retter der Nation. Er stellte sich als Macher und Aktionist dar, der den Wahlkampf sogar einstellen wollte, um in Washington nach Lösungen aus der Krise zu suchen, die andere viel besser meistern konnten. Zu guter Letzt hegte er massive Zweifel am Charakter seines Gegenübers. Er brachte ihn mit Terroristen in Verbindung, bezeichnete ihn als steuergierigen Liberalen und als zu riskante Wahl für den Präsidentenjob. Mittlerweile hat McCain seine Attacken offiziell zurückgefahren. Negativwahlkampf, das wirkt beim Mann, der den Wählern „Straight Talk“ versprochen hatte, aufgesetzt und unauthentisch. Zudem merkte McCain, dass er die Geister, die er gerufen hatte, nicht mehr richtig einfangen konnte. Die Stimmung auf seinen Veranstaltungen wurde immer gereizter. Ein Zuhörer rief an Obama adressiert: „Bringt ihn um!“ Eine ältere Frau war überzeugt davon, Obama sei ein arabischstämmiger Muslim. Daraufhin sah sich McCain genötigt, ihr das Mikrofon aus der Hand zu nehmen. In einer neuen New York Times/CBS-Umfrage gaben 61% der Befragten an, dass John McCain mehr Negativ- als Positivwahlkampf führe. Heute nun ist die letzte große Chance für McCain, das Rennen doch noch zu drehen. Die Kandidaten treten zum letzten TV-Duell an. Man darf gespannt sein, was McCain tun wird, um den Wahlkampf doch noch in seine Richtung zu bewegen. Mir fällt wenig ein, aber der alte erratische Haudegen ist immer für eine Überraschung gut. Er hat immerhin versprochen, die Peitsche heraus zu holen… Wo sind die Rebublikaner?Mittwoch, 15. Oktober 2008
Im öffentlichen Straßenbild dominiert Barack Obama. Seine Kampagnenmaterialien haben sich über Schaufenster, Buttons, Aufkleber, Basecaps und T-Shirts über das Land verteilt.
Die hier vorgestellten Beispiele stammen aus Minneapolis in Minnessota, also weit weg von der so liberalen Ostküste, tief im Landesinneren. Selbst in den gut betuchten Wohngegenden besiedeln Obama-Plakate die Vorgärten wie andernorts nur Gartenzwerge. Wo sind also die laut Gallup 41Prozent, die vorhaben John McCain zu wählen? Offenbar bildet die urbane Situation von Minneapolis auch im mittleren Westen eine Ausnahme und die Republikaner leben auf dem Land. Das vierte Foto zeigt die erste Republikanerin, die mir überraschenderweise auf dem Campus der Harvard Universitiy in Camebridge, Boston begegnete. „Stop overfeeding government“ und „End the income tax - www.endtheincometax.com" heißt es auf ihrem T-Shirt. Neben Steuererhöhungen will sie einen Anstieg der Benzinpreise bremsen, der ihre Freude am Fahren sichtlich einschränkt: „It’s the supply stupid. www.gaspriceprotest.com.“ klebt gleich neben dem McCain – Palin Aufkleber auf ihrem Sportwagen. No change, please – auf dem Land mag man es konservativMittwoch, 8. Oktober 2008
Der Economist schaut in dieser Woche nach Whitesburg, Kentucky - einem Ort mit 1.534 Einwohnern.
Astor Blair sitzt in einem alten Schaukelstuhl in seinem Vorgarten. Er hat einen majestätischen Ausblick auf die Appalachen und ein paar Zigarettenstummel auf der Erde neben sich. Er sagt, dass er nicht für Obama wählen wird, weil die Demokraten immer alles auf den Kopf stellen wollen. Blair ist der Meinung, dass es schief geht, wenn sich gleich zu viel ändern soll. Ein Zug mit Kohle donnert vorbei. Die Demokraten wollen auf die Kohle verzichten und stattdessen „Windräder auf jeden Acker stellen und die Landschaft verschandeln“ grummelt er. „Es wird eine Menge Geld kosten und nicht funktionieren.“ Astor Blair befürchtet, dass Barack Obama die Steuern der Reichen erhöhe und damit der Wirtschaft schade. Auch in sozialen Fragen bezweifelt er, dass ein Politikwandel das Land zum Besseren verändere. Homoehe unterstützt er zwar nicht, aber er will sie auch nicht verurteilen, Abtreibung allerdings kann er nicht tolerieren. „Wer hat das Recht über das Leben eines anderen zu entscheiden?“ Eine neue Meinungsumfrage des Centers for Rural Strategies, einem Think Tank in Whitesburg, beziffert John McCains Vorsprung bei der ländlichen Bevölkerung auf 10% in den so genannten Swing States. Die Meinungsumfrage wurde in den New Hampshire, Pennsylvania, Ohio, Michigan, Wisconsin, Iowa, Minnesota, Missouri, Florida, Virginia, Colorado, New Mexiko und Nevada durchgeführt. Noch größer ist der Beliebtheitsvorsprung von Sarah Palin bei der Landbevölkerung, 65% der ländlichen Wähler in Swing States fühlen sich von ihren Werten vertreten. Obama auf dem Weg zum Sieg?Donnerstag, 2. Oktober 2008
In der Politik, speziell in Wahlkämpfen, ist ein Monat eine halbe Ewigkeit. 33 Tage sind es noch bis zum Wahltag. Viel kann passieren, viel kann gelingen, viel kann schief gehen. Die Intensivierung der Banken- und Wirtschaftskrise scheint das Rennen zwischen John McCain und Barack Obama aber nachhaltig zu verändern. Egal, ob man auf die Durchschnittswerte bei realclearpolitics.com (Obama +5,3%) oder auf die Poll of the Polls des Nachrichtensenders CNN (Obama +6%) schaut, Obama hat sich in den vergangenen Tagen deutlich von seinem Herausforderer McCain absetzen können.
Noch vor einem Monat hatte es McCain erfolgreich verstanden, dass Rennen zu einer Charakterfrage zu machen, indem er den Fokus der Wähler auf eine Frage lenkte: „Who is Barack Obama?“ Nun kommt das politische und ökonomische Umfeld, in dem die Wahl stattfindet, mit voller Wucht in den Wahlkampf zurück. Und dieses Umfeld stärkt die Umfragewerte der Demokraten, die die natürliche Schutzklientel der kleinen Leute darstellen. Klein fühlen sich in der derzeitigen Krise viele Amerikaner. Auch ein Blick auf die Schlüsselstaaten dieser Saison müsste die Obama-Kampagne ruhiger machen. In Colorado liegt Barack Obama mittlerweile mit 5 Prozentpunkten vorne, in New Mexico mit sechs, in Ohio mit zwei. In Virginia, das in den vergangenen Jahren immer mehr zu den Demokraten tendierte, führt Obama im Schnitt mit 2,5 Prozentpunkten. Die neueste CNN/Time-Umfrage sieht ihn dort sogar mit 53 zu 44 Prozent deutlich gegen McCain in Front. Die größte Bewegung gab es jedoch in Florida. Diesen Staat hatten die Demokraten bereits abgeschrieben. Jetzt liegt Obama dort mit 3 bis 4 Prozent vorne.
Es sieht alles nach einem Erfolg von Barack Obama aus. Aber natürlich überlässt der Senator nichts dem Zufall. Gestern schickte die Kampagne einmal mehr einen Aufruf per E-Mail herum, in der sie ihre Unterstützer aufrief, verstärkt unentschlossene Wähler anzurufen, um sie von Obama persönlich – one-on-one - zu überzeugen. Die Telefondaten lassen sich bequem über die Homepage des Kandidaten herunterladen und von zu Hause abtelefonieren.
Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe ...Dienstag, 23. September 2008Battleground (s.o.): McCain 48, Obama 46 Rasmussen: McCain 48, Obama 48 Research 2000: Obama 49, McCain 43 Wie glaubwürdig sind die aktuellen Meinungsumfragen zum Us-Präsidentschaftswahlkampf? Allein die hier vorgestellten drei Umfragen kommen nicht auf die gleichen Ergebnisse. Jerome Armstrong bewertet die Resultate bei MyDD folgendermaßen: Alle drei Meinungsforschungs-Institute arbeiten mit „likely voter polls“ im Gegensatz zu Gallup und Hotline, die mit „registered voter trackings polls“ arbeiten. Aber warum kommen die drei methodisch gleich vorgehenden Institute nicht auf die gleichen Zahlen, und wem kann man eher vertrauen? Ein Blick in die Firmengeschichte der drei gibt etwas mehr Aufschluss über ihre Zuverlässigkeit. Battleground gilt in der Branche als zuverlässigster Hellseher. Bei den Präsidentschaftswahlen 1992, 1996 und 2004 lagen sie deutlich vorn und zwar nicht nur in ihrer Schlussprognose 51,2 für Bush und 47,9 für Kerry, sondern auch in der Einschätzung der gleich hohen Wahlbeteiligung bei Demokraten und Republikanern. Auch Rasmussen lag mit seinen Erhebungen zur 2004-Wahl auch vorne. Ihre Vorhersage 49,4 für Bush und 48,8 für Kerry war ziemlich gut. Research2000 dagegen hat noch keine Erfahrung in Bezug auf nationale Umfragen. Es scheint recht wahrscheinlich, dass sie weniger exakte Werte liefern. Jerome Armstrong traut Battleground & Rasmussen die höchste Treffsicherheit zu. Damit läge John McCain eine Nasenspitze vorn. McCain mit RückenwindDonnerstag, 11. September 2008
Kampagnen sind Kämpfe um Konstruktionen. Sie sind verdichtete Beschreibungen, es geht um das pointierte Argument, nicht um endgültige Wahrheiten. Das zeigt einmal mehr John McCain. Auf dem Parteitag scheint er eine passende – Theoretiker würden sagen „viable“ - Konstruktion gefunden zu haben.
Zusammen mit seiner neuen Vize-Wunderwaffe Sarah Palin geriert er sich in den letzten Tagen konsequent als Reformer und Washingtoner Außenseiter. Der selbst ernannte "Maverick" bezeichnet das Milieu, in dem er selbst seit über 26 Jahren gewirkt hat, als „old, do-nothing crowd.“ Auch Brückenbauer zwischen den beiden politischen Lagern will McCain sein. Er denkt sogar offen darüber nach, mehrere Demokraten in seine zukünftige Administration zu holen. Reform, Brücken bauen …? Auf diese Themen hatte Barack Obama doch bereits sein Patent angemeldet. McCain ist das egal. Gezielt versucht er, Obamas Stärken zu dekonstruieren, indem er sich - mit viel Chuzpe - selbst den Mantel des Reformers überstülpt. Bisher ist er damit erstaunlich erfolgreich, trotz konservativem Mainstream-Programm und 90 Prozent Zustimmungsrate zu Bushs Politik. Der Kampf um das Schlagwort des Jahres ist eröffnet. Es geht um Change, Change, Change… Was das heißt, halten beide Kandidaten sehr vage. Obama genauso wie McCain. Interessant ist, dass Obama – im Gegensatz zu McCain - ein handfestes Programm für einen echten Wandel hätte. Universelle Krankenversicherung, grundlegende Reform der Zuwanderung, Ende der Bush-Steuerkürzungen für Reiche, konsequentes Umsteuern bei Klima und Energie. Der junge Senator scheint aber erstaunlich zögerlich, diese Punkte selbstbewusst zu vertreten. Einmal mehr lässt er sich vom republikanischen Wohlfühl-Patriotismus-Kleinstadt-Werte-Wahlkampf in die Ecke drängen. Dazu passen die neuesten Umfragen. Laut Washington Post ist Obamas Vorsprung nach dem Parteitag komplett weg geschmolzen. Er liegt denkbar knapp mit 47 zu 46 Prozent vor McCain. Andere Umfragen von CBS und NBC zeigen den alten Haudegen sogar mit zwei Prozent vor Obama. McCain hat Rückenwind. Keine Frage. Der Grund dafür ist aber nicht unbedingt seine intensivierte Reformrhetorik, sondern ganz schlicht und einfach Sarah Palin. Bei weißen Frauen hat McCain in den letzten Tagen ein Defizit von acht Prozentpunkten in einen Vorsprung von zwölf Prozent umwandeln können. Die selbst ernannte „hockey mom“ bringt den Wandel. Zumindest in den Umfragen. Obama bekämpft SchmutzkampagneMontag, 25. August 2008
Besonders seit Steve Schmidt das Zepter in McCains Wahlkampf führt, beobachten wir schmutzige Kampagnen gegen Barack Obama. Die gezielt gestreuten Unwahrheiten schwächen Obama, der nach aktuellen Umfragen nur einen Prozentpunkt vor McCain liegt.
Ihm wird vorgeworfen, sein Wahlkampfflugzeug sei nicht mit der amerikanischen Flagge zu versehen, er besuche nicht die verwundeten Truppen und Michelle Obama sei keine Patriotin. Jetzt reagiert Obama mit der Kampagne „Fight the Smears“. Auf seiner Website werden die Verbalattacken zitiert und der Wahrheit gegenübergestellt. Mit dem Link Spread the Truth wird der Leser aufgefordert, die von Bildern und Videos untermauerten Richtigstellungen per E-Mail an Freunde weiter zu senden. Wo bleibt der Aufschwung?Mittwoch, 30. Juli 2008
Nach der internationalen Festwoche, die Barack Obama mit seinem Auftritt vor über 200.000 Menschen in Berlin gekrönt hatte, stellt sich die Frage nach den Effekten seiner Auslandsreise. Hat er im Zuge der hohen medialen Aufmerksamkeit und der in großen Teilen positiven Beurteilung seiner Welttournee Punkte an der Heimatfront machen können? Diese Frage stellt sich auch Adam Nagourney in der New York Times.
Wie Nagourney richtig anmerkt, ist es in der Tat auffällig, dass die Massen zwar zu Obama strömen, sich der überbordende Enthusiasmus für seine Person und seine Botschaft aber kaum in den Umfragen ablichten lässt. Natürlich führt Obama weiterhin das Rennen gegen John McCain an, aber sein Vorsprung bewegt sich in einem Rahmen von etwa zwei bis sieben Prozent. Bisher hat er die psychologisch so wichtige Marke von 50 Prozent Wählerzustimmung noch nicht erreicht. Interessanterweise scheint McCain seine zugewiesene Rolle des medialen Hinterbänklers wenig zu schaden. Die Anti-Bush-Stimmung kann dem politischen Haudegen wenig anhaben, der sich als unabhängiger Politiker mit Reformpotenzial verkauft. Müssen wir also um einen Sieg Obamas fürchten? Entwarnung kommt vom National Committee for an Effective Congress (NCEC). Die Organisation ist das historische Wählerwissen der Partei, weil sie so fundiert wie kaum eine andere Institution Wählertrends für demokratische Kandidaten analysiert. Und dies überall im Land, von der Bundes- bis hinunter auf die Kreisebene. NCEC streicht den Unterschied zwischen diesem Wahljahr und den letzten beiden heraus, die bekanntlich erfolgreich für die Republikaner endeten. Seit Februar diesen Jahres liegt Barack Obama konstant in den Umfragen vor John McCain. Selbst in den bisher schwierigsten Zeiten seiner Kampagne, kurz nach den Vorwahlen in Pennsylvania, änderte sich an diesem Trend nichts. Diese Tatsache steht im krassen Gegensatz zu den Zahlen aus 2004, als John Kerry gegen George W. Bush antrat. In jenem Jahr wechselte die Stimmung sehr stark. Kerry konnte zu keinem Zeitpunkt einen so substantiellen Vorsprung erarbeiten wie Obama ihn heute besitzt.
Quelle: NCEC In Zeiten eines polarisierten Elektorats in den USA, das eine weitaus geringere Zahl von Wechselwählern kennt wie das deutsche, scheinen zwei bis sieben Prozent Vorsprung ein guter Wert zu sein. Rufen wir uns in Erinnerung. Falls Obama die Staaten gewinnt, die Kerry 2004 für sich entscheiden hat, dann muss er „nur“ noch Ohio in sein Portfolio holen, um über die magische Zahl von 270 Wahlmännerstimmen zu kommen. Einfach wird das nicht. Obama hat aber die besseren Optionen. Gewinnt er Ohio wider Erwarten nicht (die Umfragen sehen ihn dort mit 1,5 Prozent vorne) kann er sich die 20 Stimmen auch in Virginia, New Mexico, Iowa, Colorado oder Nevada zusammenholen. Es bleibt wie immer… spannend!
Blogeintrag von Maik Bohne
um
13:09
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Tags für diesen Artikel: Barack Obama, Berlin, George Bush, john kerry, John McCain, NCEC, Ohio, Umfrage
Mittendrin statt nur dabei: Obama in BerlinFreitag, 25. Juli 2008Deutschland trifft den Superstar, so titelte der SPIEGEL sehr treffend zu Wochenbeginn. In der Tat hatte Obamas Auftritt gestern im Tiergarten etwas von Fanmeile und Popkonzert in einem. Tausende Menschen strömten mit diffusen Erwartungen auf die Straße des 17. Juni, um ihre neue, globale Projektionsfläche Barack Obama zu sehen und zu hören. „History was in the making“… und man wollte dabei sein. 200.000 Zuhörer kamen. Respekt, Barack. Für einen noch nicht nominierten Präsidentschaftskandidaten eines auswärtigen Landes sehr ordentlich. In diese Dimensionen ist bisher wohl nur Nelson Mandela vorgestoßen. John McCain, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy hätten diese Zahl von Menschen nicht einmal gemeinsam auf die Beine bekommen. Was zunächst auffiel bei dieser Show des großen Inszenierers war die bunte Mischung des Publikums. Von Altlinken über Studenten und Schüler, Touristen und Auslandsamerikaner bis hin zu Mitarbeitern der Agenturen und Ministerien schien alles vertreten zu sein. Jeder wollte Inspiration, einen rhetorischen Happen oder einen zitationsfähigen Einzeiler mit nach Hause nehmen. Obama enttäuschte nicht, auch wenn seine Redenschreiber schon Besseres produziert hatten. Es ging um die großen Linien der Außenpolitik, um Metaphern und Symbolik. Obama wollte diesen Auftritt nicht als Wahlkampfveranstaltung verstanden wissen. Dennoch benutzte er die gleiche Rhetorik, mit der er in den USA reüssiert hatte. Es ging um Einheit, um Hoffnung und Wandel. In der Tat beschlich einen doch sehr schnell das Gefühl, dass hier keine substantielle Rede über die Kernthemen der transatlantischen Beziehungen gehalten wurde. Sicher hatte die Rede wichtige sachpolitische Elemente. Obama sprach stärker als andere seiner Vorgänger von transatlantischer Kooperation (die auch ein gemeinsames Engagement in Afghanistan beinhaltet). Er sagte, dass die USA nicht perfekt seien und Fehler in der Vergangenheit gemacht hätten. Den meisten Beifall bekam er, als er auf die strikte Einhaltung der Menschenrechte und eine kernwaffenfreie Welt abhob. Auf der Bühne vor der Siegessäule stand aber ein amerikanischer Wahlkämpfer, der Bilder und Sprachschnipsel für die Menschen in seinem Heimatland produzierte. Da sind wir beim richtigen Thema… Hat Obama die Rede auf seinem Weg ins Weiße Haus geholfen? Ich glaube kaum. Natürlich dominierte der Politstar die Medienberichterstattung in den USA. Natürlich konnte er sich außenpolitische Sporen mit seinen Besuchen in Afghanistan, im Nahen Osten und in Europa verdienen. Mitten im Hype um den Auftritt Obamas vergessen wir aber schnell, dass diese Form der europhilen Hyperkandidatur auf viele amerikanische Wähler sehr befremdlich wirkt. Die Frage, die vielen Durchschnittswählern in den USA durch den Kopf gegangen sei wird, könnte ungefähr so lauten: „Europe loves Obama? That´s great, but… so what?“ Obama muss aufpassen, dass er die Schraube des Massenwahnsinns nicht zu weit dreht. Außenpolitische Lorbeeren verdient man sich eigentlich anders. Schon einmal im Laufe dieses Wahlkampfes hat ihm seine Über-Popularität geschadet. Viele bodenständige Kleinstädter in Ohio und Pennsylvania fanden es nichts anderes als abgehoben und suspekt, was dort an Star-Power auf sie zukam. Sie wählten mehrheitlich Hillary Clinton. Ein Blick in die Umfragen holt uns und Obama vollständig zurück auf den Boden. Gallup prognostiziert derzeit ein äußerst knappes Rennen. Obama liegt mit hauchdünnen zwei Prozentpunkten vor McCain. Eine Analyse der Washington Post ergab, dass McCain in den Schlüsselstaaten des Wahlkampfes massiv an Zustimmung gewonnen hat. In Colorado liegt er wieder vorn, in Minnesota hat er in den letzten Wochen sieben Prozentpunkte dazu gewonnen (!). Das Rennen ist alles andere als entschieden. Noch ist Obama nicht die Nr. 44, die sich einige Kommentatoren in diesem Land so sehnlich wünschen. Obama not amusedMittwoch, 16. Juli 2008
Der New Yorker ist ein feines, kleines, liberales Wochenblatt mit intelligenten Artikeln und geistreichen Kommentaren. Seine Titelseiten sind berühmt, weil sie bissig und kontrastreich daherkommen. Nun scheinen die Macher des Blattes die Schraube der Satire etwas zu weit gedreht zu haben. Auf dem neuesten Titel sind Barack Obama und seine Frau Michelle zu sehen.
Der Präsidentschaftskandidat mit Turban, Sandalen und einem afrikanischen Gewand. Seine Gattin mit überdimensionalem Afro, Tarnrock und Maschinengewehr. Im Hintergrund verbrennt gerade die amerikanische Flagge im Kamin, darüber prangt das Bild von Osama Bin Laden. Alle Gerüchte und Klischees über Obama und seine Frau scheinen in diesem Bild eingefangen worden zu sein. Und genauso wollte es der Chefredakteur des New Yorker, David Remnick, haben. Die Illustration vom bekannten Cartoonisten Barry Blitt sollte über das Vehikel der Satire deutlich machen, mit welch unverschämten Lügen sich Obama auseinandersetzen muss. Die meisten dieser Lügen kommen nie an die Oberfläche der massenmedialen Verwertung, kreisen aber per Internet durch die konservativen Teile des Landes. Das Team Obama hat deshalb extra eine eigene Webseite FightTheSmears.com eingerichtet, um diesem Problem Herr zu werden. Obama fand das Titelbild deshalb gar nicht komisch. Seine Kampagne bezeichnete es als geschmacklos und abstoßend. Auch John McCain sprang seinem Herausforderer bei und zeigte Mitgefühl für Obama. In der Tat ist das Cover nicht ganz ohne. Wie die neueste Umfrage von New York Times und CBS News zeigt, ist das Land geistig weiterhin gespalten. Schwarze und Weiße haben nicht nur unterschiedliche Auffassungen über Chancen und Gerechtigkeit in den USA, sondern auch über die beiden Präsidentschaftskandidaten. Obamas „Otherness“ ist nicht nur ein Vorteil in Zeiten des politischen Wandels, sondern leider auch der große Faktor X im Rennen um das Weiße Haus. Hier ein Video aus der NBC Today Show, in der der ehemalige Kongressabgeordnete Harold Ford zum Thema „New Yorker“ befragt wird. Der Afro-Amerikaner Ford, heute Leiter des Democratic Leadership Council, hatte im Senatswahlkampf 2006 selbst leidvolle Erfahrungen mit einer Schmutzkampagne machen müssen. Ein TV-Spot der Republikanischen Partei zeigte eine attraktive Blondine, die Ford daran erinnerte, mit ihr auf einer Party des Playboy-Magazins geflirtet zu haben. Ford hatte diese Party in der Tat besucht, die Blondine war jedoch vollkommen frei erfunden.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
um
14:52
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Tags für diesen Artikel: Barack Obama, John McCain, medien, Michelle Obama, osama bin laden, rassismus, Satire, Terrorismus, Umfrage, Wählergruppen
Warum Obama Clinton nicht brauchtMontag, 7. Juli 2008
Es war eine schöne Veranstaltung in Unity, New Hampshire. Beide Kandidaten feierten ihre Einheit (und sich selbst). Obamas Schlips passte zu Clintons Hosenanzug, beide fielen sich in die Arme und lobten sich bis über den grünen Klee. Alles perfekt.
Beobachter dieser Szene stellten sich natürlich sogleich die Frage, ob die neue Eintracht auch ein Ticket Obama-Clinton zeitigen könnte. Einiges würde für dieses Traum-Duo sprechen. Unter anderem könnte Hillary Clinton die obamafernen Wählerschichten zurück in die Partei bringen und dem Ticket eine deutliche Prise politische Erfahrung beigeben. Mir stellte sich allerdings eine andere, eher ketzerische Frage: Braucht Barack Obama Hillary überhaupt noch? Erstens: Die demokratischen Hillary-Wähler sammeln sich schon jetzt hinter Obama. Kürzlich fand eine Umfrage von NBC und Wall Street Journal heraus, dass Frauen, die in den Vorwahlen für Clinton gestimmt hatten, Obama klar gegenüber McCain favorisieren (61% zu 19%). Auch Hispanics stehen zu großen Teilen hinter der Kandidatur von Barack Obama, der in dieser Zielgruppe 30 Prozentpunkte vor John McCain liegt. Schaut man ganz allgemein auf die potenziellen Abweichler bei den Demokraten, die ihre Stimme John McCain geben wollen, so liegt diese Zahl unter 10%. Ein normaler Wert. Man sieht, dass die Partei sich schneller hinter ihrem Kandidaten vereinigt hat als angenommen. Sicher ist der harte Vorwahlkampf bei vielen nicht vergessen. Die Erinnerung an diese Zeit wird aber verblassen, sobald die inhaltlichen Gegensätze zu McCain deutlicher werden. Zweitens: Obama ist finanziell autark. Zwar traf er sich erst kürzlich mit den Top-Fundraisern der Clinton-Kampagne in Washington, DC. Dies war aber eher dem Anstand gegenüber Hillary gezollt und deutete weniger auf den Bedarf an einer kräftigen Geldspritze hin. Obama hat ein unglaubliches Netzwerk von über 1,5 Millionen Kleinspendern aufgebaut. Diese grasverwurzelte Geldmaschine wird ihn mit genügend finanziellen Ressourcen bis zum Wahltag am 4. November versorgen und ihm das Image des volksfinanzierten Kandidaten verleihen. Clintons Edelgeldgeber stören da nur. Drittens: Hillary Clinton und ihr Mann Bill, mit dem sich Obama inzwischen ausgesprochen hat, sind gute Wahlkämpfer. In bestimmten Gegenden der USA werden sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Arbeiter, Kleinstädter und Senioren von Obama zu überzeugen. Insgesamt möchte Barack aber ein neuer, anderer Kandidat sein, der gegen den Status Quo in Washington kämpft. Für diesen Status Quo stehen die Clintons jedoch wie kaum eine andere Politikerfamilie. Sie wecken Erinnerungen an eine Zeit der politischen Grabenkämpfe und Skandale, die Obama weit hinter sich lassen möchte. Mein Rat an Obama: Mach Dein (eigenes) Ding! Obama in Berlin?Donnerstag, 3. Juli 2008
Bisher waren es nur Gerüchte. Jetzt bestätigt sich, dass Barack Obama im Sommer nach Deutschland kommt. Die Europareise wird ihn nach Berlin, Paris und London führen. Ein weiterer Trip in den Nahen Osten (Irak, Jordanien, Israel) ist bereits geplant.
Ziel der Übung ist es, sich in Informationsgesprächen mit Regierungschefs außenpolitische Kompetenz zu erwerben. Wichtiger als die Gespräche sind aber sicherlich die Bilder, die die Treffen mit Merkel, Sarkozy oder Brown an die Heimat senden werden. Gepaart mit kräftigem Massenjubel der Europäer wird die gewünschte Symbolik produziert: Barack Obama kann sich auf internationalem Parkett bewegen; er ist ein geschätzter, begeisternder, versierter Politiker, der das Image der USA nach acht Jahren Bush-Präsidentschaft wieder restaurieren wird. Dass Obama noch vor dem Nominierungsparteitag im August seine Auslandsreisen antreten will, verdeutlicht, wie ernst er die Umfragen nimmt, die ihm immer wieder bescheinigen, dass er als Person und Politiker zwar gemocht wird, es aber erhebliche Zweifel an seiner politischen Erfahrung und Führungsstärke gibt. In einer kürzlich veröffentlichen Umfrage von Washington Post und ABC News gaben lediglich 26% der Befragten an, dass Obama die nötige Erfahrung für das Präsidentenamt mitbringt. Nur 27% bezeichneten ihn als guten militärischen Führer. Obama kann deshalb auf der geplanten Europa-Tour nur gewinnen. Ob dasselbe auch für die deutschen Politiker gilt, mag bezweifelt werden. Sicher würde es Angela Merkel, Kurt Beck oder Guido Westerwelle gut tun, sich im Lichte des populären Kandidaten zu sonnen. Ein Auftritt mit dem Politstar könnte die heimischen Wähler aber auch daran erinnern, dass ein Politiker vom Formate Obamas in Deutschland weit und breit nicht in Sicht ist.
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