Hillary Clinton hat den erwarteten Erfolg in West Virginia eingefahren. Sie schlug Barack Obama deutlich mit 41 Prozentpunkten Vorsprung (67-26%). Ein Sieg für die Moral der Clinton-Kampagne, mehr aber auch nicht. Denn trotz des guten Abschneidens im Mountain State hat die Ex-First Lady kaum noch Chancen auf die Nominierung der Demokraten. Roger Simon fragte in einem Kommentar auf Politico.com sogar schon überspitzt: „Hillary Wins – Does Anybody Care?“ In der Tat wird erwartet, dass sich Barack Obama bereits am 20. Mai zum faktischen Sieger der Demokraten erklären wird, wenn er (seinen Rechnungen zufolge) nach den Vorwahlen in Kentucky und Oregon uneinholbar bei den „pledged delegates“ vorne liegt. Auch ein Blick in Obamas Terminkalender macht deutlich, dass seine Aufmerksamkeit hauptsächlich John McCain gilt. Nur sporadisch machte er in West Virginia Vorwahlkampf. Seine Kampagne führte ihn stattdessen nach Missouri, einem der wahrscheinlichsten „battleground states“ im November. In den nächsten Tagen wird er zudem Michigan und Florida bereisen, Staaten also, in denen er aufgrund von Restriktionen der Bundespartei noch nicht wahlkämpfen durfte, die aber für einen Sieg gegen John McCain unverzichtbar sind.
Wir dürfen uns also allmählich mit einem Duell Obama-McCain anfreunden. Für diesen Zweikampf sind die Zahlen aus West Virginia allerdings nicht gerade erbaulich für Obama. Sein Problem mit weißen Arbeitern und Angehörigen der unteren Mittelschicht trat auch gestern wieder eklatant zu Tage. Er bekam dort kein Bein auf die Erde mit bodenständigen, ökonomisch benachteiligten Demokraten. Mit einer Klientel also, die im Wahlforscherjargon gemeinhin als „Reagan Democrats“ bekannt ist, weil sie trotz wirtschaftlich unsicherem Status zur kulturell konservativen Philosophie der Republikaner neigt. Auch zeigten die Nachwahlbefragungen in West Virginia, dass fast jeder fünfte Wähler offen angab, dass Obamas Hautfarbe ein entscheidendes Kriterium bei der Entscheidungsfindung war. Über 80% dieser Wähler stimmten für Clinton.
Obama ist einmal mehr vor Augen geführt worden, dass er in den nächsten Wochen und Monaten viel zu tun hat, um die demokratische Basis hinter sich zu bringen. Drei Brücken muss er unbedingt schlagen. Erstens zwischen schwarz und weiß, zweitens zwischen jung und alt, drittens zwischen männlich und weiblich. Neueste nationale Umfragen belegen allerdings die elektorale Anziehungskraft Obamas. In der jüngsten Washington Post/ABC-Poll liegt er mit 51 zu 44 Prozentpunkten vor John McCain. In fast allen Landesteilen führt er deutlich gegen den „Mac“, selbst im Süden der USA, der republikanischen Hochburg schlechthin, liegt er nur 4 Punkte hinten.