Es war ein emotionaler Tag für Hillary Clinton und ihre Anhänger. Gerne hätte die Kandidatin am Donnerstag gesprochen, um die Nominierung ihrer Partei anzunehmen. So blieb ihr nach der verlorenen Vorwahl nur der 20-minütige Prime-Time-Spot am Dienstag vorbehalten. Allerdings hätte dieser 26. August nicht symbolbeladener sein können, ist er doch der offizielle der Tag der Gleichberechtigung und der 88. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts in den USA.
Auch wenn Michelle Obama noch in ihrer Rede am Montag deutlich gemacht hatte, dass die viel beschworene gläserne Decke für Frauen in den USA durch Clinton und ihre Kampagne 18 Millionen Sprünge bekommen habe, so blieb doch ein fader Beigeschmack bei vielen Hillary-Unterstützern übrig. Sie dachten sicherlich: „Sprünge sind ja schön, aber Barack Obama verhinderte, dass die Decke komplett gesprengt worden ist.“
Nun zu Clintons Rede. Sie machte alles richtig. Die Ex-First Lady gab eine eindrucksvolle Unterstützungserklärung für Obama ab („Obama is my candidate“). Sie machte deutlich, dass es ab jetzt um mehr geht als um ihre Person, ergo: um die richtigen Problemlösungen für das Land ("Whether you voted for me, or voted for Barack, the time is now to unite as a single party with a single purpose. And you haven’t worked so hard over the last 18 months, or endured the last eight years, to suffer through more failed leadership”). Gleichzeitig griff Clinton das Duo John McCain und George W. Bush frontal an („it is hard to tell them apart“). So weit, so gut.
Was den geschulten Beobachter aber ins Mark traf, war die Qualität von Clintons Rede. Jetzt erst, nach der bitteren Niederlage gegen Obama, scheint sie ihre Stimme gefunden zu haben. Wie weggeblasen schienen die künstlich wirkenden Auftritte der Sachpolitikerin, die auf ihre Stärke und Erfahrung setzte und dabei die emotionale Ansprache der Wähler vergaß.
Hillary war witzig, rhetorisch auf der Höhe, Gestik und Mimik passten, sie war einfühlsam und bissig zugleich. In der Tat schien sie wie verwandelt. Eine Frage hat viele Zuhörer an diesem Abend sicher beschlichen: What if? Was hätte möglich sein können, wenn sie von Anfang an so aufgetreten wäre? Hier die komplette Rede in drei Teilen:
Der New Yorker ist ein feines, kleines, liberales Wochenblatt mit intelligenten Artikeln und geistreichen Kommentaren. Seine Titelseiten sind berühmt, weil sie bissig und kontrastreich daherkommen. Nun scheinen die Macher des Blattes die Schraube der Satire etwas zu weit gedreht zu haben. Auf dem neuesten Titel sind Barack Obama und seine Frau Michelle zu sehen.
Der Präsidentschaftskandidat mit Turban, Sandalen und einem afrikanischen Gewand. Seine Gattin mit überdimensionalem Afro, Tarnrock und Maschinengewehr. Im Hintergrund verbrennt gerade die amerikanische Flagge im Kamin, darüber prangt das Bild von Osama Bin Laden. Alle Gerüchte und Klischees über Obama und seine Frau scheinen in diesem Bild eingefangen worden zu sein. Und genauso wollte es der Chefredakteur des New Yorker, David Remnick, haben. Die Illustration vom bekannten Cartoonisten Barry Blitt sollte über das Vehikel der Satire deutlich machen, mit welch unverschämten Lügen sich Obama auseinandersetzen muss. Die meisten dieser Lügen kommen nie an die Oberfläche der massenmedialen Verwertung, kreisen aber per Internet durch die konservativen Teile des Landes. Das Team Obama hat deshalb extra eine eigene Webseite FightTheSmears.com eingerichtet, um diesem Problem Herr zu werden.
Obama fand das Titelbild deshalb gar nicht komisch. Seine Kampagne bezeichnete es als geschmacklos und abstoßend. Auch John McCain sprang seinem Herausforderer bei und zeigte Mitgefühl für Obama. In der Tat ist das Cover nicht ganz ohne. Wie die neueste Umfrage von New York Times und CBS News zeigt, ist das Land geistig weiterhin gespalten. Schwarze und Weiße haben nicht nur unterschiedliche Auffassungen über Chancen und Gerechtigkeit in den USA, sondern auch über die beiden Präsidentschaftskandidaten. Obamas „Otherness“ ist nicht nur ein Vorteil in Zeiten des politischen Wandels, sondern leider auch der große Faktor X im Rennen um das Weiße Haus.
Hier ein Video aus der NBC Today Show, in der der ehemalige Kongressabgeordnete Harold Ford zum Thema „New Yorker“ befragt wird. Der Afro-Amerikaner Ford, heute Leiter des Democratic Leadership Council, hatte im Senatswahlkampf 2006 selbst leidvolle Erfahrungen mit einer Schmutzkampagne machen müssen. Ein TV-Spot der Republikanischen Partei zeigte eine attraktive Blondine, die Ford daran erinnerte, mit ihr auf einer Party des Playboy-Magazins geflirtet zu haben. Ford hatte diese Party in der Tat besucht, die Blondine war jedoch vollkommen frei erfunden.
Lange Zeit dachten Wahlstrategen, dass eine Frau zum ersten Mal in der Geschichte die US-Präsidentschaftswahl entscheiden wird, doch dann war Hillary Clinton endgültig aus dem Rennen. Nun wird sie die Wahl entscheiden: Michelle Obama. Das Land scheint reif für einen schwarzen Präsidenten. Aber ist es auch reif für eine schwarze First Lady?, fragt die New York Times. "Miss Mut" nennt die Süddeutsche ZeitungMichelle Obama in dieser Woche und trifft damit die Ambivalenz ihrer Erscheinung auf den Punkt. Mutig ist sie, denn bei ihren zahlreichen Wahlkampfauftritten überschreitet die erfolgreiche Anwältin, die in Princeton und Harvard studierte, das bisherige Repertoire der First Lady bei weitem. Sie spricht aus, was viele – besonders schwarze Arbeiter – denken; dass Amerika von der Angst regiert wird, dass Menschen um das nackte Überleben kämpfen und sich dabei einsam fühlen. Mit dieser schonungslosen Kritik übertrifft Michelle Obama selbst die politischen Reden, mit denen Hillary Clinton im Wahlkampf ihres Mannes mitmischte. Ganz zu schweigen von Laura Bush oder Nancy Regan, die sich eher die Zunge abgeschnitten hätten, als so über ihr Heimatland herzuziehen.
Missmutig reagieren nun die Republikaner, die sich nichts mehr wünschen, als dass Michelle Obamas Unbeliebtheit auf ihren Mann abfärbte. Daran arbeiten Fox News und andere auch schon kräftig. Als Michelle Obama einmal sagte: „Ich bin dank meines Mannes zum ersten Mal stolz auf unser Land“, wurde sie kurze Zeit später in Fernsehspots als Vaterlandsverräterin denunziert. Außerdem tauchte ein Film auf, in dem Michelle Obama ihren Mann als „my baby’s daddy“ bezeichnet. Daraufhin betitelte Fox News Barack Obama tagelang als „Baby Daddy“, eine rassistische Anspielung auf schwarze Männer, die keine Verantwortung für ihre Kinder übernehmen.
Bis zum 4. November werden noch viele republikanische Spots voller Hass und Häme im Fernsehen laufen. Währenddessen wird Cindy McCain, ehemalige Rodeoqueen, Cheerleaderin und Tablettenabhängige, die ihren Reichtum einem Brauereiimperium verdankt, wie Prinzessin Diana Waisenkinder in Bangladesh besuchen und als blonder Medienliebling auf den Titelseiten erscheinen.
Obama und die Frauen war ja bereits vor wenigen Tagen das Thema. Nun wirft sich die nächste Frau für Barack in die Schlacht: Es ist keine geringere als Obamas Ehefrau selbst. Michelle Obama ist in den vergangenen Tagen immer häufiger bei Auftritten an der Seite ihres Mannes zu sehen - als aktive Wahlkämpferin.
Michelle wirft nach anfänglicher Zurückhaltung nun alles in die Waagschale. Sie kämpft so sehr, schreibt Spiegel Online, "dass sie sogar ihren eigenen Job aufgab, als Vizepräsidentin der University of Chicago Hospitals, für die sie Öffentlichkeitsarbeit machte."
"This guy was living his values, and that was impressive to me," she says. "He wasn't just talking a good game. And trust me ladies, I met a lot of men that can talk a good game."