UmfrageWer wird die Präsidentsschaftswahl gewinnen?
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Erinnern Sie sich an den Film Flashdance mit dem Song „Maniac“? „She’s a maniac on the floor – and she’s dancing like she’s never danced before“ Jetzt sind die McCain Girls zurück und tanzen in ihrem Video McCainiac
wie nie zuvor. Mit dieser satirischen Interpretation des Flashdance-Vorbilds, kehren die McCain Girls zurück. Durch „It’s Raining McCain“ haben sie bereits in den Vorwahlen großen Ruhm und fast 2 Millionen Klicks auf YouTube erreicht. Sie gelten als die konservative Antwort auf das Obama Girl, das im März 2007 das Genre des Polit-Musik-Videos einführte. Während Obama Girl im Pinup-Look und mit eingängiger Musik auftritt, besteht bei den McCain Girls keine Verwechslungsgefahr mit den üblichen Pop-Stars, im Gegenteil - sie persiflieren diesen Stil. Die Autorenschaft, so klärte kürzlich die New York Times, liegt bei dem Comedy-Team, das hinter der Website 23/6 steckt. Auch wenn sie in ihrem aktuellen Video „Vote McCain“ singen und wispern, so sind sie nicht als eindeutige McCain-Fans zu verstehen. Sie gestalten die Bildsprache und Liedtexte konsequent so ambivalent, dass der Betrachter nicht zwischen Ernst und Ironie zu unterscheiden vermag. Spätestens in der Schluss-Sequenz des Videos wird dies offenbar, denn mit Augenklappe und Armprothese mutiert McCain zur Rakete. In dieser Konfrontation von Tänzerin und Robotor wird gleichsam das Spiel von Vitalität und Morbidität auf die Spitze getrieben. Das Thema IrakFreitag, 27. Juni 2008
Barack Obama hat seinen Vorwahlsieg auch dem Thema Irak zu verdanken. Im Wahlkampf betonte er stets seine Opposition gegen den Krieg, vor dem er schon 2002 in seiner Chicagoer Rede gewarnt hatte. Das machte ihn beliebt bei der demokratischen Basis, bei progressiven Interessengruppen und Bloggern. Es gab ihm die Möglichkeit, sich substantiell von Hillary Clinton abzusetzen, die sich für ihre Zustimmung zur Irak-Resolution nicht entschuldigen wollte.
In der letzten Woche kam das Thema Irak wieder medial auf die Agenda. Die New York Times berichtete von „Big Gains for Iraq´s Security“, der Economist titelte “Is it turning a corner?” Die Sicherheitslage im Irak hat sich seit der neuen Strategie der amerikanischen Zusammenarbeit mit sunnitischen Stammesführern (Sunny Awakening) deutlich verbessert. Die steigenden Ölpreise füllen die Kassen des Staates, auch politische Kompromisse über die föderale Ordnung, über die Finanzverfassung und das neue Rentensystem rücken näher. Natürlich ist die Lage weiterhin äußerst instabil. Es gibt immer noch verheerende Anschläge, Al-Qaida ist in einigen Provinzen wie Diyala nordöstlich von Bagdad weiterhin stark, die Armee des schiitischen Predigers Muktada Al Sadr kann jederzeit den Aufstand gegen das Regime in Bagdad proben. Generell scheint sich die Lage aber zu beruhigen. Die Frage kommt auf: Schadet dieser Erfolg Barack Obama, der einen schnellen Truppenabzug möchte? Gibt er McCain die Chance, sich als vorausschauender und erfahrener Außenpolitiker zu präsentieren, dessen Durchhalteparolen im Irak sich nun auszahlen? Chris Cillizza von The Fix hat sich des Themas angenommen und dazu eine Umfrage unter demokratischen und republikanischen Politikberatern gestartet. Das Ergebnis ist eindeutig: Obama kann von der Situation im Irak nur profitieren. Aus zwei Gründen: Zum einen haben die US-Bürger ihr Urteil über den Irakfeldzug bereits gefällt. Unabhängig von der dortigen Sicherheitslage geben heute konstant über 60 Prozent an, dass es sich nicht gelohnt hat, diesen Krieg zu kämpfen. Die Mehrheit ist für einen Truppenabzug. Zum anderen hat die Entspannung im Irak zur Folge, dass sich die Agenda noch stärker als bisher auf innenpolitische Themen, sprich: Wirtschaft und Arbeit, konzentriert. Ein großes Problem für einen National-Security-Kandidaten wie John McCain.
Blogeintrag von Maik Bohne
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Obama umgeht das SystemDonnerstag, 26. Juni 2008![]() Diese Ankündigung war keine Überraschung, sie lieferte aber Gesprächsstoff. Barack Obama gab am vergangenen Donnerstag auf seiner Internetseite bekannt, dass er die öffentliche Finanzierung im Hauptwahlkampf nicht in Anspruch nehmen möchte. Damit ist er der erste Kandidat seit Einführung der modernen Wahlkampffinanzierungsgesetze im Nachklang des Watergate-Skandals, der sich außerhalb des etablierten Systems bewegen wird. Dieser Entschluss ist Obama sicher nicht leicht gefallen, hatte er sich doch in den vergangenen Jahren als Reformer der Wahlkampffinanzierung gezeigt und den finanziellen Einfluss von Interessengruppen auf das politische System massiv kritisiert. Zum Hintergrund: Präsidentschaftskandidaten können im Hauptwahlkampf die öffentliche Finanzierung ihrer Wahlkämpfe beantragen. Ein aus Steuergeldern gespeister Fonds stellt den Bewerbern je 85 Mio. Dollar öffentliche Mittel bereit, um sich unabhängiger von finanziellen Interessen zu machen. Der Nachteil: Die Kandidaten sind auf diese Summe limitiert, sie müssen also eine Ausgabenobergrenze akzeptieren. Obamas Argumentation für seinen riskanten Schritt ist folgende: Prinzipiell unterstützt er die öffentliche Finanzierung von Wahlkämpfen, jedoch sei das jetzige System funktionslos, weil es zu viele Kanäle der Umwegfinanzierung gäbe. So nennt er explizit sowohl das Republican National Committee als auch spezifische 527er-Gruppen, die außerhalb des Systems massiv für McCain Wahlkampf machen und Millionen zusätzlicher Dollar in das System pumpen könnten. Geschickt weist er daraufhin, dass eine unabhängige, von den Bürgern selbst finanzierte Kampagne die demokratischste Alternative für das jetzige System sei. Ergo: Obamas Spendernetzwerk von über 1,5 Millionen Geldgebern gibt ihm im Verbund mit der Weigerung, Geld von Interessengruppen anzunehmen, die moralische Autorität, das alte öffentliche Finanzierungssystem zu unterlaufen. Ob diese differenzierte Argumentation bei den Wählern Gehör findet, ist fraglich. McCain, selbst anerkannter Wahlkampfreformer, wird alles tun, um Obama in die Schmuddelecke zu drängen, frei nach dem Motto: Wasser gepredigt und Wein getrunken! Rassismus zum AnsteckenDienstag, 24. Juni 2008
Dieser Button wurde bei der Republican State Convention in Texas verteilt:
Der Verkaufstand wurde von Republicanmarket Das Blog 23/6 ruft bereits zum Vergeltungsschlag auf und bietet dazu folgendes Produkt an:
MoveOn auf KonfrontationskursMontag, 23. Juni 2008
Die links-progressive Internetorganisation MoveOn.org ist dafür bekannt, harte Attacken im Wahlkampf zu fahren. Die Zeitungsanzeige gegen General Petraeus während der hitzigen Debatte im vergangenen Jahr um einen Truppenabzug aus dem Irak ist vielen US-Bürgern noch in Erinnerung. Der Titel der Anzeige lautete: „General Betray Us“. Die Wellen schlugen hoch, MoveOn musste heftige Kritik einstecken.
Nach dieser Aktion schien die Organisation geläutert. Sie passte sich Obamas Positivwahlkampf an, veranstaltete einen Videowettbewerb für den frisch gekürten Präsidentschaftskandidaten und ließ sich vom günstigen politischen Umfeld für die Demokraten treiben. Nun ist MoveOn.org zurückgekehrt zum alten bissigen Stil. Mit dem neuen TV-Spot „Not Alex“, der gerade in den Schlüsselstaaten Ohio, Wisconsin und Michigan gesendet wird, attackieren sie John McCain so direkt und hart an wie nie zuvor. McCains Aussage, dass die USA notfalls bis zu 100 Jahre im Irak bleiben könnten, greifen die Macher des Spots auf eine höchst emotionale Weise auf. Sehen Sie selbst: Die letzten Sätze der Mutter sitzen: “ So, John McCain, when you said you would stay in Iraq for 100 years, were you counting on Alex? Because if you were, you can't have him." Diese Attacke wird sicher noch hohe Wellen schlagen im Wahlkampf. Ob MoveOn Barack Obama mit dieser Form der Negativkampagne allerdings einen Gefallen tut, ist äußerst fraglich. McCains Kampagne wird (im Einklang mit dem Republican National Committee) sicher alles tun, um Obama mit MoveOn in Verbindung zu bringen, um ihn schließlich als „out of touch“ mit dem amerikanischen Mainstream, als zu radikal darzustellen. Alliierte zu haben im Wahlkampf ist wichtig, wenn sich diese unabhängig agierenden Unterstützer aber nicht an die Strategie und den Message Frame des Kandidaten halten, werden sie schnell zum Problem. 1 Million Obama-Fans auf FacebookMontag, 23. Juni 2008 Barack Obama hat nun über 1 Million Freunde auf Facebook. Laut Politics Online ist das mehr als jede andere Seite in der Facebook-Geschichte jemals erreicht hat. Allerdings revidierte Pensito Review diese Meldung bereits und gibt an, dass die Gruppe One Million Against Hillary Clinton schon vor zwei Monaten die Millionen-Grenze überschritten hat. Was an dieser Stelle vielleicht paradox anmuten mag, Hillary Clinton ist auch der Grund für den plötzliche Zuwachs auf Obamas Facebook-Profil, da ihr Ausscheiden aus dem Rennen tausende Demokraten zu einer Neuorientierung bewegte. Barack Obama bedankte sich mit einer Notiz bei seinen Facebook-Freunden und nutzte den Moment, um zu weiterem Engagement zu mobilisieren. Er forderte auf, die Obama-Applikation zu installieren, die aktuelle Informationen über die Kampagne liefert. Außerdem sollen die virtuellen Unterstützer auch im realen Leben aktiv werden und lokale Obama-Gruppen in ihrer Stadt oder Schule gründen, um die Freiwilligen zu organisieren. Auch die Skeptiker spricht Obama direkt an. Die in den USA nur allzu oft gestellte Frage "Werden diese Menschen auch zur Wahl gehen?", beantwortet er mit einem klaren Statement: Die Vorwahlen hätten im ganzen Land gezeigt, dass junge Menschen diese Frage mit einem klangvollen JA beantworten, das zeige sich in historischen Zahlen. John McCain, der ebenfalls in die Internet-Offensive gehen will, hat in das Foto seines Facebook-Profils den Textbanner "A Leader we can believe in" eingefügt. An ihn glauben aber - zumindest auf Facebook - nur 151.430 Anhänger. PS: Heute hat Obama 1.032.717 Anhänger. Obama mit VorsprungFreitag, 20. Juni 2008
Die neueste Umfrage von Washington Post und ABC News hält interessante Daten und Trends für den beginnenden Zweikampf zwischen Barack Obama und John McCain bereit. Das Wichtigste zuerst: 48 Prozent der Wähler würden sich derzeit für Obama entscheiden, 42 Prozent für McCain. Weitere Indikatoren deuten auf Vorteile für den jungen Senator aus Illinois hin. Es gibt aber auch Zahlen, die Obamas Team Kopfschmerzen bereiten sollten.
Das Land giert nach Wandel Die politische Stimmung in den USA steht eindeutig auf Wechsel. Die Zustimmungsraten für Präsident George W. Bush sind auf einem erneuten Tiefststand angelangt. Nur 29% der Befragten sind noch mit seiner Arbeit zufrieden, 68% stehen ihm ablehnend gegenüber (davon 54% sogar stark ablehnend). Erstaunliche 84% Amerikaner sehen das Land auf dem Weg in eine falsche Richtung, ein Allzeithoch. Fragt man Wähler nach ihren Parteipräferenzen für die Kongresswahlen, so entscheiden sich 52% für die Demokraten, nur 37% für die Republikanische Partei. Agenda ist günstig für Obama Das wichtigste Thema für die Wähler ist mit Abstand „Wirtschaft und Arbeitsplätze“ (33%), dahinter folgen „Irak“ (19%), „Krankenversicherung“ (8%) und „Energie“ (6%). Die Themen „Terrorismus“ (4%), „Steuern“ (2%), „Werte und Moral“ (2%) und „Kampf gegen den Terrorismus“ (2%) liegen vergleichsweise weit abgeschlagen dahinter. Beim Kernthema „Wirtschaft und Arbeit“ hat Obama einen deutlichen Kompetenzvorsprung von 16 Prozentpunkten vor McCain, ähnlich sieht es bei den Themen „Krankenversicherung“ (53-33), „Energie/Benzinpreise“ (50-30) und „Klimawandel“ (55-28) aus. Beim Thema „Irak“ geben die Befragten Obama ähnlich hohe Kompetenzen wie McCain (46-47). Nur bei den Punkten „Internationale Erfahrung“ und „Kampf gegen den Terrorismus“ liegt der politische Haudegen McCain vorne. Insgesamt sagen 60% der Wähler, dass Obama der Kandidat ist, der den nötigen Politikwechsel am Besten herbeiführen kann. McCain trauen dies nur 26% zu. Ein großes Plus in einem Wahlkampf, der von Wechsel und Wandel bestimmt ist. Mythos Obama lebt und motiviert Der teils erbittert geführte Zweikampf gegen Hillary Clinton konnte der positiven Sichtweise der Menschen auf Obama wenig anhaben. 63% haben eine positive Meinung von Barack Obama, nur 33% schätzen ihn negativ ein. Ein Traumwert für jeden Wahlkampfmanager! John McCains Zahlen (56-38) sind gut, die Mehrzahl der Wähler folgt Obamas Kandidatur jedoch enthusiastischer (55%) als McCains (45%). Obama hat zudem eine höhere Zahl an Festentschlossenen in seinen Reihen. 73% seiner Sympathisanten haben sich schon jetzt entschieden, ihre Stimme für ihn abzugeben. Von den 25% der unsicheren Obama-Kantonisten halten es nur 7% für wahrscheinlich, dass sich ihre Stimmung noch einmal ändern wird. Dagegen sind 31 Prozent von McCains Anhängern noch unschlüssig, ob sie dem „Mac“ ihre Stimme geben sollen, 17% davon halten einen Wechsel zu Obama sogar für wahrscheinlich. Ungemach inmitten positiver Daten Die Washington Post/ABC-Umfrage zeigt aber auch Schwachstellen Obamas auf. Bei den wichtigen Wählern der Mitte, den sog. Independents, liegen Obama und McCain weiterhin gleich auf. Obama scheint zudem Probleme zu haben, die Gräben innerhalb seiner Partei zu schließen. Nur acht von zehn Demokraten unterstützten Obama, McCain kann hingegen auf die Unterstützung von 90 Prozent der Republikaner bauen. Die Unzufriedenheit mit dem Ausgang des demokratischen Vorwahlkampfes sieht man auch bei der Frage nach einem möglichen Vizepräsidentschaftskandidaten für Obama. 46% geben an, dass er sich für Hillary Clinton entscheiden sollte. Alle anderen Kandidaten liegen abgeschlagen dahinter. Obamas größte Schwäche ist jedoch seine fehlende Erfahrung. Obwohl er sich politische Sporen im Duell mit Hillary Clinton verdient hat, haben sich seine Werte im Bereich „experience“ nicht verbessert. Nur 50 Prozent der Befragten gaben an, dass Obama die nötige Erfahrung besitzt für das Präsidentenamt, genauso viele wie im März. Ein klares Einfallstor für McCain. Campaigns will matter! Alles in allem bleibt das Rennen spannend. Die Kampagnen haben viel Arbeit vor sich. Das zeigen auch die Daten. Trotz eines langen, informationsgesättigten, zermürbenden Vorwahlkampfes geben über die Hälfte der Wähler an, wenig bis gar nichts über die Kandidaten und ihre Positionen zu wissen.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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McCain flirtet mit den DemokratenFreitag, 13. Juni 2008John McCain macht in diesen Tagen nicht nur mit einem neuen Blog von sich reden. Er überrascht auch mit einer zarten Kontaktaufnahme zu den Demokraten, denn sein "Online Action Center" ist mit dem Daily Kos verlinkt, dem meistgelesenen progressiven Blog der USA. John McCains Blog ist ein Instrument im Werkzeugkasten des Online-Campaignings, mit dem Barack Obama seine dominante Webpräsenz streitig gemacht werden soll. Zu den Vorzügen des neuen Blogs gehört der Einblick in den Terminkalender McCains und Fotos, die dort exklusiv verbreitet werden. Außerdem wird er für Kommentare jeder politischen Couleur offen sein und sich damit stark von Hillary Clinton's Blog absetzen, der sich in Selbstbeweihräucherung einnebelte, wie The Nation im März berichtete. Mit diesem "Link nach links" versucht McCain in fremden Gewässern zu fischen und das Gespräch mit der linken Leserschaft zu suchen. Im McCain'schen Online Action Center gibt es sogar Punkte zu gewinnen, wenn ein McCain-Aktivist Kommentare auf dem anderen Pol der politischen Arena positioniert. Der Fortschritt in der Internet-Kommunikations-Kultur ist enorm, wenn man bedenkt, dass beim letzten Präsidentschaftswahlkampf vor vier Jahren John Kerry seinen Link zum Daily Kos zurückzog, nachdem der erste negative Kommentar einging. Heute sind Blogs, so berichtet der Journalist Ari Melber auf der TechPresident-Website, ein so wesentlicher Bestandteil der landesweiten Politik, dass auch John McCain beginnt, sich für sie zu interessieren. Strategieseminar mit John McCainDonnerstag, 12. Juni 2008
Offenheit und Partizipation, das sind die Trendwörter des Präsidentschaftswahlkampfes 2008. Sich transparent geben, Menschen in die Kampagne einbeziehen. Darum geht es. Obama gab diesen Trend vor. McCain folgt. Die neueste Innovation des „Mac“: Kampagnenmanager Rick Davis schickte kürzlich ein Web-Video über den Verteiler, das Einblicke in die Strategie McCains gewährt.
In einer ca. 15-minütigen PowerPoint-Präsentation gibt Davis seine Einschätzungen über das Rennen zwischen McCain und Obama ab. Zunächst bemerkt er, was selbst die überzeugtesten Parteigänger der Republikaner schon wissen: Das politische Klima ist für die Grand Old Party (GOP) so schlecht wie selten in der jüngeren Geschichte der USA. So weit so gut. Die Konsequenz für McCain: Er muss seine Strategie zuallererst auf die Mitte, die Wechselwähler, die Unentschlossenen ausrichten. Vorbei sind die Zeiten, als Karl Rove mit reiner Basismobilisierung Wahlen gewinnen konnte. O-Ton Rick Davis: „No longer can a Republican candidate win by running up the score with our base voters”. McCain kommt als Person gut an beim Wahlvolk, vor allem bei den Independents. Seine Umfragewerte liegen deutlich über denen seiner Partei (Angela Merkel lässt grüßen). Die Strategie McCains wird es sein, sich als Kandidat aus der Mitte des Volkes zu präsentieren. In einem immer noch mitte-rechts-denkenden Land geriert sich der politische Haudegen und Kriegsheld als „in touch“ mit den Amerikanern, ohne die Gelegenheit zu verpassen, Obama als zu liberal, zu elitär, zu abgehoben darzustellen. Beruhigt können die Strategen der GOP sein über die inhaltliche Ausrichtung der Kampagne. John McCain hat erkannt, dass es bei dieser Wahl primär um Wirtschaft und Arbeit geht, um die sog. „pocketbook issues“, die Davis besonders hervorhebt. Interessant ist der organisatorische Teil der Präsentation. McCain schafft eine neue, schlanke Kampagnenstruktur, die sehr dezentral angelegt ist, mit insgesamt zehn Regionalmanagern, die nahezu alle Freiheiten in den Bereichen Fundraising, Kommunikation und Wählermobilisierung haben. Dies bedeutet eine erstaunliche Abkehr von den Zentralisierungstendenzen republikanischer (Partei-)Organisationen in den letzten Jahren. Dennoch wird deutlich, dass McCain die Partei braucht. In seiner Präsentation führt Davis die Gelder von McCain und des Republican National Committee (RNC) geschickterweise zusammen auf. Das kann man so machen. Es bedeutet aber, dass die Parteiorganisation zu einem zentralen Element der Kampagne aufsteigen wird, insbesondere in den Bereichen Get-Out-The-Vote (GOTV), Wählertargeting und TV-Spots. Hier geht es zur Präsentation von Rick Davis. Viel Spaß beim Strategieseminar! Als Bonus hier noch der neueste TV-Spot von John McCain mit dem Titel “Safe“.
Die Obama-ConnectionMittwoch, 11. Juni 2008
Ohne die Macht der Netzwerke zu begreifen, kann man heutzutage weder den Terrorismus bekämpfen, noch eine Wahl gewinnen. So fasste kürzlich der New York Times-Kolumnenschreiber Roger Cohen die aktuelle Lage zusammen. Mit The Obama Connection benennt Cohen den Grund für den Sieg Barack Obamas gegenüber Hillary Clinton in den Vorwahlen im US-Präsidentschaftswahlkampf: Ihre Strategie, so Cohen, ist im 20. Jahrhundert steckengeblieben.
Mit der Zeit ist das Verständnis für internetbasierte Netzwerke jedoch zumindest bei John McCains Wahlkampfteam eingekehrt. So berichtet der konservative Online-Stratege Patrick Ruffini auf der techPresident-Website, dass McCains Website die von Barack Obama schlagen kann, indem sie jetzt zu einer Plattform wird (wir berichteten). Ein Instrument, dass die Wahl-Strategen bereits aus dem Web 2.0 übernommen haben, ist ein gutes Application Programming Interface (API), das erlaubt Twitter-Daten und Login-Informationen für die Kandidatenseite zu verwenden. Patrick Ruffini empfielt der McCain-Kampagne, ihre Website mit Hilfe von API auf einen Stand zu bringen, der es möglich macht, Netzwerke noch intensiver zu nutzen als Barack Obama dies tut. Wie das in der Praxis aussieht? Ganz einfach. Mit Hilfe einer McCain-API könnten alle Wahlkampf-Aktivitäten von Freiwilligen auf der Kandidatenseite sichtbar werden. Zum Beispiel könnte die McCain-API mit Facebook-Applikationen verbunden werden, sodass Unterstützer ihre Aktivitäten auf der Kandidatenwebsite veröffentlichen können. Facebook-Newsfeeds könnten aktualisiert werden mit Meldungen wie „Patrick Ruffini hat für John McCain gespendet“ oder „Patrick Ruffini hat soeben 10 Unterstützer für McCain rekrutiert“. Gleichermaßen könnte der eigene Aktivitätsfluss wie das Rekrutieren von Freiwilligen, Unterschriften für Petitionen und Spenden auf der Kandidatenseite veröffentlicht und mit einer vorbereiteten Adressenliste kombiniert werden. In diesem Moment wird die McCain-Website zur Plattform für aktiven Austausch der Freiwilligen untereinander. Suchbegriffe wie die Postleitzahl können helfen, Gleichgesinnte in der unmittelbaren Nachbarschaft ausfindig zu machen. Diese Geo-Codierung kann unter anderem nützlich sein, um Wahlkampf-Veranstaltungen zu organisieren, die von den Webnutzern selbst, nicht von der Kampagnenführung ausgehen. Die Kampagnen selbst können die Kontrolle über ihre Botschaft nicht mehr behalten. Wenn sie erfolgreich sind, verselbständigt sich die Kommunikation über den Kandidaten und wird für die Medien relevant. So ist auch Obamas Massenbewegung für die Presse interessanter als seine Botschaft. Die von Patrick Ruffini vorgeschlagenen APIs sind die logische Fortsetzung dieses Trends. Die Wähler bilden bereits virale Netzwerke auf Facebook, Twitter und anderen Kanälen. Aber es gibt noch keine Möglichkeit, sie mit Aktionen auf den offiziellen Kandidatenseiten zu verbinden, denn wer einer Facebook-Gruppe beitritt, bleibt bisher trotzdem unsichtbar für die Kampagenführung. McCains RelaunchMittwoch, 11. Juni 2008
Nahezu unbeachtet von der Öffentlichkeit hat John McCain einen Neustart seiner Website vorgenommen. Das überarbeitete Portal www.johnmccain.com ist definitiv besser und benutzerfreundlicher als die alte Version. Kern des Ganzen ist (ähnlich wie bei Barack Obama) das „Volunteer Action Center“.
Auf dem Screenshot ist zu sehen, worum es McCain geht: Drei der sechs Funktionen zielen konkret darauf ab, Freunde, Bekannte und Kollegen von der Kandidatur des „Mac“ zu überzeugen. Diesen Ansatz nennt man in der Fachsprache „Peer-to-Peer-Kommunkation“. Der Grundgedanke: Freiwillige sind die besten Kampagnenbotschafter, weil sie glaub- und vertrauenswürdiger als jedes andere Medium sind. Eine Konversation über den Kandidaten mit einem Nachbarn oder Freund ist bei weitem effektiver als das Anschauen eines 30-sekündigen Werbespots, der eine hohe Chance hat, im medialen Durcheinander des 24-Stunden-Nachrichtenzyklus unterzugehen. Bye, bye, Hillary!Donnerstag, 5. Juni 2008
Erstaunlich, diese Hillary Clinton. Selbst am Tag nach ihrer politischen Niederlage schafft sie es, die Aufmerksamkeit der Medien voll auf sich zu ziehen. Klar: Barack Obamas Sieg ist historisch, sein Erfolg gegen die Wahlkampfmaschine der Clintons ein Phänomen. Aber das muss derzeit zurückstehen hinter dem PR-Getöse des Team Hillary. Clinton gibt auf? Ja, aber erst am Samstag. Clinton als Vizepräsidentin? Von mir aus. Clintons Zukunft? Es darf spekuliert werden.
Die Clintons als Epizentrum der Berichterstattung. Daran haben sie sich gewöhnt, das ist ihr Lebenselixir. Deshalb fällt der Schritt in die Normalität des Alltags so schwer. Aber wie wird dieser Alltag für Hillary Clinton in Zukunft aussehen? Eine Spekulation: Vizepräsidentschaftskandidatin? Nein, danke...sagt Barack Sicher wäre Vizepräsidentin eine ehrenwerte Position für Clinton. Sie könnte aktiv an der politischen Ausgestaltung des Landes teilhaben. Auch im Wahlkampf käme Hillary Clinton gelegen, um die Gräben zuzuschütten, die sich in der Demokratischen Partei zwischen jung und alt, schlau und weniger schlau, zwischen Proletariern und Salonlinken aufgetan haben. Vieles spricht aber dagegen, dass Obama diesen Schritt wagen wird. Möchte er eine running mate, die ständig die Hierarchien innerhalb der Kampagne in Frage stellen würde? Die nach Licht verlangt, wo doch eigentlich intelligentes Auftreten im Halbschatten geboten ist? Zudem steht Hillary genau für den Status Quo, den Obama so heftig anprangert. Er hat das Image des Frischen und Neuen kultiviert, dafür steht die Clinton-Dynastie nicht gerade. Am Ende wird es schon eher eine Frau wie Kathleen Sebelius werden. Die Gouverneurin im konservativen Kansas weiß, wie man Wähler im Heartland anspricht. Sie ist jung und hat (im Gegensatz zu Obama und Clinton) Exekutiverfahrung. Führende Rolle im Senat? Warum nicht... Mit ihrem langen, kämpferisch geführten Wahlkampf hat Hillary bei großen Teilen der demokratischen Stammklientel punkten können. Das erhöht ihr politisches Gewicht in Washington. Eine führende Rolle im Senat könnte ihr nach den Kongresswahlen im November durchaus zustehen. So hätte sie (durch die Hintertür) die Chance, die Geschicke des Landes (auch als Korrektiv zu McCain oder Obama) mitzubestimmen. Es könnte aber sein, dass ihr die Arbeit im Kongress zu schnöde geworden ist und sie ihre Augen deshalb auf ihren Heimatstaat New York richtet. Gouverneurin in New York? Ist machbar... Es ist noch nicht lange her, als eine Callgirlaffäre den demokratischen Gouverneur Eliot Spitzer das Amt kostete. Die Demokraten in New York haben also durchaus Bedarf für eine neue Führungsfigur mit Charme, Sachverstand und Schlagzeilenpotential. Im Empire State ist die Senatorin äußerst beliebt. Ihre Vorwahl gewann sie dort gegen Obama mit fast 20% Vorsprung, ihre Senatswahl 2006 sogar mit 36%. Präsidentschaftskandidatin 2012? Hmm.... Obwohl das Rennen gegen McCain eng wird, deuten alle strukturellen Faktoren auf einen Sieg von Barack Obama im Herbst hin. Schafft es der alte Haudegen McCain allerdings, sich von Präsident Bush, dem politischen Klima im Land und der eigenen Partei abzukoppeln, sich als Kandidat für den "richtigen Wandel" zu stilisieren, dann könnte das Weiße Haus doch noch für die Demokraten verloren gehen. Damit wäre die Bahn für "Hillary 2012" frei. Und dann wird sicher nicht noch einmal ein so gut aussehender, eloquenter Wandelprediger daherkommen, der ihr die Kandidatur der Unvermeidlichkeit vermasseln könnte.
Blogeintrag von Maik Bohne
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14:49
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Gestatten: EliteDienstag, 3. Juni 2008
Die Kandidaten im aktuellen US-Präsidentschaftswahlkampf versuchen derzeit alles, aber auch alles, um ihr elitäres Image abzulegen. So berichtete Elisabeth Bumiller in der New York Times über „The Snare of Priviledge“. Wer zur Elite eines Landes gehört, ist eine Frage, die auch derzeit in Deutschland häufig gestellt wird, und das nicht erst seit Julia Friedrichs mit Gestatten: Elite zeigt, dass sich in der Bundesrepublik immer mehr eine finanzkräftige Elite selbst reproduziert. Kritiker lobten die junge Autorin für das gelungene Werk, beklagten allerdings auch ihren Elitebegriff, der vor intellektuellen Eliten halt macht.
Für die USA, so Elisabeth Bumiller, gehören Wohlstand und Status immer noch zu den Elitekriterien, auch wenn es sich um eine angeblich klassenlose Gesellschaft handelt. „In a nation without a titled aristocracy, an elite education may well be the most important membership card.“ Eine elitäre Ausbildung haben alle drei Kandidaten genossen. Hillary Rodham Clinton, Wellesly College ’69, Yale Law School ’73, First Lady für acht Jahre und plötzlich ist sie die Heldin der Arbeiterklasse. Barack Obama, Columbia University ’83, Harvard Law School ’91, besucht nun Bowling-Bahnen und Bierhallen. Er spricht über seine alleinerziehende Mutter, die von Sozialhilfe lebte. John McCain, United States Naval Academy ’58, Sohn und Enkel von Admirälen, Ehemann einer der reichsten Frauen Arizonas, spricht gerne von seiner Blockhütte, anstatt von dem im "Architectural Digest" besprochenen Ferienhaus. In einem zunehmend populistischen Land überrascht es nicht, dass sich die Kandidaten von ihrem elitären Image distanzieren. Nehmen die Amerikaner es ihnen ab, keine Elite zu sein? Sollten sie etwa keine Elite sein? Natürlich möchten auch die Wähler den besten, klügsten und glaubürdigsten für das Präsidentenamt. Aber was letztendlich für die Wähler zählt, ist nicht das akademische Prestige, sondern die Fähigkeit des Kandidaten, eine emotionale Verbindung herzustellen und das Vertrauen der Bürger zu gewinnen. So sah man Hillary Clinton mit einer Flasche Bier in der Hand tanzen: John McCain versucht es auf andere Weise. Er sagte den Bergleuten in Kentucky: „Ich kann nicht behaupten, dass unsere Lebensumstände ähnlich seien, ich bin nicht der Sohn eines Bergmanns. [...] Meine Arbeit ist nicht so hart wie Eure, aber Ihr seid meine Kameraden und das bedeutet mir mehr als fast jede andere Bindung.“ McCains schweres ErbeMittwoch, 28. Mai 2008
Es war im März, als der frisch gekürte republikanische Kandidat John McCain seinen obligatorischen Termin im Weißen Haus absolvierte. George W. Bush gab dem Senator aus Arizona sein offizielles Plazet. McCain brauchte diesen Ritterschlag vom Präsidenten, um bei der republikanischen Basis zu punkten. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz sagte Bush, dass er John McCain im Wahlkampf gerne tatkräftig unterstützen wolle. McCain lächelte, wusste aber schon damals, dass er Auftritte mit einem der unbeliebtesten Präsidenten aller Zeiten vermeiden musste.
Die Distanz zu Bush ist (überlebens)notwendig für den Senator. John McCain ist der einzige Kandidat der Republikaner, der das Rennen um das Weiße Haus überhaupt noch spannend halten kann. Sein Image des Querdenkers, des unbestechlichen, überparteilichen Senators hilft ihm derzeit (noch), sich von den unterirdischen Umfragewerten für die Republikanische Partei und ihrem Präsidenten zu isolieren. Was also tun mit George W. Bush? Wie schon im Kongresswahlkampf 2006 wird der scheidende Präsident als „Cash Cow“ für die Partei benutzt. Fundraiser mit Bush spülen immer noch erstaunliche Summen in die Kassen der republikanischen Kandidaten und Parteiorganisationen. Trotz Zustimmungsraten von düsteren 30% ist er bei der Basis beliebt und lockt den reicheren Aktivisten dicke Schecks aus den Anzugtaschen. Am Dienstag stand Bushs erstes Fundraising-Event mit John McCain in Phoenix, Arizona, auf dem Programm. Die Veranstaltung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die einzige Chance auf ein gemeinsames Foto der beiden Herren hatte die Presse auf dem Flugplatz in Phoenix. Nur wenige Sekunden waren McCain und Bush zusammen zu sehen, bevor sie schnell in ihren Limousinen verschwanden. Pech für John McCain: Fotos von Bush und ihm gibt es in Hülle und Fülle. Hier eine kleine Auswahl:
E-Mail von John McCainFreitag, 23. Mai 2008
Wer noch etwas Platz in seinem E-Mail-Fach hat, sollte sich bei Barack Obama und John McCain auf den Online-Verteiler setzen lassen. Zwar wird man dann alle zwei Tage mit einer elektronischen Nachricht der Kandidaten beglückt, man lernt aber viel über den unterschiedlichen Zugang, den die Kandidaten zum Online-Campaigning haben.
Obamas E-Mails sind immer kurz, immer auf den Punkt geschrieben. Die Botschaft der Nachricht ist klar, nach fast jedem Satz kommt ein Absatz. Videos sind genauso integriert wie ein dezenter, aber gut zu findender Spendenbutton. John McCains elektronische Post ist das komplette Gegenteil. Pattrick Ruffini von TechPresident fasste den Charakter von McCains E-Mails als „Tolstoy in My Inbox“ treffend zusammen. In der Tat wird man vom Inhalt förmlich erschlagen. In epischer Breite bringen McCain oder sein Wahlkampfmanager Rick Davis ihre Anliegen vor. Die E-Mails sind viel zu lang, die Zeilendichte ist katastrophal. Das hier abgebildete Beispiel zeigt, wo die Dinge im Argen liegen. Erst nach elf Abschnitten und 597 Wörtern findet man den ersten Link. In Zeiten von Blackberrys und überbordendem Spam fast schon eine Todsünde.
Der Hinweis „From the Desk of…“ ist übrigens ein Stilmittel, dass man in den 1980er und 1990er Jahren gerne in Direct Mailings eingesetzt hat. Ein weiterer Beweis dafür, dass die McCain-Kampagne den Sprung ins digitale Zeitalter noch nicht ganz geschafft hat.
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