Das Internet und der Gebrauch von Videos wird im US-Wahlkampf auch in den nächsten Monaten eine wichtige Rolle spielen. Wie schon in den Vorwahlen 2000 ist John McCain (R) erneut an vorderster Front der Internetinnovationen. Prominentestes Element auf der Startseite des Senators aus Arizona ist ein Videoframe. Aber auch für Mouse-over-Effekte werden Videosequenzen von McCain eingesetzt. Zahlreiche Videos kann man unter Multimedia finden.
New Yorks Senatorin Hillary Clinton kommuniziert darüber hinaus über ihren Hillcast“.
Massachusetts’ Gouverneur Mitt Romney hat „MITT TV“ mit verschiedenen Fernsehauftritten, Wahlkampfveranstaltungen, aber auch TV-Spots.
Aber nicht nur die Webseiten der verschiedenen Kandidaten, sondern vor allem auch YouTube sollte man im Auge haben. Bereits die Midterms im letzten Jahr wurden als „YouTube elections“ bezeichnet. Kampagnen, aber auch mehr oder weniger unabhängige Aktivisten versuchten YouTube für ihren Vorteil zu nutzen und werden das umso mehr bei diesen Wahlen tun.
YouTube hat rund 40 Millionen Nutzer im Monat. Täglich werden bis zu 100 Mio. Videos angeschaut. (Wie YouTube funktioniert und wie man es zum Star auf YouTube schafft)
Die Möglichkeiten YouTube effektiv im Wahlkampf zu nutzen sind zahl- und facettenreich. Es dient sowohl als Informations- als auch Entertainmentportal, bietet Möglichkeiten des Angriffs- und Konterwahlkampfs und ist nicht zuletzt ein Instrument des sog. Guerilla-campaigning. Im Gegensatz zum herkömmlichen Fernsehen ist der Nutzer von YouTube an keinerlei feste Zeiten oder Restriktionen gebunden. Bspw. kann er jederzeit Mitschnitte von Nachrichten zu wichtigen Ereignissen konsumieren und Freunde darauf aufmerksam machen. So werden Nachrichten für ein viel breiteres Publikum geöffnet, aber vor allem auch länger am Leben gehalten.
Ein gutes Beispiel dafür, wie YouTube Nachrichten formt und Wahlkämpfe beeinflusst, war der Senatswahlkampf in Virginia 2006: Der Amtsinhaber, Sen. George Allen, machte während eines Wahlkampfauftrittes eine rassistische Bemerkung über einen Helfer der gegnerischen Kampagne, der die Veranstaltungen Allens mit Video (in der Hoffnung auf einen solchen „Ausrutscher“) aufnahm. Das Video wurde daraufhin auf YouTube veröffentlicht. Blogs begannen das Video zu verlinken und starteten damit eine Kontroverse, die bald von den „traditionellen“ Medien aufgenommen wurde. Allen verlor knapp.
Aber fast noch wichtiger als der Nachrichtenwert: Auf YouTube finden sich Nutzer, die gemeinsame Interessen haben und sich gegenseitig bestärken und inspirieren – ein Phänomen, das man bereits von MeetUp kennt. So machen immer mehr Freiwillige und Aktivisten ihre eigenen Clips, die wiederum die eigene Anhängerschaft ansprechen. Zahlreiche Beispiele bieten die Angriffe auf Joe Liebermann im zurückliegenden Senatswahlkampf. Ein aktuelles Beispiel mit John McCain findet sich hier:
Die demokratische Aktivistenwebseite MoveOn veröffentlichte einen Fernsehspot, welcher McCain und Bush in Verbindung bringt („It’s McCain’s plan to escalate.“), um Geld für dessen Ausstrahlung zu sammeln.
Allerdings hat YouTube nicht nur eine demokratisierende Komponente. Vielmehr führt die Gefahr für Kandidaten, jederzeit in eine „mediale Falle“ zu treten, dazu, dass Wahlkampfauftritte der Kandidaten immer kontrollierter und somit immer weniger spontan werden.