UmfrageWer wird die Präsidentsschaftswahl gewinnen?
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Hillary Clinton machte am Samstag auf ihrer Abschiedsgala in Washington alles richtig. Sie unterstützte Barack Obama vorbehaltlos, sie trat nicht nach, sie forderte ihre Anhänger auf, für den Sieg im November zu kämpfen. Mit dieser Geste dämpfte sie die Kritik von Teilen der Parteielite, die sich ein früheres Ausscheiden der Ex-First Lady gewünscht hatten. So endete ein geschichtsträchtiger, geradezu epischer Vorwahlkampf der Demokraten.
An dieser Stelle wollen wir einen analytischen Blick zurück wagen auf die Kandidatur und die Kampagne Hillary Clintons. Wie konnte es passieren, dass eine so etablierte Kandidatin, die noch im Dezember 2007 nahezu unangefochten vor ihren Herausforderern lag, gegen einen schwarzen Politnovizen mit einem unaussprechlichen Namen verlieren konnte? Es gibt drei wesentliche Gründe: 1) Botschaft Clintons Chefstratege Mark Penn positionierte Hillary Clinton zu Beginn der Kampagne als „Ready to Lead“. Hillary betonte ihre politische Stärke, Erfahrenheit und Sachkenntnis, auch um Zweifel an einer weiblichen (führungsschwachen) Kandidatin zu zerstreuen. Zudem deutete das „Ready to Lead“ einen Gegensatz zu George W. Bushs Präsidentschaft an. Das Land gierte nach verlässlicher Führung, nach guten (sachlichen) Lösungen, nach Kompetenz statt Unfähigkeit, so die Einschätzung des Clinton-Teams. Mit dieser Ausrichtung wählte die Kampagne allerdings das falsche Spielfeld. Den Wählern ging es vorwiegend um Wandel, weniger um Sachlichkeit und schnöde Kompetenz. So konnte sich Barack Obama den Mantel des wahren Wandelpredigers überstreifen. Clinton bot ihm die Möglichkeit, das politische Wort des Jahres („Change“) zu besetzen, u.a. durch ihre Weigerung, sich für die Autorisierung des Irakkrieges zu entschuldigen. Später versuchte Hillary krampfhaft, Obamas Botschaft zu kooptieren mit Slogans wie „Ready for Change“ oder „Yes, She Will“. Das wirkte unauthentisch, künstlich, reaktiv. Ein weiterer Fehler Clintons war es, die Kandidatur als Kampagne der Unvermeidlichkeit darzustellen. Zu Beginn rief sie voller Selbstbewusstsein: „I Am In to Win!“. Das war nachvollziehbar, weil sie lange Zeit unangefochten in den Meinungsumfragen vor ihren Herausforderern Barack Obama und John Edwards führte. Clinton wollte mit dieser Art von Kampagne ihren Gegnern die Luft zum Atmen nehmen, sie wollte der Parteielite ihre Dominanz zeigen, ihren natürlichen Anspruch auf die Nominierung deutlich machen. Eine solche Strategie funktionierte nur so lange, wie Hillary Clinton unverletzlich erschien; sie musste aber in sich zusammenfallen, als sie erste Schwächen während der TV-Debatten im Herbst und schließlich in den ländlichen Weiten Iowas zeigte. Clintons Strategie der Unvermeidlichkeit ermöglichte es Barack Obama erst, sich als populistisch-positiver Außenseiter zu etablieren, der gegen den Status Quo in Washington antrat, gegen die alte Form, Politik zu machen, gegen die Powerplays und Ränkespiele der Eliten, die die Menschen in den USA so satt haben wie in anderen westlichen Staaten auch. 2) Kampagne Hillary Clintons Team führte eine gute, solide, professionelle Kampagne. Sie bezog neue Kommunikationsformen in ihren Wahlkampf ein, allen voran das Internet. Wir erinnern uns an das Web-Video mit ihrem Mann Bill, das nach Machart der Sopranos gedreht worden war. Das Problem: Clinton nutzte das Internet nur punktuell, nur sporadisch. Während Barack Obama virtuos mit dem Netz arbeitete, es zum natürlichen Bestandteil seiner Kampagnenstrategie und –botschaft machte, sahen die Verantwortlichen der Clinton-Kampagne es als nettes Zubrot zum traditionellen Medienwahlkampf an, nicht aber als ein Meta-Medium, das ganz neue gesellschaftliche Tiefenwirkung erzielen kann. Von dieser Tiefenwirkung profitierte Obama. Seine Kampagne zeigte sich offen gegenüber innovativen Einflüssen aus der Netzwelt, sie nutzte das Potenzial der interaktiven Kreativgemeinde, ohne je die Kontrolle über die eigene Botschaft zu verlieren. Auch das Fundraising der Clintons lief sehr traditionell ab. Mit Terry McAuliffe hatte sich Hillary den „Mr. Money“ der Demokraten ins Boot geholt. McAuliffe organisierte das Geldsammeln auf traditionelle, elitäre Weise, so wie er es in den 1990er Jahren unter Bill Clinton gelernt hatte. Das Motto: Kleine Geldspenden unter 200 Dollar sind schön, aber das große Geld treiben wir bei den affluenten Spendern, bei den „Fat Cats“ ein. Die Strategie: große Fundraising-Dinner, ein Quotensystem für sog. „Hillraiser“, private Treffen mit Millionären in Hollywood und New York. Auch Barack Obama bat um Spenden und Bündeldienste der besser Verdienenden, sein Hauptaugenmerk lag jedoch auf dem Ausbau der Klein(st)spenderbasis. Das Resultat kann sich sehen lassen: Obama schuf ein Netzwerk von über 1,5 Mio. Spendern, die im Schnitt 100 Dollar an die Kampagne gaben. Diese Spenden kamen zu 90% über das Internet (und damit kostengünstig und schnell) herein. 3) Strategie Im Interview mit George Stephanopolous (ABC News) sagte Clinton kurz vor den Caucuses in Iowa: „I´m in it for the long run. It´s not a very long run, it´ll be over by February 5th”. Der große Fehler der Clinton-Maschine war, nicht über den Super Tuesday hinaus geplant zu haben. Die gesamte Strategie war darauf ausgerichtet, die Nominierung an diesem Tag zu gewinnen, so wie es die demokratischen Kandidaten in den Jahren zuvor auch gemacht hatten. Nach der Patt-Situation am 5. Februar stand Clintons Kampagne nahezu ohne Geld und Organisation in den folgenden Vorwahlstaaten dar. Obama hatte hingegen klugerweise auf eine breite Organisation in allen 50 Bundesstaaten gesetzt, deshalb auch seine elf Siege in Folge in der Zeit vom Super Tuesday bis zu den Vorwahlen in Wisconsin und Washington Mitte März. In Vergessenheit geraten ist auch das Memo von Vize-Kampagnenchef Mike Henry, das im Mai 2007 an die Presse gelangte. In diesem Strategiepapier spekulierte Henry offen darüber, ob es Sinn machen würde für Hillary Clinton, in Iowa Wahlkampf zu machen. Die Clintons hatten wenig politische Unterstützer in diesem Staat, sie kannten sich mit der Organisation des Iowa Caucus nicht gut genug aus. Im Nachhinein wäre es sicher besser gewesen, Iowa zu skippen, um sich voll und ganz auf einen Sieg in New Hampshire zu konzentrieren. So hätte sich Clinton 15 Mio. Dollar und einen unnötigen Gesichtsverlust erspart, der den Anfang vom Ende ihrer Kampagne bedeutete.
Blogeintrag von Maik Bohne
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17:13
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McCains schweres ErbeMittwoch, 28. Mai 2008
Es war im März, als der frisch gekürte republikanische Kandidat John McCain seinen obligatorischen Termin im Weißen Haus absolvierte. George W. Bush gab dem Senator aus Arizona sein offizielles Plazet. McCain brauchte diesen Ritterschlag vom Präsidenten, um bei der republikanischen Basis zu punkten. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz sagte Bush, dass er John McCain im Wahlkampf gerne tatkräftig unterstützen wolle. McCain lächelte, wusste aber schon damals, dass er Auftritte mit einem der unbeliebtesten Präsidenten aller Zeiten vermeiden musste.
Die Distanz zu Bush ist (überlebens)notwendig für den Senator. John McCain ist der einzige Kandidat der Republikaner, der das Rennen um das Weiße Haus überhaupt noch spannend halten kann. Sein Image des Querdenkers, des unbestechlichen, überparteilichen Senators hilft ihm derzeit (noch), sich von den unterirdischen Umfragewerten für die Republikanische Partei und ihrem Präsidenten zu isolieren. Was also tun mit George W. Bush? Wie schon im Kongresswahlkampf 2006 wird der scheidende Präsident als „Cash Cow“ für die Partei benutzt. Fundraiser mit Bush spülen immer noch erstaunliche Summen in die Kassen der republikanischen Kandidaten und Parteiorganisationen. Trotz Zustimmungsraten von düsteren 30% ist er bei der Basis beliebt und lockt den reicheren Aktivisten dicke Schecks aus den Anzugtaschen. Am Dienstag stand Bushs erstes Fundraising-Event mit John McCain in Phoenix, Arizona, auf dem Programm. Die Veranstaltung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die einzige Chance auf ein gemeinsames Foto der beiden Herren hatte die Presse auf dem Flugplatz in Phoenix. Nur wenige Sekunden waren McCain und Bush zusammen zu sehen, bevor sie schnell in ihren Limousinen verschwanden. Pech für John McCain: Fotos von Bush und ihm gibt es in Hülle und Fülle. Hier eine kleine Auswahl:
Das Ende der RevolutionDienstag, 20. Mai 2008
Zu sehr fokussieren wir uns hier in Deutschland auf die Präsidentschaftswahl, das Auf und Ab der Kandidaten, den Kult um Persönlichkeiten. Dabei verlieren wir oft den Blick auf die zweite Ebene des politischen Systems in den USA, die nicht minder wichtig für den Kurs des Landes ist. Gemeint ist der Kongress, die Legislative, die den vermeintlich mächtigsten Mann der Welt stärker im Zaum hält, als es unser flüchtiger Blick in die USA suggeriert.
Was zur Zeit unter der Oberfläche des Präsidentschaftswahlkampfes passiert, ist nichts anderes als eine Zeitenwende. Zum dritten Mal in Folge haben die Republikaner in diesem Jahr einen Sitz im Repräsentantenhaus verloren, nach massivem Einsatz von Ressourcen in Form von Geld und Freiwilligen. Diese Niederlagen in Nachwahlen (drei republikanische Abgeordnete hatten ihre Amtszeit vorzeitig beendet) sind an sich noch nichts Ungewöhnliches. Das Problem: Die verloren gegangenen Stimmbezirke in Illinois, Louisiana und zuletzt in Mississippi waren allesamt Hochburgen der Grand Old Party (GOP), sie galten in den letzten Jahren als sichere Festungen für republikanische Kandidaten. Präsident Bush hatte hier 2004 noch mit mehr als 20 Prozentpunkten Vorsprung vor John Kerry gewonnen (!). Zusammen mit der Niederlage bei den Kongresswahlen 2006, bei denen die Republikaner 30 Sitze verloren hatten und ihre Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses abgeben mussten, deutet alles auf einen nachhaltigen Wandel in der politischen Stimmung des Landes hin. Das lässt sich auch mit Umfragedaten belegen. Selten zuvor hatte die Republikanische Partei ein so schlechtes Image bei den Wählern wie im letzten Jahr der Präsidentschaft von George W. Bush. Die Kongressparteien der GOP, die den Wahlkampf für ihre Wackelkandidaten in der Regel massiv unterstützen, sind finanziell in angespannter Lage. Zum zweiten Mal nach 2006 scheinen sie von ihren demokratischen Pendants beim Fundraising übertrumpft zu werden. Zudem schaffen es die Parteiorganisationen der Republikaner zur Zeit nicht, geeignete Kandidaten für die umkämpftesten Wahlkreise zu finden. Ursprünglich hatte die GOP geplant, unerfahrene demokratische Kandidaten in konservativen Wahlkreisen wie Brad Ellsworth in Indiana oder Heath Shuler in North Carolina mit eigenen, qualitativ hochwertigen Kandidaten herauszufordern. Bisher haben sich keine guten Bewerber finden lassen. Kaum ein republikanischer Kandidat will sich in einem politisch schlechten Jahr wie diesem leichtfertig verbrennen. Das Resultat: Hinter vorgehaltener Hand spekulieren die Strategen der Republikaner bereits über den Verlust von mehr als 20 Sitzen im Repräsentantenhaus und bis zu sechs Sitzen im Senat. Damit wäre das endgültige Ende der republikanischen Revolution besiegelt, die 1994 mit einem Bahn brechenden Sieg bei den Kongresswahlen eingeläutet worden war. Der Konservatismus steckt in den USA in der Krise, keine Frage. Die Helden der Revolution (wie Newt Gingrich, Tom „The Hammer“ DeLay und George W. Bush) sind alt und müde geworden. Das ideologische Feuer der vergangenen Jahre ist verflogen. Träte nicht der moderate John McCain für die GOP an, sondern ein konservativerer Kandidat, dann könnten wir schon jetzt den Sieg der Demokraten im November ausrufen. So bleibt es zumindest auf Präsidentschaftsebene spannend.
Blogeintrag von Maik Bohne
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13:53
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Ist Clintons Kampf zu Ende?Freitag, 9. Mai 2008
Glaubt man George Stephanopoulos, dem ehemaligen Wahlkampfhelfer von Bill Clinton und derzeitigen Moderator bei ABC News, dann ist das Rennen um die demokratische Nominierung vorbei. Gestern sagte er auf seinem Heimatsender kurz und trocken: „The nomination fight is over!“. Auch wenn sich Hillary Clinton demonstrativ optimistisch gibt („I am in it until there is a nominee“), so erhöht der Ausgang der Vorwahlen in Indiana und North Carolina den Druck enorm, aus dem Rennen auszusteigen. Um die Dynamik des Vorwahlkampfes nachhaltig zu ändern, hätte sie in Indiana deutlich gewinnen und in North Carolina (zumindest) knapp verlieren müssen. Das war nicht der Fall. Sicher: Es ist noch zu früh, einen endgültigen Abgesang auf Hillary Clinton anzustimmen. Deutlich wird aber, dass sie drei große Probleme hat, die sich kaum überwinden lassen.
1.) Geld Wie gestern bekannt wurde, hat Hillary Clinton im Laufe des Aprils mehr als 6 Millionen Dollar aus ihrem eigenen Vermögen in die Kampagne investiert. Das macht insgesamt schon mehr $11 Millionen, die Hillary und Bill in die Familienwahlkampfkasse geschossen haben. Clintons Kampagne wandelt finanziell am Abgrund. Ihr Online-Fundraising hatte nach dem Sieg in Pennsylvania zwar zugelegt, ähnliches ist aber nach dem durchschnittlichen Abschneiden am Dienstag nicht zu erwarten. Clinton hat ihre Geldgeber in den vergangenen Monaten bis auf den letzten Dollar ausgequetscht, ohne die Dynamik des Rennens nachhaltig zu ändern. Das desillusioniert ihre finanziellen Unterstützer. 2.) Mathematik Hillary Clinton kann es drehen und wenden, wie sie will. Die Mathematik spricht gegen sie. Obama liegt nach Rechnungen der New York Times mit 168 Delegiertenstimmen vorne. Selbst wenn die Delegierten aus Florida und Michigan auf dem Parteitag gezählt werden würden, wird sie nicht mehr an Barack Obama vorbeiziehen können. Das akzeptieren inzwischen auch engere Mitarbeiter von Hillary Clinton hinter vorgehaltener Hand. 3.) Superdelegierte Clintons einzige Chance sind deshalb die Superdelegierten, die sich qua Amt unabhängig vom Wählervotum für einen der beiden Kandidaten entscheiden dürfen. Hillary betreibt intensives Parteiestablishment-Lobbying. Gestern traf sie sich in Washington mit bisher unentschiedenen Superdelegierten, um sie davon zu überzeugen, nicht ins Obama-Lager zu wechseln. Sie konnte aber nicht verhindern, dass einige gewichtige Parteigranden ihre Loyalität zu Hillary Clinton aufkündigten. Unter anderem George McGovern, ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Demokraten 1972, sowie der Vorsitzende der Demokratischen Partei in North Carolina, Jerry Meek. Wir werden in den nächsten Tagen sehen, dass sich immer mehr Superdelegierte in Richtung Obama bewegen werden. Hillary Clinton begann ihre Kampagne mit einem selbstbewussten „I´m In To Win!“. Nun wird es wohl eher heißen: „I am To Quit“. Clintons Kasse klingeltDonnerstag, 24. April 2008![]() In den ersten 24 Stunden nach ihrem Vorwahlsieg in Pennsylvania hat Hillary Clinton mehr als 10 Millionen Dollar an Spenden über das Internet eingenommen. Das ist Rekord für die Senatorin. Direkt nach ihren Erfolgen am Super Tuesday und den Vorwahlen in Texas und Ohio hatte sie lediglich zwischen drei und vier Millionen Cash generieren können. Ermutigend für Clinton: Sie war in der Lage, ihre Spenderbasis substantiell zu erweitern, indem sie allein gestern über 50.000 neue (Klein-)Spender über das Internet für sich gewann. Hilfreich war sicherlich, dass sie während ihrer Siegerrede gestern in Philadelphia explizit zum Besuch ihrer Fundraising-Website aufgerufen hatte.
Hillary Clinton kann frisches Geld sehr gut gebrauchen. In den vergangenen Tagen konnte man immer öfter lesen, dass ihre Kampagne hoch verschuldet ist. In der Tat startete sie in den April mit $800,000 im Minus und hat weiterhin Außenstände von knapp $10 Mio., u.a. $4,5 Mio. bei der Firma ihres ehemaligen Chefstrategen Mark Penn (Penn Schoen Berland and Associates), $528.000 bei ihrer Medienberaterin Mandy Grunwald und $956.000 bei ihrer Direct-Mail-Firma MSHC Partners. Auch die nächsten Vorwahlkämpfe in Indiana, North Carolina und Kentucky werden Unsummen von Geld verschlingen. Allein in Indiana müssen Clinton und Obama in sechs großen TV-Märkten Spots schalten, einer davon ist der teure Fernsehmarkt in Chicago, von dem aus man große Teile der Wähler im Hoosier State erreicht. Geld wird in den USA als die Muttermilch der Politik bezeichnet. Wie aber die Erfolge der unterfinanzierten John McCain und Hillary Clinton gezeigt haben, ist Geld nicht alles. Obama investierte in Pennsylvania extrem viele Ressourcen. Nach Angaben der Campaign Media Analysis Group (CMAG) gab er allein doppelt so viel Geld für TV-Spots aus wie Clinton ($10 Mio. zu $5 Mio.), nur um von ihr mit 10 Prozentpunkten Abstand geschlagen zu werden. Politische Junkies können sich schon einmal den 6. Mai rot im Kalender anstreichen. Dann findet die nächste Entscheidungswahl in Indiana statt. Gewinnt Obama dort, dann hat er die Chance, Clintons Momentum nachhaltig zu stoppen. Falls aber Hillary den Staat für sich entscheidet, werden die Zweifel an Barack Obamas Kandidatur noch größer und lauter. „Can he close the deal?“ Wir sind gespannt.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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15:29
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Die vielen Leben der Hillary ClintonMittwoch, 23. April 2008Keine Frage: Das war ein wichtiger Sieg für Hillary Clinton in Pennsylvania, wieder einmal ein stabiler Rettungsanker zur richtigen Zeit. Deutlich verwies sie Barack Obama in die Schranken, mit 10 Prozentpunkten Vorsprung (55% zu 45%). Einmal mehr strafte sie ihre Gegner Lügen, die ihr den vorzeitigen Ausstieg aus dem Rennen um die demokratische Nominierung nahe gelegt hatten. Barack Obama kann zwar erhobenen Hauptes in die nächsten Vorwahlen gehen, weil er es in den vergangenen sechs Wochen geschafft hat, den Abstand auf Hillary Clinton von über 20 Prozent auf zehn Punkte zu verkürzen. Doch insgeheim hatte sein Team sicherlich auf einen knapperen Ausgang der Vorwahlen gehofft. Ein Blick auf die Daten der Nachwahlbefragung zeigt, wie und warum Hillary Clinton gewonnen hat. Die Nachwahlanalyse Die Nachwahlbefragungen zeigen, dass Hillary Clinton ihre Stammklientel extrem gut mobilisieren konnte. Die Stimmen der weiblichen Wähler gewann sie mit 12 Prozentpunkten Vorsprung, weiße Frauen sogar mit 28 Prozent Abstand. Sie hatte ebenso Vorteile bei den unteren Einkommensschichten bis $50.000 Jahresgehalt (+10%) wie auch bei Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss (+28%). Senioren und Katholiken gewann sie mit deutlichem Abstand. Entscheidend war auch ihr gutes Abschneiden bei Wählern, die das Thema Wirtschaft und Arbeitsplätze ganz oben auf ihrer Agenda hatten. Hier siegte Hillary Clinton mit 12 Prozentpunkten vor Barack Obama. In Zeiten der Wirtschaftskrise konnte Clinton sich in Pennsylvania also als die kompetentere Problemlöserin etablieren. Diese These wird von Wahlergebnissen aus den ehemaligen Stahlarbeiterregionen des Nordostens untermauert. In diesen, vom Strukturwandel besonders hart betroffenen Gegenden gewann Clinton haushohe Mehrheiten, wie z.B. in den Bezirken Luzerne und Lackawanna, die sie mit knapp 50 Prozentpunkten Vorsprung für sich entscheiden konnte. Barack Obama hatte seine Hochburgen hingegen in Philadelphia und dessen Vororten sowie in den College-Städten des Keystone State. An dieser regionalen Verteilung lässt sich auch die Struktur der Obama-Wähler deutlich machen. Er schafft es, eine bunte Koalition aus schwarzen Wählern in den Innenstädten, aus gut situierten Bewohnern der Vorstädte und jungen Collegestudenten zu formen. Sein Problem tritt aber deutlich zu Tage: Auch nach vielen Monaten des Vorwahlkampfes schafft er es nicht, entscheidend in das Wählerreservoir Hillary Clintons einzudringen. Wie geht es weiter? Hillary Clinton wird das Momentum dieses Sieges nutzen, um massiv auf die Superdelegierten einzuwirken, also auf das Parteiestablishment, das aller Wahrscheinlichkeit nach am Ende der Vorwahlsaison über Sieg und Niederlage entscheiden wird. Das Establishment-Lobbying ist lebensnotwendig für Clinton, denn auch mit ihrem Sieg in Pennsylvania hat sie es nicht geschafft, den Vorsprung Obamas bei den Delegiertenstimmen oder den absoluten Wählerstimmen entscheidend zu verkürzen. Ihr Argument wird deshalb ein psychologisches sein: „Schaut nicht nur auf die schnöde Mathematik des Delegiertenrennens! Wie dieser Sieg zeigt, gibt es massive Zweifel an Obama bei einem Großteil der demokratischen Wählerschaft. Er kann den Sack nicht zumachen („Why can´t he close the deal?“); er kann die bevölkerungsreichen Staaten nicht gewinnen, die wichtig sind für einen demokratischen Sieg im November. Obama erscheint zu elitär, nicht „in touch“ mit der Basis der Demokraten. Ich dagegen bin die wahre Ombudsfrau der kleinen Leute, unserer Kernklientel.“ Ob diese Argumentation ziehen wird, ist fraglich. Hillary Clinton ist faktisch pleite. Sie braucht sehr viel Geld und das schnell (deshalb auch ihr expliziter Hinweis auf ihre Fundraising-Website während ihrer Siegesfeier gestern Abend). Am 6. Mai stehen die nächsten Vorwahlen in Indiana und North Carolina an. Schon jetzt haben Mitarbeiter aus Hillarys Team zu verstehen gegeben, dass ein Sieg in Indiana für sie Pflicht ist. Die nächste Wasserscheide im Kampf um die Nominierung ist also in Sicht. Wir werden sehen, ob sie auch diese Hürde nimmt. Eines ist gewiss: Diese Frau hat viele Leben! Hier die Siegesrede von Hillary Clinton gestern Nacht in Philadelphia:
Blogeintrag von Maik Bohne
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12:38
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Netzwerke sind die RevolutionMontag, 21. April 2008
Am Freitag hielt der Techpresident-Blogger Micah L. Sifry zum Ausklang der Politics Web 2.0-Konferenz in London einen Vortrag über die Rolle von Web 2.0 im US-Wahlkampf: Die Netzwerke sind die Revolution, lautet sein Credo, dass sich an einer simplen Frage festmachen lässt. Was ist mächtiger, eine E-Mail-Liste mit einer Million Adressen oder ein Netzwerk von 1000 Bloggern? Anhand der drei Punkte Botschaft, Basis-Mobilisierung und Fundraising zeigte Micah L. Sifry, in welche Richtung die Zukunft weist:
1. Die Botschaft können die Wähler selbst durchaus besser vermitteln als die Kampagnen-Zentrale. Allein die YouTube–Videos Vote Different (5 Millionen Zuschauer), Yes We Can (7 Millionen Zuschauer) und Hillary and the Band (410.000 Zuschauer) haben enorme Aufmerksamkeit erreicht. Phil de Vellis, der Produzent des „Vote Different“-Videos sagte einmal in der Huffington Post, dass er das Video konzipiert hat, um zu zeigen, wie ein einzelner Bürger den Wahlkampf beeinflussen kann. 2. Die Mobilisierung von Freiwilligen geht von den Grassroots-Netzwerken selbst aus. So hatte Joe Antony mit MySpace for Obama die Massen aufgerufen. Farouk Olu Aregbe aktivierte One Million Strong for Barack bei Facebook. Websites wie Meetup.com und eventful.com helfen tausende Menschen vor Ort zu mobilisieren. 3. Nicht zuletzt spiegelt sich die Grassroots-Aktivität und das Netzwerken auch in der Fundraising-Struktur Barack Obamas wider. Er spricht nicht die großen Geldgeber an, sondern den “kleinen Mann”, dessen 20$-Spenden im Gegensatz zu Großspenden auch mehrfach eingehen dürfen. Auch die Grassroots-Organisation MoveOn.org unterstützte Obama, indem sie ihr Netzwerk zum Fundraising aktivierte. Die Lektion lautet also: Netzwerke sind einflussreicher als E-Mail-Listen.
Blogeintrag von Ute Pannen
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14:52
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I'm still standingMontag, 14. April 2008
Die Rolle des Rockstars (PDF) hatte im US-Wahlkampf eigentlich schon Barack Obama besetzt, doch an diesem Abend war Hillary Clinton der Star. Mit Bill und Chelsea betrat sie die Bühne der legendären Radio City Music Hall in New York. Elton John, der bereits zu Bill Clintons Amtszeit bei einem Staatsbankett im Weißen Haus sang, gab ein Benefizkonzert
für die Präsidentschaftskandidatin. Bereits binnen einer Stunde waren alle 6000 Karten ausverkauft: 125 Dollar für die billigsten Plätze oben im Rang, 2300 Dollar (die gesetzliche Höchstgrenze für Spenden) fürs Parkett. Mit den Worten “I’m still standing” begrüßte Hillary Clinton ihre Unterstützer. Elton John sprach sich für Hillary aus, die sich am besten von allen für das Präsidentenamt eigne, und wunderte sich über die vielen frauenfeindlichen Äußerungen im Wahlkampf: “Zur Hölle mit ihnen.” “Ich liebe Dich Hillary.” Der Erlös von 2,5 Mio $ kann sich sehen lassen. Doch dürfte er nur vorübergehend über die chronische Finanzschwäche der Clinton-Kampagne hinweghelfen. Auf Clintons Webseite geht das Fundraising bereits in eine neue Runde: „Close the Gap“ heißt es dort, denn ihr Gegner gibt derzeit 2,2 Mio $ pro Woche für Werbung in Pennsylvania aus.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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17:47
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McCain in finanziellen Schwierigkeiten?Montag, 31. März 2008
John McCain gilt als einer der Architekten der komplizierten Wahlkampffinanzierung in den USA. Deshalb steht er immer unter besonderer Beobachtung, wenn es um seine eigenen Finanzen geht. An dieser Front droht ihm jetzt Ungemach.
Ein Blick zurück: Als McCains Kampagne im Sommer und Herbst letzten Jahres in Schwierigkeiten geriet, stockte auch sein Fundraising. Die Spender blieben aus, die Kosten für seine aufwändige Wahlkampforganisation wuchsen ihm über den Kopf. In einem coupe de grace musste er sich schließlich von den vier Top-Beratern trennen, die ihn allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2007 über 400.000 Dollar gekostet hatten. In 20 von 22 Vorwahlstaaten mussten Mitarbeiter entlassen und Büros geschlossen werden. An diesem Tiefpunkt angelangt, beantragte McCain die öffentliche Finanzierung seines Wahlkampfes. Kandidaten können in den USA Gelder aus einem öffentlichen Fond für ihre Kampagne bekommen, die in Form von sogenannten matching funds ausgezahlt werden. Die öffentliche Hand stockt dann jede Spende mit maximal 250 Dollar auf. Das ist lukrativ. Das quid pro quo ist jedoch, dass sich die Bewerber im Zeitraum der Vorwahlen einem Ausgabenlimit unterwerfen müssen, das derzeit bei 54 Millionen Dollar liegt. John McCains Problem ist folgendes: Seine Ausgaben liegen mittlerweile bei mehr als 58 Millionen Dollar. Damit hätte er die Obergrenze gerissen. Seine Argumentation ist: Er hatte die öffentliche Finanzierung zwar beantragt, nahm sie dann aber nach den ersten guten Vorwahlergebnissen in Iowa und New Hampshire nicht in Anspruch. Kein öffentliches Geld ist also bisher an ihn geflossen. So weit, so gut. Der Haken ist jedoch, dass er im Winter 2007 einen Bankkredit über 4 Millionen Dollar aufgenommen hatte, für den er als Deckung die öffentliche Finanzierung angab. Somit benutzte er die Option der matching funds indirekt für seine finanzielle Gesundung. Demokratische Blogger haben jetzt eine offizielle Beschwerde bei der zuständigen Behörde, der Federal Election Commission (FEC), eingereicht. Ob sie von Erfolg gekrönt ist, bleibt offen. Vier von sechs Posten sind zur Zeit bei der FEC nicht besetzt. Der Kongress kann sich nicht auf die Besetzung der Stellen einigen, die in der Regel nach Parteiproporz vergeben werden. Die Konsequenz: Die FEC bleibt wahrscheinlich bis nach der Wahl handlungsunfähig. McCain scheint also vorerst aus dem Schneider zu sein. Promi-Dinner mit ObamaMittwoch, 26. März 2008
Barack Obamas Kampagne produziert immer neue, kreative Fundraising-Ideen. Vor den Vorwahlen in Iowa konnte man Obama einen Tag des Wahlkampfes schenken, in dem man ihn durch Kleinspenden vom lästigen Geldsammeln auf den üblichen Fundraising-Dinners befreite. Kurz darauf gab Obamas Kampagnenchef David Plouffe die Zielmarke von einer Million Geldgebern aus. Die wurde bereits Ende Januar gerissen. Nun kommt die nächste Sammelaktion frei Haus ins elektronische Postfach. Jeder Sympathisant, der bis zum Monatsende spendet, hat die Chance, ein Dinner mit Barack Obama zu gewinnen. Der Politstar will sich einen Abend Zeit nehmen, um mit den Auserwählten politische Themen zu diskutieren.
![]() Auch diese Aktion ist Teil der Meta-Botschaft, die Obama zum Kern seiner Kommunikation gemacht hat: Ich bin neu, ich bin grasverwurzelt, ich bin nicht Washington! Denn mit dieser Spendenaktion setzt er sich explizit ab vom landläufigen Image des Washingtoner Insiders, der sich von Lobbyisten zum Dinner in teuren Restaurants einladen lässt. Folgerichtig betont Obama in seinem Aufruf zum Abendessen auch, dass 94% seiner Einnahmen aus Spenden unter 200 Dollar generiert werden, und dass er kein Geld von Interessengruppen annimmt. Ob der junge Politstar allerdings selber für seine treuesten Fans kocht, ist nicht weiter bekannt. Hier ein YouTube-Video von einem Grassroots-Dinner mit Obama im Juli 2007: Was macht eigentlich... John McCain ?Mittwoch, 12. März 2008Die Medien beschäftigen sich zur Zeit fast ausschließlich mit dem Duell Obama-Clinton, mit Superdelegierten und der Frage, ob die Vorwahlen in Florida und Michigan wiederholt werden sollten. Aber was macht eigentlich John McCain? Eigentlich könnte er sich ja erst einmal zurücklehnen und entspannt zusehen wie sich die Demokratische Partei autistisch mit sich selbst beschäftigt. Nichts dergleichen. John McCain und sein Team arbeiten intensiv daran, die Weichen für den Hauptwahlkampf zu stellen. Drei große Aufgaben stehen auf der To-Do-Liste des Senators. Erstens: John McCain muss die Republikanische Partei hinter seiner Kandidatur sammeln. Dies ist ihm bisher gut gelungen. George Bush gab ihm den offiziellen Ritterschlag und nannte ihn einen „true conservative“. Mitt Romney gab ein öffentliches Endorsement für ihn ab. Die Spitzen der Republikaner im Kongress söhnten sich mit dem manchmal etwas heißblütigen Senator aus. Grover Norquist, Gralshüter des Steuerkürzer-Flügels der Partei, gab seine Opposition gegen McCain auf und fragte konzilliant: „How can we work together?“ Auch mit den (vermeintlichen) Sprachrohren der sozialkonservativen Bewegung konnte McCain ein Waffenstillstandsabkommen schließen. Die Erzengel der konservativen Medienmaschine wie Rush Limbaugh, Ann Coulter und James Dobson sinnieren nicht mehr breitenwirksam darüber, ob sie sich der Wahl enthalten sollten. Das böse A-Wort („abstain“) ist erst einmal aus ihrem öffentlichen Sprachgebrauch verbannt worden. Ob die konservative Basis sich jedoch mit John McCain aussöhnen wird, bleibt offen. Die Grand Old Party (GOP) könnte das SPD-Problem ereilen: Die unzufriedene Basis wechselt zwar nicht die Seiten, bleibt am Wahltag aber trotzdem zu Hause. Zweitens: Der Vorwahlkampf hat gezeigt, dass die Republikaner zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte ein eklatantes Fundraising-Problem haben. Bis Ende Januar diesen Jahres nahm John McCain spärliche 55 Millionen Dollar ein. Hillary Clinton schaffte hingegen 138 Millionen, Obama sogar 141 Millionen. McCain muss also in den nächsten Monaten zum Telefon greifen, um die einflussreichen Geldgeber der Partei zu vergewissern, dass er der beste Mann ist, um das Weiße Haus vor den Demokraten zu retten. Zudem muss er die Stars der Partei verpflichten, um mit ihm auf Fundraising-Tour zu gehen. Präsident Bush mag zwar wenig Rückhalt in der Bevölkerung haben, er ist aber immer noch die beste Geldmaschine der Republikaner. Veranstaltungen mit ihm spülen regelmäßig mehrere Millionen Dollar in die Kasse von Kandidaten und Parteiorganisationen. Apropos Parteien: McCain kann sich nun offiziell auf das Republican National Committee (RNC) stützen. Als einziges der drei nationalen Parteikomitees ist es nicht in finanziellen Schwierigkeiten. Das RNC hat bisher 97 Millionen Dollar einsammeln können, nahezu doppelt so viel wie sein Pendant, das Democratic National Committee (DNC). McCain kann sich also auf die Dienste der Partei verlassen, die auch in diesem Wahljahr wieder den Basiswahlkampf und das Wählertargeting für ihren Kandidaten organisieren wird. Drittens: John McCain muss seine Kampagnenkommunikation auf den Hauptwahlkampf ausrichten. Dies läuft nach dem üblichen Schema ab. Zunächst stellt sich der Kandidat dem großen Wahlpublikum noch einmal persönlich vor. Geplant ist eine „national bio tour“, die McCain an die wichtigen Orte seines Lebens führen wird, wie etwa die US Naval Academy in Annapolis oder die Naval Air Station in Meridian, Mississippi, die nach seinem Großvater benannt ist. Danach folgen medienwirksame Reden zu innen- und außenpolitischen Themen, um sich auch inhaltlich zu positionieren. McCain machte zudem deutlich, dass er seine Kampagnenmethoden aus dem Vorwahlkampf beibehalten will. So oft und gut es geht will er mit seinem Straight Talk Express im Land unterwegs sein, um sich den Fragen der Wähler in sog. Town Hall Meetings zu stellen. Dass McCain in den derzeitigen Umfragen hinter den beiden Demokraten liegt, kommt ihm zu Pass. Der alte Polit-Fuchs ist immer dann stark, wenn er sich als Underdog und Außenseiter stilisieren kann. Dann ist er am glaubwürdigsten. Trotz der verworrenen Vorwahlsituation finden die Demokraten Zeit, um erste Botschaften gegen McCain zu testen. Hier ein Web-Video, das das DNC kürzlich in die Internet-Rotation eingespeist hat:
Blogeintrag von Maik Bohne
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Obama und das InternetDonnerstag, 7. Februar 2008„The revolution will not be televised“. Auf diesem Motto basierte die Präsidentschaftskandidatur von Howard Dean im Jahr 2004. Dean setzte zusammen mit seinem Wahlkampfchef Joe Trippi konsequent auf die virale Kraft des Internets. Seine Kampagne war der Durchbruch des wahlkämpfenden Web 2.0. Alle Kandidaten sprangen auf diesen virtuellen Zug auf, Internetkommunikation ist heute integraler Bestandteil einer gut geführten Kampagne. Generell hat das Internet drei wichtige Qualitäten im Wahlkampf: Es ist ein intelligentes Instrument für Fundraising, ein kostengünstiges Tool zur Organisation von Freiwilligen und ein wertvoller Kanal für Kampagnenbotschaften. Keiner setzt diese Funktionen des Internets so gut und geschickt ein wie Barack Obama. Schauen wir uns seine Internet-Kampagne genauer an. Fundraising: Die Zahlen sind bemerkenswert. Barack Obama nahm im Januar 2008 unglaubliche 32 Millionen Dollar ein. Sagenhafte 28 Millionen davon kamen über das Internet. Während Hillary Clinton ihrer Kampagne 5 Millionen Dollar aus ihrem privaten Vermögen leihen musste, sammelte Obama jeden Tag im Schnitt über 1 Million bei seinen Unterstützern, oft in Form von Kleinspenden im Wert von 25 bis 50 Dollar. Seit die Wahllokale am Super Tuesday schlossen, hat er 7,2 Mio. Dollar flüssig gemacht. In Emails an seine Sympathisanten denken sich Obamas Kampagnenmacher immer neue Techniken des Fundraising aus. Vor den Vorwahlen in Iowa konnte man Obama einen Tag des Wahlkampfes schenken, in dem man ihn durch Kleinspenden vom lästigen Geldsammeln auf den üblichen Fundraising-Dinners befreite. Magische Grenzen („Never before has a campaign activated 500,000 individual donors“) werden vorgegeben. Nie fehlt in Obamas Motivationsmails der Hinweis auf den „Donate-Button“. Organisation: Obamas Freiwilligenteams bestehen größtenteils aus jungen, motivierten Volunteers, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Obama ist der Held von sozialen Networking-Seiten wie Facebook oder MySpace. Aber auch auf seiner eigenen Homepage gibt es alle Tools, die ein heutiges virales Internetmarketing braucht. Man kann lokale Wahlkampfgruppen starten, sein eigenes Blog anlegen oder Events und Hausparties finden. Pünktlich zur heißen Phase des Vorwahlkampfes hat Obama zudem MoveOn´s Konzept der „liquid phone bank“ übernommen. Freiwillige können sich Telefondaten von potentiellen Obama-Wählern in allen Staaten der USA über das Netz herunterladen und von zu Hause Mobilisierungsanrufe tätigen. Message: In E-Mails werden Obamas Unterstützer zur Zeit täglich mit Kampagnen-Updates versorgt. Man fühlt sich wahrhaftig als Teil des Wahlkampfes, schnell ist man ein Glied in der großen Email-Kette der Kampagne. Gestern erreichte mich eine elektronische Nachricht von Michelle Obama. Sie wollte ein Video mit mir teilen, das die Black Eyed Peas mit Stars wie Herbie Hancock und Scarlett Johansson aufgenommen haben. Ich möchte es ganz im viralen Sinne an unsere Leser weitergeben. Internet funktioniert. Spenden: weitere Zahlen fürs dritte QuartalDienstag, 9. Oktober 2007Nach den ersten Schätzungen zu den Spendensummen im dritten Quartal, sind jetzt weitere Zahlen – vor allem die der republikanischen Kandidaten – eingetroffen. Demnach kommen für die Kandidaten der GOP folgende Summen für die Zeit von Juli bis September zusammen (in US-Dollar): Rudy Giuliani 10.5 Mio. 16 Mio. Cash on Hand (der Betrag, der für den Wahlkampf zurückgelegt wird) Mitt Romney 9,5 Mio. plus 8,5 aus eigener Tasche, 9 Mio. CoH 9,3 Mio. 7 Mio. CoH John McCain 6 Mio. 3,6 Mio. CoH, 1,5 Mio. Schuld Ron Paul 5 Mio. 5 Mio. CoH Mike Huckabee 1 Mio. Sam Brownback n.n. Erstaunlich sind auch die wenig berauschenden Zahlen für den Geheimtipp Mike Huckabee , der bei der Ames Straw Poll überraschend vorne gelegen hatte und nun lediglich eine Million Dollar einnahm. Bei den Demokraten trudeln ebenfalls weitere Zahlen ein.
Ein Blick auf die beiden Lager offenbart den Katzenjammer bei den Republikanern. Die Demokraten haben ihnen in Sachen Spendensammeln eine ordentliche Lektion erteilt – 63 zu 33 Millionen bei den wichtigsten Kandidaten. Auch in der Anzahl der Spender sind die Demokraten der GOP weit enteilt: “In addition to cash, the Democrats have seen an explosive expansion of their donor base. Illinois Sen. Barack Obama reports 352,000 givers, including more than 90,000 new donors to his campaign in the third quarter alone. About 100,000 fresh faces gave money to When combined, those two dynamics — more cash and donors — are raising the specter that, for the first time in recent history, the Republican Party and its nominee could suffer a significant financial disadvantage when next year’s races begin in earnest.” < |