UmfrageWer wird die Präsidentsschaftswahl gewinnen?
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Obamas Sieg über die LöwinMittwoch, 4. Juni 2008
Barack Obama hat sein erstes Etappenziel erreicht. Nach 16 Monaten, 57 Vorwahlen und einem Sieg am Grünen Tisch konnte er das epische Duell gegen Hillary Clinton gestern für sich entscheiden. Die magische Grenze von 2.118 Delegierten ist überschritten, Obama wird der Kandidat der Demokraten sein. Der Ausgang kam nach den Entwicklungen der vergangenen Wochen nicht überraschend, ist aber (historisch gesehen) beeindruckend: Ein Politnovize mit einem gewöhnungsbedürftigen Namen, mit einem Vater aus Kenia und einer Mutter aus Kansas, hat eine (partei)etablierte Ex-First Lady geschlagen, die noch vor einem Jahr mit dem Brustton der Unvermeidlichkeit in die Menge gerufen hatte: „I Am In To Win!“. Hillary Clinton führte eine gute Kampagne, sie kämpfte wie eine Löwin. Das war aber nicht genug gegen einen Kandidaten, dessen Wahlkampf sich zu einer real existierenden Massenbewegung entwickelt hat.
Demonstrativ spielten die Organisatoren auf Hillarys Abschlussveranstaltung gestern das Lied „Ain´t no mountain high“. Aber auch die treuesten Fans werden bald einsehen, dass sich der Berg einen anderen Propheten gesucht hat. Es ist Clintons erste große Niederlage als Kandidatin, damit muss die ehrgeizige Politikerin erst einmal fertig werden. Natürlich hat sie Fehler gemacht. Sie hat zu sehr auf einen Wahlkampf der Unvermeidlichkeit und der Stärke gesetzt und damit den Gegensatz zum frischen, neuen Wandelprediger Obama bewusst heraufbeschworen. Sie sollte aber stolz auf ihre Kampagne sein. Sie mobilisierte große Teile der demokratischen Stammwählerschaft, sie hob ihre Stimme für die Benachteiligten im Land, sie kämpfte beherzt gegen die gläserne Decke, die viele Frauen in den USA vom Aufstieg in Führungspositionen abhält. Barack Obama hatte Recht, als er gestern sagte: “She has made history not just because she's a woman who has done what no woman has done before, but because she is a leader who inspires millions of Americans with her strength, her courage and her commitment to the causes that brought us here tonight.” Ein nüchterner Blick auf den Ausgang der Vorwahlen zeigt aber, dass Barack Obama den Zeitgeist besser als Clinton erkannt und aufgegriffen hat. Sein unpolitisches Politstar-Image, sein positiver Populismus gepaart mit einer konsequenten Kampagnenausrichtung auf direkten Wählerkontakt gewann letztlich gegen den gut gemachten, aber zu etablierten und traditionellen Wahlkampf der Ex-First Lady. Wo ist die erste US-Präsidentin?Montag, 19. Mai 2008
Über Hillary Clintons Zunkunft ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, doch Kate Zernike macht sich in ihrem in der New York Times erschienenen Artikel schon Gedanken, wem die Rolle der ersten amerikanischen Präsidentin auch gut stehen würde.
Aber wer eignet sich für diese Rolle? Bildet man ein Potpourri aus den Vorschlägen von politischen Strategen, Talentscouts, Politikern und Wissenschaftlern, die zum Thema „Frauen in der Politik“ forschen, tritt folgende Figur zu Tage: Eine Frau, die aus dem Süden kommen wird oder aus der Region westlich des Mississippis. Sie wird der demokratischen Partei angehören, hat in zwei konservativen Staaten gewonnen, oder sie gehört der Partei der Republikaner an, kommt aus der Privatwirtschaft und kandidiert als Gouverneur. Sie hat Erfahrung als Führungskraft, Juristin und hat sich selbst als Kämpferin erprobt, als eine warmherzige natürlich. Sie wird jung genug sein, um als Postfeministin zu gelten. Sie wird verheiratet sein und Kinder haben, allerdings schon etwas ältere. Sie wird ihre Erfahrung hervorheben und Hosenanzüge tragen. Oh, und es könnte sein, dass es diese Frau gar nicht gibt. Bemerkenswert ist es, dass auf Seiten der Republikaner weitaus mehr Frauen für eine Kandidatur in Frage kommen, zum Beispiel Sarah Palin, Republikanerin und Gouvereurin von Alaska. Sie ist nicht nur als Reformerin bekannt, sondern auch als Motoradfahrerin.
Aber für viele Frauen stellt sich die Frage, warum eine Frau überhaupt kandidieren sollte, nachdem die Medien es ihnen offensichtlich besonders schwer machen. “Wer traut sich noch anzutreten?” fragt Karen O’Connor, Direktorin des Woman and Politics Institute an der American University. Auch Karen Tumulty spricht auf dem Time-Blog von sexistischer Medienberichterstatttung, aber sieht nicht ganz so schwarz, schließlich hat das Time-Magazin vor drei Jahren Amerikas Gouverneure bewertet. Dabei zeigte sich, dass zwei von den fünf besten Gouverneuren Frauen waren: Janet Napolitano (Arizona) und Kathleen Sebelius (Kansas). Wie Kate Zernike in der New York Times schreibt, gibt es auch eine große Zahl von Frauen aus dem „Corporate America“, die für eine Kandidatur in Frage kommt. Zu ihnen gehört zum Beispiel Meg Whitman, die auch schon mit der Politik liebäugelt. Blogger-Streik für Hillary ClintonMittwoch, 19. März 2008Prominente Pro-Hillary-Blogger des populären US-Blogs DailyKos streiken. Mit dem Streik bringen sie ihren Protest gegen die harschen Anti-Clinton-Artikel von progressiven Kollegen aus dem eigenen Portal zum Ausdruck. Der Autor Alegre beklagt, dass in den letzen Monaten die Töne auch unter progressiven Bloggern immer beleidigender gegenüber Hillary Clinton und ihren Unterstützern wurden. Der Autor habe sich diese Ausfälligkeiten lange gefallen lassen, weil er an die Online-Community geglaubt habe. Damit ist jetzt Schluss, gab Alegre bekannt. In einem offenen Brief an die „progressive blogosphere“ schreibt Alegre, dass er ab sofort keine Texte mehr auf DailyKos postet und nicht mehr die Vermehrung von Seitenaufrufen unterstützt, bis die Kandidatin Hillary Clinton nicht mehr in einer „derart abscheulichen und sexistischen Weise“ attackiert wird. Alegre hat die "American Federation of Concerned Bloggers (AFCB)" gegründet, der sich bereits dreißig Blogger angeschlossen haben, unter ihnen befindet sich auch Matt Stollers von MyDD.com. Im ersten Moment mag ein Streik - gerade unter Meinungsmachern - kontraproduktiv wirken, doch die Bekanntmachung von Alegre provozierte bereits über 1200 Kommentare (dann wurde die Kommentarfunktion deaktiviert). Die Medien und ihre FavoritenMittwoch, 5. März 2008Dass sich im US-Wahlkampf Favoriten herausbilden, liegt nicht nur an den Kandidaten selbst, sondern an der Meinungsmache der Medien, die ihre Lieblinge ins beste Licht rücken. Als ein schillerndes Beispiel dient ein in der New York Times erschienener Leserbrief, der aufzeigt, wie unterschiedlich Hillary Clinton und Barack Obama von der Presse dargestellt werden. Die Leserin Donna Lawler machte sich die Mühe, alle Adjektive und Umschreibungen, die die New York Times-Journalistin Maureen Dowd in ihrer Kolumne für Hillary Clinton und ihren Konkurrenten Barack Obama benutzt, herauszuschreiben. Das Ergebnis ist verblüffend: „verzweifelt, Urschrei, drohend, griesgrämig, verwirrend, bedrückt, ausflippen, missgünstig, wimmernd, Erfahrung, grün vor Neid, Wahrsagerin, Wasserfall, benommen, beunruhigend, strampelnd, gereizt, witzlos, sarkastisch“: diesen beleidigenden Tönen für Hillary Clinton steht ein Lobgesang auf Barack Obama entgegen: „Goldjunge, sonnig, Stetigkeit, blendend, Reiz, (fühlt sich) außergewöhnlich wohl in seiner Haut“. Dass die Redakteurin Maureen Dowd in ihrem Artikel die Aufgeschlossenheit der Presse gegenüber Hillary Clinton begrüßt, klingt wie schlechte Ironie, wenn man die Reihe der genannte Zitate betrachtet. Diese Ungleichheit in der Darstellung der Kandidaten fiel am Wochenende auch der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung auf. Sie konstatierte, dass die Senatorin Clinton von den Medien in die Rolle der Zicke gedrängt wird, während diese zugleich ein „Obamomentum“ schaffen. Jedes auch nur annähernd rassistische Argumentationsmuster ist ein starkes Tabu; sexistische Äußerungen gelten dagegen einfach als nicht besonders fair. Ein Beispiel dafür ist der Kommentar des rechten Radio-Moderators Rush Limbaugh. Er meint, Amerika sei noch nicht bereit zuzusehen, wie sein Präsident sich vor ihren Augen in eine alte Frau verwandelt. Schade nur, dass die FAZ sich in ihrer Überschrift „Plädoyer für eine Zicke“ eben genau dieser ollenstereotypen Rhetorik bedient, die sie anklagt. Hillary-Hass? Nein, Frauen-Hass!Dienstag, 19. Februar 2008![]() Der Ton, der von Presse und Politik gegenüber Hillary Clinton angeschlagen wird, überschreitet in vielerlei Hinsicht die Grenzen des guten Geschmacks. Betrachtet man die Äußerungen und ihre Positionierung in den Medien genauer, so wird deutlich, dass es sich nicht um persönliche Antipathien handelt, sondern um ein strukturelles Problem: Frauenfeidlichkeit. Diese Debatte erreicht derzeit auch das Daily Kos, eines der beliebtesten amerikanischen Blogs. Nur wenige Beispiele genügen, um die Ungleichheit im Umgang mit den Kandidaten zu illustrieren: Carl Bernstein, der einst die Watergate-Affäre aufdeckte und nun das Buch „Hillary - A Woman In Charge“ herausbrachte, hat offenbar nichts besseres zu tun, als sich an Äußerlichkeiten wie ihrer Frisur, ihren dicken Knöcheln und einer unweiblichen Erscheinung aufzureiben. Eine typische Strategie, um Politikerinnen medial zu rahmen und von ihren Leistungen abzulenken.Der republikanische Wahlkampf-Berater Roger Stone rief die „Hillary hating group“ ins Leben. Der Name „Citizens United Not Timid“ muss in seinen Initialen gelesen werden, um die komplette Botschaft zu erkennen. Der einzige Sinn der Organisation ist es, mit dieser „Abkürzung“ bedruckte T-Shirts auf ihrer Webseite für 25$ zu verkaufen und die „humorvolle“ Message zu streuen. Das wohl geschmackloseste Merchandising-Produkt diesese US-Wahlkampfes. Um ein letztes Beispiel zu geben: Der Sender Comedy Central strahlte in der Serie "Southpark" eine Episode aus, die zeigte, wie Terroristen eine Bombe in Hillary Clintons Vagina verstecken. Robin Morgan, Mitbegründerin des Woman Media Centers schrieb kürzlich: „Das ist nicht Clinton-Hass, nicht Hillary-Hass. Das ist soziopathischer Frauenhass. Wenn diese Witze über Juden gemacht würden, würden sie sofort als antisemitische Propagande entlarvt werden. Würden sie sich gegen Schwarze richten, wären sie als Gift des Ku-Klux-Klans enttarnt. Die Tierschutzorganisation PETA würde ausrasten, wenn Tiere mit solchem Schmutz beworfen würden.“ Super spannend, duper knapp: Analysen zum Super TuesdayMittwoch, 6. Februar 2008
Historisch, dramatisch, spannend. Die versammelte amerikanische Wahlkampfexpertenschar fand gestern Abend große Worte für den Ausgang des Super Tuesday. Der Vorwahlkuchen hatte sich gut verteilt, jeder der Kandidaten schien Anlass zum Feiern zu haben. Wir wollen hier jedoch einen Blick hinter die schillernde Welt von Siegesreden, Konfettiregen und 30-Sekunden-Kommentaren wagen. Unsere Analyse der Wahlergebnisse soll eine erste Erklärung liefern für den Ausgang dieses aufregenden Vorwahlabends.
DEMOKRATEN Hillary Clinton und Barack Obama gehen beide als Sieger aus dem Super Dienstag hervor. Clinton gewann die bevölkerungsreichen Staaten Kalifornien und New York, sie liegt zudem im Rennen um die Delegierten vorn. Obama konnte die Mehrzahl der Super-Tuesday-Staaten (13-8) für sich entscheiden, er machte entscheidenden Boden gut gegenüber der noch vor zwei Wochen in nahezu allen Umfragen führenden Hillary Clinton. Eine Analyse der Nachwahlbefragungen ergibt ein interessantes Bild. Hillary Clinton gewann wichtige Wettbewerbe im Nordosten der USA. Siege in New York und New Jersey waren keine Überraschung, der Gewinn in Massachussetts hingegen schon. Obama hatte hier die gesamte politischen Elite des Staates hinter sich gewusst, u.a. Gov. Patrick Deval, Sen. Ted Kennedy und Sen. John Kerry. Auch im Westen der USA trumpfte Hillary mit lebenswichtigen Siegen in Kalifornien und Arizona auf. Ein Triumph in ihrer zweiten Heimat Arkansas war abzusehen, der erste Platz in Tennessee überraschte. Hillary Clinton konnte sich auch in dieser Vorwahlrunde wieder auf die klassische demokratische Wählerkoalition stützen, von der sie schon in New Hampshire, Nevada und Florida zu Siegen geführt worden war. Weiße Frauen aus der Mittelschicht sind ihre verlässlichsten Unterstützer, sie machten in den meisten Staaten den größten Wählerblock aus. Hier hat Clinton einen enormen Vorsprung vor Obama. Ältere Wähler Ü-60 sind fest in ihrem Lager. Auch ihre Unterstützung bei Latinos konnte sie festigen. Sie gewann die Mehrheit dieser schnell wachsenden Wählergruppe in allen 22 Vorwahlstaaten. Teil ihrer Wählerkoalition ist zudem die klassische demokratische Schutzklientel: Menschen mit geringerem Einkommen und mit weniger formeller Bildung. Barack Obama´s Siege kann man mit Recht als geografisch divers bezeichnen. Er gewann in Staaten wie Alaska und Idaho genauso wie in Connecticut und dem Trendstaat Missouri. Verlassen konnte er sich auf die afro-amerikanischen Wähler, die ihm u.a. zu Erfolgen in Georgia und Alabama verhalfen. Auch in den Staaten, die einen Caucus (lokale Parteiversammlungen) abhielten, hatte Barack die Nase vorn. Ein weiteres Indiz für die gute Organisation und den Enthusiasmus an den Graswurzeln der Obama-Kampagne. Obama stützte sich zu großen Teilen wieder auf seine bunte Wählerkoalition aus Schwarzen, U-40-Wählern sowie aus Wählern der akademischen Mittel- und Oberschicht. Bedeutend ist jedoch, dass er einen substantiellen Anteil von weißen Männern hinzu gewann, vor allem in Arizona, Connecticut, New York, Missouri und New Jersey. Die Splits in den Wählerschaften der beiden Kandidaten verlaufen also in erster Linie zwischen schwarz und weiß (racial gap) sowie zwischen männlich und weiblich (gender gap). Der deutlichste aller Gräben tut sich aber zwischen Wählern auf, die Wandel bevorzugen (Obama) und Wählern, die Erfahrung als wichtigste Eigenschaft eines Kandidaten betrachten (Clinton). REPUBLIKANER Auf Seiten der Republikaner ist der Kampf um die Kandidatur übersichtlicher. John McCain hat zwar unbeeindruckender abgeschnitten als angenommen. Es reichte aber, um sich als klarer Frontrunner der Partei zu etablieren. Die Überraschung des Abends war sicherlich das gute Abschneiden von Mike Huckabee. Mitt Romney schaffte es nicht, aus dem Vorwahlkampf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit McCain zu machen. John McCain profitierte am gestrigen Tag entscheidend davon, dass Mitt Romney und Mike Huckabee die konservativen Wähler der Partei aufsplitteten. Nur so waren seine Siege in Illinois, Missouri oder Oklahoma möglich. Stark zeigte sich McCain im Nordosten der USA, in einem Teil des Landes also, der viele moderate, konservative Republikaner und Independents beheimatet. Ähnliches gilt für Kalifornien, wo er nahezu alle Stimmbezirke für sich entschied. Bedenklich ist für McCain jedoch, dass er seinen Anteil bei sozialkonservativen Wählern nicht signifikant steigern konnte. Nicht nur die Eliten der Bewegung wie Rush Limbaugh, Ann Coulter oder James Dobson sind offen gegen ihn, sondern auch die konservative Basis will nicht so recht warm werden mit dem republikanischen Frontrunner. McCain punktete hingegen bei Wählern, die unzufrieden mit der Bush-Regierung sind, die dem Irak-Krieg kritisch gegenüber stehen und für die Charakterzüge der Kandidaten wichtiger sind als spezifische Themen. Kaum bemerkt worden ist bisher auch der Vorteil, den McCain bei weiblichen Wählern hat, den sog. „security moms“. Wie angesprochen teilten sich Mitt Romney und Mike Huckabee die Stimmen der konservativeren Wähler. Romney, der Siege in seiner Heimat Massachussetts und in einigen Staaten im Westen des Landes (Colorado, Montana, North Dakota, Utah) einfuhr, konnte keinen entscheidenden Rückenwind für seine Kampagne erzeugen. Vorteile hatte er lediglich bei konservativen Wählern in den Vororten der größeren Städte, deren Top-Thema illegale Einwanderung ist. Mike Huckabee eroberte hingegen einmal mehr die Herzen der religiösen, evangelikalen Wähler. So erklären sich seine Siege in Georgia, Alabama, Arkansas, West Virginia und Tennessee. Huckabee wird damit zum perfekten Vize-Präsidentschaftskandidaten für McCain.
Blogeintrag von Maik Bohne
um
16:02
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Wer muss in die Küche und wer ins weiße Haus?Dienstag, 15. Januar 2008
Während Hillary Clintons letztem Wahlkampfauftritt vor den Primarys in New Hamshire riefen zwei Männer: „Bügel mein Hemd!“.
Mit diesem Appell wollten sie Hillarys Anhängern offensichtlich mitteilen, dass die Rolle der Frau die der Hausfrau ist. Sie sehen die Kandidatin eher am Herd und in der Waschküche, als im Weißen Haus. Man könnte die beiden als chauvinistische Ausnahmen betrachten - oder der Wahrheit ins Auge blicken. Die weiße männliche Bevölkerung ist es, die immer noch die Machtpositionen Amerikas besetzt, und zwar auch in den Medienkonzernen, wo sie die öffentliche Meinung beeinflussen. Hillary Clintons Qualifikationen sind nur schwierig anzugreifen, aber die Medien haben es sich nicht nehmen lassen, ihre Persönlichkeit mittels Geschlechterstereotypen auf die Eigenschaften einer Maschine zu reduzieren. Sie wird als kühl, rau und rücksichtslos stilisiert. Aus diesem Grund, so stellt Gloria Steinem in der New York Times fest, folgte auch die Wahl in Iowa dem historischen Muster: Die Geschlechterbarriere wird nicht so ernst genommen wie eine rassistische Schranke. Schwarze Männer erhielten bereits ein halbes Jahrhundert vor Frauen aller Ethnien das Wahlrecht; und in der Regel erlangten sie einflussreiche Posten, vom Militär bis in die Vorstandsetagen, bevor irgendeine Frau dorthin aufstieg.Das Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten gilt auch als das Land scharfer Antidiskriminierungsgesetze. Doch im amerikanischen Wahlkampf ist Frauengleichstellung noch lange nicht vollzogen. Auf der Liste von Ländern, die Frauen wählen, befindet sich Amerika weit unten. Die USA polarisieren Geschlechterrollen weitaus mehr als Demokratien dies im Durchschnitt tun. Sexismus wird eben oftmals mit der so genannten Natur verwechselt, wie einst der Rassismus. Wie auch immer eine weibliche Kandidatin sich präsentiert, sie wird von der Presse auf die Klischees der „widerspenstigen Pionierin“ oder der „Schönheit an der Seite eines Ehemannes“ reduziert, wie es die Autorinnen Karrin Anderson und Kristina Sheeler in ihrer Publikation Governing Codes beweisen. So steht Amerika auch heute noch vor der Situation, dass Männer ernster genommen werden als Frauen. Erinnern wir uns an Geraldine Ferraro, die 1984 als Vize-Präsidentin kandidierte und von der Presse zu Kochrezepten befragt wurde; oder an den Kommentar der Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Dole zur Situation im Kosovo 1999, der von ihrer neuen Frisur überschattet wurde. Hillary und die FrauenMittwoch, 17. Oktober 2007Hillary Clinton ist nun - zumindest bei den Demokraten - ganz klar in der Favoritenrolle dieses Wahlkampfs. Mittlerweile hat sie laut der jüngsten Umfrage die Unterstützung von 50% der demokratischen Anhänger, auf Seiten der Demokraten erreicht ihr ärgster Verfolger Barack Obama lediglich 21% an Zustimmung. Bei den Einnahmen liegt sie auch vorne: 35 Millionen Dollar konnte sie schon für die Primaries zurücklegen, Obama hingegen nur 32 Millionen. Clintons Team spielt nun auch verstärkt die Spielkarte „Frau“ aus. Ein Memo von Chefstratege Mark Penn, das der Boston Globe zitiert, sieht die Frauen als Schlüssel zum Wahlerfolg an. “A memo to be made public today by Clinton's chief strategist, Mark Penn, contends that women will be the deciding force in the 2008 elections, and says the campaign's internal polling shows that 94 percent of women under 35 said they would be more likely to vote in the November election if the first woman nominee is on the ballot.” Frauen für Obama: Schwester macht Wahlkampf, Playboy spendetDienstag, 22. Mai 2007
Obama bekommt Unterstützung aus dem engsten Kreis. Seine Schwester Maya Soetoro-Ng wird Obama fortan im Wahlkampf unterstützen. Inwiefern die 36-Jährige wirklich in den Wahlkampf beratend eingreifen wird, ist unklar. Allerdings könnte sie in Obamas Heimatregion Hawaii mit der nötigen Bodenständigkeit und Authentizität trommeln – sie lebt und arbeitet dort als Geschichtslehrerin.
Unterstützung bekommt Obama auch von einer anderen Frau, die eher für die glamouröse Seite des Lebens steht: Playboy-Chefin Christie Hefner stattete den Senator aus Illinois jüngst mit einem 2.300 Dollar schweren Scheck aus. Bei so viel weiblicher Unterstützung kommt Hillary wohl langsam ins Grübeln.
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