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McCains letzte Chance?Mittwoch, 15. Oktober 2008
John McCain ist in diesen Tagen nicht zu beneiden. Parallel zu den fallenden Börsenkursen bewegten sich auch seine Umfragewerte nach unten. Natürlich nicht in der Monstranz der einzigartigen Wall Street-Baisse, aber doch deutlich sichtbar. Barack Obama hat die Finanz- und Wirtschaftskrise ein großes Stück näher an die Pforten des Weißen Hauses gebracht. In Umfragen liegt er mittlerweile komfortabel vorne, in den Schlüsselstaaten baut er seinen Vorsprung aus, selbst in republikanischen Hochburgen wie North Carolina kann er punkten.
John McCain kämpft verzweifelt gegen seine drohende Niederlage an. Er probiert alles, was man als Präsidentschaftskandidat im Instrumentenkasten hat. Er zeigte sich überparteilich, als Retter der Nation. Er stellte sich als Macher und Aktionist dar, der den Wahlkampf sogar einstellen wollte, um in Washington nach Lösungen aus der Krise zu suchen, die andere viel besser meistern konnten. Zu guter Letzt hegte er massive Zweifel am Charakter seines Gegenübers. Er brachte ihn mit Terroristen in Verbindung, bezeichnete ihn als steuergierigen Liberalen und als zu riskante Wahl für den Präsidentenjob. Mittlerweile hat McCain seine Attacken offiziell zurückgefahren. Negativwahlkampf, das wirkt beim Mann, der den Wählern „Straight Talk“ versprochen hatte, aufgesetzt und unauthentisch. Zudem merkte McCain, dass er die Geister, die er gerufen hatte, nicht mehr richtig einfangen konnte. Die Stimmung auf seinen Veranstaltungen wurde immer gereizter. Ein Zuhörer rief an Obama adressiert: „Bringt ihn um!“ Eine ältere Frau war überzeugt davon, Obama sei ein arabischstämmiger Muslim. Daraufhin sah sich McCain genötigt, ihr das Mikrofon aus der Hand zu nehmen. In einer neuen New York Times/CBS-Umfrage gaben 61% der Befragten an, dass John McCain mehr Negativ- als Positivwahlkampf führe. Heute nun ist die letzte große Chance für McCain, das Rennen doch noch zu drehen. Die Kandidaten treten zum letzten TV-Duell an. Man darf gespannt sein, was McCain tun wird, um den Wahlkampf doch noch in seine Richtung zu bewegen. Mir fällt wenig ein, aber der alte erratische Haudegen ist immer für eine Überraschung gut. Er hat immerhin versprochen, die Peitsche heraus zu holen… TV-Duell: Kein „Game-Changer“Mittwoch, 8. Oktober 2008
Selten fand ein TV-Duell zwischen zwei Präsidentschaftskandidaten in einer solch dramatischen Situation statt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt derzeit die Agenda und sie dominierte auch den gestrigen Abend in Nashville, Tennessee. Immer wieder betonten John McCain („worst economic crisis of our time“) und Barack Obama („worst financial crisis since the Great Depression“) das historische Ausmaß der Entwicklungen auf den globalen Finanzmärkten.
Die Krise hat den Wahlkampf massiv beeinflusst - und zwar deutlich zugunsten Obamas. National wie auch in den entscheidenden Schlüsselstaaten liegt der junge Senator vorne. Der Wunsch nach Wechsel, der Ärger über die marktliberale Politik der Republikaner um George W. Bush scheint auf dem Höhepunkt zu sein. Das hilft Obama. John McCain brauchte deshalb einen „game changer“, einen Wendepunkt, der den Wahlkampf noch einmal in seine Richtung lenkte. TV-Debatten können solche Momente sein. McCain bemühte sich redlich, aber er schaffte es nicht, die fundamentalen Koordinaten des Wahlkampfes neu zu bestimmen. Negativität und persönliche Attacken – also das Schüren von Zweifel an Obamas Person und Persönlichkeit – verbat sich McCain an diesem Abend. Und dies aus guten Gründen. Die Menschen im Land und im Studio verlangen nach Sachlösungen, nach Zusammenarbeit und Krisenmanagement, nicht nach dumpfem Negativwahlkampf. Nur einmal zeigte McCain seine Antipathie gegenüber Obama, als er ihn mit „der da“ („that one“) ansprach. Der 72-jährige Senator war bestrebt, in die Offensive zu gehen. Überraschend legte er einen Vorschlag auf den Tisch, der es dem Staat erlauben soll, schwächelnde Hypotheken von Hausbesitzern aufzukaufen und sie zu fixen Sätzen zu verzinsen. Immer wieder stellte sich McCain als erfahrener Mann der Tat dar, der unideologisch über die Parteigrenzen hinweg agieren werde und dies über Jahre im Kongress bewiesen habe. Obama bezeichnete er als Hyper-Liberalen, als „big spender“, als Steuergierigen, der nicht in der Lage sei, den Haushalt in den Griff zu bekommen. Barack Obama schienen diese Angriffe nicht aus der Ruhe zu bringen. Sie kamen ja auch nicht gerade unerwartet. Obama wusste, dass er zwei wichtige Dinge zu erledigen hatte während dieser Debatte. Zum einen musste er McCain mit der desaströsen Amtszeit George W. Bushs und mit dessen gescheiterter Wirtschaftspolitik in Verbindung bringen. Zum anderen kam es für ihn darauf an, präsidentiell zu wirken. Sein Ton, sein Habitus, sein fehlerfreies, aber mitfühlendes Auftreten sollten den Bürgern suggerieren, dass er in der Lage ist, das Land zu führen. Beides erledigte Obama mit Bravour. Erst im letzten Teil des Duells, als es um Fragen der Außenpolitik ging, geriet der Demokrat stärker in die Defensive. Aber zu diesem Zeitpunkt hatten bereits viele Zuschauer abgeschaltet. Ein Grund dafür war sicherlich das unvorteilhafte Duell-Format. Die Gäste im Studio hatten im Sinne des Town-Hall-Stils die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen. Mehr Interaktion mit den Kandidaten war aber leider nicht erwünscht und geplant. McCain und Obama bemühten sich zwar, auf die Anliegen der Fragenden einzugehen, aber insgesamt herrschte eine sehr kühle, steife Atmosphäre – vielleicht auch ein Resultat der düsteren Wirtschaftslage. Obama attackiertDienstag, 7. Oktober 2008
Sarah Palin holte am Wochenende den Negativ-Hammer raus. Stellvertretend für John McCain machte sie ihrer selbst gewählten Bezeichnung des Pitbulls alle Ehre. Offen brachte sie Barack Obama mit dem Chicagoer Pädagogik-Professor Bill Ayers in Verbindung, der in den 1960er und 1970er Jahren mit der terroristischen Gruppierung Weather Underground Anschläge auf Regierungsgebäude – u.a. auf das Pentagon - geplant und ausgeführt hatte. Palin stellte Obamas patriotische und politische Gesinnung offen in Frage, indem sie erklärte: „[Mr. Obama] is someone who sees America as imperfect enough to work with a terrorist.“
Die Obama-Kampagne wusste von Beginn der Kampagne an, dass Ayers ein Thema im Wahlkampf werden würde. Hillary Clinton hatte die Geschichte dann auch auf dem Höhepunkt des Vorwahlkampfes ausgepackt, als sie Obama während einer TV-Debatte offen für seine angebliche Verbindung zu Ayers kritisiert hatte. Dass sich die Republikaner des Professors aus Chicago annehmen würden, war also keine Überraschung. Ein Artikel in der New York Times brachte das delikate Thema jetzt wieder auf die Tagesordnung. Nüchtern wird in diesem Beitrag über Ayers und Obama berichtet. Ayers organisierte Mitte der 1990er Jahre kleine Events für den jungen Politiker, der um ein Landtagsmandat in Illinois kämpfte. Ayers spendete Geld an den Demokraten. Beide hatten zudem miteinander in verschiedenen Stiftungen zu tun. Ein Buch des Uni-Professors über Schulreformen fand das ausdrückliche Lob Obamas, der sich aber generell von den Ansichten und Taten des Altlinken klar distanzierte. Dass McCain schon jetzt, einen Monat vor Wahl, mit dieser Geschichte an die Öffentlichkeit geht, ist bemerkenswert. Es zeigt, wie verzweifelt McCain um eine Wende im Rennen mit Obama kämpft. Die Wirtschaftskrise hat den Wahlkampf zugunsten der Demokraten gedreht. Nun versucht McCain ihn wieder zu einer Charakterfrage zu machen, indem er Zweifel an der Person Obamas streuen, ihn als zu weit links und zu radikal für Amerikas Mitte darstellen will. Barack Obamas Rapid-Response-Team reagierte sofort auf die harschen Anschuldigungen. Umgehend griff der Senator die „Schmutzkampagne“ John McCains mit den Worten an: „They'd rather try to tear our campaign down than lift this country up.“ Oben drauf setzte Obama eigene Attacken gegen McCain. Dessen unrühmliche Rolle im letzten großen Bankenskandal Anfang der 1990er Jahre beleuchtet er in einer fast 15-minütigen Dokumentation auf www.keatingeconomics.com. Der Hintergrund: John McCain hatte sich damals für den befreundeten Geschäftsmann Charles Keating eingesetzt, der mit seiner Lincoln Savings and Loan Association (LSLA) staatlich verbürgtes Geld im Wert von 3,4 Milliarden Dollar mit riskanten Immobiliendeals verbrannte. McCain half damals als Teil einer Gruppe von Kongressabgeordneten („Keating Five“), die Kontrolleure der bundesstaatlichen Regulierungsbehörden zu beschwichtigen und zurückzuhalten. Der Wind wird rauer im Wahlkampf. John McCain wird sich nicht kampflos ergeben. Das ist sicher. Obama auf dem Weg zum Sieg?Donnerstag, 2. Oktober 2008
In der Politik, speziell in Wahlkämpfen, ist ein Monat eine halbe Ewigkeit. 33 Tage sind es noch bis zum Wahltag. Viel kann passieren, viel kann gelingen, viel kann schief gehen. Die Intensivierung der Banken- und Wirtschaftskrise scheint das Rennen zwischen John McCain und Barack Obama aber nachhaltig zu verändern. Egal, ob man auf die Durchschnittswerte bei realclearpolitics.com (Obama +5,3%) oder auf die Poll of the Polls des Nachrichtensenders CNN (Obama +6%) schaut, Obama hat sich in den vergangenen Tagen deutlich von seinem Herausforderer McCain absetzen können.
Noch vor einem Monat hatte es McCain erfolgreich verstanden, dass Rennen zu einer Charakterfrage zu machen, indem er den Fokus der Wähler auf eine Frage lenkte: „Who is Barack Obama?“ Nun kommt das politische und ökonomische Umfeld, in dem die Wahl stattfindet, mit voller Wucht in den Wahlkampf zurück. Und dieses Umfeld stärkt die Umfragewerte der Demokraten, die die natürliche Schutzklientel der kleinen Leute darstellen. Klein fühlen sich in der derzeitigen Krise viele Amerikaner. Auch ein Blick auf die Schlüsselstaaten dieser Saison müsste die Obama-Kampagne ruhiger machen. In Colorado liegt Barack Obama mittlerweile mit 5 Prozentpunkten vorne, in New Mexico mit sechs, in Ohio mit zwei. In Virginia, das in den vergangenen Jahren immer mehr zu den Demokraten tendierte, führt Obama im Schnitt mit 2,5 Prozentpunkten. Die neueste CNN/Time-Umfrage sieht ihn dort sogar mit 53 zu 44 Prozent deutlich gegen McCain in Front. Die größte Bewegung gab es jedoch in Florida. Diesen Staat hatten die Demokraten bereits abgeschrieben. Jetzt liegt Obama dort mit 3 bis 4 Prozent vorne.
Es sieht alles nach einem Erfolg von Barack Obama aus. Aber natürlich überlässt der Senator nichts dem Zufall. Gestern schickte die Kampagne einmal mehr einen Aufruf per E-Mail herum, in der sie ihre Unterstützer aufrief, verstärkt unentschlossene Wähler anzurufen, um sie von Obama persönlich – one-on-one - zu überzeugen. Die Telefondaten lassen sich bequem über die Homepage des Kandidaten herunterladen und von zu Hause abtelefonieren.
Der Kongress und das liebe GeldMittwoch, 1. Oktober 2008
Auch am zweiten Tag nach dem Scheitern des 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplanes für die amerikanischen Banken herrscht große Ernüchterung in Washington, DC. Einmal mehr bestätigte die Politik eines der größten Vorurteile, das man ihr gegenüber pflegt. Der Vorwurf lautet: In der Krise ist das politische System zu langsam, zu schwerfällig, zu unflexibel, um eine Lösung für dringliche Fragen zu finden.
Der Grund für das vorläufige Scheitern des Planes ist jedoch ganz einfach zu bestimmen. Es fehlt zurzeit schlichtweg an politischer Führung in Washington. Beginnen wir mit Präsident Bush. Seine Reden an die Nation in den vergangenen Tagen waren klar in Ton und Sprache, sie machten den Ernst der Lage deutlich. Dennoch konnte der Präsident seine Bürger nicht von der Ratio seines Planes überzeugen. Die Mehrheit der Amerikaner fürchtet sich zwar vor einer Wirtschaftskrise, ist aber weiterhin nicht von der Rettungsaktion angetan. Sie erregt sich - zu Recht - über die verantwortungslosen Banker und Finanzjongleure, ohne dabei aber vollends zu verstehen, wie wichtig dieser Plan für die Gesamtwirtschaft und damit für das Wohlergehen des Landes ist. Die Menschen zu überzeugen, sie auf dem gemeinsamen Pfad aus der Krise mitzunehmen, das ist die Aufgabe des obersten politischen Führers des Landes. Bush schaffte dies nicht. Eindringlich zeigte sich, wie viel politisches Kapital und Vertrauen die „lahme Ente“ in den vergangenen Jahren bei seinen Landsleuten verspielt hat. Bushs Umfragewerte sind auf einem historischen Tief angelangt. 26 Prozent der US-Bürger stimmen der Arbeit des Präsidenten noch zu, 70 Prozent sind mit ihr unzufrieden. Hinzu kommt die Republikanische Partei. Für europäische Beobachter schier unbegreiflich lehnte die Mehrzahl der republikanischen Abgeordneten den Plan ihres eigenen Präsidenten ab. Bushs Lobbying-Aktionen im Repräsentantenhaus stießen auf taube Ohren. Aus zwei Gründen. Zum einen befinden sich viele Abgeordnete in engen Wahlkämpfen. Ihnen waren Wahlkreis und politisches Überleben wichtiger als das abstrakte Wohl des Landes. Wütende Reaktionen – per Telefon, E-Mail und Brief – erreichten die Parlamentarier kurz vor der Abstimmung. Viele knickten ein. Zum anderen gab es eine Reihe von extrem ideologischen Republikanern - aus sicheren Wahlkreisen -, die ganz einfach ihre Weltanschauung über den jetzt gebotenen Pragmatismus stellten. Eingriffe des Staates sind für sie tabu, egal wann und wo. Das ist eine puristische Strauss-Friedmansche Denkweise, die keine Kompromisse zulässt. Das Paket scheiterte aber nicht nur an den Republikanern. Auch 95 Demokraten gingen Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, von der Fahne. Schaut man auf die Abstimmungsstatistik, dann sieht man, welche Gruppe von Demokraten mit Nein stimmte. Viele Repräsentanten aus Wahlkreisen mit einem hohen Anteil an Minoritäten konnten ihren ökonomisch benachteiligten Wählern nicht deutlich machen, warum ihre Steuergelder zur Rettung der gierigen Wall Street aufgewendet werden sollten. Zum Abschluss spielt auch der derzeitige Wahlkampf eine Rolle in der krisenhaften Gemengelage. John McCain und Barack Obama sind zwar die neuen nominellen Führer ihrer Partei. In dramatischen Appellen haben sie ihre Kollegen mittlerweile zur Verabschiedung des Planes aufgerufen. Das Problem ist aber, dass sie bisher kaum politisches Kapital im Kongress angehäuft haben. Beide stilisierten sich bis dato gezielt als Washingtoner Außenseiter. Sie wurden von der Basis nominiert und nicht von den Eliten in der Hauptstadt. Das ließen sie ihre Wähler wissen. Eine solche Strategie mag wahltaktisch klug sein, sie legte aber in Zeiten der Krise den geringen Einfluss der Kandidaten auf den politischen Prozess in Washington schonungslos offen. So kam, was kommen musste. Am Ende der Woche werden wir einen Rettungsplan haben. Davon gehen wir alle aus. Der Senat wird ihn heute – mit einigen Zusätzen – verabschieden. Das Repräsentantenhaus wird am Donnerstag hoffentlich nachziehen. Dennoch zeigt der Beinahe-Supergau am Montag, wie riskant es für eine Demokratie ist, wenn es an klarer politischer Führung fehlt und die Zentrifugalkräfte eines fragmentierten politischen Systems zu stark werden. The Winner Is...?Montag, 29. September 2008
Sie trafen sich also doch, die beiden Kontrahenten. John McCain hatte seine Teilnahme am ersten TV-Duell lange Zeit in der Schwebe gehalten. Am Freitagabend erschien er aber doch auf dem Podium der „Ole Miss“ (University of Mississippi) in Oxford, um mit Barack Obama verbal in den Ring zu steigen.
Vorweg: Die Debatte hatte keinen klaren Sieger. Beide Kandidaten wirkten präsidentiell, keiner konnte sich entscheidend gegen den anderen durchsetzen. In den ersten 40 Minuten hatte Obama einen leichten Vorteil, weil es um die aktuelle Finanzkrise ging. Die Taktik des jungen Senators war es, McCain mit der Wirtschaftspolitik der unpopulären Bush-Regierung in Verbindung zu bringen. Das gelang ihm - zumindest rhetorisch – ganz gut. Im zweiten Teil der Debatte ging es – wie ursprünglich geplant – um Außenpolitik. Obwohl McCain Probleme hatte, die Namen des iranischen und des pakistanischen Staatspräsidenten richtig auszusprechen, zeigte er sich insgesamt als dominant bei diesem Thema. Immer wieder schien er Obama als Politnovizen behandeln zu wollen. Die Phrase „Barack Obama doesn´t understand“ benutzte er häufig. Obama sah aber nicht aus wie ein Kandidat, der nichts versteht. Er verhielt sich diametral zu McCains „running mate“ Sarah Palin, die kürzlich wieder in einem ABC-Interview mit Katie Couric neue Peinlichkeiten von sich gegeben hatte. Dennoch geriet Obama in die Defensive, als es z.B. um seine Ankündigung ging, sich ohne Vorbedingungen mit Diktatoren zu außenpolitischen Gesprächen treffen zu wollen. Alles in allem endete das Duell in einem Patt. McCain wirkte gelöst, ein wenig arrogant, aber immer mit einem smarten Lächeln auf den Lippen. Obama musste wie ein Führer in Krisenzeiten - wie ein ernster und ernst zu nehmender Commander-in-Chief - auftreten. Das tat er ohne Umschweife, auch wenn sein sonorer, kühler Ton schon fast etwas zu distanziert wirkte. Wie üblich versuchten beide Seiten, der Debatte über die TV-Debatte ihren eigenen Spin hinzuzufügen. Der ging aber größtenteils unter in der Berichterstattung über den Kompromiss zwischen Kongress und Exekutive über den 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplan für die angeschlagenen Kreditinstitute. Verlierer des Abends war sicherlich das Format. Die Kandidaten hatten zwei Minuten Zeit für Statements, danach sollten fünf Minuten des Dialogs zwischen McCain und Obama über die Frage des Moderators Jim Lehrer folgen. Beide Kandidaten gingen aber selten aufeinander ein. McCain würdigte Obama kaum eines Blickes. Der ansonsten ausgezeichnet agierende Lehrer hatte es schwer, die Vorgaben der Debattenkommission umzusetzen. Am 7. Oktober geht es weiter mit dem nächsten TV-Duell. Es wird im Town-Hall-Format stattfinden. Diese Art der Debatte, bei der ausgewählte Zuschauer direkt Fragen an die Kandidaten stellen dürfen, liegt dem spontanen, schlagfertigen McCain. Ein Positivum für den Senator aus Arizona, der unbedingt Boden gegenüber Obama gut machen muss. Die letzten Umfragen zeigen, dass der Demokrat in nationalen und vielen einzelstaatlichen Umfragen deutlich in Führung gegangen ist. Das lag aber weniger an der TV-Debatte als viel mehr an der Wirtschaftskrise, die demokratische Kandidaten generell zu bevorzugen scheint. Hier die komplette Debatte zum Selberschauen.
Blogeintrag von Maik Bohne
um
11:09
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Tags für diesen Artikel: Außenpolitik, Barack Obama, Debatte, Finanzkrise, John McCain, Sarah Palin, TV
The Multitasking of a PresidentDonnerstag, 25. September 2008
Es war spannend, gestern bei CNN dabei zu sein. Das Zeichen „Breaking News“ wird sicherlich viel zu inflationär gebraucht. An diesem historischen Abend hatte es aber seine Berechtigung. John McCain – bekannt für seine schnellen, irrationalen Entscheidungen - zog einmal mehr ein Kaninchen aus dem Zauberhut seiner Kampagne. Er setzte seinen Wahlkampf bis auf weiteres aus. Die für Freitag geplante TV-Debatte mit Barack Obama legte er auf Eis.
Was war geschehen? Barack Obama hatte John McCain am Morgen angerufen, um ihn von der Idee zu überzeugen, zusammen ein Papier zur Finanzkrise zu veröffentlichen, das die gemeinsamen Positionen der beiden Kandidaten beinhalten sollte. McCain fand die Idee gut, aber er merkte sofort, dass ihm Obama damit das Heft des Handelns aus der Hand genommen hatte. Und das vor dem Hintergrund fallender Umfragewerte für ihn und Berichten über die Geschäftverbindungen seines Kampagnenmanagers Rick Davis mit dem Hypothekenriesen Fannie Mae. Also fühlte sich McCain bemüßigt, seinerseits in die Offensive zu gehen. Sein Schachzug machte oberflächlich gesehen Sinn. McCain bewegte sich mit dieser Aktion ganz im Rahmen seiner Botschaft des „America First“. Sein Motto lautete in etwa so: „Wir können nicht Wahlkampf machen in einem Moment, in dem uns das Land braucht. Wir müssen zurück nach Washington, um einen überparteilichen Beitrag dazu zu leisten, einen Rettungsplan für die angeschlagene Kreditbranche aufzusetzen. Und debattieren macht in diesem Umfeld auch keinen Sinn.“ Das setzte Obama unter Druck. Immer wieder wurde seine Pressekonferenz verschoben. Aber natürlich blieb CNN dran. Irgendwann erschien der junge Senator schließlich. Er legte eine sonore, tragende Stimmlage auf, die das Bild eines ruhigen und gelassenen Politikers in Zeiten der Krise vermitteln sollte. Obama sprach sich gegen ein Aussetzen der Wahlkampfaktivitäten aus und lieferte dafür zwei gute Gründe. Zum einen wollten die Bürger des Landes doch gerade jetzt von den beiden Kandidaten hören, wie sie die Krise lösen können. Guter Punkt. Zum anderen müsse ein Präsident doch in der Lage sein, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, er sollte multitasking-fähig sein. Noch besserer Punkt. Auch in Washington mehrten sich derweil bereits die Stimmen, die vor dem großen Auftritt der Präsidentschaftskandidaten warnten. In der Tat ist die Gefahr groß, dass die Auftritte von McCain und Obama die Verhandlungen eher verzögern als voranbringen. Egal: Es stellte sich bald heraus, dass die beiden Kandidaten heute keine andere Wahl haben als nach Washington zu reisen. Der Präsident, der am Abend die Nation noch mit warnenden Worten auf seinen Rettungsplan eingeschworen hatte, lud zur Aussprache in Weiße Haus, die zusammen mit den Parteiführern im Kongress stattfinden soll. Eine konzertierte Aktion mit der McCain-Kampagne? Man darf sich diese Frage durchaus stellen… Die Kandidaten und die BörseDienstag, 16. September 2008
Die Finanzkrise hat nicht nur die Börsen dieser Welt fest im Griff, sondern auch den Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Beide Kandidaten sind keine ausgesprochenen Kenner der Finanzwelt, auch wenn die Wall Street zu ihren größten finanziellen Unterstützern gehört.
John McCain und Barack Obama unterscheiden sich in ihren Ansätzen zur Lösung der Krise nur wenig voneinander. Generell möchte Obama jedoch etwas mehr staatliche Regulation und Oberaufsicht über Investmentbanken, Hypothekenhändler und Hedge Fonds. Er sprach sich u.a. für eine neue Regierungsbehörde aus, die den Finanzsektor beobachtet und an das Weiße Haus und den Kongress berichtet. Auch wenn McCain punktuell schärfere Kontrolle in Aussicht stellt, so setzt er etwas stärker auf die Selbstheilung des Marktes, ganz im Sinne der marktliberalen Philosophie seiner Partei. Was sind die politischen Konsequenzen der Krise? Sie kann Barack Obama helfen, in diesem Wahlkampf wieder in die Offensive zu gehen. Lange Zeit hatte es McCain geschickt verstanden, das Rennen zu einer Charakter- und Persönlichkeitsfrage zu machen. Der Patriot gegen den elitären Superstar, so hieß seine Leitlinie. Die Finanzkrise erlaubt es Obama nun, die Sicht der Wähler wieder auf das Umfeld zu richten, in dem diese Wahl stattfindet. Dieses Umfeld wird bestimmt von den Themen: Wirtschaft, Wirtschaft und Wirtschaft. In einem Statement von heute morgen schnürte Obama bereits ein zitierfähiges Paket. Er gab zu Protokoll: „I certainly don’t fault Senator McCain for these problems, but I do fault the economic philosophy he subscribes to.“ Washington Post-Journalist Chris Cillizza führt auf seinem Blog „The Fix” fünf Ratschläge auf, wie Obama die Krise politisch nutzen kann. Unter anderem schlägt er dem Senator vor, sich mit der Belegschaft der Investmentbank Lehman Brothers zu treffen, eine zweitägige Tour durch den kriselnden Staat Ohio zu machen oder eine Nacht im Haus einer Familie zu verbringen, die von der Hypothekenkrise betroffen ist. Sicher keine schlechten Ideen. Wichtig ist aber, dass Obama die Chance nutzt, um den Wählern vor Augen zu führen, dass es bei dieser Wahl um mehr geht als nur um Personen, will heißen: um Arbeitsplätze und das eigene Portemonnaie.
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