Die Demokraten starten dieser Tage mit Misstönen in den US-Wahlkampf. Während bereits einer der Kandidaten, Tom Vilsack, seine Ambitionen aufgeben musste, tragen die beiden aussichtsreichsten Kandidaten, Barack Obama und Hillary Clinton, mittlerweile ihre Konfrontation offen aus. SPIEGEL ONLINE berichtete vor Tagen über einen öffentlichen Wortwechsel, der für Missstimmung sorgte.
Der Dissens zwischen den beiden Lagern entzündete sich demnach an einem Interview, das der prominente Obama-Spender und Hollywood-Mogul David Geffen der „New York Times“ gab. Darin sagt Geffen, dass Clinton aus dem gesamten demokratischen Bewerberfeld "am leichtesten zu schlagen" sei. Geffen griff die Senatorin von New York vor allem dafür an, dass sie sich im Jahr 2002 für einen Militäreinsatz im Irak ausgesprochen habe und diese Einschätzung bislang nicht zurückgenommen habe. Das Clinton-Lager verlangte von Obama, dass er sich von Geffens Bemerkungen distanziere und die von ihm bezahlten Spenden zurückweise. Der lehnte aber eine solche Entschuldigung ab. „Es ist mir nicht klar, warum ich mich für die Bemerkungen von jemand anderem entschuldigen sollte“, sagte der Kandidat.
Mit dem Rückzug des früheren Gouverneurs von Iowa, Tom Vilsack, verringerte sich das Feld der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten auf acht. Vilsack war im November der erste Demokrat gewesen, der seinen Hut offiziell in den Ring warf. Nun ist er aller Voraussicht nach der zweite Bewerber seiner Partei, der aus dem Rennen frühzeitig ausscheidet. Im Dezember hatte Evan Bayh, ein demokratischer Senator aus Indiana, seinen Rückzug erklärt. Als Grund für seinen Rückzug nannte Vilsack finanzielle Probleme wegen zu geringer Wahlkampfspenden.
Bereits in dieser frühen Phase zeigen sich also deutliche Unterschiede zwischen US- und deutschem Verständnis von „guter“ Kandidatenkür: Hierzulande gilt es nach wie vor eher als Zeichen innerer Zerstrittenheit, wenn es bei wichtigen Personalentscheidungen nicht schon im Vorfeld gelingt, sich auf einen einzigen „gemeinsamen“ Kandidaten zu verständigen - die Auseinandersetzungen um den Vorsitz der CSU etwa belegen dies anschaulich. Dabei gehören „Kampfabstimmungen“, also die tatsächliche Wahl zwischen mehreren Bewerbern, doch zum Kernbestandteil der Demokratie. Die innenpolitischen Auseinandersetzungen in den USA stehen für ein offensiveres Demokratieverständnis.