Demokrat zu sein tut gerade richtig gut. Nach Jahren der Niederlagen scheint die Partei von FDR, Kennedy und Clinton auf dem Weg zu einer neuen politischen Dominanz zu sein. Die so wichtige gestalterische Mehrheit von 60 Sitzen im Senat ist in greifbarer Nähe, die Majorität im Repräsentantenhaus wird wachsen. Und dann sind da ja noch die Erfolgsmeldungen des eigenen Präsidentschaftskandidaten.Barack Obama erlebte ein Wochenende nach Maß. Am Freitag machten bereits Gerüchte die Runde, wonach er die historische Marke von 100 Mio. Dollar Spendeneinnahmen pro Monat reißen könnte. Am Ende waren es über 150 Mio. Dollar, die er im September auf seinem Kampagnenkonto verbuchte. Diese Summe ist mehr als doppelt so hoch wie der bisherige Rekordbetrag von 67 Mio., die er im August eingesammelt hatte. Die Zahlen sind außerirdisch. 632.000 neue Spender kamen allein im September dazu. Mittlerweile kann die Kampagne auf ein Netzwerk von 3,1 Mio. Geldgebern zurückgreifen, die nicht selten Kleinstbeträge bis zu 100 Dollar spenden.
Normalerweise sind Wahlkämpfe notorisch unterfinanziert, sie stellen einen steten Kampf um die richtige Ressourcenverteilung dar. Anders bei Obama. Mittlerweile wissen die Mitarbeiter nicht mehr wohin mit dem Geld und denken offen darüber nach, Finanzmittel an die Kampagnenkomitees der Kongressparteien abzugeben. Nicht nur dominiert Obama den Basiswahlkampf, sondern er gibt Schätzungen zufolge drei- bis viermal mehr für TV-Spots aus als John McCain. In traditionellen republikanisch neigenden Staaten wie North Carolina, Virginia oder Missouri ist Obama in der Offensive. McCain beschränkt sich mittlerweile auf die Verteidigung der Bundesstaaten, die George W. Bush 2004 gewinnen konnte.
Hinzu kam der Auftritt von Colin Powell, seines Zeichens hoch dekorierter Kriegsheld und ehemaliger Außenminister unter Bush, der sich bei „Meet the Press“ öffentlich für Obama aussprach. Obwohl er im Vorwahlkampf noch Geld an McCain gespendet hatte, entschied sich Powell gegen seinen Veteranenfreund. McCains Kampagne sei ihm zu erratisch, seine Vizepräsidentenkandidatin Sarah Palin zu schlecht, die republikanische Partei zu wenig wandlungsfähig.
Obama lobte er hingegen als intelligenten, wissbegierigen, energischen Führer einer neuen politischen Generation. Das Endorsement Powells wird Obama helfen, Zweifel an seiner Kandidatur bei konservativen, sicherheitsdenkenden Independents zu zerstreuen. Zudem stärkt es sein überparteiliches Image. Es sieht gut aus für den Demokraten. Hoffentlich nicht schon zu gut…