UmfrageWer wird die Präsidentsschaftswahl gewinnen?
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Vernetzter WahlkampfFreitag, 20. Juni 2008
Facebook, YouTube, Blogs… das sind die innovativen Begriffe des US-Wahlkampfes anno 2008. Das Internet ist in aller Munde, kein Wahlkämpfer kommt mehr an diesem Meta-Medium vorbei. Kürzlich hat das Pew Research Center deshalb eine neue Studie zur Internetnutzung im Präsidentschaftswahlkampf veröffentlicht. Die wichtigste Botschaft: Das Netz hat sich in den USA fest etabliert als bedeutender Raum für politische Informationen und Aktionen.
Erstaunliche 46 Prozent der Amerikaner nutzen das Internet, um sich über die Kampagnen zu informieren, um Gedanken über die Kandidaten auszutauschen und um zu mobilisieren. Diese Zahl ist deutlich höher als zu einem vergleichbaren Zeitpunkt in den Wahljahren 2004 (31%) oder 2000 (16%). Internetnutzung im Wahlkampf steigt aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Diejenigen, die im Netz auf der Suche nach politischen Informationen sind, nutzen es intensiver als zuvor. 35% der Nutzer haben sich bereits ein Web-Video der Kandidaten angeschaut, 10% sind auf sozialen Netzwerkseiten politisch aktiv, 8% haben bereits online Geld an einen der Kandidaten gespendet. Die Pew-Studie belegt, dass es vor allem jüngere Menschen sind, die das Internet für politische Zwecke nutzen. Da Jungwähler tendenziell stärker zu demokratischen Kandidaten tendieren, überrascht es nicht, dass Anhänger der Demokraten spürbar aktiver im Netz sind als ihre republikanischen Pendants. Die Differenzen sind nicht groß, aber erkennbar. Demokraten nutzen öfter soziale Netzwerkseiten (36%-21%), schauen häufiger Web-Vidoes (51%-42%) und informieren sich intensiver über die Kandidaten (36%-21%) als Republikaner. Wie zu erwarten war, sind die Anhänger Obamas so netzaktiv wie keine andere Gruppe. 74 Prozent der Obamaniacs nutzen das Internet, um sich politisch zu informieren, 17 Prozent haben bereits online gespendet, 14 Prozent haben eine eigene Gruppe auf sozialen Netzwerkseiten wie Facebook oder MySpace eingerichtet. Obwohl die Zahl derer steigt, die sich im WorldWideWeb bewegen, meldet eine große Zahl von Nutzern Zweifel an den Informationen im Netz an. 60 Prozent der Befragten sagten, dass das Internet voll von falschen Informationen und Propaganda sei. 35 Prozent meinten, das Internet sei ein Ort für extreme Ansichten und politische Schreihälse.
McCain flirtet mit den DemokratenFreitag, 13. Juni 2008John McCain macht in diesen Tagen nicht nur mit einem neuen Blog von sich reden. Er überrascht auch mit einer zarten Kontaktaufnahme zu den Demokraten, denn sein "Online Action Center" ist mit dem Daily Kos verlinkt, dem meistgelesenen progressiven Blog der USA. John McCains Blog ist ein Instrument im Werkzeugkasten des Online-Campaignings, mit dem Barack Obama seine dominante Webpräsenz streitig gemacht werden soll. Zu den Vorzügen des neuen Blogs gehört der Einblick in den Terminkalender McCains und Fotos, die dort exklusiv verbreitet werden. Außerdem wird er für Kommentare jeder politischen Couleur offen sein und sich damit stark von Hillary Clinton's Blog absetzen, der sich in Selbstbeweihräucherung einnebelte, wie The Nation im März berichtete. Mit diesem "Link nach links" versucht McCain in fremden Gewässern zu fischen und das Gespräch mit der linken Leserschaft zu suchen. Im McCain'schen Online Action Center gibt es sogar Punkte zu gewinnen, wenn ein McCain-Aktivist Kommentare auf dem anderen Pol der politischen Arena positioniert. Der Fortschritt in der Internet-Kommunikations-Kultur ist enorm, wenn man bedenkt, dass beim letzten Präsidentschaftswahlkampf vor vier Jahren John Kerry seinen Link zum Daily Kos zurückzog, nachdem der erste negative Kommentar einging. Heute sind Blogs, so berichtet der Journalist Ari Melber auf der TechPresident-Website, ein so wesentlicher Bestandteil der landesweiten Politik, dass auch John McCain beginnt, sich für sie zu interessieren. Blogger-Streik für Hillary ClintonMittwoch, 19. März 2008Prominente Pro-Hillary-Blogger des populären US-Blogs DailyKos streiken. Mit dem Streik bringen sie ihren Protest gegen die harschen Anti-Clinton-Artikel von progressiven Kollegen aus dem eigenen Portal zum Ausdruck. Der Autor Alegre beklagt, dass in den letzen Monaten die Töne auch unter progressiven Bloggern immer beleidigender gegenüber Hillary Clinton und ihren Unterstützern wurden. Der Autor habe sich diese Ausfälligkeiten lange gefallen lassen, weil er an die Online-Community geglaubt habe. Damit ist jetzt Schluss, gab Alegre bekannt. In einem offenen Brief an die „progressive blogosphere“ schreibt Alegre, dass er ab sofort keine Texte mehr auf DailyKos postet und nicht mehr die Vermehrung von Seitenaufrufen unterstützt, bis die Kandidatin Hillary Clinton nicht mehr in einer „derart abscheulichen und sexistischen Weise“ attackiert wird. Alegre hat die "American Federation of Concerned Bloggers (AFCB)" gegründet, der sich bereits dreißig Blogger angeschlossen haben, unter ihnen befindet sich auch Matt Stollers von MyDD.com. Im ersten Moment mag ein Streik - gerade unter Meinungsmachern - kontraproduktiv wirken, doch die Bekanntmachung von Alegre provozierte bereits über 1200 Kommentare (dann wurde die Kommentarfunktion deaktiviert). Ritterschlag für BlogsDienstag, 11. September 2007Wer bis zuletzt daran zweifelte, dass Blogs im Wahlkampf eine wichtige Bedeutung erlangt haben, der ist nun eines Besseren belehrt. Denn die Online-Tagebücher sind im US-Wahlkampf jetzt auch rechtlich den Massenmedien gleichgesetzt. Das entschied die Bundeskommission, die in den USA für die Kontrolle der Wahlkampffinanzierung zuständig ist. Darüber berichtete auch Spiegel Online: „Die Federal Election Commission (FEC) entschied über zwei konkrete Fälle, in denen Blogger beschuldigt worden waren, am Gesetz vorbei Wahlkampf betrieben zu haben. Wahlkämpfer unterliegen in den USA bestimmten Einschränkungen, was die Finanzierung ihrer Aktivitäten angeht. Der konservative Blogger John Bambenek etwa hatte dem eher linksorientierten Blog Daily Kos vorgeworfen, für die Demokraten zu werben. Daily Kos nehme einerseits Geld für Werbung auf den eigenen Seiten, andererseits aber "schenke" das Blog-Angebot politischen Kandidaten "kostenlose Werbung und Mediendienstleistungen", weil dort Beiträge veröffentlicht werden, die einzelne Kandidaten unterstützen. Das hätte im Prinzip bedeutet, dass sich Daily Kos auf illegale - weil finanziell nicht offengelegte - Weise am Wahlkampf der Demokraten beteiligt. Die FEC widersprach nun: Die Aktivitäten von Daily Kos fielen exakt in den Ausnahmebereich, den das Gesetz für Medien vorsehe, so die Kommission.Laut sitemeter.com besuchen zwischen 14 und 24 Millionen Nutzer monatlich die Seiten von Daily Kos. Derweil machen sich die Konservativen Gedanken ob der Wunderwaffen im Netz, über die das demokratische Lager verfügt. Und ob man nicht ein konservatives Pendant zum Daily Kos benötige. Wenn man es schon nicht verbieten kann, dann sollte man es schließlich gekonnt imitieren. Doch die Ausgangslage für ein derart erfolgreiches konservatives Blog seien nicht gegeben, meinen die Kommentatoren hier und hier. “Conservative blogger Dean Barnett asks this interesting question in the Weekly Standard: Why isn't there a conservative version of liberal blogger Markos Moulitsas or his blog Daily Kos -- at least in terms of influence and power? Our quick answers to this question: 1) because the Republican Party is typically a top-down organization, which isn't necessarily a conducive environment for an uncontrollable blogger like Kos; and 2) the GOP has controlled the White House in these last six-plus years, and folks like Kos sprouted when the Democrats were out of power -- much like conservative radio flourishing during the Clinton years.”Pokerspiel um IowaMontag, 4. Juni 2007
Nicht nur die Staaten selbst, auch die Kandidaten bringen sich bereits für die Primaries in Stellung. So ist eine Diskussion um die Wichtigkeit von Iowa entbrannt, wo nach derzeitigem Stand um den 14. Januar 2008 herum ausgewählt werden soll; damit wäre Iowa der erste Bundesstaat für die Vorwahlen. Die Logik bei den Staaten ist folgende: Wer zuerst dran ist, bekommt die meiste mediale Aufmerksamkeit und verspricht sich so unter anderem auch wirtschaftlich positive Auswirkungen. Allerdings liegt Iowa in der Gunst der Kandidaten nicht allzu weit vorne: So gelang kürzlich ein Memo eines Clinton-Helfers in die Hände der Nachrichtenagentur Associated Press, in dem die Vernachlässigung Iowas zu Gunsten der nachfolgenden größeren Staaten vorgeschlagen wird.
Clintons stellvertretender Kampagnenmanager Mike Henry hatte in besagtem Memo darüber sinniert, wie man die so genannten „Movement Candidates“ Obama, Gore und Edwards schlagen könne. Einer von Henrys Vorschlägen war die Vernachlässigung von Iowa, um die Kraft und die Präsenz auf größere und wichtigere Staaten wie Kalifornien, Florida und Texas zu verlegen: "Comparatively, Iowa represents a limited number of votes. Hundreds of thousands of voters will be voting in California, Florida, and Texas. We must fund an expensive paid communications and a vote by mail/early vote program in these mega states. A failure to do so will hurt her chances of winning and will increase our vulnerability to a movement candidate." Auch gab Henry einen Hinweis auf eine wichtige Minderheit: "We have to put in a message point that we did this so we can campaign in more states and in minority communities, especially the Hispanic community." In Blogs wurde nach dem Vorfall darüber diskutiert, ob das Memo bewusst kolportiert wurde. Dies könnte die Gegner in den eigenen Reihen in Sicherheit wiegen und dazu führen, dass sie ihre Energien für die Auftritte in Iowa verringern. Hillary Clinton selbst erklärte, die Vorschläge Henrys seien keineswegs offizielle Strategie der Kampagne: "I have to make the decisions and I’ve made the decision. I haven’t revisited it. I’m not agonizing over it. I never saw the memo. I’ve never had it read to me." Jedenfalls scheint schon jetzt der Blick in Richtung Primaries zu gehen. Die L.A. Times hat rechtzeitig zu dem Thema eine lesenswerte Übersicht zu den wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Vorwahlen zusammengestellt. Obama vs. Clinton - Sportlichkeit statt SkandalFreitag, 30. März 2007
Eigentlich wäre der erste Skandal des ersten US-Präsidentschaftswahlkampf schon perfekt gewesen: Seit nunmehr zwei Wochen kursiert bei Youtube ein Spot, der Hillary als Diktatorin im Stile Orwells „1984“ porträtiert: Kolonnen in Sträflingskleidung werden über Monitore mit Clintons Bewerbungsrede berieselt, in der sie einen offenen Dialog verspricht. Ebenso ergeht es einer grauen Menschenmasse ohne jede Gefühlsregung in einem Saal. In Zwischenschnitten schwingt eine junge blonde Athletin einen Wurfhammer, der am Ende zielsicher den größten Monitor zerschmettert. 2008 ist nicht 1984, heißt es dann am Schluss. Jetzt ist erkenntlich: Die Blondine trägt Werbung für Barack Obama.
Lange Zeit wurde gerätselt, wer der Urheber des 74-Sekunden-Spots ist. Blogger fanden es nun heraus: Phil de Vellis, bis vor kurzem Angestellter der PR-Agentur Blue State Digital, ist für den Clip verantwortlich. Besonders pikant in diesem Zusammenhang: Blue State Digital hat die offizielle Website von Barack Obame gestaltet. Phil de Vellis bestreitet zwar eine Verbindung zu Obama und dieser beteuert auch öffentlich, nichts mit dem Video zu tun zu haben, der Skandal hätte trotzdem perfekt sein können. Clinton hätte berechtigt Verleumdung geltend machen und ein Verbot des Spots erzielen können. Sie tut es nicht, im Gegenteil: Sie weiß, das ihr Video schon 2 Millionen Mal im Internet angeklickt wurde. Ein Verbot würde die Begehrlichkeit des Spots nur steigern und ihr jeglichen Humor absprechen. Da ihr ohnehin Steifheit vorgeworfen wird, wäre dies kontraproduktiv. Also nutzt sie das Video für sich und lässt amüsiert verbreiten, es sei alle Male besser als jenes andere, in dem sie die Melodie der Nationalhymne nicht richtig traf. So beweist Clinton, dass sie die Unkontrollierbarkeit der Internetgemeinde respektiert und spricht zugleich deren Sprache, indem sie über sich selbst lachen kann. Damit signalisiert sie: Ich weiß, dass ihr mich parodiert und wenn es gut ist, finde ich es auch lustig und habe gar nichts dagegen. Die Regeln haben sich geändert.... P.S.: Natürlich wurde Hillary gerächt. Ihre Anhänger haben bereits ein Gegenvideo mit der gleichen grauen Menge ins Netz gestellt. Die werden nur diesmal mit Obama berieselt. Am Ende outet der sich als Fan des Footballteams Chicago Bears. Die Bears haben verloren, Obama verliert 2008 gegen Hillary, lautet hier der Schluß. Dean und die verlorenen 50Freitag, 9. März 2007Zwei Jahre ist Howard Dean nun schon Chef der Demokratischen Partei. Die Marke nutzte der Motivationskünstler jüngst, um den Stand der von ihm ins Leben gerufene „50-States-Strategy“ zu sehen. Mit Hilfe dieser Strategie wollen die Demokraten Schritt für Schritt auf jeder Ebene verlorene Staaten zurückholen. Kommentar Howard Deans Ansatz, an allen Fronten um Wählerstimmen zu kämpfen, hat sich offenbar noch nicht durchgesetzt. So wurde eine für August geplante Debatte demokratischer Kandidaten auf dem Sender Fox News kürzlich von der demokratischen Partei wieder abgesagt. Als Grund wurde Ärger über einen Scherz angegeben, der Barack Obama mit Osama bin Laden in Zusammenhang brachte. Ausschlaggebend war aber wohl eher eine Online-Kampagne von Aktivisten auf Moveon.org sowie einflussreicher liberaler Weblogs wie Daily Kos und MyDD, die sich dafür stark gemacht haben, den als konservativ bekannten Sender zu meiden. Dies zeigt, wie wichtig und machtvoll Weblogs im amerikanischen Wahlkampf bereits sind. Kommentar von D.M. am Dienstag, den 20.03.2007
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