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Fazit ’08: Video, Video, VideoMittwoch, 26. November 2008
Video war das absolute Wahlkampf-Highlight in der Obama-Kampagne.
Es wird in diesen Tagen viel darüber gesprochen, was den Erfolg seiner Kampagne ausgemacht hat. Auf einen Punkt lässt sich das Erfolgskonzept nicht herunter brechen, aber ein Tool sticht schon jetzt als das am meisten genutzte heraus: Online-Videos. Die Videos der beiden Präsidentschaftskandidaten verzeichnen 2008 insgesamt 1,45 Milliarden Views. Barack Obama, der seinen eigenen YouTube-Kanal hatte, veröffentlichte dort über 800 Videos, die täglich 80-100 Millionen Views hatten. Im Vergleich zu Fernseh-Spots bieten sie den Vorteil, dass sie nicht nur kostengünstiger sind, sondern auch durch die Möglichkeit des Weiterleitens an Freunde einen enormen viralen Effekt haben. Ein Paradebeispiel dafür ist Barack Obamas Rede über das Verhältnis zwischen Afro-Amerikanern und Weißen, die er im März 2008 in Philadelphia hielt. Das Video hatte im Internet 9 Millionen Zuschauer, während die Rede im Fernsehen von nur 4 Millionen Menschen verfolgt wurde. Bemerkenswert ist, dass ein "View" nur gezählt wird, wenn das Video komplett angesehen wurde, Obamas Rede dauerte 38 Minuten! Hier zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Das Fernsehen als unangefochtenes Leitmedium für politische Information wird in Zukunft vom Internet abgelöst oder zumindest eingeholt. Ein neues Genre des politischen Videos hat sich in diesem Wahlkampf auf dem Gebiet der viralen Videos außerhalb der offiziellen Kampagne etabliert. Mit „Vote Different“ hat Philip de Vellis im März 2007 das erste privat produzierte Video mit massenmedialer Aufmerksamkeit generiert. Er hat es an einem Sonntagnachmittag zu Hause an seinem Computer entworfen und an zwei Blogger geschickt, kurze Zeit später erreichte es 5 Millionen Views und redaktionelle Beiträge in allen Zeitung. Eine noch größere Öffentlichkeit erfuhren seine Nachfolger Obama Girl (12 Mio.), Yes We Can (14 Mio.), und mit 21 Millionen Views unangefochten das von MoveOn verbreitete Video "Obama's Loss Traced To ..." Wie die YouTube-Videos zu einem Massenphänomen werden, erforschte Riley Crane am Departement für Management, Technologie und Ökonomie (D-MTEC) der ETH Zürich in einer aktuellen Studie. Kunst und LebenMontag, 24. November 2008![]() Am 4. November fand in New York Gavin Brown's Enterprise Gallery eine etwas andere Wahlparty statt, die Ausstellungseröffnung „Obama 08“ des Künstler Jonathan Horowitz. Seine Installation füllte die ganze Galerie. Im Hauptraum ist die Bestuhlung im Kreis angeordnet, eine Seite rot, eine blau. Zwei Flatscreen-Fernseher sind den Sitzreihen gegenübergestellt. Die rote Seite sieht Fox-News, die blaue CNN.
Weiter hinten in der Galerie steht ein gerahmtes Portrait von Barack Obama auf dem Boden. Im Falle eines Wahlsieges sollte das Obama-Portrait aufgehängt werden und sich in die Reihe der Präsidenten fügen.
Die Ausstellung zog schon Tage vor der Wahlnacht Aufmerksamkeit auf sich. So berichtet der Künstler, dass die Leute alle paar Tage McCain-Palin-Sticker ans Fenster geklebt haben. Mittlerweile wurde das Obama-Portrait aufgehängt und es herrscht rege Nachfrage nach dem Bild und zwar von Interessenten, die normalerweise nicht die Galerie besuchen und auch nicht vorhatten, einen fünfstelligen Betrag zu investieren. Der New York Observer brachte es auf den Punkt: Hier treffen Kunst und Leben aufeinander. Übrigens ist in den Räumen von ProDialog noch die ganze Woche eine Ausstellung zum US-Präsidentschaftskampf zu sehen. Nicht Kunst, sondern Kampagnen-Elemente wie Direct Mail, Videos und die legendären Robo-Calls werden vorgestellt. Washington feiertFreitag, 7. November 2008![]() „Es fühlte sich an wie der Mauerfall in Berlin. Etwas, dass man sich lange ausgemalt hat, das aber unmöglich schien, jetzt ... ist es passiert. Es fühlte sich an, als würde sich der amerikanische Traum erfüllen.“ So schreibt Marc Fisher in der Washington Post. Vor dem Weißen Haus versammeln sich hunderte von Stundenten und jungen Leuten, die Amerika feiern. In dieser Nacht wird George W. Bush lange wach gehalten von den nicht enden wollenden „O-ba-ma“ Rufen vor seiner Tür. Die „Yes we can“-Stimmen kippen in ein noch lauteres „Yes we did“. Über die Pennsylvania Avenue fahren jubelnde Menschen und hupen. In einer Seitenstraße tanzen sie mit wehenden Fahnen auf einem Autodach. Ab und zu fährt ein Truck langsam durch die Menschenmenge, die längst die Straße erobert hat, und hupt wie ein Öltanker – die Menge antwortet mit lauten Freudenschreien. Ein paar Straßen weiter gibt ein Trommler den Takt vor, und eine Gruppe tanzt in Formationen über die Straße, als würde sie Westside Story aufführen. Ein Zuschauer des Spektakels sagt: „Ich bin wieder stolz, Amerikaner zu sein“.
Blogeintrag von Ute Pannen
um
10:52
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Die letzten Stunden: Get Out the VoteDienstag, 4. November 2008
US-Wahlen gehen immer knapp aus, aber diesmal war die Nation geschockt zu sehen, dass John McCain Barack Obama mit nur einer Stimme geschlagen hat, berichtet der Video-Kanal CNNBC.
Nein, nein, noch ist es nicht so weit, und CNNBC ist eine Erfindung von MoveOn.org. Die progressive Non-Profit-Organsation hat ein brilliantes News-Video produziert, dass die Meldung verbreitet, Obama hätte die Wahl mit nur einer einzigen Stimme verloren. Das Szenario wird mit viel Komik präsentiert und hinterlässt durchaus großes Unbehagen. Die Message ist wirklich deutlich: Deine Stimme kann die Wahl entscheiden, nutze sie! Neu und einzigartig an diesem Clip ist, dass er mit der persönlichen Anrede des Empfängers spielt und den Namen ständig in fiktive Nachrichtenmeldungen einbaut. Also konnte ich lesen, dass die New York Times die fehlende Stimme identifizieren konnte: Ute P. Den eigenen Namen im Untertitel von CNNBC zu lesen, wenn George W. Bush eine Dankesrede an den Nichtwähler richtet, das geht nah. Für GOTV (Get Out The Vote) sorgen auch die Wahlkampfbüros mit ihren Mengen von Freiwilligen. Heute steht „pollwatching“ auf dem Programm. Volunteers gehen zu den Wahllokalen und fragen die in der Schlange stehenden Wähler nach ihren Namen. Anschließend werden diese Namen mit den Telefonlisten der Obama-Kampagne verglichen und alle Registrierten, die bis heute Mittag noch nicht gewählt haben, werden mit einem Telefonanruf daran erinnert: Vote Today! PS: Es scheint zu funktionieren, die Wahlbeteiligung steigt, gerade erreicht mich eine SMS von einem Wahlbeobachter in Philadelphia: "This precinct has already had over 375 voters. A lady here says it did 350-360 total for all of Election Day in 2000 & 2004." US-Wahlkampf im SelbstversuchFreitag, 31. Oktober 2008![]() Die Stimmung im Obama-Headquarter in Dayton, Ohio ist gut. Um die 30 Rentnerinnen und junge Leute sind als Freiwillige am Telefon. Zwischendurch wird geflachst: „Hey, I like your sunglasses.“ „Yeah, it’s the future – it’ so bright.“ Hoffnung ist überall: selbst auf dem Kühlschrank und im Fenster befinden sich Kürbisse, in die statt Halloween-Grimassen „Change you can believe in“ eingeschnitzt ist. Die Stimmung in Dayton downtown, draußen auf der Straße, ist eine andere, es nieselt und die prachtvollen Art-Deco-Hochhäuser zeugen von besseren Zeiten, die diese Stadt einmal erlebt hat. Viele Geschäfte stehen leer. Ein ehemaliges Restaurant wird als Parkhaus genutzt und die einzigen Geschäfte weit und breit sind Outlets mit Billigangeboten. Die Freiwilligen im Wahlkampfbüro kommen zum Teil aus der Stadt, aber es sind auch einige aus Kalifornien und Texas und New York dabei. Am Empfang steht neben der Sekretärin Barack Obama, lebensgroß und aus Pappe. Ich melde mich an, um Hausbesuche zu machen, das sogenannte canvassing. Greg, der Community-Organizer, findet das super, drückt mir einen Gesprächsleitfaden und einen Stadtplan mit 50 Adressen in die Hand und sagt: „Great, go for it.“ Fünf Minuten später stehe ich auf der Straße und suche 117 E 2nd Street, meine erste Adresse. Die nächste Adresse ist im gleichen Haus, 4. Stock. Eine schmale Treppe führt nach oben. Aus allen Nachbarwohnungen dröhnt der Fernseher durch die dünnen Wände und überall hört man Werbespots, die mit dem Satz enden „I am Barack Obama and I approve this Message“. Ich klopfe bei Nr. 41 und Mr. Ferndadez öffnet. „Obama Volunteer?“, ich soll doch reinkommen, bittet er und weist zu den beiden Sesseln. Der Fernseher läuft, dahinter liegt eine Matratze, sonst nichts. Ja, er möchte Obama wählen, aber um sich als Freiwilliger zu engagieren, hat er keine Zeit. Er muss arbeiten und dann abends zu den AA, den Anonymen Alkoholikern. „Aber das wollen sie sicher gar nicht wissen,“ murmelt er. In den Vororten von Dayton sind die Einfamilienhäuser liebevoll mit Kürbissen dekoriert. Hier und da erinnern Gespenster und Vogelspinnen im Vorgarten an Halloween. Aber zwischen den Obama-Werbeschildern hängt auch ab und zu ein „Zu Verkaufen“ Schild vor zugenagelten Fenstern. In dieser Nachbarschaft ist niemand zu Hause. Außer zwei alten Damen sind offenbar alle bei der Arbeit. Am Ende des Tages habe ich sechs Versprechen zum „Early Voting“ eingeholt, die immer schriftlich abgegeben werden. Zwei der aufgelisteten Häuser stehen leer, zehn Adressen stimmten nicht, andere sind unzugänglich.Auch thematische Präferenzen habe ich mir notiert: während Mr. Fernandez sich am meisten um die Wirtschaft und die steigenden Lebensmittelpreise sorgt, ist seiner Nachbarin Gesundheitspolitik am wichtigsten. Außerdem konnte ich in die Statistik eintragen, dass eine Person schon gewählt hat und eine weitere aus meiner Adresskartei verstorben ist. Mit diesen Angaben wird die Abendschicht im Wahlkampfbüro versorgt, und wer gerade nicht Telefonanrufe für Obama macht, frischt die Datenbank mit Ergebnissen des Tages auf. Für einen Moment allerdings werden alle Hände gebraucht, denn eine Lieferung Obama-Schilder für den Vorgarten ist eingetroffen. Eine LKW-Ladung wird ins Büro geschleppt und neben dem Eingang gestapelt. Es ist mittlerweile 20:00 Uhr, aber die Energien sind ungebremst, schließlich ist jetzt die beste Zeit, die Wähler zu Hause anzurufen. Ich melde mich an, um mitzuhelfen, aber es sind schon alle Telefone besetzt. Das Büro summt wie ein Bienenschwarm und ich fahre mit einem guten Gefühl nach Hause. Als ich aus dem Auto steige, sagt mein Taxifahrer: „Ich bin eigentlich Demokrat, aber McCain war in der Air Force, so wie ich. - Ich werde ihn wählen.“ Mehr zum Canvassing in der New York Times. Was entscheidet die Wahl?Freitag, 17. Oktober 2008![]() Nach einer Woche, in der in Amerika der Rassismus hochschaukelte, fragen sich Journalisten wie Adam Nagourney, ob die Entscheidung in der Wahlkabine an schwarz oder weiß festgemacht wird. Am Samstag berichtete die New York Times über eine Wahlkampfveranstaltung McCains in Lakeville, Minnesota, bei der die aggressive Stimmung überkochte. Eine Frau meldete sich nach John McCains Rede in der Lakeville South High School, weit vom Stadtrand von Minneapolis, zu Wort. Sie sagte, dass sie Barack Obama nicht traue, weil er ein Araber sei. Nachdem John McCain eine Woche lang versuchte, seinen Gegener als Freund von Terroristen zu stilisieren, der das Land in den Bankrott führe, veränderte John McCain abrupt seinen Ton und sprach nur noch von einem anständigen Mann, einem Familienmenschen, mit dem er nur einige Meinungsverschiedenheiten habe. Offenbar hatte er selbst Angst bekommen vor seiner Welle von Attacken, die in nackten Hass umzuschlagen drohte. John McCain wurde in dieser Woche von einigen Journalisten harsch kritisiert, weil er - besonders, wenn er im Team mit Sarah Palin auftrat - die wütenden Massen gegen Barack Obama aufhetzte. In Wisconsin und Pennsylvania schrie die Menge “off with his head”. Bei einem Besuch Sarah Palins in Florida rief ein Mann aus der Menge “Kill him!”. Bei der gleichen Veranstaltung wurden einem afroamerikanischen Kameramann rassistische Beleidigungen entgegengebracht. Aber noch öfter werden Vorurteile geflüstert oder verstecken sich in Diskussionen über Kultur und Religion und sind somit schwer zu greifen. Weder Meinungsumfragen noch die täglichen Gespräche geben sie wider. Wie Adam Nagourney in der New York Times feststellte, nehmen politische Strategen an, dass die Meingsumfragen die Unterstützug für einen schwarzen Kandidaten überbewerten, da sich die Befragten mit ihren Ressentiments zurückhalten, wenn sie persönlich befragt werden. In der anonymen Wahlkabine sieht das anders aus. Saul Anuzis, Chairman der Republikaner in Michigan, sagte er hätte sich daran gewöhnt, dass von der Seite geflüstert würde: Obama wähle man nicht, weil er schwarz sei. Dagegen glaubt der Abgeordnete Artur Davis, ein afroamerikanischer Demokrat aus Alabama, ethische Zugehörigkeit sei nicht länger eine Schranke zum Weißen Haus, wie sie einmal war: “There is a group of voters who will not vote for people who are opposite their race,” Mr. Davis said. “But I think that number is lower today than it has been at any point in our history. I don’t believe this campaign will be decided by race; there are too many other important issues. Jesse Jackson would not have been elected in 1988. But we’ve changed.” Wo sind die Rebublikaner?Mittwoch, 15. Oktober 2008
Im öffentlichen Straßenbild dominiert Barack Obama. Seine Kampagnenmaterialien haben sich über Schaufenster, Buttons, Aufkleber, Basecaps und T-Shirts über das Land verteilt.
Die hier vorgestellten Beispiele stammen aus Minneapolis in Minnessota, also weit weg von der so liberalen Ostküste, tief im Landesinneren. Selbst in den gut betuchten Wohngegenden besiedeln Obama-Plakate die Vorgärten wie andernorts nur Gartenzwerge. Wo sind also die laut Gallup 41Prozent, die vorhaben John McCain zu wählen? Offenbar bildet die urbane Situation von Minneapolis auch im mittleren Westen eine Ausnahme und die Republikaner leben auf dem Land. Das vierte Foto zeigt die erste Republikanerin, die mir überraschenderweise auf dem Campus der Harvard Universitiy in Camebridge, Boston begegnete. „Stop overfeeding government“ und „End the income tax - www.endtheincometax.com" heißt es auf ihrem T-Shirt. Neben Steuererhöhungen will sie einen Anstieg der Benzinpreise bremsen, der ihre Freude am Fahren sichtlich einschränkt: „It’s the supply stupid. www.gaspriceprotest.com.“ klebt gleich neben dem McCain – Palin Aufkleber auf ihrem Sportwagen. Debate BingoDienstag, 14. Oktober 2008
Heute findet die finale Debatte zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten statt. Es wird knapp. Barack Obama kann zwar einen leichten Vorsprung verzeichnen, aber von einem sicheren Sieg ist er weit entfernt. Die Stimmung ist ebenso angespannt wie die wirtschaftliche Lage. Die Amerikaner befinden sich in Schwierigkeiten - aber sie nehmen es mit Humor und Bingo. Wer die Debatte nicht bei einer Public Viewing Party verfolgt, der lädt Freunde nach Hause ein und spielt Debate Bingo. Auf dieser Website können Sie schon einmal die Bingokarten herunterladen.
Die Karten werden ausgedruckt und an alle Mitspieler verteilt. Die Debatte beginnt und sobald John McCain einen der Begriffe auf der Bingokarte ausspricht, wird dieser auf der Bingokarte durchgestrichen. 5 Kreuze in einer Reihe führen zum Bingosieg. Während beim letzten Mal Irak - Offshore Drilling - Left Wing - Attack und Lobbyists eine mögliche Bingoreihe bildeten, stehen diesmal wohl eher Wall Street - Bailout - A decent Person - Economy und Chicago Way zur Auswahl. Mit Abstand die unterhaltsamste Debate-Bingorunde war allerdings das Palin-Bingo zur Vizepräsidentendebatte: Alaska - Earmarks - Maverick - Reformer - Job Creation : Bingo!
PS: Die Republikaner hatten übrigens auch ihren Spaß, wie die konservative Bloggerin Michelle Malkin berichtete. Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe ...Dienstag, 23. September 2008Battleground (s.o.): McCain 48, Obama 46 Rasmussen: McCain 48, Obama 48 Research 2000: Obama 49, McCain 43 Wie glaubwürdig sind die aktuellen Meinungsumfragen zum Us-Präsidentschaftswahlkampf? Allein die hier vorgestellten drei Umfragen kommen nicht auf die gleichen Ergebnisse. Jerome Armstrong bewertet die Resultate bei MyDD folgendermaßen: Alle drei Meinungsforschungs-Institute arbeiten mit „likely voter polls“ im Gegensatz zu Gallup und Hotline, die mit „registered voter trackings polls“ arbeiten. Aber warum kommen die drei methodisch gleich vorgehenden Institute nicht auf die gleichen Zahlen, und wem kann man eher vertrauen? Ein Blick in die Firmengeschichte der drei gibt etwas mehr Aufschluss über ihre Zuverlässigkeit. Battleground gilt in der Branche als zuverlässigster Hellseher. Bei den Präsidentschaftswahlen 1992, 1996 und 2004 lagen sie deutlich vorn und zwar nicht nur in ihrer Schlussprognose 51,2 für Bush und 47,9 für Kerry, sondern auch in der Einschätzung der gleich hohen Wahlbeteiligung bei Demokraten und Republikanern. Auch Rasmussen lag mit seinen Erhebungen zur 2004-Wahl auch vorne. Ihre Vorhersage 49,4 für Bush und 48,8 für Kerry war ziemlich gut. Research2000 dagegen hat noch keine Erfahrung in Bezug auf nationale Umfragen. Es scheint recht wahrscheinlich, dass sie weniger exakte Werte liefern. Jerome Armstrong traut Battleground & Rasmussen die höchste Treffsicherheit zu. Damit läge John McCain eine Nasenspitze vorn. Register to VoteMontag, 8. September 2008
Viele Amerikaner, die in Berlin leben, wissen gar nicht, dass sie von hier aus wählen können. „Deshalb bin ich hier und informiere darüber“, sagt Kit Baker. Der Theaterproduzent hat seine Mittagspause in ein Cafe in Berlin-Mitte verlegt, um dort den zahlreichen amerikanischen Gästen bei der Registrierung zur Briefwahl zu helfen.
Das Prozedere ist ganz einfach. Das Bestellformular hat Kit Baker schon in der Tasche, und wer seine Sozialversicherungsnummer etc. zur Hand hat, kann die Daten gleich an sein Home County schicken. Die dortigen Behörden schicken dann den Wahlschein zu, auch nach Berlin. Die Zielgruppe der Amerikaner im Ausland ist gar nicht so klein, allein auf MyBo finden sich die verschiedensten Gruppen, die sich auf Amerikaner im Exil konzentrieren: American Expats in Paris for Obama, Americans Abroad for Obama, Americans in Berlin for Obama, Americans in Germany for Obama, Artists and Wrtiters in Berlin for Obama. Kit Baker ist in Mitglied in allen fünfen.
Gestatten, Joe BidenFreitag, 29. August 2008Freitagnacht mitteleuropäischer Zeit ging die lange erwartete SMS ein, in der Barack Obama Joe Biden als seinen Vize bekannt gab. Jetzt stellt sich der 65-jährige Senator aus Delaware vor. In einer E-Mail mit seinem Absender und einem schlichten „hello“ im Betreff schrieb er Barack Obamas Unterstützern. Er versprach Obamas Bewegung zu vergrößern und bat: „Bitte schauen Sie sich das Video an und leiten Sie es weiter. Danke, Joe“ Tiefere Einblicke in Joe Bidens Leben gab Christian Wernicke in der Süddeutschen Zeitung. Es überwiegt der Eindruck vom Wunderkind Biden, das nach 36 Jahren im Kongress so gut wie keine Feinde hat und auch den Respekt der Republikaner genießt. Biden wuchs als Sohn eines katholischen Autohändlers auf und stotterte als Kind, aber er behauptete sich und studierte Geschichte, Politik und Jura. Er trainierte seine Wortgewalt und wurde nach ein paar Jahren als Anwalt mit nur 29 Jahren zum Senator gewählt. Trotzdem kann sein schnelles Mundwerk ihm auch zum Verhängnis werden. So zählt zu seinen jüngeren Fehltritten das im letzten Jahr mißlungene Lob über Obama: Er sei eben der erste Afro-Amerikaner, der „klug und sauber und gut aussehend“ daherkomme. Doch diese Äußerung scheint ebenso verjährt wie das Schönen seiner angeblich überdurchschnittlichen College-Noten. Das Wunderkind hat sich also auch ab und an durchgemogelt. Bidens Synergie-Effekt für die Obama-Kampagne speist sich aus seiner außenpolitischen Erfahrung und seiner bodenständigen Art. Er lehnt militärische Gewalt nicht grundsätzlich ab, sondern sprach sich Mitte der neunziger Jahre öffentlich dafür aus, dass in Bosnien US-Luftangriffe gegen die serbische Gewalt eingesetzt werden. Mit seiner unprätentiösen Art und seinem kräftigen Händedruck kann Biden für Obama in den wahlentscheidenden Swing-States punkten. Es geht um die Stimmen der Katholiken in Pennsylvania und die der Waffenfreunde aus West Virginias Provinz. Obama bekämpft SchmutzkampagneMontag, 25. August 2008
Besonders seit Steve Schmidt das Zepter in McCains Wahlkampf führt, beobachten wir schmutzige Kampagnen gegen Barack Obama. Die gezielt gestreuten Unwahrheiten schwächen Obama, der nach aktuellen Umfragen nur einen Prozentpunkt vor McCain liegt.
Ihm wird vorgeworfen, sein Wahlkampfflugzeug sei nicht mit der amerikanischen Flagge zu versehen, er besuche nicht die verwundeten Truppen und Michelle Obama sei keine Patriotin. Jetzt reagiert Obama mit der Kampagne „Fight the Smears“. Auf seiner Website werden die Verbalattacken zitiert und der Wahrheit gegenübergestellt. Mit dem Link Spread the Truth wird der Leser aufgefordert, die von Bildern und Videos untermauerten Richtigstellungen per E-Mail an Freunde weiter zu senden. Barack Obamas Fernsehspot “Book”Donnerstag, 14. August 2008
Das neue Video der Obama Kampagne greift McCains Ölpolitik und seine Haltung zum Irak an.
Auf dem Blog MYDD lobt Jonathan Singer dieses Video, weil es anspricht, dass der Krieg im Irak die amerikanische Wirtschaft lähmt. Singer beklagt aber zugleich, dass es nicht weit genug geht. Es versäumt aufzuzeigen, dass die irakische Regierung am Jahresende 79 Milliarden US$ Überschuss verzeichnen könnte. Diese Fakten sollten aus seiner Sicht vor allem deshalb ausgesprochen werden, weil der amerikanische Haushalt ein historisches Defizit erreicht hat. Dagegen mutet Obamas Forderung nach besseren Schulen als das Gegenteil von McCains Irakpolitik in diesem Video ein wenig deplaziert an. Diese 1,5 Sekunden hätte man vielleicht auch einfach weglassen können, um sich auf ein Thema zu konzentrieren. Je präziser ein Werbespot ist, umso besser. Strukturwandel in der ÖffentlichkeitsarbeitDienstag, 12. August 2008
Barack Obamas Kampagne verändert die politische Kommunikation: Jetzt nutzt Obama das Medium „SMS“ auf eine Weise, die die Regeln der Öffentlichkeitsarbeit auf den Kopf stellt. Er will den Namen seines Vizepräsidenten per SMS bekannt geben und zwar nicht an die Presse, die schon hungrig auf diesen Happen wartet, sondern an seine Grassroots, an die Unterstützer, die ihn auch bislang mit Spenden etc. begleitet haben. Und dies bevor er auf der National Convention in Denver den Namen seines Vize verkündet. In einer E-Mail, die er gestern mit dem Betreff “Barack's VP: Be the First to Know” verschickte, bietet der Campaign Manager David Plouffe an, die begehrte Neuigkeit an diejenigen zu versenden, die sich dafür registrieren.
Das kann per E-Mail geschehen oder man schickt die Buchstaben “VP” per SMS an die Nummer 62262. Jose Antonio Vargas schreibt in der Washington Post, dass es sich um eine revolutionäre Form der Bekanntgabe handelt, bei der drei Punkte besonders bemerkenswert sind:
Wie der Blog TechPresident berichtet, wurde die Revolution auch auf Twitter heftig diskutiert, nachdem Brian Stelter von der New York Times diese Frage auf den Twitter-Tisch brachte. Die Reaktionen sind gemischt, Micah Sifry hält den Wandel für smart.
Blogeintrag von Ute Pannen
um
18:00
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Paris Hilton antwortetMontag, 11. August 2008
Am vergangenen Montag habe ich über das Celebrity-Video von John McCain berichtet, das Barack Obama in einer Reihe mit Stars wie Paris Hilton zeigt, um am Ende zu fragen: „Is he ready to lead?“ Das Video kritisiert außerdem Barack Obamas Energiepolitik, die Off-Shore-Bohrungen nach Öl ausschließe. Da Bilder von Paris Hilton offenbar ohne ihr Einverständnis in den Wahlkampfsspot geschnitten wurden, meldet sich das It-Girl nun in einem eigenen Video zu Wort, das auf der Website Funny or Die veröffentlicht wurde. Darin nennt sie McCain den ältesten Cebrity Amerikas und untermalt ihre Beobachtung mit wenig schmeichelhaften Bildern.
Ihre Mutter Kathy Hilton hatte bereits am Sonntag in der Huffington Post verkündet, dass sie von McCains Celebrity Video nichts halte:
Es wäre nun interessant zu hören, wie sie das Video ihrer Tochter beurteilt. McCains Pressesprecher Tucker Bounds hat das Video, das seinen Kandidaten nicht gerade ins beste Licht stellt, bereits gegenüber der TMZ kommentiert. Er meint, dass Hilton den gleichen Ansatz zur Lösung der Energiekrise forciere wie John McCain und fügt an, sie hätte den besseren Energieplan als Barack Obama.
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