Die Mobilisierungsmaschinen der Kampagnen laufen auf Hochtouren. Jetzt geht es um das, was die Amerikaner „Get-Out-the-Vote“ (GOTV) nennen. Täglich erreichen die Aktivisten auf beiden Seiten des politischen Spektrums drei bis fünf E-Mails, die sie zu Last-Minute-Aktionen in den letzten 72 Stunden aufrufen. In diesem elektoralen Häuserkampf hilft es, sich noch einmal über die Grundkoordinaten der Wahl zu versichern.Pünktlich vor der ganz heißen Phase des Wahlkampfes hat die New York Times in Kooperation mit CBS seine letzte große Umfrage vor den Wahlen veröffentlicht, im Rahmen derer sie 1.439 mögliche Wähler („likely voters“) befragt hatte.
Die wichtigste Botschaft: Barack Obama scheint seinen Vorsprung konsolidiert zu haben. Er liegt mittlerweile mit 51 Prozent vor John McCain mit 40 Prozent. Natürlich muss man diese Führung in der NY Times-Umfrage mit Vorsicht genießen. Die Meinungsforscher haben in diesem Rennen große Probleme, sowohl den richtigen Anteil an afro-amerikanischen und jungen Wählern zu bestimmen als auch den viel zitierten Bradley-Faktor einzurechnen.
Auch wenn andere Umfragen ein engeres Rennen sehen, so liegt Obama insgesamt stabil mit 3 bis 11 Prozent vorne. Dass sich Obamas Spitzenwerte Mitte Oktober - auf dem Höhepunkt der Finanzkrise – nicht halten ließen, war klar. Das Land ist polarisiert, die unentschlossene Mitte extrem klein. In der New York Times-Umfrage gaben weniger als zehn Prozent der Befragten an, überhaupt noch unentschieden zu sein.
Insgesamt ist die Stimmung im Lande weiter äußerst düster. 89 Prozent der Befragten sehen die Wirtschaftslage negativ. 85 Prozent denken, dass Land sei auf dem falschen Weg in Richtung Zukunft. George W. Bush Zustimmungsraten liegen bei unterirdischen 22 Prozent. So tief herunter ist es bisher nur für Harry Truman im Wahljahr 1952 gegangen.
Barack Obama hat bei den wichtigsten Themen der Zeit wie Wirtschaft, Arbeit, Gesundheit und Irak die Nase vorn. McCain besitzt hingegen auf zwei Sachfeldern einen Vorteil. Zum einen konnte er sich bei den Wählern mit seiner „Joe, the Plumber“-Kampagne deutlich stärker als der Mann für niedrige Steuern etablieren. Zum anderen gilt er weiterhin als der bessere Commander-in-Chief (47-33). Wir werden also von McCain in den letzten Tagen vor der Wahl noch einmal die übliche Stereo-Botschaft hören: „Obama ist eine unsichere Wahl für das Präsidentenamt und ein Staatsfetischist.“
Ob es noch etwas nutzen wird, bleibt offen. Zumindest wird schon jetzt deutlich, dass – abseits der finanziellen und organisatorischen Nachteile McCains - seine Auswahl von Sarah Palin und seine mäßigen TV-Duell-Auftritte entscheidende Faktoren für den Ausgang des Rennens sein könnten.
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