Sie ist jung, extrem konservativ und technikfreundlich - damit kompensiert sie alle Defizite John McCains. Aber die Clinton-Anhänger wird Sarah Palin nicht in ihr Lager ziehen.
Der 72-jährige John McCain hat im Wahlkampf stark mit seinem Alter zu kämpfen. Nicht, dass er sich als schwach und gebrechlich erweisen würde. Dennoch wird ihm Skepsis entgegengebracht und die Sorge, er könne das Ende der Amtszeit nicht mehr erleben. Umso wichtiger ist, dass seine Vize im Falle eines Falles sofort das Präsidentenamt übernehmen könnte. Das kann man beim besten Willen nicht über Palin sagen. Die 44-jährige Sarah Palin ist nicht nur jünger als Barack Obama, sondern auch unerfahrener. Sie bringt weniger als zwei Jahre Erfahrung als Gouverneurin von Alaska mit, einem Staat mit weniger als einer Million Einwohner.
Die Zielgruppe der evangikalen Rechten begrüßt Palin uneingeschränkt. Sie bezeichnet sich selbst als konservative Republikanerin und bezieht zu den Wertefragen Abtreibung und Stammzellenforschung wesentlich klarer Stellung als John McCain. Selbst James Dobson, einer der Führer der christlichen Rechten und bisheriger McCain-Gegner, kündigte an, er könne nun doch einen republikanischen Präsidenten wählen. An Glaubwürdigkeit mangelt es ihr wahrlich nicht, Sarah Palin lebt die konservativen Werte, denn sie ist selbst Mutter von 5 Kindern und ihr jüngstes Kind leidet am Down-Syndrom. Selbst die 17-jährige Tochter, die soeben für Schlagzeilen sorgte, weil sie im im 5. Monat schwanger ist, wird nun heiraten und das alte Ordnungsmodell wieder herstellen.
Was Technikfreundlichkeit und Offenheit für das Internet betrifft, so ist Sarah Palin McCain weit voraus. Das jedenfalls berichtet die Bloggerin Nancy Scola auf der Website von TechPresident. Demnach hat Sarah Palin sich für Alaska's Check Book eingesetzt, eine Website, die staatliche Aufträge und Geschäfte transparent macht. Palin scheint moderner Technologie auch im Alltag zugetan, zumindest der, die man in die Hosentasche stecken kann. Auf dem Foto ist die Kandidatin für das Vizepresidentenamt mit ihrem wenige Wochen alten Sohn in der einen und einem Mobiltelefon in der anderen Hand, während das Blackberry vor ihr liegt.
Wie hierzulande Ursula von der Leyen gelingt es Sarah Palin, Karriere und ein konservatives Mutterbild zu vereinen. Doch sie ist keine Hillary Clinton, die auch die Kompetenz für das Präsidentenamt mitbringt. Allein deshalb dürfte McCains Rechnung nicht aufgehen, die gender-motivierten Hillary-Unterstützer mit Sarah Palin auf seine Seite zu ziehen.
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