Dienstag, 19. August 2008
Ein beliebter Sport unter Politjournalisten in den USA ist das Ratespiel „Wer wird Vize?“ Die V-Frage ist derzeit in aller Munde, hat Barack Obama doch angekündigt, Die Wahl seines "Running Mate" im Laufe des morgigen Tages bekannt zu geben. Ganz nach Obama-Art werden es aber nicht die Journalisten sein, die zuerst von der Entscheidung erfahren, sondern Menschen wie Du und ich, die sich im Vorfeld per SMS oder Internet auf my.barackoabama.com registrieren lassen haben (s. Beitrag Strukturwandel in der Öffentlichkeitsarbeit)Nun zur V-Frage. Wer wird es? Die besten Chancen hat zurzeit ein Kandidat, der erst vor Kurzem in den Kreis der Aspiranten aufgestiegen ist (ein sicheres Zeichen für einen heißen Tipp): Joe Biden. Der langjährige Senator und Konkurrent von Obama im Vorwahlkampf bringt die nötige internationale und innenpolitische Erfahrung mit, die Politnovize Obama so dringend braucht. Ein erfahrener, eloquenter Politiker an der Seite des jungen Wandelpredigers. Das macht Sinn. Hoch im Kurs steht zudem der Senator aus Indiana, Evan Bayh. Auch er ist ein erfahrener Politiker, der seine politische Heimat in einem Staat hat, der zu den am härtesteten umkämpften Battleground States dieser Wahlsaison gehören wird. Bayh trägt jedoch den Makel mit sich herum, den Irak-Krieg 2003 offen unterstützt zu haben. Ein Widerspruch zur Position Obamas. Ansonsten gibt es noch Tim Kaine, Gouverneur aus Virginia, einem weiteren Schlüsselstaat. Kaine ist jung, er hat Exekutiverfahrung und nationale Ambitionen. Zudem könnte er das Thema Wandel und Generationswechsel perfekt zusammen mit Obama verkörpern. Da aber immer deutlicher wird, dass viele Wähler schon die Wahl Barack Obamas selbst als forschen Schritt des Wandels ansehen, wird Kaine es aller Voraussicht nach nicht. Der junge Senator aus Illinois braucht einen erfahrenen Politiker an der Seite, um das Ticket auszubalancieren. Alles spricht für Biden… Auch wenn sich eine Mehrheit der Demokraten immer noch Hillary Clinton als VP wünscht, so wird sie es sicherlich nicht. Auch Kathleen Sebelius, die noch vor ein bis zwei Monaten hoch gehandelte Kandidatin, ist ein zu unbeschriebenes Blatt aus dem Staate Kansas, der für Obama nicht zu gewinnen sein wird. Ob sich Barack Obama mit der Nicht-Berücksichtigung einer Frau schaden wird, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung für einen Mann wird die weiblichen Clinton-Unterstützerinnen aber sicher nicht gerade in seine Arme treiben. Wir warten gespannt auf die Entscheidung… Das soll einmal mehr die Basisorientierung der Kampagne symbolisieren, hat aber den schönen Nebeneffekt, dass Obama weiter fleißig Adressen und Telefonnummern seiner Unterstützer sammeln kann.
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