Es ist immer schön, Freunde zu haben, vor allem in Kampagnen. Freunde können die Kandidaten kommunikativ unterstützen, sie geben ihnen Expertise oder Glaubwürdigkeit bei wichtigen Zielgruppen. John McCain und Barack Obama haben zahlreiche solcher Freunde („surrogates“). In den vergangenen Tagen stellten diese Unterstützer aber mehr Wehe als Wohl für die Kampagnen dar. Am Mittwoch war es Jesse Jackson, der in ein eingeschaltetes Mikrofon flüsterte, wie gerne er Barack Obama die „Eier abschneiden“ würde, weil er zu abgehoben und autoritär zur afro-amerikanischen Gemeinde spräche. Was hatte Obama gesagt? Im Frühjahr hatte er eine Rede vor einer schwarzen Gemeinde gehalten, in der er das Problem zerbrochener Familien und das geringe Verantwortungsbewusstsein afro-amerikanischer Männer ansprach. Dieser „straight talk“ hat anscheinend tiefe Wunden hinterlassen, vor allem bei schwarzen Symbolfiguren wie Jesse Jackson und Al Sharpton. Jackson bedauerte seinen Kommentar, aber das Thema rauschte ungedrosselt in die Abendnachrichten. Insgesamt kann diese Episode Obama aber helfen, der sich bewusst von der alten, etablierten, oft polarisierenden Bürgerrechtler-Garde absetzen kann. Punkt Obama.
Anders verlief ein Ausrutscher von Phil Gramm, Ex-Senator aus Texas und einer der einflussreichsten Wirtschaftsberater von John McCain. Er diktierte Reportern der Washington Times in den Notizblock, dass Amerikaner keine reale Rezession durchleben würden, sondern eine mentale. Als Krönung nannte er das Land eine Nation von Jammerlappen. Das war starker Tobak, weil es das Bild eines John McCain zu bestätigen scheint, der sich den Nöten der Menschen nicht öffnet und sich unsicher auf dem Feld der Ökonomie bewegt. McCains Antwort auf den rhetorischen Ausfalls seines Beraters war schnell und konsequent. Er distanzierte sich von Gramm und stellte ihm in Aussicht, höchstens noch Botschafter in Weißrussland unter ihm werden zu können. Ob das reicht, ist zu bezweifeln. Der Gramm-Kommentar wird mit Sicherheit in demokratischen TV-Spots auftauchen.
Einmal mehr zeigt sich: In einem komplexen kommunikativen Umfeld, in einem fragmentierten Medienumfeld, ist es unglaublich schwer, „on message“ zu bleiben.
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