Barack Obama hat sein erstes Etappenziel erreicht. Nach 16 Monaten, 57 Vorwahlen und einem Sieg am Grünen Tisch konnte er das epische Duell gegen Hillary Clinton gestern für sich entscheiden. Die magische Grenze von 2.118 Delegierten ist überschritten, Obama wird der Kandidat der Demokraten sein. Der Ausgang kam nach den Entwicklungen der vergangenen Wochen nicht überraschend, ist aber (historisch gesehen) beeindruckend: Ein Politnovize mit einem gewöhnungsbedürftigen Namen, mit einem Vater aus Kenia und einer Mutter aus Kansas, hat eine (partei)etablierte Ex-First Lady geschlagen, die noch vor einem Jahr mit dem Brustton der Unvermeidlichkeit in die Menge gerufen hatte: „I Am In To Win!“. Hillary Clinton führte eine gute Kampagne, sie kämpfte wie eine Löwin. Das war aber nicht genug gegen einen Kandidaten, dessen Wahlkampf sich zu einer real existierenden Massenbewegung entwickelt hat.Demonstrativ spielten die Organisatoren auf Hillarys Abschlussveranstaltung gestern das Lied „Ain´t no mountain high“. Aber auch die treuesten Fans werden bald einsehen, dass sich der Berg einen anderen Propheten gesucht hat. Es ist Clintons erste große Niederlage als Kandidatin, damit muss die ehrgeizige Politikerin erst einmal fertig werden. Natürlich hat sie Fehler gemacht. Sie hat zu sehr auf einen Wahlkampf der Unvermeidlichkeit und der Stärke gesetzt und damit den Gegensatz zum frischen, neuen Wandelprediger Obama bewusst heraufbeschworen. Sie sollte aber stolz auf ihre Kampagne sein. Sie mobilisierte große Teile der demokratischen Stammwählerschaft, sie hob ihre Stimme für die Benachteiligten im Land, sie kämpfte beherzt gegen die gläserne Decke, die viele Frauen in den USA vom Aufstieg in Führungspositionen abhält. Barack Obama hatte Recht, als er gestern sagte: “She has made history not just because she's a woman who has done what no woman has done before, but because she is a leader who inspires millions of Americans with her strength, her courage and her commitment to the causes that brought us here tonight.”
Ein nüchterner Blick auf den Ausgang der Vorwahlen zeigt aber, dass Barack Obama den Zeitgeist besser als Clinton erkannt und aufgegriffen hat. Sein unpolitisches Politstar-Image, sein positiver Populismus gepaart mit einer konsequenten Kampagnenausrichtung auf direkten Wählerkontakt gewann letztlich gegen den gut gemachten, aber zu etablierten und traditionellen Wahlkampf der Ex-First Lady.
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