Die Kandidaten im aktuellen US-Präsidentschaftswahlkampf versuchen derzeit alles, aber auch alles, um ihr elitäres Image abzulegen. So berichtete Elisabeth Bumiller in der New York Times über „The Snare of Priviledge“. Wer zur Elite eines Landes gehört, ist eine Frage, die auch derzeit in Deutschland häufig gestellt wird, und das nicht erst seit Julia Friedrichs mit Gestatten: Elite zeigt, dass sich in der Bundesrepublik immer mehr eine finanzkräftige Elite selbst reproduziert. Kritiker lobten die junge Autorin für das gelungene Werk, beklagten allerdings auch ihren Elitebegriff, der vor intellektuellen Eliten halt macht.
Für die USA, so Elisabeth Bumiller, gehören Wohlstand und Status immer noch zu den Elitekriterien, auch wenn es sich um eine angeblich klassenlose Gesellschaft handelt. „In a nation without a titled aristocracy, an elite education may well be the most important membership card.“ Eine elitäre Ausbildung haben alle drei Kandidaten genossen.
Hillary Rodham Clinton, Wellesly College ’69, Yale Law School ’73, First Lady für acht Jahre und plötzlich ist sie die Heldin der Arbeiterklasse.
Barack Obama, Columbia University ’83, Harvard Law School ’91, besucht nun Bowling-Bahnen und Bierhallen. Er spricht über seine alleinerziehende Mutter, die von Sozialhilfe lebte.
John McCain, United States Naval Academy ’58, Sohn und Enkel von Admirälen, Ehemann einer der reichsten Frauen Arizonas, spricht gerne von seiner Blockhütte, anstatt von dem im "Architectural Digest" besprochenen Ferienhaus.
In einem zunehmend populistischen Land überrascht es nicht, dass sich die Kandidaten von ihrem elitären Image distanzieren. Nehmen die Amerikaner es ihnen ab, keine Elite zu sein? Sollten sie etwa keine Elite sein? Natürlich möchten auch die Wähler den besten, klügsten und glaubürdigsten für das Präsidentenamt. Aber was letztendlich für die Wähler zählt, ist nicht das akademische Prestige, sondern die Fähigkeit des Kandidaten, eine emotionale Verbindung herzustellen und das Vertrauen der Bürger zu gewinnen.
So sah man Hillary Clinton mit einer Flasche Bier in der Hand tanzen:
John McCain versucht es auf andere Weise. Er sagte den Bergleuten in Kentucky: „Ich kann nicht behaupten, dass unsere Lebensumstände ähnlich seien, ich bin nicht der Sohn eines Bergmanns. [...] Meine Arbeit ist nicht so hart wie Eure, aber Ihr seid meine Kameraden und das bedeutet mir mehr als fast jede andere Bindung.“
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