Glaubt man George Stephanopoulos, dem ehemaligen Wahlkampfhelfer von Bill Clinton und derzeitigen Moderator bei ABC News, dann ist das Rennen um die demokratische Nominierung vorbei. Gestern sagte er auf seinem Heimatsender kurz und trocken: „The nomination fight is over!“. Auch wenn sich Hillary Clinton demonstrativ optimistisch gibt („I am in it until there is a nominee“), so erhöht der Ausgang der Vorwahlen in Indiana und North Carolina den Druck enorm, aus dem Rennen auszusteigen. Um die Dynamik des Vorwahlkampfes nachhaltig zu ändern, hätte sie in Indiana deutlich gewinnen und in North Carolina (zumindest) knapp verlieren müssen. Das war nicht der Fall. Sicher: Es ist noch zu früh, einen endgültigen Abgesang auf Hillary Clinton anzustimmen. Deutlich wird aber, dass sie drei große Probleme hat, die sich kaum überwinden lassen. 1.) Geld
Wie gestern bekannt wurde, hat Hillary Clinton im Laufe des Aprils mehr als 6 Millionen Dollar aus ihrem eigenen Vermögen in die Kampagne investiert. Das macht insgesamt schon mehr $11 Millionen, die Hillary und Bill in die Familienwahlkampfkasse geschossen haben. Clintons Kampagne wandelt finanziell am Abgrund. Ihr Online-Fundraising hatte nach dem Sieg in Pennsylvania zwar zugelegt, ähnliches ist aber nach dem durchschnittlichen Abschneiden am Dienstag nicht zu erwarten. Clinton hat ihre Geldgeber in den vergangenen Monaten bis auf den letzten Dollar ausgequetscht, ohne die Dynamik des Rennens nachhaltig zu ändern. Das desillusioniert ihre finanziellen Unterstützer.
2.) Mathematik
Hillary Clinton kann es drehen und wenden, wie sie will. Die Mathematik spricht gegen sie. Obama liegt nach Rechnungen der New York Times mit 168 Delegiertenstimmen vorne. Selbst wenn die Delegierten aus Florida und Michigan auf dem Parteitag gezählt werden würden, wird sie nicht mehr an Barack Obama vorbeiziehen können. Das akzeptieren inzwischen auch engere Mitarbeiter von Hillary Clinton hinter vorgehaltener Hand.
3.) Superdelegierte
Clintons einzige Chance sind deshalb die Superdelegierten, die sich qua Amt unabhängig vom Wählervotum für einen der beiden Kandidaten entscheiden dürfen. Hillary betreibt intensives Parteiestablishment-Lobbying. Gestern traf sie sich in Washington mit bisher unentschiedenen Superdelegierten, um sie davon zu überzeugen, nicht ins Obama-Lager zu wechseln. Sie konnte aber nicht verhindern, dass einige gewichtige Parteigranden ihre Loyalität zu Hillary Clinton aufkündigten. Unter anderem George McGovern, ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Demokraten 1972, sowie der Vorsitzende der Demokratischen Partei in North Carolina, Jerry Meek. Wir werden in den nächsten Tagen sehen, dass sich immer mehr Superdelegierte in Richtung Obama bewegen werden.
Hillary Clinton begann ihre Kampagne mit einem selbstbewussten „I´m In To Win!“. Nun wird es wohl eher heißen: „I am To Quit“.
Kommentare
Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
Kommentar schreiben