Wagt man einen Blick auf die Umfragedaten, die das nationale politische Klima messen, dann haben die Republikaner wenig zu lachen. Alle Makrodaten sprechen gegen einen Sieg von John McCain im Herbst. Das Pew Research Center legte kürzlich eine Studie vor, in der es die Parteiloyalitäten von registrierten Wählern abgefragt hatte. Das Ergebnis scheint eindeutig zu sein. Im Januar und Februar identifizierten sich 36% der Wähler mit der Demokratischen Partei. Nur 27% gaben an, Stammwähler der Republikaner zu sein. Das sind die schlechtesten Daten für die Grand Old Party (GOP) seit 16 Jahren. Auch bei den 37 Prozent der Wähler, die sich als „unabhängig“ (Independents) bezeichneten, haben die Demokraten einen Vorteil. 15% der Independents neigen zur Wahl eines demokratischen Bewerbers, 10% zur GOP und 12% sind noch völlig unentschieden, also pure Wechselwähler. Rechnet man die Stamm- und geneigten Wähler zusammen, so haben die Demokraten einen 14-Punkte-Vorsprung gegenüber den Republikanern. Ein deutlicher struktureller Vorteil.
Warum liegt McCain dennoch gleichauf mit seinen beiden demokratischen Herausforderern? Nach letzten Umfragen liegt er mit 1,6% hauchdünn hinter Obama; Hillary Clinton würde nach derzeitigem Stand sogar gegen den „Mac“ verlieren. Letzte interne Umfragen des Republican National Committee sehen John McCain sogar mit 6 Prozent vor Obama und 11 Prozent vor Clinton.
Die Antwort liegt in der Kandidatenzentriertheit des politischen Systems. Der Fokus auf Personen statt Parteien hilft McCain, die strukturelle Krise der Republikanischen Partei auszugleichen. Er schafft ihm den nötigen Spielraum, die Wähler der Mitte mit einer Aura des unabhängigen Politikers anzusprechen, als eine Art personifizierte Synthese aus moderat-konservativem Basisdenken und kritischem Bewusstsein gegenüber der abgewirtschafteten Bush-Regierung. Personen können schneller vergessen machen als Parteistrukturen.
Ein genauerer Blick auf die Makrodaten löst das Rätsel weiter auf. Zwar profitieren die Demokraten generell von der Frustration vieler Wähler gegenüber der Bush-Regierung, doch können sie die Enttäuschten noch nicht fest in ihrem Lager halten. Erstaunlicherweise hat sich der Anteil von Wählern, die sich als demokratisch identifizieren, seit dem Jahr 2000 nicht verändert. 2004 und 2000 gaben 35% an, Demokraten zu sein; heute ist es nur ein Prozentpunkt mehr! Will heißen: Die frustrierten Bush-Wähler sind noch nicht zu den Demokraten übergelaufen, sondern sie befinden sich noch in einem Zwischenstadium. Hier kann McCain ansetzen. Er hat die Chance, die heimatlosen, republikanischen Sympathisanten mit seinem moderaten Auftreten zurückzuholen ins Lager der GOP.
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