John McCain befindet sich in der Übergangsphase zum Hauptwahlkampf. Sein erster Schritt: Er stellt sich den Wählern noch einmal persönlich vor. Wie in jedem guten US-Wahlkampf bildet die Biografie des Kandidaten den Ausgangspunkt für die Kampagne. Und so reist „Mac“ gerade durch das Land, auf einer „Service to America”-Tour, die ihn an Orte führt, die sein Leben geprägt haben. Mit dabei sind sein Heimatort Meridian (Truppenstandort in Mississippi), die Naval Academy in Annapolis (Maryland) und der Militärflughafen in Jacksonville (Florida).
Diese Auswahl zeigt, auf welche Botschaft es McCain ankommt. Er stellt sich als überzeugter Amerikaner dar, immer im Dienst für sein Land, ganz patriotisch, außenpolitisch und militärisch erfahren. Es geht um „honor“ und „courage“ usw. Parallel dazu startete McCain eine Serie von TV- und Web-Spots mit ähnlichem Inhalt.
Diese Ausrichtung auf McCain als (Kriegs-)Helden ist aus wahlkampftaktischer Sicht bedenklich. McCain sollte nicht denselben Fehler machen, den Bush sr. 1992 begangen hat. Bill Clinton servierte ihn ab mit dem einfachen Slogan: „It´s the economy, stupid!“ Der alte Bush setzte damals zu sehr auf Außenpolitik und wollte von seinem Sieg gegen den Irak leben. Dabei übersah er, dass die Menschen in den USA in eine Rezession abglitten. Bush sr. wirkte entrückt, nicht auf dem richtigen politischen Spielfeld.
In Zeiten eines vergleichbaren Wirtschaftsabschwunges hörte man 2008 bisher wenig Ökonomisches von McCain. In Erinnerung ist nur geblieben, dass er arbeitslosen Autobauern in Michigan erzählte, dass sie ihre Jobs für immer verloren seien. Auch über McCains Wirtschaftsberater-Team rümpfen viele Beobachter die Nase. Der ehemalige Senator Phil Gramm ist Vize-Präsident des Finanzdienstleisters UBS, der in den vergangenen sechs Monaten 37 Milliarden Dollar abschreiben musste. Carly Fiorina war lange Zeit Chefin von Hewlett-Packard, wurde aber wegen eines unprofitablen Mergers mit Compaq und schlechten Unternehmensdaten aus dem Amt entlassen. Zuvor orderte sie noch eine private Überwachung von Mitarbeitern an, um aufzudecken, wer Interna an die Presse weitergeben hatte. Lidl lässt grüßen!
Wenn McCain im Herbst gewinnen will, sollte er sein Wirtschaftsprofil schärfen. Mit Krieg und nationaler Sicherheit allein wird er nicht ins Weiße Haus einziehen.
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