Hillary Clinton betont gerne, dass sie „blessed“ ist. Sie hat einen tollen Job, trifft interessante Leute, sie ist reich und hat eine nette Tochter. Doch manchmal kann sie dem fernen Zuschauer aus Deutschland leidtun. Es läuft nicht so rund, wie es sich Frau Clinton gewünscht hätte. Die Meldungen der letzten Tage waren alles andere als gut: Sie dramatisierte ihren Bosnien-Besuch in Tuszla; sie kann ihre Wahlkampfspesen nicht begleichen; Obama gibt fünfmal mehr Geld für TV-Spots aus als sie. Die Konsequenz: Ihre Siege in Texas und Ohio scheinen zu verblassen. Im Lande, vor allem aber unter den Superdelegierten, spricht sich herum, dass Barack Obama schwer zu schlagen sein wird. Nach allen glaubhaften Berechnungen wird er auch am Ende der Vorwahlsaison bei den Delegierten und Wählerstimmen vor seiner Widersacherin liegen.
Hillarys Berater ziehen deshalb alle Register, um die Stimmung in der Partei zu kippen. Clintons Kampagnenmanagerin Maggie Williams erneuerte in einem offenen Brief ihre Forderung, die Delegiertenstimmen aus Florida zählen zu lassen. Ansonsten drohe der Partei eine Wiederholung des Bush-Gore-Chaos aus dem Jahre 2000. Mit dieser Botschaft trifft Williams die Demokraten ins Herz, deren Mehrheit weiterhin glaubt, dass Bush (mithilfe des Supreme Court) Gore die Wahl gestohlen hatte.
Politfuchs Harold Ickes, Clintons Schattenmann für das Superdelegierten-Lobbying, fährt andere Geschütze auf. Er spekuliert offen darüber, dass Barack Obama der schwächere Kandidat gegen John McCain sei. Seine Logik: Barack Obama ist ein unerfahrener Wahlkämpfer, der angreifbarer für die Attacken der Republikaner ist. Er erinnerte an John F. Kerry, den die Grand Old Party (GOP) im Jahr 2004 nach ihren Regeln der Kunst definiert hatte. In der Tat braucht man wenig Vorstellungsvermögen, wie die Republikaner gegen Obama vorgehen würden. Die Stichworte: 1) Jeremiah Wright, 2) liberalster Senator im Kongress.
Trotz aller Kampfeslust im Clinton-Lager sieht es schlecht aus für ein Weiterkommen ins Kandidaten-Finale. Das sieht auch das Intellektuellen-Magazin Slate so. Sie haben vorsorglich eine "Hillary Deathwatch" eingeführt. Zur Zeit steht ihre Chance auf einen Sieg bei mageren 12 Prozent.
Zu allem Übel für die Clintons ist nun auch das Obama-Girl („I have a crush on Obama“) mit einem neuen Song aufgetaucht, in dem sie Hillary bittet aufzugeben.
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