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Die globale ShowFreitag, 29. August 2008![]() Am Sonntag endeten die olympischen Spiele in Peking mit einem riesigen Spektakel. Und mit dem, wofür die Chinesen berühmt sind, nämlich einem Feuerwerk. Schon am Montag setzte sich die Show für die Betrachter der Weltbühne fort - mit dem Parteitag der Demokraten in Denver. Hier haben die Amerikaner gezeigt, was sie besonders gut können: Große Gefühle zeigen. Neben der perfekten technischen und medialen Inszenierung hatten alle prominenten Redner, Hillary und Bill Clinton, Michelle und Barack Obama, sowie der neue Vize Joe Biden eines gemeinsam: Sie räumten den Emotionen einen großen Stellenwert ein. Ein jeder begann seine Rede mit einer Aufzählung der privaten Rollen, die er oder sie abdecken. Sie ließen es sich nicht nehmen zu betonen, dass sie auch als Tochter, Bruder und vor allem als liebende Eltern sprechen. Selbst Obamas Tochter warf ihrem Dad auf der Bühne ein „I love you“ zu. Das Thema Kindheit und Elternschaft wurde mit zahlreichen Anekdoten von jedem Redner als Bild bemüht, um ihre ur-amerikanischen und demokratischen Werte wie Fleiß, Ehrgeiz und „Zuversicht in den amerikanischen Traum“ zu transportieren.
Den Höhepunkt der großen Show bot gestern Abend Barack Obamas Rede im Footballstadion von Denver vor fast 80.000 Gästen, etwa so vielen wie das Pekinger Olympia-Stadion fasst. Seine Rede, das war schon im Vorfeld klar, hatte historische Bedeutung, denn sie ereignete sich auf den Tag genau 45 Jahre nach Martin Luther Kings Rede „I have a dream“, die der Bürgerrechtsbewegung in den USA zum Durchbruch verhalf. Barack Obama enttäuschte sein Publikum nicht. Mit einer seiner brilliantesten Reden nahm er die Zuschauer für sich ein. Alle Sorgen, das Footballstadion und seine Bühnenshow - auch hier Konfetti und Feuerwerk inklusive - könnte das Image des Popstars schüren, welches John McCain seit Wochen ins Lächerliche zu ziehen versucht, sind dahin. Die einzige Waffe, die John McCain jetzt noch ziehen kann, ist sein eigener Parteitag. Und der folgt schon morgen. The Show must go on. Obamas MeisterstückFreitag, 29. August 2008
Was für eine Rede! Was für ein Parteitag! Wie nervös sind die Demokraten noch vor einer Woche gewesen. Sie hatten Angst vor sich selbst, Angst davor, es wieder zu vermasseln. In der Tat schien Barack Obama die Schraube der Inszenierung zu weit gedreht zu haben. Auch die Partei machte den Eindruck, noch immer gespalten zu sein. Zu allem Überfluss ist John McCain erfolgreich mit seiner Taktik gewesen, den jungen Senator als elitär, abgehoben und „out of touch“ mit normalen Amerikanern darzustellen; ihn als politisches Leichtgewicht zu portraitieren, das nur an den eigenen Erfolg denkt.
Der Druck auf Obama war also groß. Jeder wusste, dass Rhetorik seine Stärke ist, dass die Kraft seiner Worte ein Hauptgrund für seinen Aufstieg gewesen war. Deshalb war er dazu verdammt, eine gute Rede zu halten. Jeder noch so unwichtige Kommentator hatte Obama im Vorfeld einen medialen Waschzettel mit Dingen einstecken wollen, die er unbedingt berücksichtigen musste. Viele erkannten hier eine Schwäche, dort eine Panne, hier ein falsches Wort, dort einen strategischen Fehler, den es zu beheben galt. Die Blase des Obama-Märchens drohte zu platzen. Insgeheim freuten sich viele Beobachter, auch viele Status-Quo-Denker in Deutschland, schon hinter vorgehaltener Hand über den Abstieg des blumigen Kandidaten, der keine Substanz habe und nur die Show kenne. Und dann solch eine Rede! War der Auftritt vor vier Jahren auf dem Parteitag in Boston Obamas Gesellenstück, das ihm den Zutritt zur großen nationalen Bühne ermöglichte, so muss diese Rede gestern Abend als sein Meisterstück gelten. Ich sage es nicht gerne, weil es unobjektiv klingt. Aber in der Tat hat Obama mit diesem Auftritt ALLES richtig gemacht. Ich möchte dies an drei Punkten erläutern. 1. Zukunft vs. Vergangenheit Obama machte deutlich, worum es im Wahlkampf gegen John McCain geht. Aussagen wie „We are a better country than this“ oder „America, we cannot turn back“ verdeutlichten seine Marschrichtung. Der Kontrast zwischen den beiden Kandidaten wurde in dieser Rede überdeutlich. Auf der einen Seite stand John McCain, ein Symbol für Vergangenheit, für Status-Quo, für eine dritte Amtszeit der George W. Bush-Republikaner. Immer wieder verband Obama den Namen seines Konkurrenten mit dem des unbeliebten Präsidenten. Er machte deutlich, dass John McCain zu mehr als 90 Prozent den Vorschlägen George W. Bushs gefolgt ist. Obamas rhetorisch geniale Schlussfolgerung: „I am not ready to take a ten percent chance on change“. Sein Satz „Eight [years] is enough“ wird sicher zum Schlachtruf der Demokraten im Hauptwahlkampf werden. Auf der anderen Seite stand Obama als Repräsentant der Zukunft, des Aufbruchs in ein besseres Amerika. Unglaublich eindringlich verband er die Hoffnung auf eine gute Zukunft mit seiner eigenen Lebensgeschichte und der Erzählung seines Landes, mit dem Glauben an Fortschritt, Reform und Neuerung. 2. Selbstbewusster Kämpfer Obama war angetreten, einen anderen, idealistischeren Wahlkampf zu machen, der auf Negativität und das leidige Hin und Her von Anschuldigung und Gegen-Anschuldigung verzichten sollte. Das hielt ihn lange davon ab, offen auf die Attacken John McCains zu antworten. Er setzte sich damit den Anwürfen der Republikaner schutzlos aus. Am gestrigen Abend zeigte er aber seine Kämpfer-Qualitäten. Der Gutmensch machte deutlich, dass er in das Haifischbecken des Wahlkampfes steigen kann, dass er seine Positionen selbstbewusst vertritt und sich nicht scheut, sie klar mit denen des Gegenkandidaten zu kontrastieren. Sein vermeintliches Celebrity-Image wischte er mit einem emotionalen Verweis auf die bodenständige Geschichte seiner Familie weg. Selbstbewusst zählte er die außenpolitischen Fehleinschätzungen John McCains und George W. Bushs auf, um dann den eindringlichen Satz nachzuschieben: „If John McCain wants to have a debate about who has the temperament, and judgment, to serve as the next Commander-in-Chief, that's a debate I'm ready to have.“ Obama machte deutlich, dass es als Präsident vor allem auf das richtige Urteilsvermögen ankommt, nicht auf die Anzahl der Jahre, die man in Washington verbracht hat. Im Bereich der Wirtschaftspolitik wendete er eine Taktik auf John McCain an, die sonst gerne die Republikaner benutzen, um die demokratische Gegenseite zu attackieren. „Out of touch“ mit dem amerikanischen Volk sei nicht etwa Obama, sondern John McCain, der keinen Zugang zu den Sorgen und Nöten der kleinen Leute habe, so der junge Senator. Selbstsicher wischte Obama auch Zweifel am Patriotismus der Demokraten weg. Er rief mit viel Chuzpe in die Menge, mit festem Blick direkt in die Kamera: „We all put our country first.“ 3. Details und Rhetorik Obama wurde vorgeworfen, dass er zu blumig aufgetreten sei, dass es seinen Reden an der nötigen Erdung durch konkrete politische Inhalte fehle. Das war an diesem Abend anders. Bewusst nahm er sich zehn bis 15 Minuten, um konkrete politische Vorschläge zu machen. Diese weckten zum Teil sogar allzu konkrete Hoffnungen – wie etwa die Zahl von fünf Mio. Jobs, die durch die Förderung der Ököindustrie entstehen würden, oder das Verprechen, Amerika werde in zehn Jahren unabhängig von Öl aus dem Mittleren Osten sein. Insgesamt aber war es wichtig zu zeigen, dass sich ein greifbares Programm hinter Obamas Rhetorik verbirgt. Aber, wie auch schon im Vorwahlkampf, standen die Themen und die Sachpolitik nicht im Vordergrund, sie waren vielmehr Teil einer größeren Erzählung. Das ist schlau, denn Wähler sind keine „policy wonks“, wie man in den USA so schön sagt. Obama hat ein unglaublich detailliertes Programm, aber er weiß, dass es nicht auf die rationale Rezitation seiner Positionen ankommt, sondern darauf, Sachpolitik greifbar zu machen, indem man sie in eine emotionale Erzählung, in einen rhetorischen Mantel kleidet, der Menschen emotional anspricht. Das mag für deutsche Ohren platt klingen. Nur so findet man aber erst Zugang zum Bewusstsein des Wählers, der weitaus gefühliger denkt und handelt als gemeinhin angenommen wird. Insgesamt hätten diese vier Tage in Denver nicht besser laufen können. An wenigen Terminen im Wahljahr hat man die ungeteilte Aufmerksamkeit einer großen Masse von Wählern. Parteitage sind solche Momente. Sie müssen eine klare Botschaft haben, die die Richtung im Hauptwahlkampf vorgibt. Die Botschaft der Demokraten heißt: Wir sind vereint! Wir sind selbstbewusst! Wir sind der Wandel! Hier die glanzvolle Rede Obamas. Ein Muss für jeden Redenschreiber und Politiker: Gestatten, Joe BidenFreitag, 29. August 2008Freitagnacht mitteleuropäischer Zeit ging die lange erwartete SMS ein, in der Barack Obama Joe Biden als seinen Vize bekannt gab. Jetzt stellt sich der 65-jährige Senator aus Delaware vor. In einer E-Mail mit seinem Absender und einem schlichten „hello“ im Betreff schrieb er Barack Obamas Unterstützern. Er versprach Obamas Bewegung zu vergrößern und bat: „Bitte schauen Sie sich das Video an und leiten Sie es weiter. Danke, Joe“ Tiefere Einblicke in Joe Bidens Leben gab Christian Wernicke in der Süddeutschen Zeitung. Es überwiegt der Eindruck vom Wunderkind Biden, das nach 36 Jahren im Kongress so gut wie keine Feinde hat und auch den Respekt der Republikaner genießt. Biden wuchs als Sohn eines katholischen Autohändlers auf und stotterte als Kind, aber er behauptete sich und studierte Geschichte, Politik und Jura. Er trainierte seine Wortgewalt und wurde nach ein paar Jahren als Anwalt mit nur 29 Jahren zum Senator gewählt. Trotzdem kann sein schnelles Mundwerk ihm auch zum Verhängnis werden. So zählt zu seinen jüngeren Fehltritten das im letzten Jahr mißlungene Lob über Obama: Er sei eben der erste Afro-Amerikaner, der „klug und sauber und gut aussehend“ daherkomme. Doch diese Äußerung scheint ebenso verjährt wie das Schönen seiner angeblich überdurchschnittlichen College-Noten. Das Wunderkind hat sich also auch ab und an durchgemogelt. Bidens Synergie-Effekt für die Obama-Kampagne speist sich aus seiner außenpolitischen Erfahrung und seiner bodenständigen Art. Er lehnt militärische Gewalt nicht grundsätzlich ab, sondern sprach sich Mitte der neunziger Jahre öffentlich dafür aus, dass in Bosnien US-Luftangriffe gegen die serbische Gewalt eingesetzt werden. Mit seiner unprätentiösen Art und seinem kräftigen Händedruck kann Biden für Obama in den wahlentscheidenden Swing-States punkten. Es geht um die Stimmen der Katholiken in Pennsylvania und die der Waffenfreunde aus West Virginias Provinz. Hillary At Her BestMittwoch, 27. August 2008
Es war ein emotionaler Tag für Hillary Clinton und ihre Anhänger. Gerne hätte die Kandidatin am Donnerstag gesprochen, um die Nominierung ihrer Partei anzunehmen. So blieb ihr nach der verlorenen Vorwahl nur der 20-minütige Prime-Time-Spot am Dienstag vorbehalten. Allerdings hätte dieser 26. August nicht symbolbeladener sein können, ist er doch der offizielle der Tag der Gleichberechtigung und der 88. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts in den USA.
Auch wenn Michelle Obama noch in ihrer Rede am Montag deutlich gemacht hatte, dass die viel beschworene gläserne Decke für Frauen in den USA durch Clinton und ihre Kampagne 18 Millionen Sprünge bekommen habe, so blieb doch ein fader Beigeschmack bei vielen Hillary-Unterstützern übrig. Sie dachten sicherlich: „Sprünge sind ja schön, aber Barack Obama verhinderte, dass die Decke komplett gesprengt worden ist.“ Nun zu Clintons Rede. Sie machte alles richtig. Die Ex-First Lady gab eine eindrucksvolle Unterstützungserklärung für Obama ab („Obama is my candidate“). Sie machte deutlich, dass es ab jetzt um mehr geht als um ihre Person, ergo: um die richtigen Problemlösungen für das Land ("Whether you voted for me, or voted for Barack, the time is now to unite as a single party with a single purpose. And you haven’t worked so hard over the last 18 months, or endured the last eight years, to suffer through more failed leadership”). Gleichzeitig griff Clinton das Duo John McCain und George W. Bush frontal an („it is hard to tell them apart“). So weit, so gut. Was den geschulten Beobachter aber ins Mark traf, war die Qualität von Clintons Rede. Jetzt erst, nach der bitteren Niederlage gegen Obama, scheint sie ihre Stimme gefunden zu haben. Wie weggeblasen schienen die künstlich wirkenden Auftritte der Sachpolitikerin, die auf ihre Stärke und Erfahrung setzte und dabei die emotionale Ansprache der Wähler vergaß. Hillary war witzig, rhetorisch auf der Höhe, Gestik und Mimik passten, sie war einfühlsam und bissig zugleich. In der Tat schien sie wie verwandelt. Eine Frage hat viele Zuhörer an diesem Abend sicher beschlichen: What if? Was hätte möglich sein können, wenn sie von Anfang an so aufgetreten wäre? Hier die komplette Rede in drei Teilen: Teil 1: Teil 2: Teil 3:
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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14:23
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Ein Fest der Demokratie – Vor-Ort-Eindrücke der DNC in DenverMontag, 25. August 2008
Die „Democratic National Convention“, der Nominierungsparteitag der Demokraten, öffnet heute ihre Türen. Tausende von Delegierten, Pressevertreter und Anhänger der Demokraten diskutieren die amerikanische Politik der Zukunft. Anders als auf deutschen Parteitagen, bei denen Antragskommissionen wochenlang im Voraus die Inhalte des Parteitags bestimmen, leben hier Tausende von amerikanischen Bürgern Politik, indem sie ihre Meinung äußern: auf Plakaten, in Demonstrationen, mit Flugblättern, die überall in der Stadt verteilt werden, und in unzähligen „special events“.
Viele verfolgen die Reden und Diskussionen des Parteitages online oder auf Videoleinwänden, die vor dem Pepsi-Center aufgebaut sind. Denver ist sozusagen ein Parteitag der offenen Türen. Aber nicht nur im eigentlichen Veranstaltungsraum, sondern über die ganze Stadt verteilt sind Stände und Informationspunkte, an denen NGOs und Bürgerbewegungen für ihre Sicht Position beziehen. Mit Engagement und Leidenschaft formulieren sie in über 1000 Veranstaltungen Perspektiven und Botschaften, die sie ihrem Kandidaten Barack Obama mit auf dem Weg im Kampf um das Präsidentenamt geben. Diese Woche ist ein Fest der Demokratie, eine Selbstbestätigung Amerikas, dass Politik nicht nur von oben, sondern vor allem von unten, von den Menschen selbst - im Dialog miteinander und mit den Verantwortlichen - gestaltet wird. Ein Aspekt, der uns Deutschen Mut und Lust zum Engagement machen sollte. Aber auch ein Zeichen für die Politik, ihre eingefahrenen Wege zu verlassen und die Türen für die Bürger und ihr Engagement weit zu öffnen. Joe Biden: Eine gute WahlMontag, 25. August 2008
Barack Obama hat die übliche Kritik einstecken müssen nach seiner Entscheidung für Joe Biden als „running mate“. Biden sei eine ZU sichere Wahl. Obama habe sich nicht getraut, den von ihm propagierten politischen Wandel mit einem jungen, energischen, zukunftsorientierten Politiker wie Virginias Gouverneuer Tim Kaine (50) oder Iowas Senator Evan Bayh (52) zu unterstreichen. So zumindest einige Kommentatoren. Diese Kritik mag berechtigt sein. Insgesamt war die Wahl von Senator Biden aber ein sehr kluger Schachzug von Obama. Biden ergänzt das Ticket in drei entscheidenden Punkten. Er kann helfen, die größten Schwächen des jungen Senators zu korrigieren.
1. Politische Erfahrung Es gibt kaum einen anderen Politiker in Washington, der so viel Erfahrung in außen- und innenpolitischen Sachfragen hat wie Joe Biden. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat ist ein gefragter Gesprächspartner in Paris oder Berlin, in Tiflis oder Peking. Immer stärker zeigt sich in Umfragen, dass die Wähler die größten Zweifel an Obama anmelden, wenn es um Außenpolitik und nationale Sicherheit geht. Bei diesen Themen hat McCain klar die Nase vorn. Das zeigte sich auch wieder im Georgien-Konflikt, als McCain selbstsicherer als Obama Stellung nahm zu den Geschehnissen im Kaukasus. Biden kann helfen, der Obama-Kampagne mehr außenpolitische Gravitas zu geben. 2. Otherness Mike Podhorzer, Kampagnenchef der Gewerkschaften in den USA, sagte mir kürzlich im Interview, dass viele weiße Arbeiter nach politischem Wandel verlangten, aber nicht wissen, ob sie SO VIEL Wandel wollen. Die Andersartigkeit Obamas, seine Hautfarbe, seine Fähigkeit zu inspirieren, seine rhetorischen Fertigkeiten, stoßen bei vielen kulturell konservativen Amerikanern nicht nur auf ungeteilte Freude, sondern auf große Skepsis. Joe Biden ist der richtige Kandidat, um diesen Wählern zu versichern: Alles ist okay! Biden stammt aus einfachen Verhältnissen; aus Trenton (Pennsylvania), einer der alten, großen Arbeiterregionen des Landes. Er kennt den Rust Belt sehr genau. Zudem ist Biden schon vom Äußeren her eine Art Rückversicherung für skeptische Wähler. Er ist alt, weiß, ein erfahrener Haudegen. 3. Attack Dog Joe Biden ist ein der schärfsten und redegewandtesten Kritiker George W. Bushs und der Republikanischen Partei. Er hat die Aura und Chuzpe, den Attacken McCains contra zu geben. Obama braucht solch einen Attack Dog, hat er sich doch in den letzten Wochen unnötig in die Defensive drängen lassen, weil das Team McCain erfolgreich war, in als abgehobenen, leichtgewichtigen Politstar ohne Erfahrung zu portraitieren. Bidens eloquente Angriffe auf McCain bei seinem Auftritt mit Obama am Samstag in Springfield, Illinois, gaben einen Vorgeschmack auf die Dinge, die im Herbst folgen werden. Natürlich birgt die Nominierung Bidens auch eine Gefahr. Für einen Vizepräsidentschaftskandidaten kommt es vor allem darauf an, intelligent im Halbschatten der Kampagne zu wirken. Biden ist dafür bekannt, dass er ein loses Mundwerk besitzt, das ihm schon an vielen Stellen seiner Karriere zum Verhängnis geworden ist. U.a. kritisierte er Obama während des Vorwahlkampfes ganz offen als zu unerfahren für den Job des Präsidenten. Die Republikaner zögerten deshalb auch nicht lange und produzierten innerhalb weniger Stunden einen TV-Spot mit Bidens Aussagen: Mittlerweile hat das McCain-Team nachgelegt. Nun ist es Hillary Clinton, die gegen Obama in Stellung gebracht wird. Implizit erinnert dieser Spot viele weiße, weibliche Wähler daran, wer die eigentliche Kandidatin für das Vize-Amt hätte sein können. Obama bekämpft SchmutzkampagneMontag, 25. August 2008
Besonders seit Steve Schmidt das Zepter in McCains Wahlkampf führt, beobachten wir schmutzige Kampagnen gegen Barack Obama. Die gezielt gestreuten Unwahrheiten schwächen Obama, der nach aktuellen Umfragen nur einen Prozentpunkt vor McCain liegt.
Ihm wird vorgeworfen, sein Wahlkampfflugzeug sei nicht mit der amerikanischen Flagge zu versehen, er besuche nicht die verwundeten Truppen und Michelle Obama sei keine Patriotin. Jetzt reagiert Obama mit der Kampagne „Fight the Smears“. Auf seiner Website werden die Verbalattacken zitiert und der Wahrheit gegenübergestellt. Mit dem Link Spread the Truth wird der Leser aufgefordert, die von Bildern und Videos untermauerten Richtigstellungen per E-Mail an Freunde weiter zu senden. Obamas VizeSamstag, 23. August 2008
Die Bekanntgabe von Barack Obamas Vizepräsidenten spannt nicht nur die Amerikaner auf die Folter. Seit Obamas Kampagne verkündete, dass die Neuigkeit per SMS versendet wird, herrscht angespanntes Warten bei allen, die sich für diesen Info-Dienst registriert haben. Die 31-jährige Alice Marwick, die in Manhattan studiert, ist eine von ihnen und hat schon eine SMS erhalten, die sie in Aufregung versetzte:
„Thank you for your support. Barack wants you to know he has chosen Hillary Clinton as his VP.“ Erst als sie im Internet recherchierte, stellete sich heraus, dass es sich um einen Scherz handelte. Wer dahinter steckt, ist bislang unbekannt, aber Alice Marwick, die an der New York University im Fach Neue Medien promoviert, vermutet den Hacker in ihrem Freundeskreis. Sie sagt, diese Aktion zeige einfach, wie leicht es ist, die Technologie zu überlisten. Ein aussagekräftigerer Hinweis auf Barack Obamas Vizepräsidenten könnte eine E-Mail sein, die angeblich aus der Obama-Kampagne an die Huffington Post gelangte.Nach Angaben der Online-Zeitung sind bereits T-Shirts und andere Obama-Biden Kampagnen-Artikel am Donnerstag verschickt worden. "Obama-Biden campaign items will be posted on Thursday, Aug. 21, 2008." Schenkt man diesen Spekulationen Glauben, wäre Joe Biden, den wir in dieser Woche als den Anwärter mit der größten Chance auf dasVizepräsidentenamt ausgemacht haben, tatsächlich ausgewählt. Obama: Mobil zum ErfolgFreitag, 22. August 2008
Immer noch warten wir darauf, dass Barack Obama seinen Vizepräsidentschaftskandidaten bekannt gibt. Die Zeit können wir uns mit einem Blick auf die Kampagne Obamas vertreiben.
Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sein Team eine neue Online-Plattform für mobile Dienste geschaffen. Das Portal m.barackobama.com, entwickelt vom Start-Up ILoop Mobile, hat einige interessante Features. U.a. gibt es Wallpapers und Klingeltöne zum Download. Außerdem kann man sich einen Nachrichtendienst mit den neuesten Kampagnen-News auf sein Handy abonnieren. Interessant ist auch die virale Animation „Share the Hope“, die man an Freunde und Bekannte versenden kann.
Eine konsequente Innovation der Obama-Kampagne, die ihren mobilen Wahlkampf seit Monaten immer weiter ausbaut. John McCain hat noch keine mobile Plattform, wird aber sicher bald nachziehen. Innovationen werden in Wahlkämpfen schneller kopiert, als man gemeinhin gucken kann.
Blogeintrag von Maik Bohne
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16:38
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Fundraising durch Dich und michDienstag, 19. August 2008
Bisher war klassisches Fundraising vor allem besser verdienenden, gesellschaftlich gut vernetzten Zeitgenossen oder professionellen Spendensammlern vorbehalten. Mit einem äußerst egalitären Web 2.0-Ansatz, entwickelt von der progressiven Internetgruppe ActBlue, zieht Barack Obama diese alte Wahrheit nun in Zweifel. Sein Ziel: Jeder noch so unbedarfte Unterstützer kann ein Spendensammler sein. Auf my.barackobama.com hat jeder Nutzer die Chance, eine eigene Fundraising-Homepage für den Kandidaten zu erstellen und ruft dann Freunde und Bekannte zum Spenden auf. Nach vier Mausklicks ist man in der Regel offizieller Fundraiser, inklusive eigener Zielmarke und eigenem Aktivitätsindex.
Kurz vor dem offiziellen Start in den Hauptwahlkampf hat das Team Obama nun einen institutionellen Rahmen für seine Spenderhelden an der Basis geschaffen. In das Grassroots Finance Committee wird in Zukunft jeder Laien-Fundraiser aufgenommen, der es vermag, mehr als 1.000 Dollar an Spenden für den Kandidaten einzutreiben.
Hier ein Video von der erfolgreichen Grassroots-Fundraiserin Michelle: Wer wird Obamas VP?Dienstag, 19. August 2008
Ein beliebter Sport unter Politjournalisten in den USA ist das Ratespiel „Wer wird Vize?“ Die V-Frage ist derzeit in aller Munde, hat Barack Obama doch angekündigt, Die Wahl seines "Running Mate" im Laufe des morgigen Tages bekannt zu geben. Ganz nach Obama-Art werden es aber nicht die Journalisten sein, die zuerst von der Entscheidung erfahren, sondern Menschen wie Du und ich, die sich im Vorfeld per SMS oder Internet auf my.barackoabama.com registrieren lassen haben (s. Beitrag Strukturwandel in der Öffentlichkeitsarbeit)
Nun zur V-Frage. Wer wird es? Die besten Chancen hat zurzeit ein Kandidat, der erst vor Kurzem in den Kreis der Aspiranten aufgestiegen ist (ein sicheres Zeichen für einen heißen Tipp): Joe Biden. Der langjährige Senator und Konkurrent von Obama im Vorwahlkampf bringt die nötige internationale und innenpolitische Erfahrung mit, die Politnovize Obama so dringend braucht. Ein erfahrener, eloquenter Politiker an der Seite des jungen Wandelpredigers. Das macht Sinn. Hoch im Kurs steht zudem der Senator aus Indiana, Evan Bayh. Auch er ist ein erfahrener Politiker, der seine politische Heimat in einem Staat hat, der zu den am härtesteten umkämpften Battleground States dieser Wahlsaison gehören wird. Bayh trägt jedoch den Makel mit sich herum, den Irak-Krieg 2003 offen unterstützt zu haben. Ein Widerspruch zur Position Obamas. Ansonsten gibt es noch Tim Kaine, Gouverneur aus Virginia, einem weiteren Schlüsselstaat. Kaine ist jung, er hat Exekutiverfahrung und nationale Ambitionen. Zudem könnte er das Thema Wandel und Generationswechsel perfekt zusammen mit Obama verkörpern. Da aber immer deutlicher wird, dass viele Wähler schon die Wahl Barack Obamas selbst als forschen Schritt des Wandels ansehen, wird Kaine es aller Voraussicht nach nicht. Der junge Senator aus Illinois braucht einen erfahrenen Politiker an der Seite, um das Ticket auszubalancieren. Alles spricht für Biden… Auch wenn sich eine Mehrheit der Demokraten immer noch Hillary Clinton als VP wünscht, so wird sie es sicherlich nicht. Auch Kathleen Sebelius, die noch vor ein bis zwei Monaten hoch gehandelte Kandidatin, ist ein zu unbeschriebenes Blatt aus dem Staate Kansas, der für Obama nicht zu gewinnen sein wird. Ob sich Barack Obama mit der Nicht-Berücksichtigung einer Frau schaden wird, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung für einen Mann wird die weiblichen Clinton-Unterstützerinnen aber sicher nicht gerade in seine Arme treiben. Wir warten gespannt auf die Entscheidung… Das soll einmal mehr die Basisorientierung der Kampagne symbolisieren, hat aber den schönen Nebeneffekt, dass Obama weiter fleißig Adressen und Telefonnummern seiner Unterstützer sammeln kann.
Blogeintrag von Maik Bohne
um
18:12
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McCains Kampagne wird aggressiver - mit Steve Schmidt an der SpitzeFreitag, 15. August 2008
Einen härteren Stil bringt seit kurzem Steve Schmidt, McCains neuer Kampagnenchef, in den Wahlkampf. Gelernt hat Schmidt sein Handwerk bei Karl Rove, einem der engsten Berater von George W. Bush.
![]() Steve Schmidt Die Videos „The One“ und „Celebrity“, die wir in der letzten Woche vorgestellt haben, zeigen, wohin der neue Kurs geht. Schmidts bewährte Strategie lautet: Verkehre die Stärken des Gegners ins Gegenteil. Im Falle Obamas greift er nun dessen Eloquenz und Popularität an. Mit dieser Methode zersetzte er bereits vor vier Jahren den militärischen Lebenslauf von John Kerry. Der Republikaner Schmidt leitete damals den so genannten „War Room“ des Wahlkampfes. Schmidt war auch aktuellen Wahlkampf im engeren Zirkel McCains, erhielt aber nun die zentralen Aufgabenbereiche politische Strategie, Bündnisse, Zeitmanagement und Kommunikation. Jeden Morgen um Punkt acht Uhr stimmt Schmidt die Wahlkampfmaschine der Republikaner mit einer „Botschaft des Tages“ ein. Wer von dieser Linie abweicht, muss mit Ärger rechnen und selbst John McCain soll sich den strengen Ansagen seines Kampagnenchefs unterwerfen. Sein Kontakt zur Presse wurde reduziert und der direkte Draht zum Handy des Kandidaten eingeschränkt. Alte McCain-Vertraute sorgen sich derweil, Schmidts rabiate Botschaft verbiege den Kandidaten und schade seinem Image als Freidenker. Barack Obamas Fernsehspot “Book”Donnerstag, 14. August 2008
Das neue Video der Obama Kampagne greift McCains Ölpolitik und seine Haltung zum Irak an.
Auf dem Blog MYDD lobt Jonathan Singer dieses Video, weil es anspricht, dass der Krieg im Irak die amerikanische Wirtschaft lähmt. Singer beklagt aber zugleich, dass es nicht weit genug geht. Es versäumt aufzuzeigen, dass die irakische Regierung am Jahresende 79 Milliarden US$ Überschuss verzeichnen könnte. Diese Fakten sollten aus seiner Sicht vor allem deshalb ausgesprochen werden, weil der amerikanische Haushalt ein historisches Defizit erreicht hat. Dagegen mutet Obamas Forderung nach besseren Schulen als das Gegenteil von McCains Irakpolitik in diesem Video ein wenig deplaziert an. Diese 1,5 Sekunden hätte man vielleicht auch einfach weglassen können, um sich auf ein Thema zu konzentrieren. Je präziser ein Werbespot ist, umso besser. Strukturwandel in der ÖffentlichkeitsarbeitDienstag, 12. August 2008
Barack Obamas Kampagne verändert die politische Kommunikation: Jetzt nutzt Obama das Medium „SMS“ auf eine Weise, die die Regeln der Öffentlichkeitsarbeit auf den Kopf stellt. Er will den Namen seines Vizepräsidenten per SMS bekannt geben und zwar nicht an die Presse, die schon hungrig auf diesen Happen wartet, sondern an seine Grassroots, an die Unterstützer, die ihn auch bislang mit Spenden etc. begleitet haben. Und dies bevor er auf der National Convention in Denver den Namen seines Vize verkündet. In einer E-Mail, die er gestern mit dem Betreff “Barack's VP: Be the First to Know” verschickte, bietet der Campaign Manager David Plouffe an, die begehrte Neuigkeit an diejenigen zu versenden, die sich dafür registrieren.
Das kann per E-Mail geschehen oder man schickt die Buchstaben “VP” per SMS an die Nummer 62262. Jose Antonio Vargas schreibt in der Washington Post, dass es sich um eine revolutionäre Form der Bekanntgabe handelt, bei der drei Punkte besonders bemerkenswert sind:
Wie der Blog TechPresident berichtet, wurde die Revolution auch auf Twitter heftig diskutiert, nachdem Brian Stelter von der New York Times diese Frage auf den Twitter-Tisch brachte. Die Reaktionen sind gemischt, Micah Sifry hält den Wandel für smart.
Blogeintrag von Ute Pannen
um
18:00
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Obama als Antichrist?Dienstag, 12. August 2008
Eine neue Strategie der Republikaner versucht mit rhetorischen, visuellen und audiovisuellen Mitteln Obama als Antichristen zu stilisieren. Ein Instrument dafür war der T-Shirt Wettbewerb anlässlich von Obamas World Tour 2008, von dem ich in der letzten Woche berichtet habe.
Bahnhofsmission Bonn ![]() T-Shirt Wettbewerb Noch tiefgründiger sind die Beobachtungen des TechPresident Bloggers Micah L. Sifry, der in dem Video "The One", eine zweite Ebene entdeckt. Auf den ersten Blick scheint McCain die messianische Inszenierung Obamas und die Menschenmenge, die sich um ihn versammelt hat, zu belächeln. Die linke christliche Organisation Matthew 25 entdeckte jedoch eine weitere Lesart dieses Videos, das voller versteckter Botschaften ist und Obama als Antichristen bezeichnet. Danach bezieht sich das Video auf die Left Behind-Serie, einer Reihe von Bestseller-Romanen, die von 44 Millionen Amerikanern gelesen wurde und in denen das Ende der Welt beschrieben wird. Die McCain-Kampagne hat hier nicht etwa einen Praktikanten ein Video drehen lassen, sondern ganz professionell Zitate aus den Romanen ausgewählt und die Rolle des Antichristen, die im Buch ein gewisser Nicolae Carpathia inne hat, in Bezug mit Obama gesetzt. In der Left-Behind-Reihe gründet der Protagonist Nicolae Carpathia die Weltreligion THE ONE. Er beginnt seine Karriere als junger sympathischer Senator, der mit Hilfe des Satans aufsteigt und seine Botschaft von Einheit, Hoffnung und Frieden verbreitet. Kein Zufall also, dass McCains Kampagne das Video über Barack Obama auch „THE ONE“ betitelt? Zu diesem Thema lohnt sich auch ein Blick auf GodTube, der religiösen Alternative zu YouTube.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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11:50
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