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Republikaner gründen ObamabookDonnerstag, 31. Juli 2008
Soll noch einer sagen, die Republikaner seien nicht auf der Höhe des modernen Internetwahlkampfes. Mit einer neuen Webseite nehmen sie Barack Obamas Erfolg auf der sozialen Netzwerkseite Facebook aufs Korn. Auf www.barackbook.com haben sie ein fiktives Profil des jungen Senators angelegt, das ihn als virtuellen Freund von zwielichtigen Chicagoer Figuren wie dem Immobilienmakler Antoin Rezko oder dem ehemaligen linken Untergrundkämpfer William Ayres zeigt. Wegen dieser immer noch nicht ganz geklärten Verbindungen hatte ihn auch Hillary Clinton bereits scharf angegriffen.
Die Parodie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man das Internet für einfache, aber effektive Attacken gegen den politischen Gegner nutzen kann. In diesem konkreten Fall geht der Angriff sogar in zwei Richtungen. Nicht nur Obama wird diskreditiert, sondern auch der Leiter seines Internetportals my.barackobama.com, der Chris Hughes heißt und einer der Gründer von Facebook ist. Vielleicht sollte Facebook sich gerichtlich gegen das Plagiat wehren, so wie im Falle der deutschen Netzwerkseite StudiVZ. Das würde Barackbook allerdings nur eines bescheren: Aufmerksamkeit. Wo bleibt der Aufschwung?Mittwoch, 30. Juli 2008
Nach der internationalen Festwoche, die Barack Obama mit seinem Auftritt vor über 200.000 Menschen in Berlin gekrönt hatte, stellt sich die Frage nach den Effekten seiner Auslandsreise. Hat er im Zuge der hohen medialen Aufmerksamkeit und der in großen Teilen positiven Beurteilung seiner Welttournee Punkte an der Heimatfront machen können? Diese Frage stellt sich auch Adam Nagourney in der New York Times.
Wie Nagourney richtig anmerkt, ist es in der Tat auffällig, dass die Massen zwar zu Obama strömen, sich der überbordende Enthusiasmus für seine Person und seine Botschaft aber kaum in den Umfragen ablichten lässt. Natürlich führt Obama weiterhin das Rennen gegen John McCain an, aber sein Vorsprung bewegt sich in einem Rahmen von etwa zwei bis sieben Prozent. Bisher hat er die psychologisch so wichtige Marke von 50 Prozent Wählerzustimmung noch nicht erreicht. Interessanterweise scheint McCain seine zugewiesene Rolle des medialen Hinterbänklers wenig zu schaden. Die Anti-Bush-Stimmung kann dem politischen Haudegen wenig anhaben, der sich als unabhängiger Politiker mit Reformpotenzial verkauft. Müssen wir also um einen Sieg Obamas fürchten? Entwarnung kommt vom National Committee for an Effective Congress (NCEC). Die Organisation ist das historische Wählerwissen der Partei, weil sie so fundiert wie kaum eine andere Institution Wählertrends für demokratische Kandidaten analysiert. Und dies überall im Land, von der Bundes- bis hinunter auf die Kreisebene. NCEC streicht den Unterschied zwischen diesem Wahljahr und den letzten beiden heraus, die bekanntlich erfolgreich für die Republikaner endeten. Seit Februar diesen Jahres liegt Barack Obama konstant in den Umfragen vor John McCain. Selbst in den bisher schwierigsten Zeiten seiner Kampagne, kurz nach den Vorwahlen in Pennsylvania, änderte sich an diesem Trend nichts. Diese Tatsache steht im krassen Gegensatz zu den Zahlen aus 2004, als John Kerry gegen George W. Bush antrat. In jenem Jahr wechselte die Stimmung sehr stark. Kerry konnte zu keinem Zeitpunkt einen so substantiellen Vorsprung erarbeiten wie Obama ihn heute besitzt.
Quelle: NCEC In Zeiten eines polarisierten Elektorats in den USA, das eine weitaus geringere Zahl von Wechselwählern kennt wie das deutsche, scheinen zwei bis sieben Prozent Vorsprung ein guter Wert zu sein. Rufen wir uns in Erinnerung. Falls Obama die Staaten gewinnt, die Kerry 2004 für sich entscheiden hat, dann muss er „nur“ noch Ohio in sein Portfolio holen, um über die magische Zahl von 270 Wahlmännerstimmen zu kommen. Einfach wird das nicht. Obama hat aber die besseren Optionen. Gewinnt er Ohio wider Erwarten nicht (die Umfragen sehen ihn dort mit 1,5 Prozent vorne) kann er sich die 20 Stimmen auch in Virginia, New Mexico, Iowa, Colorado oder Nevada zusammenholen. Es bleibt wie immer… spannend!
Blogeintrag von Maik Bohne
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Obamas Video-TeamMontag, 28. Juli 2008
Als „Geschichtsdokumentation in Echtzeit“ bezeichnet die TechPresident-Bloggerin Nancy Scola die Leistung von Barack Obamas Videoteam. Dahinter steckt jedoch mehr, denn außer der reinen Dokumentation von Events und Wahlkampfauftritten arbeitet ein Team von 50 Mitarbeitern daran, dass der Kandidat aus der richtigen Perspektive betrachtet wird. Arun Chaudhary ist Leiter der Video-Produktion für die Obama-Kampagne. Er sorgt - wie in dem Artikel „Campaigning Online“ beschrieben - dafür, dass mittels Schnitt, Kameraeinstellung und Montage Obama mit den Augen der Demokraten gesehen wird.
Die Verbreitung der Filme im Web 2.0 organisiert Chris Hughes, einer der Facebook-Gründer, der jetzt für soziale Netzwerke in der Obama-Kampagne zuständig ist. Arun Chaudhary verließ für den Wahlkampf seinen Job als außerordentlicher Professor für Film an der NYU. Jetzt produziert er Videos von öffentlichen Veranstaltungen, über Einzelinterviews bis zu Aufnahmen, die hinter die Kulissen führen. Diese kreativen Filme beleben BarackObama.com und einen YouTube-Kanal. Das New Media-Team der Obama-Kampagne kostet einen beachtlichen Teil des Budgets, aber es macht sich durch die crossmediale Nutzung bezahlt. Arun Chaudhary sagt: Die Kampagne hat die Medienabteilung als zu wertvoll eingestuft, als dass sie ein kreatives Risiko eingehen wollte. Als er von der Kampagne abgeworben wurde, sagte man ihm: „You can learn politics, you can learn how to navigate these worlds. But you can’t learn the trades very quickly.“ Der Film-Profi hat die Welt der Politik schnell verstanden und ist nicht ganz ohne Selbstironie in sie eingetaucht. In diesem Video, das zu einer Obama-Demo in New York aufruft, zeigt er sein Talent und gibt dem Genre Polit-Video einen neuen Stil.
Obama in Berlin – McCain in German VillageMontag, 28. Juli 2008
Mit scharfer Rhetorik attackiert der US-Präsidentschaftskandidat John McCain derzeit seinen Konkurrenten Barack Obama, während er selbst gerade Station in German Village, Columbus, Ohio machte. Dort traf er sich mit einer kleinen Runde deutscher Geschäftsleute zum Mittagessen in Schmidts’ Sausage Haus.
Im Zentrum seiner Kritik steht der Deutschlandbesuch Obamas am vergangenen Donnerstag und der am Folgetag abgesagte Besuch eines amerikanischen Militärkrankenhauses in Landstuhl. Obama ziehe einen „Haufen unterwürfiger Deutscher“ einem Besuch bei verwundeten Truppen vor, sagte McCains Sprecher Tucker Bounds am Samstag dem TV-Sender Fox News. Mit einem TV-Spot verbreitet McCain seine Attacke und meint, dass sein Gegner sogar Zeit hatte, es in die Sporthalle zu schaffen, aber leider nicht zu den Soldaten. An dieser Stelle hinkt der Vergleich ein wenig, da die Bilder, die dies untermauern sollen, aus Filmmaterial von Obamas Besuch bei den US-Truppen in Kuwait bestehen, mit denen er Basketball spielte.
Mittendrin statt nur dabei: Obama in BerlinFreitag, 25. Juli 2008Deutschland trifft den Superstar, so titelte der SPIEGEL sehr treffend zu Wochenbeginn. In der Tat hatte Obamas Auftritt gestern im Tiergarten etwas von Fanmeile und Popkonzert in einem. Tausende Menschen strömten mit diffusen Erwartungen auf die Straße des 17. Juni, um ihre neue, globale Projektionsfläche Barack Obama zu sehen und zu hören. „History was in the making“… und man wollte dabei sein. 200.000 Zuhörer kamen. Respekt, Barack. Für einen noch nicht nominierten Präsidentschaftskandidaten eines auswärtigen Landes sehr ordentlich. In diese Dimensionen ist bisher wohl nur Nelson Mandela vorgestoßen. John McCain, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy hätten diese Zahl von Menschen nicht einmal gemeinsam auf die Beine bekommen. Was zunächst auffiel bei dieser Show des großen Inszenierers war die bunte Mischung des Publikums. Von Altlinken über Studenten und Schüler, Touristen und Auslandsamerikaner bis hin zu Mitarbeitern der Agenturen und Ministerien schien alles vertreten zu sein. Jeder wollte Inspiration, einen rhetorischen Happen oder einen zitationsfähigen Einzeiler mit nach Hause nehmen. Obama enttäuschte nicht, auch wenn seine Redenschreiber schon Besseres produziert hatten. Es ging um die großen Linien der Außenpolitik, um Metaphern und Symbolik. Obama wollte diesen Auftritt nicht als Wahlkampfveranstaltung verstanden wissen. Dennoch benutzte er die gleiche Rhetorik, mit der er in den USA reüssiert hatte. Es ging um Einheit, um Hoffnung und Wandel. In der Tat beschlich einen doch sehr schnell das Gefühl, dass hier keine substantielle Rede über die Kernthemen der transatlantischen Beziehungen gehalten wurde. Sicher hatte die Rede wichtige sachpolitische Elemente. Obama sprach stärker als andere seiner Vorgänger von transatlantischer Kooperation (die auch ein gemeinsames Engagement in Afghanistan beinhaltet). Er sagte, dass die USA nicht perfekt seien und Fehler in der Vergangenheit gemacht hätten. Den meisten Beifall bekam er, als er auf die strikte Einhaltung der Menschenrechte und eine kernwaffenfreie Welt abhob. Auf der Bühne vor der Siegessäule stand aber ein amerikanischer Wahlkämpfer, der Bilder und Sprachschnipsel für die Menschen in seinem Heimatland produzierte. Da sind wir beim richtigen Thema… Hat Obama die Rede auf seinem Weg ins Weiße Haus geholfen? Ich glaube kaum. Natürlich dominierte der Politstar die Medienberichterstattung in den USA. Natürlich konnte er sich außenpolitische Sporen mit seinen Besuchen in Afghanistan, im Nahen Osten und in Europa verdienen. Mitten im Hype um den Auftritt Obamas vergessen wir aber schnell, dass diese Form der europhilen Hyperkandidatur auf viele amerikanische Wähler sehr befremdlich wirkt. Die Frage, die vielen Durchschnittswählern in den USA durch den Kopf gegangen sei wird, könnte ungefähr so lauten: „Europe loves Obama? That´s great, but… so what?“ Obama muss aufpassen, dass er die Schraube des Massenwahnsinns nicht zu weit dreht. Außenpolitische Lorbeeren verdient man sich eigentlich anders. Schon einmal im Laufe dieses Wahlkampfes hat ihm seine Über-Popularität geschadet. Viele bodenständige Kleinstädter in Ohio und Pennsylvania fanden es nichts anderes als abgehoben und suspekt, was dort an Star-Power auf sie zukam. Sie wählten mehrheitlich Hillary Clinton. Ein Blick in die Umfragen holt uns und Obama vollständig zurück auf den Boden. Gallup prognostiziert derzeit ein äußerst knappes Rennen. Obama liegt mit hauchdünnen zwei Prozentpunkten vor McCain. Eine Analyse der Washington Post ergab, dass McCain in den Schlüsselstaaten des Wahlkampfes massiv an Zustimmung gewonnen hat. In Colorado liegt er wieder vorn, in Minnesota hat er in den letzten Wochen sieben Prozentpunkte dazu gewonnen (!). Das Rennen ist alles andere als entschieden. Noch ist Obama nicht die Nr. 44, die sich einige Kommentatoren in diesem Land so sehnlich wünschen. Die Werkzeuge der Obama-KampagneDonnerstag, 24. Juli 2008
Der Mitbegründer von Facebook, Chris Hughes, und Judith Freeman, die jetzt in der Obama-Kampagne arbeitet, gaben in dieser Woche auf dem TechPresident-Blog einen ausgezeichneten Überblick, wie Obamas Kampagne soziale Netzwerke aller Art einsetzt, um neue Unterstützer zu gewinnen. Dabei erlangt die Organisation vor Ort großen Stellenwert, vor allem, wenn es darum geht, selbständiges Arbeiten von Ehrenamtlichen zu ermöglichen.
MyBarackObama: Bei diesem sozialen Netzwerk handelt es sich um ein „geschlossenes“, also ein Netzwerk, das auf der Kandidaten-Website entstanden ist und folglich kaum mit Nicht-Fans vernetzt ist, wie Facebook oder Myspace. Ob es sich dabei um ein cross-medial vernetztes Netzwerk handelt, ist umstritten, aber die über eine Million Mitglieder sind extrem nützlich für die Kampagne. Durch die Tools der MyBO-Website können die Mitglieder House Parties und Fundraising Drives organisieren, noch bevor die Kampagne dies „von oben“ steuert. Facebook: Natürlich können nicht viele Organisationen ein Netzwerk wie MyBO aufbauen, weil sie entweder keine kritische Masse erreichen oder es die Kosten in die Höhe treiben würde. Deshalb sind Facebook und Myspace taktische Ziele für die Kampagne. Obamas Facebook-Aktivität lässt sich auf drei Elemente herunterbrechen: • Die Facebook-Profil-Seite: Eines der erfolgreichsten Instrumente der Kampagne. Mit über 1 Million „Freunden“ hat Obama dreimal so viele Unterstützer als jede andere - auch unpolitische - Facebook-Seite. Die Seite erlaubt der Kampagne, Nachrichten an ihre Anhänger zu senden und bietet einen Treffpunkt, von dem weiteres Engagement ausgeht. • Lokale Gruppen: Die „field organizer“ (Manager der lokalen Aktivitäten) wurden beauftragt, lokale Facebook-Gruppen zu gründen, die von einem kleinen Kern ausgehend sehr schnell wachsen können. Mit dem Facebook-Newsfeed wird eine neue Mitgliedschaft automatisch beworben, da im Feed der Freunde aktualisiert wird, wer einer Gruppe beitritt. Diese lokalen Gruppen können von der Kampagne auch als E-Mail-System genutzt werden, das Einzelne oder Gruppen adressiert. MySpace: Wie den Nutzern von MySpace bekannt ist, erlaubt dieses Netzwerk wesentlich mehr Anwendungen als Facebook. MySpace bietet größte Flexibilität, zum Beispiel wenn es darum geht, ein E-Mail-Signup einzufügen oder einen Link zu wichtigen Features auf der Obama-Seite einzubauen. Außerdem ist es für die einzelnen Nutzer recht einfach, auf der MySpace-Seite Bestandteile der Obama-Kampagne zu ihren eigenene Profilen hinzuzufügen. Die Kampagne bietet dazu eine Auswahl von Buttons, Badges und Widgets, um ihre Botschaft zu verbreiten. Die Kampagne versucht die Profil-Seiten der MySpace-Nutzer zu einem Kommunikationszentrum zu machen, damit in diesen privaten Netzwerken ehrenamtliche Mitarbeiter generiert werden können. Die Lektion Die Obama-Kampagne wurde auch in anderen sozialen Netzwerken aktiv, wie der Online-Community für Afro-Amerikaner Black Planet. In jedem einzelnen Fall hat sie sich den Möglichkeiten des jeweiligen sozialen Netzwerks angepasst. Die meisten Kampagnen haben nicht die personellen und finanziellen Ressourcen, um in die Tiefe zu gehen und ein Kader von Superaktivisten zu bilden oder ihre eigenen sozialen Netzwerke aufzubauen. Aber die Werkzeuge, um einen Kandidaten auf seiner eigenen Seite zu promoten sind recht simpel: Profilseite, Badges, Buttons und Widgets sind einfach einzusetzen. Es bedarf also nicht unbedingt eines Tiefseetauchgangs, sondern oftmals reicht es aus, einen Zeh oder zwei in den Pool der Facebook- und MySpace-Freunde zu tauchen. Obamas Tag in BerlinDonnerstag, 24. Juli 2008
Heute ist es soweit. Barack Obama kommt nach Berlin. Die Hauptstadt ist gespannt auf den Auftritt des amerikanischen Politstars, dessen Besuch im Vorfeld für soviel Wirbel gesorgt hatte. Für unsere Leser hier der mögliche Ablauf des Tages:
9 Uhr: Obama landet mit seiner gecharterten Boeing 757 (inklusive Schriftzug „Change We Can Believe In“) auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel. Ein Empfang auf dem Rollfeld ist nicht geplant. Obama ist ja schließlich kein offizieller Staatsgast, auch wenn es sich schon manchmal so anfühlt. 10 Uhr: Check-In im Hotel Adlon. Barack Obama hat sich dort die Präsidentensuite im sechsten Stock gemietet. Ein gutes Omen. 11 Uhr: Treffen mit Angela Merkel im Kanzleramt. Gesprächsthemen sollen Afghanistan, der Nahe Osten, das Klima und freier Welthandel sein. Wie schon beim Besuch von Nicolas Sarkozy während des französischen Präsidentschaftswahlkampfes gibt es keine Pressekonferenz, nur einen kurzen Fototermin. Merkel möchte ihre Überparteilichkeit im Kampf um das Weiße Haus wahren. 14 Uhr: Fahrt ins Auswärtige Amt, wo Frank-Walter Steinmeier bereits gespannt auf den Gast aus Amerika warten wird. Ähnliche Themen wie bei Merkel. Steinmeier wird Obama aber noch mal versichern, dass er ihn gerne am Brandenburger Tor gesehen hätte. 15-19 Uhr: Offener Nachmittag mit möglichen Besuchen am Tempelhofer Flughafen, dem Holocaust-Mahnmal oder dem Checkpoint Charlie. Kein Spaziergang mit Klaus Wowereit durch das Brandenburger Tor. Dafür wird Wowi extra ins Hotel Adlon fahren (inkl. Goldenem Buch der Stadt), um Obama zu treffen. Auch hier: Keine Pressekonferenz, nur tonlose Aufnahmen mit einer Fernsehkamera des RBB. 19 Uhr: Einstündige Rede an der Siegessäule zum Thema „Transatlantische Beziehungen“. Die Besucherzahlen? Von ein paar Tausend bis zu einer halben Million könnte alles möglich sein. Wir tippen auf 50.000 Zuhörer, lassen uns aber auch gerne von mehr Menschen überraschen. Die deutschen TV-Sender übertragen komplett live oder in Schnipseln während ihrer Abendnachrichten. 9 Uhr am nächsten Morgen: Nach kurzer Nacht geht es ab in den Flieger zu Monsieur Sarkozy in den Élysée-Palast.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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09:19
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McCain kämpft gegen globale ObamaniaMittwoch, 23. Juli 2008
Barack Obama ist in der Welt unterwegs, um sich internationale Lorbeeren zu verdienen. Seine Besuche in Afghanistan, im Irak, in Israel oder in Berlin produzieren exakt die Bilder, die die Obama-Kampagne haben will. Obama im Helikopter mit General Petraeus, Obama im Zwiegespräch mit dem irakischen Regierungschef Maliki, Obama beim lockeren 3-Punkte-Werfen mit Soldaten in Kuwait, Obama an der Siegessäule vor dem Brandenburger Tor.
Daheim versucht John McCain derweil verzweifelt, die Berichtererstattung über die globale Obamania zu durchbrechen. Zunächst veröffentliche er seinen ersten Negativ-Spot der Saison, der Obamas Kompetenzen als Außenpolitiker direkt angreift. Obama wird vorgeworfen, dass er als Unterausschussvorsitzender im Senat zum Thema Afghanistan keine einzige Anhörung veranstaltet hat (stimmt). Zudem wirft ihm McCain vor, gegen die Finanzierung der Truppen im Irak gestimmt zu haben (stimmt nur in einem einzigen Fall, ist deshalb tendenziös).
Dann machte McCain Halt beim politischen Urgestein George H.W. Bush, den er in seinem Feriendomizil in Maine besuchte. Die Bilder waren nicht gerade spektakulär. Zwei alte Herren fuhren auf einem Cart über einen Golfplatz und unterhielten sich über die großen Linien der Außenpolitik, ansonsten wahrscheinlich über Gott und die Welt. Etwas ungerechtfertigt von McCains Wahlkampfberatern, dass sie sich wirklich noch darüber aufregen, wie die Presse Obama derzeit bevorzugt.
Blogeintrag von Maik Bohne
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11:51
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Amerika blickt nach BerlinDienstag, 22. Juli 2008
Im schönsten Denglisch berichtet die New York Times über Barack Obamas Auftritt in Berlin: Unter der Überschrift Und Der Winner is kündigt Nicholas Kulish Obamas Rede vor der Siegessäule an, in der der US-Präsidentschaftskandidat in erster Linie auf die transatlantischen Beziehungen eingehen wird.
Die aktuelle deutsche Debatte über die Wahl der Siegessäule als geeignete Kulisse fasst Kulish nicht nur präzise zusammen, sondern führt sie auch fort – mit bereits mehr als 200 Kommentaren.
Nicht ganz so gut trifft Daily Kos den Punkt der Kontroverse. Aber hier wird berichtet, dass sich die Stadt Berlin auf 1 Million Zuschauer vorbereitet. Nicht nur die amerikanische Presse interessiert sich für die Berlinreise des Kandidaten, sondern auch Interessensgruppen bereiten ihre Mitglieder vor. Heute erreichte mich eine E-Mail von One, einer Internet-Organisation, die mehr als 2 Millionen Unterstützer weltweit hat und sich gegen extreme Armut engagiert. Zu den Erfolgen von One zählt, dass in den letzten 5 Jahren 29 Millionen mehr afrikanische Kinder die Grundschule besuchen konnten und 2 Millionen an HIV erkrankte Afrikaner medizinisch behandelt werden konnten. In der E-Mail wurden One-Mitglieder aufgefordert, die in Berlin leben, am Donnerstag, den 24. Juli 2008 zu Barack Obamas Rede zu erscheinen, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass Armut ein globales Problem ist. Die Unterstützer können sich registrieren und erhalten dann eine weiter Info-E-Mail, die über den genauen Ort der Rede informiert und bekannt gibt, wo T-Shirts von One kostenlos verteilt werden. Überall in Amerika, wo Obama Wahlkampfreden hält, sind One-Mitglieder im Publikum und erinnern ihn daran, dass die Bekämpfung extremer Armut seinen Wählern ein wichtiges Anliegen ist. Das One-Beispiel zeigt, wie sich auf vielen Ebenen Grassroots–Aktivismus entwickeln kann.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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11:02
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Große Kunst im WahlkampfMontag, 21. Juli 2008
JibJab is back! Die Humorspezialisten, bekannt für satirisch-bissige Web-Videos, schalten sich wieder in den Präsidentschaftswahlkampf ein. Mit ihrem witzigen Film: „Time for Some Campaignin`“ haben sie einmal mehr einen Internet-Hit gelandet. Bekannt geworden ist die Gruppe mit ihrem Stück „This Land“, das der erste große virale Internet-Erfolg des Wahljahres 2004 war.
In ihrem neuen Video lassen die Macher nichts aus. George W. Bush, Dick Cheney, Hillary Clinton, John McCain und Barack Obama, sie alle bekommen ihr Fett weg. Die schönste Szene: Obama reitet auf einem Einhorn durch den Zauberwald des Wandels. Großartig! Sehen Sie selbst:
Blogeintrag von Maik Bohne
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10:55
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Das große LosFreitag, 18. Juli 2008
Ich empfehle allen Politikjunkies, sich auf die E-Mail-Listen der beiden Kandidaten einzutragen. Fast jeden Tag bekommt man dann freundliche Post von Barack Obama oder John McCain, natürlich mit persönlicher Ansprache. Nach einem netten „Dear Maik“ oder „My friend“ (McCain) folgen die neuesten Botschaften, Kampagnennews und Web-Videos. Mindestens jede zweite Mail hat allerdings den Zweck, schnöden Mammon einzutreiben. Der neueste Trend beim E-Fundraising: Lotterien.
Barack Obama lockt seine Unterstützer mit einem Backstage-Besuch beim Nominierungsparteitag. Jeder, der 5 Dollar oder mehr spendet, kommt in einen großen Lostopf. Die Gewinner können sich auf eine Zwei-Tage-Reise nach Denver freuen. Hotel, Verpflegung und Eintrittskarten sind inklusive. Mit im Paket ist ein Gespräch mit dem Popstar Obama kurz vor seinem Auftritt vor ausverkauftem Haus im Stadion der Denver Broncos. Die Botschaft an die Spender: Geschichte wird gemacht und Du darfst dabei sein.
John McCain hat weniger Spektakuläres zu bieten, auch wenn das Prinzip das Gleiche ist. Er bietet seinen Unterstützern eine Fahrt in seinem Straight-Talk-Express an. Im O-Ton heißt das: „We are re-launching our popular "Ride the Bus" contest this week to give one lucky McCainiac and a friend the chance to spend a day on the Straight Talk Express with John McCain.” Leider dürfen deutsche Staatsbürger kein Geld an die Kampagnen geben. Leider… oder zum Glück? McCain am ApparatFreitag, 18. Juli 2008
John McCain gibt sich gerne volksnah. Sein Witz und seine Schlagfertigkeit kommen immer dann besonders gut zur Geltung, wenn er im direkten Dialog mit Menschen ist. Deshalb machte er Barack Obama kürzlich das Angebot, über den Sommer verteilt verschiedene Town Hall Meetings abzuhalten, bei denen interessierte Bürger im Publikum direkt und ungefiltert Fragen an die beiden Kandidaten stellen können.
Da Obama sich diesem Angebot bisher verweigert hat, probierte McCain sein eigenes Townhall-Format aus, das allerdings nicht in einer Turnhalle oder in einem TV-Studio stattfand, sondern am Telefon. Die moderne Technik erlaubt es, sog. Conference Calls mit Hunderten von Wählern durchzuführen. Am Dienstag rief die McCain-Kampagne 50.000 demokratische und/oder unentschiedene Wähler in Südflorida an, um zu fragen, ob sie an einem „Tele-Townhall Meeting“ mit John McCain teilnehmen wollten. Ca. 4.500 sagten ja und fanden sich kurz danach in einer Q&A-Session mit dem „Mac“ wieder. McCain musste sich zum Teil harte Kritik anhören, wie etwa von Michael aus Broward County, der dem Kandidaten diesen Satz mit auf den Weg gab: „The last eight years haven´t been that great – they have been a disaster.“ Ob McCain mit dieser Offenheit umgehen konnte, wissen wir nicht. Auf jeden Fall kündigte sein Team nach der Telefonkonferenz an, weitere solcher Formate mit Demokraten und Independents zu machen, teils als Town Hall, teils als Eins-zu-Eins-Gespräche mit ausgesuchten Wählern. Obama not amusedMittwoch, 16. Juli 2008
Der New Yorker ist ein feines, kleines, liberales Wochenblatt mit intelligenten Artikeln und geistreichen Kommentaren. Seine Titelseiten sind berühmt, weil sie bissig und kontrastreich daherkommen. Nun scheinen die Macher des Blattes die Schraube der Satire etwas zu weit gedreht zu haben. Auf dem neuesten Titel sind Barack Obama und seine Frau Michelle zu sehen.
Der Präsidentschaftskandidat mit Turban, Sandalen und einem afrikanischen Gewand. Seine Gattin mit überdimensionalem Afro, Tarnrock und Maschinengewehr. Im Hintergrund verbrennt gerade die amerikanische Flagge im Kamin, darüber prangt das Bild von Osama Bin Laden. Alle Gerüchte und Klischees über Obama und seine Frau scheinen in diesem Bild eingefangen worden zu sein. Und genauso wollte es der Chefredakteur des New Yorker, David Remnick, haben. Die Illustration vom bekannten Cartoonisten Barry Blitt sollte über das Vehikel der Satire deutlich machen, mit welch unverschämten Lügen sich Obama auseinandersetzen muss. Die meisten dieser Lügen kommen nie an die Oberfläche der massenmedialen Verwertung, kreisen aber per Internet durch die konservativen Teile des Landes. Das Team Obama hat deshalb extra eine eigene Webseite FightTheSmears.com eingerichtet, um diesem Problem Herr zu werden. Obama fand das Titelbild deshalb gar nicht komisch. Seine Kampagne bezeichnete es als geschmacklos und abstoßend. Auch John McCain sprang seinem Herausforderer bei und zeigte Mitgefühl für Obama. In der Tat ist das Cover nicht ganz ohne. Wie die neueste Umfrage von New York Times und CBS News zeigt, ist das Land geistig weiterhin gespalten. Schwarze und Weiße haben nicht nur unterschiedliche Auffassungen über Chancen und Gerechtigkeit in den USA, sondern auch über die beiden Präsidentschaftskandidaten. Obamas „Otherness“ ist nicht nur ein Vorteil in Zeiten des politischen Wandels, sondern leider auch der große Faktor X im Rennen um das Weiße Haus. Hier ein Video aus der NBC Today Show, in der der ehemalige Kongressabgeordnete Harold Ford zum Thema „New Yorker“ befragt wird. Der Afro-Amerikaner Ford, heute Leiter des Democratic Leadership Council, hatte im Senatswahlkampf 2006 selbst leidvolle Erfahrungen mit einer Schmutzkampagne machen müssen. Ein TV-Spot der Republikanischen Partei zeigte eine attraktive Blondine, die Ford daran erinnerte, mit ihr auf einer Party des Playboy-Magazins geflirtet zu haben. Ford hatte diese Party in der Tat besucht, die Blondine war jedoch vollkommen frei erfunden.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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14:52
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Das Internet schlägt zurückMittwoch, 16. Juli 2008
Die Geister, die er rief, wenden sich nun gegen Barack Obama, den Vorreiter des amerikanischen Online-Campaignings. Sehr anschaulich berichtet Nancy Scola auf dem techPresident-Blog über die neue Dynamik des Internets.
Auslöser dieser Entwicklung ist der Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA), für den der US-amerikanische Senat und auch Barack Obama am Mittwoch stimmten. Das Gesetz erlaubt eine umfassendere Überwachung der Telekommunikation mit dem Ziel der Terrorabwehr, und die Debatte darüber erinnert an den in Deutschland heftig diskutierten großen Lauschangriff. Besonders empört sich derzeit die Internet-affine Gemeinde der Online-Aktivisten gegen Barack Obamas Abstimmung für dieses Gesetz und schlägt ihn mit seinen eigenen Waffen, hier drei Beispiele: • Auf der Kandidatenwebsite MyBarackObama.com wurde die mit 16.000 Mitgliedern bisher größte Gruppe gegründet: Senator Obama - Please Vote NO on Telecom Immunity - Get FISA Right • Ein Twitter-Kanal wurde eingerichtet, um die Kampagne zu beleben. • In einer Night of Facebook-Aktion wurde die Abstimmung im Senat virtuell gezeigt und mit einem Wiki für Diskussionen begleitet. Diese Internet-Bewegung gegen das FISA ist schon jetzt eine faszinierende Fallstudie, die zeigt, wie digitale Aktivisten ohne Kosten und ohne unter einem Dach zu sitzen eine lebendige Bewegung schaffen können. Bilder sagen mehr ...Montag, 14. Juli 2008Die beiden Kandidaten im US-Präsidentschaftswahlkampf nahmen in der letzten Woche den Nationalfeiertag - den 4. Juli - zum Anlass, sich einmal mehr von ihrer menschlichen Seite zu zeigen und private Fotos zu veröffentlichen. Ein Blick in die Fotoalben von John McCain und Barack Obama bestätigt wieder einmal die alte Weisheit: Bilder sagen mehr als tausend Worte.
Das Schwarz-Weiß-Foto links zeigt den erst wenige Tage alten John McCain 1936 in den Armen seines Großvaters John Sidney McCain. Der Vater des heutigen Senators von Arizona, John Sidney McCain Jr. sitzt neben ihnen. Traditionslinien spielen in der Familie McCain eine große Rolle, das zeigt nicht nur die Namensgebung der männlichen Nachkommen, sondern auch die Marineuniform des Großvaters, die schon auf die Zukunft des Enkels verweist. Auf dem Farbfoto rechts befindet sich der elfjährige Barack Obama (oberste Reihe, dritter von links). Das Bild von 1972 zeigt die 5. Klasse der Punahou Elementary in Honululu, Hawaii. Zwischen McCain und Obama liegt nicht nur eine Generation, sondern auch die Revolution von 1968. Während John McCain im Vietnamkrieg kämpfte, wuchs Barack Obama unter Blumenkindern auf. Was könnte den Hintergrund und die Geisteshaltung der beiden besser illustrieren als diese Einblicke in ihre Kindheit?
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