UmfrageWer wird die Präsidentsschaftswahl gewinnen?
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Horse Race VI: Zeit für DuelleDonnerstag, 31. Januar 2008Das Kandidatenfeld im Vorwahlkampf der Republikaner und Demokraten war in den letzten Wochen so stabil wie die Aktienkurse an den Weltmärkten. Keine leichte Aufgabe, in diesem Tohuwabohu den Überblick zu behalten. Nach den Vorwahlen in Florida hat sich das Feld nun endlich gelichtet. Wir haben auf beiden Seiten handfeste Duelle, echte Zweikämpfe, Kandidat gegen Kandidat, eins gegen eins. Auch diese Woche wollen wir versuchen, Licht ins Dunkel des Vorwahlkampfes zu bringen. HILLARY vs. BARACK Unterstützung erfährt Obama auf seinem Weg von immer mehr demokratischen Politikern. Das Endorsement von Ted Kennedy hat hohe Wellen geschlagen. Der Altmeister des liberalen Amerika ließ sich nicht lumpen, Obama den Mantel des großen JFK überzustreifen. Wichtig sind aber auch Unterstützungsbekundungen von moderaten Demokraten wie Gouverneurin Janet Napolitano aus Arizona, Sen. Claire McCaskill aus Missouri, Sen. Ben Nelson aus Nebraska und Sen. John Kerry aus Massachussetts. Diese Politiker haben ein nicht zu unterschätzendes Gewicht in ihren jeweiligen Bundesstaaten. Am Super Tuesday wird sich Obama a) auf Staaten konzentrieren, die einen hohen Anteil an schwarzen Vorwählern aufweisen (Georgia, Tennessee und Alabama). Zudem fokussiert er sich b) auf Staaten mit Caucus-Systemen (Colorado, New Mexico, Minnesota, Kansas, North Dakota). Bei diesem Verfahren kann er sich gezielter auf seine gut mobilisierten Truppen von Freiwilligen und Sympathisanten verlassen. Und c) wird er die großen Staaten wie Kalifornien, Missouri, New York und seinen Heimatstaat Illinois nicht aus den Augen verlieren. Trotz der harten Konkurrenz von Barack Obama hält Hillary Clinton die Karten weiter in der Hand. Im Gegensatz zu Obama setzt sie voll auf die Mobilisierung der alten demokratischen Wählerkoalition (Frauen, Mittelschicht, Arbeiter, Minoritäten, weniger Gebildete, U-50). Ihre Botschaft an diese Gruppen: In Zeiten einer drohenden Wirtschaftskrise wollt ihr Taten und Ergebnisse, keine schönen Worte und leeren Versprechungen. Wie in ihrem neuesten Wahlkampfspot in Kalifornien zu sehen, geriert sie sich als erfahrene Kandidatin, auf die die Menschen in Krisenzeiten vertrauen können. In Umfragen liegt sie in den wichtigsten Super-Tuesday-Staaten unangefochten vorn. Natürlich sollte man nicht zu viel auf das Gerede von Meinungsforschern geben, aber die Zahlen sind doch ein eindeutiger Indikator dafür, dass sie den Großwahltag am 5. Februar erfolgreicher als Obama beenden könnte. Hillary wird sich vor allem auf die großen Staaten Kalifornien, Missouri, Tennessee und ihre Heimatterritorien New York, New Jersey, Massachusssetts, Connecticut und Arkansas konzentrieren. JOHN vs. MITT Auch bei den Republikanern läuft alles auf ein Duell hinaus. Mike Huckabee ist zwar noch im Rennen, aber er wird es schwer haben, in den nächsten Wochen von Medien und Wählern wahrgenommen zu werden. Zur Zeit liegt er lediglich in Georgia vorne, einem Staat mit vielen sozialkonservativen Republikanern. Bei dieser transzendental wählenden Klientel wird Huck auch weiterhin Erfolg haben, aber das Rennen um die Nominierung kann er so gut wie abhaken. Also auf in das Duell McCain gegen Romney! Wie sich in Florida und während der letzten TV-Debatte in der Reagan Library in Kalifornien andeutete, fahren beide Kandidaten schwere Geschütze auf. McCain attackiert Romney aus allen Rohren. Er bezeichnet ihn wahlweise als Umfaller, Flip-Flopper, Steuernerhöher oder als unerfahrenen Außenpolitiker. Romney schlägt zurück mit Attacken auf McCains vermeintlich liberale Positionen zu konservativen Herz- und Magenthemen wie Steuersenkungen und Einwanderungspolitik. John McCain hat den Rückenwind jedoch eindeutig auf seiner Seite, sein Wahlkampfmanager Rick Davis bezeichnet ihn schon als den republikanischen De-Facto-Kandidaten. Immer mehr Politiker werden in den nächsten Tagen Endorsements für den Senator aus Arizona abgeben. Christ, Giuliani und Schwarzenegger waren da erst der Anfang. Dennoch hat McCains Kampagne weiterhin ein Problem, das nicht geleugnet werden sollte. Staaten wie Kalifornien, New York und Illinois sind geschlossene Vorwahlstaaten, in denen lediglich republikanische Stammwähler an die Urnen gehen dürfen. Hier könnte Mitt Romney einen Vorteil haben, da er die konservativere Wählerklientel an sich bindet. Romney bleibt also im Rennen, er wird in den nächsten Tagen immer mehr zum Anti-McCain-Kandidaten aufsteigen. Fraglich ist jedoch, ob er in der Lage ist, das Momentum des Mac zu stoppen. Romney besitzt aber einige Vorteile. Erstens kann er sich in Zeiten einer drohenden Wirtschaftskrise als Wirtschaftsfachmann stilisieren. Zweitens hat er unerschöpfliche private Geldquellen, die er in den Vorwahlkampf pumpen kann. Drittens wird Romney nichts unversucht lassen, um McCain als Teil des verhassten Washingtoner Establishments darzustellen. Problem ist aber, dass der Ex-Gouverneur weiterhin als Flip-Flop-Kandidat gilt, der wenig Authenzität versprüht, dafür aber eine Menge Kalkül und Plastik. Ein klarer Kontrast zu McCain. Mitt Romney wird sich am Super Tuesday auf die Staaten im Westen und im Nordosten fokussieren. Ob das allerdings reicht, ist fraglich. Die Umfragen in den meisten Vorwahlstaaten verheißen nichts Gutes für ihn. Interessanterweise kann das Rennen auf Seiten der Republikaner früher beendet sein als bei den Demokraten. McCain hat gute Chancen, sich am Wahlabend des Super Tuesday als faktischer Kandidat der Grand Old Party (GOP) küren zu lassen. Erstaunlich. Das Kandidatenfeld der GOP galt lange als das instabilere und fluidere. Bei den Demokraten deutet hingegen alles auf einen Zweikampf hin, der über den Super Dienstag hinausgeht.
Blogeintrag von Maik Bohne
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20:12
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Abschied und AufbruchDonnerstag, 31. Januar 2008
Gestern war ein Tag des Abschieds und des Aufbruchs im Rennen um die Präsidentschaftskandidaturen. Rudy Giuliani und John Edwards beendeten ihre Kampagne. Sie machten Platz für die Frontrunner in ihren jeweiligen Parteien, die sich am Super Tuesday duellieren werden. Alle Augen richten sich nun auf die Zweikämpfe Clinton-Obama und McCain-Romney.
Giuliani nutzte seine Abschiedsrede, um John McCain seine Unterstützung auszusprechen. Über den Effekt eines solchen Endorsement wird eifrig spekuliert. Gepaart mit der Unterstützung von Kaliforniens Gubernator Arnold Schwarzenegger wird es McCain sicherlich bei den moderaten Wählern in der Republikanischen Partei helfen. Das Problem McCains bleibt es jedoch, sozialkonservative Segmente zu erreichen. Dabei können ihm Giuliani und Schwarzenegger wenig helfen. Rudy Giulianis Unterstützerrede für John McCain: John Edwards beendete seine Kampagne dort, wo sie begonnen hatte: Im Ninth Ward von New Orleans. Noch einmal bekam er eine nationale Bühne, um das Thema seines Wahlkampfes anzusprechen: Armut in Amerika. Edwards führte insgesamt eine couragierte Kampagne, die aber kaum durch die mediale Mauer dringen konnte, die sich um das Duell Clinton-Obama aufgebaut hatte. Auch im Fall Edwards spekuliert die amerikanische Journalistenschar fleißig, welchem Kandidaten sein Ausstieg nutzen könnte. Öffentlich unterstützen wird John Edwards zumindest keinen der beiden demokratischen Frontrunner. Das machte er gestern deutlich. John Edwards` Abschied:
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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11:23
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Florida: Ein republikanischer Fingerzeig gen Super Tuesday?Mittwoch, 30. Januar 2008John McCain heißt der strahlende Sieger der Vorwahlen in Florida. Mit 36% der Stimmen konnte er sich gegen seinen ärgsten Herausforderer Mitt Romney (31,1%) durchsetzen. Rudy Giuliani landete mit 14,6% abgeschlagen auf dem dritten Platz. John McCain hat mit diesem wichtigen Sieg seinen Status als Frontrunner der Republikaner untermauert. Er geht definitiv als aussichtsreichster Kandidat in den Super Tuesday, an dem in 22 Bundesstaaten Vorwahlen abgehalten werden. Nachwahlbefragungen zeigen, dass McCains Sieg vor allem auf moderaten republikanischen Vorwählern basierte, von denen viele unzufrieden mit der Bush-Regierung sind. Mitt Romney konnte hingegen das konservative Segment der Partei für sich gewinnen, mit 13 Prozentpunkten Vorsprung. McCain sahen die Wähler jedoch mehrheitlich als den wählbarsten Kandidaten im November und als besseren Commander-in-Chief. Einflussreich schien auch das Endorsement von Gouverneur Charlie Christ gewesen zu sein, das er kurz vor der Wahl für McCain abgegeben hatte. 4 von 10 Wählern gaben an, dass diese Unterstützungsbekundung sehr wichtig für ihre Wahlentscheidung gewesen sei. Erstaunlicherweise gewann McCain auch die Mehrheit der Wähler, die Wirtschaft und Arbeit als ihre Top-Themen bezeichneten. Um dieses Wählersegment hatte Romney massiv geworben, indem er sich als erfahrener Wirtschaftsfachmann gerierte. Eindeutiger Verlierer des Abends war hingegen Rudy Giuliani. Seine Strategie des Aussitzens der frühen Vorwahlen, ob aus der Not heraus geboren oder kühn geplant, ging nicht auf. Dies bestätigt einmal mehr die entscheidende Bedeutung der ersten Abstimmungen in Iowa, New Hampshire und South Carolina. ABC News berichtet derweil, dass Rudy Giuliani heute noch ein offizielles Endorsement für John McCain abgeben wird. Das undurchsichtige Kandidatenfeld bei den Republikanern hat sich mit dieser Wahl gelichtet. Rudy ist raus, Huckabee hat kaum Chancen. Es geht nun um einen Zweikampf zwischen John McCain und Mitt Romney. Romney hat bereits angekündigt, keine Ressourcen zu schonen, um die Kandidatur für sich zu entscheiden. Will heißen: Er wird eine große Summe seines privaten Vermögens in die Hand nehmen, um nahezu alle Super-Tuesday-Vorwahlstaaten mit TV-Spots und Direct Mailings zu überziehen. Das Geld nicht alles ist, zeigt aber das Beispiel Florida. Romney hat hier 10mal mehr TV-Spots geschaltet als McCain. Bei den Demokraten gewann Hillary Clinton mit 49,7% vor Barack Obama (33%) und John Edwards (14,4%). Ihr Sieg war jedoch rein symbolisch. Delegierte wurden auf Seiten der Demokraten nicht vergeben, da sich der Staat Florida entschieden hatte, die Vorwahlen auf einen früheren Zeitpunkt als geplant vorzuverlegen. Das Democratic National Committee hatte daraufhin die Wahl für nicht gültig erklärt. Alle demokratischen Kandidaten zeigten sich solidarisch und vermieden es, aktiv im Sunshine State Wahlkampf zu machen.
Blogeintrag von Maik Bohne
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15:49
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Obamas Sieg in South Carolina: Eine AnalyseDienstag, 29. Januar 2008Das Auf und Ab im demokratischen Vorwahlkampf geht weiter. Mit einem überzeugenden Sieg in South Carolina hat Barack Obama wieder neuen Rückenwind für seine Kampagne bekommen. Deutlicher als erwartet gewann der junge Senator aus Illinois mit 55% der Stimmen vor Hillary Clinton (27%) und John Edwards (18%). Sein Sieg fußte vor allem auf den Stimmen der afro-amerikanischen Bevölkerung, die die Mehrheit der Vorwählerschaft bei den Demokraten stellte. In dieser Wählergruppe erhielt Obama 78% der Stimmen, Hillary Clinton hingegen nur 19%. Obama siegte insgesamt in fast allen Wählerkategorien, besonders hoch jedoch bei jungen Urnengängern unter 40, bei Independents und bei Menschen, die sich einen umfassenden Politikwechsel wünschen. Auch 24% der weißen Wählerschaft South Carolinas konnte er für sich mobilisieren. Der Sieg in South Carolina zeigte jedoch auch, wie schwierig es für Obama werden wird, am Ende als Sieger aus dem Zweikampf mit Hillary Clinton hervorzugehen. Erstens hat sich die Agenda des Wahlkampfes rasant gewandelt, weg vom Irak-Krieg hin zu den Themen Wirtschaft und Arbeit. Nannten in Iowa nur 35% der Vorwähler Wirtschaft als ihr Top-Thema, waren es in South Carolina bereits 53%. Bei diesen Themen kann Hillary Clinton ihre politische Erfahrung und Führungsstärke besser ins Spiel bringen. Zweitens scheint Obama mit in den Strudel des Negativwahlkampfes gerissen zu werden, den Hillary und Bill Clinton in den vergangenen Tagen losgetreten hatten. Obwohl Obama bei seinem positiv-idealistischen Wahlkampf blieb, gab mehr als die Hälfte der Vorwähler an, dass Clinton und Obama gleichermaßen unfair attackierten. Drittens gibt es nur wenige Super-Tuesday-Staaten mit einer vergleichbaren sozialstrukturellen Wählerzusammensetzung wie South Carolina. Legt man die Werte aus den demokratischen Vorwahlen des Jahres 2004 an, so hatte nur Georgia einen ähnlichen hohen Anteil von schwarzen Vorwählern (47%) wie South Carolina. Ein Nachteil für Obama. Obamas Chance liegt aber darin, den Vorwahlkampf als Wahl zwischen Vergangenheit/Status Quo (Clinton) und Zukunft (Obama) zu stilisieren. Wähler entscheiden zwar zunehmend situativ, jedoch fast immer zukunftsorientiert. Um die Zukunft muss sich die Demokratische Partei insgesamt kaum Sorgen machen. In South Carolina nahmen rekordverdächtige 530.000 Bürger an den Vorwahlen der Demokraten teil. Das sind 100.000 mehr als bei den Republikanern. Eine erstaunliche Zahl in einem solch konservativen Staat wie dem Palmetto State. Barack Obamas Siegerrede:
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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09:59
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Endorsements - ein amerikanischer SportMontag, 28. Januar 2008![]() Die Stimme eines Prominenten für sich zu gewinnen, ist derzeit eine Art Wettkampf zwischen Kandidaten im US-Wahlkampf. In der Sonntagsausgabe der New York Times unterstützt Caroline Kennedy, die Tochter von John F. Kennedy, Senator Barack Obama. „Ich habe bislang keinen Präsidenten erlebt, der mich so inspiriert hat, wie mein Vater andere Menschen inspiriert hat. Aber ich glaube, in Barack Obama einen Menschen gefunden zu haben, der so ein Präsident sein könnte - nicht nur für mich, sondern für eine neue Generation von Amerikanern.“ Hillary Clinton wurde bereits wenige Tage zuvor von der New York Times als die geeignete Kandidatin auf Seiten der Demokraten empfohlen: „Wir wissen, dass sie die Fähigkeit zu beidem hat: Führen und Zusammenführen. Sie ist die beste Wahl für die Demokraten, um das Weiße Haus zurückzuerobern.“
Für das republikanische Lager empfahl die New York Times John McCain. Doch während Hillary Clinton es sich nicht nehmen ließ, diese Auszeichnung auf ihrer Homepage zu präsentieren, verzichtete McCain darauf. Er zieht es vor, die Unterstützung von Floridas Senator Mel Martinez in den Mittelpunkt zu stellen.
Eilmeldung: Der mit Hillary Clinton befreundete Senator Ted Kennedy, Bruder von John F. Kennedy, will sich heute öffentlich auf Barack Obamas Seite schlagen. Das würde Hillary Clinton schwer treffen, denn einflussreicher als der angesehene 75-jährige ist in Washington niemand. Horse Race: Das wöchentliche Kandidaten-Ranking IIIFreitag, 25. Januar 2008
Auch diese Woche gibt es wieder das offizielle Kandidaten-Ranking zum amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Das Rennen um die Kandidaturen ist weiterhin offen. Weiterhin lässt sich auf beiden Seiten des politischen Spektrums kein klarer Frontrunner ausmachen. Der Ton des Vorwahlkampfes verschärft sich allerdings zusehends. Die vergangenen Tage wurden bestimmt vom heftigen Schlagabtausch zwischen Clinton und Obama. Hillary blies Attacke, Barack musste reagieren. Bei den Republikanern nahm Freizeit-Kandidat Fred Thompson seinen Hut.
DEMOKRATEN 1. HILLARY CLINTON Hillary Rodham Clinton (HRC) ist in der Offensive. Spätestens seit ihrer Niederlage in Iowa heißt ihr Motto Attacke. Zusammen mit ihrem Mann hat sie ein "Tag Team" gebildet, das Obama aus allen erdenklichen Richtungen angreift. Obamas politische Erfahrung wird genauso in Zweifel gezogen wie seine Opposition gegen den Irak-Krieg. Zuletzt versuchten ihn die Clintons als Reagan-Bewunderer und Freund eines dubiosen Slum-Lords darzustellen. Ob diese Attacken auf Tatsachen beruhen, können andere klären. Sicher ist, dass Hillary Clinton der Obama-Bewegung den Zauber genommen hat. Zu Gute kommt HRC momentan sicher auch, dass die Themen Wirtschaft und Arbeit ganz oben auf der Wähleragenda stehen. Auf diesen Feldern kann sie ihre Trumpfkarten Erfahrung und sachpolitische Versiertheit besser ausspielen. Eine ABC/Washington Post-Umfrage fand heraus, dass ihr demokratische Vorwähler erheblich mehr Kompetenz (46%) beim Thema Wirtschaft bescheinigen als Barack Obama (33%). HRC setzt nun ganz auf eine nationale Strategie. Anstatt in South Carolina Wahlkampf zu machen, absolvierte sie diese Woche Auftritte in Kalifornien, Arizona und New York. In diesen Super Tuesday-Staaten liegt sie mit großem Abstand vorne. Wir sollten uns mit einer Kandidatin Hillary Clinton anfreunden. (letzte Woche: Rang 1) 2. BARACK OBAMA Barack Obama hatte sich geschworen, eine positive Kampagne führen, die auf Ausgleich, Optimismus und Idealismus fußen sollte. Obama weigerte sich, den üblich zynischen Spinmeister-Wahlkampf zu machen, den die professionelle Beraterkaste in Washington, DC seinen Kandidaten regelmäßig verordnet. Kein dumpfer Negativwahlkampf, kein Matschwerfen, kein Hin und Her von Anschuldigung und Gegen-Anschuldigung, so hieß sein Motto. Das Problem dieser Strategie: Was machen, wenn man offensiv angegriffen wird? Obama hat es bisher noch nicht geschafft, die demokratischen Vorwähler entscheidend gegen den Status-Quo-Wahlkampf Clintons zu mobilisieren. Seine Kampagne wird zwar in South Carolina erfolgreich sein, aber insgesamt hat sie ihren Schwung und ihren Glanz vorerst verloren. Obama muss seine divergente Wählerstruktur (Twens, gebildete Mittelschicht, Schwarze, Independents) ausweiten. Er muss zeigen, dass er auch die demokratischen Stammwähler (Ü-50, untere Mittelschicht, wenig formale Bildung) für sich gewinnen kann. (letzte Woche: Rang 2) 3. JOHN EDWARDS John Edwards führt die themenorientierteste Kampagne aller demokratischen Kandidaten. Seine ökonomisch-populistische Botschaft müsste in Zeiten einer drohenden Wirtschaftskrise eigentlich bestechen. Trotz eloquenter und kämpferischer Auftritte in den vergangenen TV-Debatten scheint er den Blick der Medien nicht vom Horse Race zwischen Clinton und Obama abwenden zu können. Ein zweiter Platz in South Carolina könnte seiner Kampagne noch einmal Leben einhauchen. Wir halten ein solches Ergebnis aber für unrealistisch. (letzte Woche: Rang 3) REPUBLIKANER 1. JOHN MCCAIN John McCain bleibt der aussichtsreichste Kandidat in einem republikanischen Kandidatenfeld, dass so fluide ist wie die Börsenentwicklung der letzten drei Tage. McCains Vorteile sind eindeutig seine Authenzität, seine politische Erfahrung und seine Wählbarkeit. Lässt man ihn in Umfragen fiktiv gegen Clinton und Obama antreten, so entscheidet er das Rennen deutlich für sich. McCains Nachteile liegen aber auch auf der Hand. Seine bisherigen Siege in New Hampshire und South Carolina basierten vor allem auf den Stimmen von Independents (unabhängigen Wählern). In geschlossenen Vorwahlstaaten wie Florida oder Kalifornien, in denen nur republikanische Stammwähler an die Urnen gehen dürfen, wird es für den Senator aus Arizona schwer. Hinzu kommt der Wandel der Themenagenda im Wahlkampf. McCains Aufschwung hatte viel mit der positiven Entwicklung im Irak zu tun, die nun aber medial durch die Wirtschaftskrise in den USA überlagert wird (letzte Woche: Rang 1) 1. MITT ROMNEY Mitt Romney hat sein Thema im Wahlkampf gefunden. Am Vorabend einer Rezession kann er sich als Wirtschaftsfachmann Nr. 1 im republikanischen Feld präsentieren. Romney ist (ähnlich wie McCain) nicht der Kandidat der konservativen Herzen, aber er könnte sich als der präsidialste Bewerber im volatilen republikanischen Feld profilieren. Ex-Gouverneure haben Vorteile. Sie können exekutive Erfahrung vorweisen, ohne den verhassten Washingtoner Stallgeruch zu haben. Ronald Reagan (Kalifornien), Bill Clinton (Alabama) und George W. Bush (Texas) haben es ihm vorgemacht. In Florida ist ein Sieg möglich. Falls ihm dies gelingt, geht er mit guten Aussichten in den Super Tuesday. (letzte Woche: Rang 2) 3. RUDY GIULIANI Rudy Giuliani hat alles auf die Vorwahl in Florida gesetzt und seinen Wohnsitz in den letzten Wochen mehr oder weniger in den Sunshine State verlegt. Eine kühne, fast schon visionäre Strategie des Hizzoners. Letzte Umfragen in Florida zeigen jedoch, dass ihm das Aussitzen der frühen Vorwahlen geschadet hat. Wie schon im Herbst von seinen Beratern geplant, will er sich in der entscheidenden Phase des Vorwahlkampfes als einzig wahrer fiskalkonservativer Kandidat im Feld profilieren (mit einem atemberaubenden Steuersenkungsplan im Gepäck). Es ist zweifelhaft, ob ihm dies gelingt. Wenn Rudy Giuliani in Florida verliert, ist seine kurzlebige Kampagne schon wieder vorbei. (letzte Woche: Rang 3) 4. MIKE HUCKABEE Mike Huckabee ist der Kandidat, der am meisten vom Ausstieg von Fred Thompson profitiert. Die beiden teilen sich das gleiche Wählersegment: sozialkonservative, religiöse Republikaner. Hier liegt aber auch Huckabees Problem. Er schafft es nicht, seine Basis zu erweitern. Der Stern des Prediger-Gouverneurs, der nach dem Sieg in Iowa noch hoch am Himmel stand, ist erheblich verblasst.(letzte Woche: Rang 4)
Blogeintrag von Maik Bohne
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11:57
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Funken sprühen: Clinton und Obama attackieren sich in CNN-DebatteDienstag, 22. Januar 2008
Ihren bisher heftigsten Schlagabtausch lieferten sich Hillary Clinton und Barack Obama gestern im Rahmen einer TV-Debatte, die vom Black Congressional Caucus und dem Nachrichtensender CNN in Myrtle Beach, South Carolina, veranstaltet wurde. Nachdem eine Stunde lang zivilisiert über Arbeit, Wirtschaft und Krankenversicherung diskutiert worden war, entzündete sich ein persönlicher Schlagabtausch zwischen den beiden aussichtsreichsten demokratischen Kandidaten. Obama warf Hillary Clinton vor, ihren Mann als Negativwahlkämpfer einzusetzen, der Unwahrheiten über den jungen schwarzen Senator verbreite. Die pointierteste Riposte des Abends gelang ihm jedoch mit dem Ausspruch: „While I was working as a community organizer on the streets of Chicago, you served as a corporate lawyer on the board of Wal-Mart.” Obama spielte hier auf eine Rechtsanwaltstätigkeit Hillary Clintons für den Großdiscounter an. Wal-Mart wird von Gewerkschaften und anderen progressiven Interessengruppen wegen seiner schlechten Arbeitsbedingungen heftig kritisiert. Hillary Clinton sparte daraufhin auch nicht mit Kritik. Sie warf Obama vor, in der Vergangenheit keine klaren Positionen bei Abstimmungen über heikle Gesetze bezogen zu haben. Anschließend behauptete sie, Obama hätte die Politik von Ronald Reagan gut geheißen (Obama hatte in einem Interview die transformatorische Kraft Reagans gelobt, Mehrheiten aus unterschiedlichen politischen Lagern zu formen). Clintons Attacken kumulierten in einem Angriff auf einen ehemaligen Geldgeber Obamas, Antoin Rezko, der dubiose Immobiliengeschäfte in Chicago getätigt hatte.John Edwards hatte es bei dieser Fokussierung auf die beiden Frontrunner schwer, mit seiner Botschaft durchzudringen. An einer Stelle hakte er sogar ein mit den Worten: „Hey, there is a third person in this race.“ Trotz fehlender Aufmerksamkeit machte Edwards eine gute Figur. Er betonte die Bedeutung von Themen und Sachfragen, die wichtiger seien als persönliche Eitelkeiten und Angriffe. Zudem erwähnte er das Thema Wählbarkeit. Als gebürtiger Südstaatler könne er viele konservative Staaten des Südens und des Südwestens gewinnen, die Clinton und Obama nicht für sich entscheiden würden, so Edwards.Die Temperatur im Vorwahlkampf steigt. Wir sind gespannt, ob dieser Schlagabtausch Auswirkungen auf den Ausgang der Vorwahlen in South Carolina haben wird.Der Schlagabtausch zwischen Clinton und Obama:
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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14:35
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Vorwahlen in South Carolina und Nevada: Eine NachleseMontag, 21. Januar 2008
Der Vorwahl-Wanderzirkus machte am Samstag in Nevada und South Carolina halt. In South Carolina siegte John McCain knapp vor Mike Huckabee, den Nevada Caucus konnte Hillary Clinton für sich entscheiden. Hier eine kurze Nachlese zu den Vorwahlen.
SOUTH CAROLINA John McCain hat Frieden mit South Carolina geschlossen. Acht Jahre nach seiner bitteren Niederlage gegen George W. Bush konnte er den Palmetto State nun für sich entscheiden. Den Ausschlag für seinen Sieg gaben Independents (also unabhängige Wähler). Sie machten zwar nur ein Fünftel der Wähler aus, bei ihnen hatte McCain jedoch einen Vorsprung von 17 Prozentpunkten. Dies reichte, um sich mit 33% der Gesamtstimmen gegen Mike Huckabee (30%) durchzusetzen. Auch bei Vorwählern, die sich als politisch moderat oder liberal bezeichneten, hatte der Senator aus Arizona einen erheblichen Vorsprung. In South Carolina trat jedoch ein altes Problem McCains zu Tage: Er ist nicht in der Lage, die Stammwähler der Partei entscheidend für sich mobilisieren. Sieben von zehn Vorwählern in South Carolina bezeichneten sich als konservativ. Diesen Block verlor McCain gegen Mike Huckabee mit 35% zu 29%. Auch die offiziell als Republikaner registrierten Wähler verlor er mit einem Prozentpunkt gegenüber Huckabee. Kein gutes Zeichen also für McCain in Richtung Florida. Der Sunshine State ist ein geschlossener Vorwahlstaat. Hier dürfen keine Independents an die Wahlurnen, sondern nur republikanische Stammwähler. John McCains Siegerrede: NEVADA Hillary Clinton ging offiziell als Siegerin aus dem Caucus in Nevada hervor. Sie konnte eine knappe Mehrheit von 50,7% der Stimmen auf sich vereinen. Barack Obama gewann 45,2% der Caucus-Gänger für sich. John Edwards landete abgeschlagen auf dem dritten Platz mit 4%. Clintons Sieg basierte vor allem auf Delegiertenstimmen aus Clark County, dem größten Bezirk Nevadas, der auch die Millionenstadt Las Vegas beheimatet. Es zeigte sich, dass das Endorsement der in Nevada äußerst einflussreichen Culinary Workers Union (Gaststättengewerkschaft) für Obama wenig Effekt hatte. Barack Obama gewann vor allem die ländlicheren Wahlkreise im Norden und Nordwesten des Staates. Da die Delegiertenanteile in diesen Gegenden stärker gewichtet wurden als die im bevölkerungsreichen Clark County, konnte Obama sogar insgesamt mehr Delegiertenstimmen (13) auf sich vereinigen als Hillary Clinton (12). Wichtiger als die Delegiertenzahlen ist für Hillary jedoch, dass ihr gutes Abschneiden nicht nur auf weiblichen Wählern basierte, sondern auch auf Hispanics, von denen sich zwei Drittel für die New Yorker Senatorin aussprachen. Dieser Wählerblock kann entscheidend in Staaten wie Kalifornien, Texas oder Arizona sein. Obama entschied hingegen 80% der schwarzen Caucus-Gänger für sich. Ein gutes Signal in Richtung South Carolina, an dessen demokratischer Primary sich bis zu 60% Afro-Amerikaner beteiligen könnten. Hillary Clintons Siegerrede: Bei den Republikanern gewann, wie erwartet, Mitt Romney (51,7%). Ron Paul gelang ein überraschender zweiter Platz mit 13,7% der Stimmen. Seine Botschaft der individuellen Freiheit und des außenpolitischen Isolationismus machte Eindruck bei libertären Wählern im Südwesten des Landes.
Blogeintrag von Maik Bohne
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13:52
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Horse Race: das wöchentliche Kandidaten-Ranking IIFreitag, 18. Januar 2008
Der Vorwahlkampf geht in seine entscheidende Phase. In Nevada und South Carolina finden am Samstag die nächsten Abstimmungen statt, am Horizont tauchen aber schon Florida (29. Januar) und der Super Tuesday (5. Februar) auf. Die Kriegskassen der Top-Kandidaten sind gut gefüllt, die Teams sind bereit für einen semi-nationalen Vorwahlkampf. Bei den Demokraten hat sich das Rennen endgültig auf Hillary Clinton und Barack Obama zugespitzt. Auf Seiten der Republikaner haben aufgrund des Sieges von Mitt Romney in Michigan weiterhin vier Kandidaten Chancen auf die Kandidatur. Anlass genug für unser wöchentliches Kandidaten-Ranking:
DEMOKRATEN 1.) HILLARY CLINTONObwohl Hillary Clinton und Barack Obama vorerst Frieden geschlossen haben, zeigten die Kontroversen der letzten Tage doch eindeutig einen Strategiewandel der Clinton-Kampagne. Hillary geht in die Offensive, sie hat die Samthandschuhe abgelegt. Grundtenor ihres Wahlkampfes ist es, vehementer als zuvor Kontraste zwischen ihr und Obama aufzuzeigen. In Zeiten eines drohenden Wirtschaftsabschwunges präsentiert sich Hillary Clinton als erfahrene, sachpolitisch versierte Arbeiterin für die breite Mittelschicht. Obama versucht sie hingegen das Jimmy-Carter-Image eines eloquenten Idealisten anzuheften, der zwar Energie und Aufbruchsstimmung verbreitet, aber der in letzter Konsequenz nicht die Erfahrung und Führungsstärke hat, Amerika als Präsident zu führen. Zunehmend stellt Clinton auch Obamas Lebens- und Politikergeschichte in Frage, die er bisher so intelligent in seine Kampagnenbotschaft eingeflochten hatte. Hillary Clinton hat es sicherlich geschafft, den Kampagnendiskurs auf die Themen Substanz und Erfahrung auszurichten. Sie geht mit dieser kontrollierten Offensive aber auch ein Risiko ein. Hillary könnte schnell wieder in die Zeiten zurückfallen, in denen sie als zu berechnend, zu kühl und zu negativ wahrgenommen worden war. Das Betonen von Erfahrung und politischer Bilanz ist zudem vergangenheitsorientiert, Wähler stimmen jedoch über die Zukunft ab. Insgesamt liegt Hillary Clinton aber in den jüngsten Umfragen erstaunlich weit vorne in Florida, Kalifornien und New York (letzte Woche: Rang 1) 1.) BARACK OBAMADer Wahlkampf des jungen Senators aus Illinois ist weiterhin beeindruckend. Selten hat es eine Kampagne gegeben, bei der Botschaft und Kandidat so gut zusammengepasst haben wie bei Obama. Die Massen strömen zu seinen Veranstaltungen, seine Kampagne hat bereits über 500,000 registrierte Spender (!). Obama besetzt das Thema Wandel mit Eloquenz, Verve, Charisma und Simplizität. Wandel ist ein uramerikanischer Wert, die Gesellschaft gründet sich geradezu auf Veränderung, Neuerfindung und Optimismus. Allerdings ist der Begriff Wandel ein sehr diffuses Etwas und hier fangen die Probleme Obamas an. Seine Kampagne fußt auf einem sehr wolkigen Narrativ, den Obama bisher wenig mit inhaltlicher Substanz geerdet hat. Genau auf diesen Punkt zielt Hillary Clinton ab. Obama ist zudem taktisch unflexibel. Da er einen strikt positiven Wahlkampf führen möchte, bietet sich ihm die Option Attacke nur sehr eingeschränkt. Er könnte damit in die Defensive gedrängt werden, Reaktion statt Aktion sozusagen. Dennoch bietet Obama den Wählern einen Pfad in die Zukunft an. Seine Kampagne ist, wie alle guten Präsidentschaftswahlkämpfe, nach vorne gewandt. Das ist ein Plus (letzte Woche: Rang 2). 3.) JOHN EDWARDS Wenn Zwei sich streiten, freut sich ja gerne der Dritte. Bei John Edwards ist dies zur Zeit sicher nicht der Fall. Edwards prallt mit seiner ökonomisch-populistischen Botschaft vollkommen an der medialen Mauer ab, die sich um das Duell Obama-Clinton aufgebaut hat. Ironischerweise ist seine Botschaft am Vorabend einer Rezession aber aktueller denn je. Ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig Personen und mediale Inszenierung in einem solchen Horse Race sind. Es geht erst in zweiter oder dritter Linie um Themen und politische Lösungsansätze. (letzte Woche: Rang 3) REPUBLIKANER 1.) JOHN MCCAIN Trotz seiner Niederlage in Michigan bleibt John McCain in unserem Ranking auf Platz eins. In einem äußerst diffusen und fragmentierten Kandidatenfeld hat der Senator aus Arizona immer noch die besten Chancen, eine Mehrheit von republikanischenVorwählern hinter sich zu bringen. Siege in South Carolina und Florida sind möglich. Wenn ihm dies gelingen sollte, dann geht er als Favorit in den Super Tuesday. McCain ist sicher nicht der republikanische Kandidat der Herzen, aber einer der wenigen, die die aufbrechende Wählerkoalition von Fiskalkonservativen, Sozialkonservativen und Nationalkonservativen zusammenhalten kann. Problem für McCain ist jedoch, dass er aufgrund seines Alters und seiner langen Jahre im Kongress schlechter als viele andere Kandidaten den von den Wählern beider Seiten eingeforderten Wandel verkörpern kann. (letzte Woche: Rang 1). 2.) MITT ROMNEY Der Aufsteiger der Woche. Sein Sieg in Michigan war sicherlich keine allzu große Überraschung. Wichtiger als der Erfolg in seinem Heimatstaat wiegt jedoch, dass Mitt Romney die richtige Botschaft für seine Kampagne gefunden zu haben scheint. Er setzt zunehmend auf zwei Dinge: Wirtschaftskompetenz und Anti-Washington-Rhetorik. In Zeiten zunehmender ökonomischer Unsicherheit hilft Romney sein Image als Wirtschaftsfachmann. Folgerichtig lautet seine Botschaft: Ich kämpfe für jeden einzelnen Job in Amerika! Als Ex-Gouverneur von Massachussetts hat Romney zudem die Möglichkeit, gegen das verhasste Washington Wahlkampf zu machen. Washington steht für Bürokratisierung, Abgehobenheit und Korruption. Ein äußerst beliebtes Wahlkampfspiel in den USA, mit dem er implizit auch John McCain angreift (s. oben). Unverständlich ist allerdings die Entscheidung, sich nicht auf South Carolina zu fokussieren, sondern den Wahlkampf nach Nevada zu verlegen. South Carolina hat Symbolkraft. Seit 1980 hat sich auf Seiten der Republikaner immer derjenige Kandidat durchgesetzt, der South Carolina gewann. Wir dürfen gespannt sein. (letzte Woche: Rang 4) 3.) RUDY GIULIANI Rudy hat all seine Ressourcen nach Florida verlegt. Es war eine gewagte Strategie von ihm, die ersten Vorwahlen auszusitzen. Aber das diffuse Kandidatenfeld spielt Giuliani in die Hände. Noch hat sich kein klarer Frontrunner etabliert, auch in Florida ist noch alles möglich und alles offen. Allerdings ist sein Absturz in den Umfragen nicht mehr zu vertuschen. Sowohl auf nationaler Ebene als auch in Florida musste er die Führung an John McCain abgeben. Giuliani sendet zur Zeit Wahlwerbespots im Sunshine State, in denen er genau das anspricht, was wir schon letzte Woche angedeutet hatten. Seine Botschaft ist: Ich habe Euch Zeit gegeben, die anderen Kandidaten zu testen. Nun übernehme ich das Ruder! Wir sind gespannt, ob es funktioniert. (letzte Woche: Rang 2) 4.) MIKE HUCKABEE Mike Huckabee hat eindeutig Schwächen, seine Basis über die evangelikalen Christen hinaus zu vergrößern. South Carolina, in dem die sozialkonservativsten Wähler des Landes beheimatet sind, wird ihm sicher wohl gesonnen sein. Aber wir melden große Zweifel an, ob Huckabee in den großen Staaten außerhalb des Südens wettbewerbsfähig ist. Die Kandidatur des Prediger-Gouverneurs scheint sinnbildlich für ein letztes politisches Aufbäumen der sozialkonservativen Basis zu sein. Ihren Machtanspruch innerhalb der Republikanischen Partei scheinen sie aber langfristig zu verlieren. (letzte Woche: Rang 2)
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Ratlose RepublikanerMittwoch, 16. Januar 2008
Mitt Romney hat seiner Kampagne mit einem deutlichen Sieg in Michigan Rückenwind verschafft. Er siegte mit 38,9% der Stimmen vor John McCain, der 29,7% der Wähler auf sich vereinigen konnte. Mike Huckabee erhielt 16,1%. Das Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur ist damit noch unübersichtlicher und offener geworden. In den ersten drei wichtigen Vorwahlstaaten gab es drei verschiedene Sieger. John Martin von Politico.com sieht den Vorwahlkampf der Grand Old Party (GOP) deshalb sogar schon ins Chaos abgleiten. Auch wenn eine solche Aussage übertrieben ist, zeigen die Ergebnisse aber, dass keiner der Kandidaten die verschiedenen Wählergruppen der Republikaner (Fiskalkonservative, Sozialkonservative, Nationalkonservative) bisher entscheidend hinter sich vereinigen konnte. Der Mantel des republikanischen Großmeisters Ronald Reagan wartet weiter darauf, von einem Nachfolger übergestreift zu werden.
Die Nachwahlbefragungen zeigen deutlich, warum Mitt Romney seinen alten Heimatstaat gewonnen hat. 55% der Vorwähler gaben an, dass Wirtschaft ihr Top-Thema gewesen sei. Mitt Romney gewann dieses Wählersegment überdurchschnittlich. Dazu passt, dass seine Hochburgen im Osten des Landes, vor allem in den Krisen geschüttelten Industrieregionen in und um Detroit lagen. Seine optimistische Botschaft der wirtschaftlichen Erneuerung Michigans, untermauert durch sein Image des Wirtschaftsfachmannes, scheint sich bei diesen Wählern durchgesetzt zu haben. Erstaunlich ist auch, dass John McCain sein Momentum aus New Hampshire nicht auf Michigan übertragen konnte. Bei den Wählern, die sich erst in den letzten drei Tagen für einen Kandidaten entschieden hatten (immerhin 32%), lag Mitt Romney deutlich vorne. McCain schaffte es zudem nicht, genügend Independents (als unabhängig registrierte Wähler) für sich zu mobilisieren. Sie machten lediglich 25% der Vorwählerschaft aus, über zwei Drittel der Wähler waren republikanische Stammwähler. Für die Demokraten war die Vorwahl hingegen nur ein Schönheitswettbewerb. Das Democratic National Committee hatte sich schon im Vorfeld entschieden, die Delegierten aus Michigan nicht auf dem Parteitag im August zuzulassen, da der Wolverine State die Vorwahl eigenmächtig auf ein früheres Datum als ursprünglich abgesprochen vorgezogen hatte. Keiner der demokratischen Kandidaten machte deshalb aktiv in Michigan Wahlkampf. Von den großen Drei stand überhaupt nur Hillary Clinton auf dem Wahlzettel. Sie gewann den Wettbewerb folgerichtig auch mit 55,4% der Stimmen. Wer muss in die Küche und wer ins weiße Haus?Dienstag, 15. Januar 2008
Während Hillary Clintons letztem Wahlkampfauftritt vor den Primarys in New Hamshire riefen zwei Männer: „Bügel mein Hemd!“.
Mit diesem Appell wollten sie Hillarys Anhängern offensichtlich mitteilen, dass die Rolle der Frau die der Hausfrau ist. Sie sehen die Kandidatin eher am Herd und in der Waschküche, als im Weißen Haus. Man könnte die beiden als chauvinistische Ausnahmen betrachten - oder der Wahrheit ins Auge blicken. Die weiße männliche Bevölkerung ist es, die immer noch die Machtpositionen Amerikas besetzt, und zwar auch in den Medienkonzernen, wo sie die öffentliche Meinung beeinflussen. Hillary Clintons Qualifikationen sind nur schwierig anzugreifen, aber die Medien haben es sich nicht nehmen lassen, ihre Persönlichkeit mittels Geschlechterstereotypen auf die Eigenschaften einer Maschine zu reduzieren. Sie wird als kühl, rau und rücksichtslos stilisiert. Aus diesem Grund, so stellt Gloria Steinem in der New York Times fest, folgte auch die Wahl in Iowa dem historischen Muster: Die Geschlechterbarriere wird nicht so ernst genommen wie eine rassistische Schranke. Schwarze Männer erhielten bereits ein halbes Jahrhundert vor Frauen aller Ethnien das Wahlrecht; und in der Regel erlangten sie einflussreiche Posten, vom Militär bis in die Vorstandsetagen, bevor irgendeine Frau dorthin aufstieg.Das Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten gilt auch als das Land scharfer Antidiskriminierungsgesetze. Doch im amerikanischen Wahlkampf ist Frauengleichstellung noch lange nicht vollzogen. Auf der Liste von Ländern, die Frauen wählen, befindet sich Amerika weit unten. Die USA polarisieren Geschlechterrollen weitaus mehr als Demokratien dies im Durchschnitt tun. Sexismus wird eben oftmals mit der so genannten Natur verwechselt, wie einst der Rassismus. Wie auch immer eine weibliche Kandidatin sich präsentiert, sie wird von der Presse auf die Klischees der „widerspenstigen Pionierin“ oder der „Schönheit an der Seite eines Ehemannes“ reduziert, wie es die Autorinnen Karrin Anderson und Kristina Sheeler in ihrer Publikation Governing Codes beweisen. So steht Amerika auch heute noch vor der Situation, dass Männer ernster genommen werden als Frauen. Erinnern wir uns an Geraldine Ferraro, die 1984 als Vize-Präsidentin kandidierte und von der Presse zu Kochrezepten befragt wurde; oder an den Kommentar der Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Dole zur Situation im Kosovo 1999, der von ihrer neuen Frisur überschattet wurde. Hillary verschärft den TonDienstag, 15. Januar 2008
Hillary Clintons neue Strategie setzt auf Kontraste. Als Konsequenz aus der Niederlage in Iowa hat die Senatorin aus New York ein neues Oberthema zum Kampagnencredo gemacht: Taten statt Worte. In mehreren Interviews, u.a. in Newsweek und bei „Meet the Press“, betonte sie die Unterschiede zwischen ihr und Obama, mal implizit, mal explizit. Die Idee ist es, Barack Obama als talentierten, aber blumigen Redner darzustellen, der aufgrund fehlender Erfahrung noch nicht bereit für das Präsidentenamt ist.
So erwähnte Hillary Clinton in den letzten Tagen, dass die Menschen am Vorabend einer wirtschaftlichen Krise einen Präsidenten haben wollen, der nicht nur schön redet, sondern auch handelt, der die Realität der Rhetorik vorzieht. Sie hielt Obama implizit vor, seine Kandidatur allein auf seinen viel zitierten Reden von 2002 (Opposition gegen den Irak-Krieg) und 2004 (Demokratischer Nominierungsparteitag) aufzubauen. Sie hingegen bezeichnete sich als „workhorse“, das seit über 20 Jahren täglich in politischer Kleinarbeit für die Interessen der Menschen im Land gekämpft habe. Eine weitere Flanke machte Bill Clinton auf: Der Ex-Präsident bezeichnete Obamas Position zum Irak-Krieg (implizit auch die gesamte Kampagne) als „the biggest fairy tale I´ve ever seen“. Er warf Obama Inkonsistenz vor, da er sich in den Jahren 2003 und 2004 still und heimlich von seiner anfänglichen Opposition gegen den Irak-Krieg distanziert habe, nur um später wieder lautstärker gegen den Krieg zu sein. Die größte Kontroverse jedoch löste Hillary Clinton aus, als sie Obama für eine Rede kritisierte, in der er sich mit Martin Luther King und John F. Kennedy verglichen hatte. Ganz im Sinne ihres neuen Oberthemas deutete Clinton darauf hin, dass es einen politisch versierten Präsidenten wie Lyndon B. Johnson gebraucht hätte, um die von King eingeforderten Bürgerrechte in Gesetze zu gießen. Starker Tobak, aber auch hier wieder: Worte brauchen Taten. Die Zeichen stehen also auf Angriff. Ein zynisch-professionelles Wahlkampfcredo in den USA heißt: „negative campaigning drives the numbers“, was frei übersetzt werden kann als: Negativwahlkampf zeitigt Effekte. Obama kann dies als altes Washingtoner Wahlkampfspiel kritisieren, welches die Abneigung der Wähler gegenüber dem politischen System fördert. Er kann es kontrastieren mit seinem eigenen positiven Stil. Aber seine Strategie des Ausgleichs, des Zusammenführens und des Optimismus verbietet es ihm, hart zurückzuschlagen. Wir dürfen gespannt sein, welche Botschaft bei den Wählern verfängt. Clinton ist auf jeden Fall in der Offensive, und dies ist in Wahlkämpfen nicht die schlechteste Position. Der Kontrast von Erfahrung gegen rhetorischen Optimismus birgt allerdings Gefahren in sich. Erfahrung betont Vergangenheit, Optimismus betont Zukunft. In der Regel wählen Bürger zukunftsorientiert. Hillary Clinton bei „Meet the Press“:
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Romney und McCain in MichiganDienstag, 15. Januar 2008
Heute halten die Republikaner ihre Vorwahl in Michigan ab. Das Rennen hat sich zu einem Zweikampf zwischen John McCain und Mitt Romney entwickelt, die letzten Umfragen konnten keinen klaren Frontrunner ermitteln.
John McCain möchte seinen Rückenwind aus New Hampshire nutzen. Wie sein neuester Wahlkampfspot zeigt, betont er vor allem seine Erfahrung und seine politische Standfestigkeit. Unterstützt wird McCain dabei durch wichtige lokale Zeitungen, die für ihn kürzlich eine Wahlempfehlung aussprachen. Sein Image als Mann der klaren Worte könnte McCain allerdings gefährlich werden. Wählern im vom Wirtschaftsabschwung besonders betroffenen Michigan teilte der Senator aus Arizona erst kürzlich mit, dass sie ihre alten Industriejobs nicht mehr zurückbekommen würden. Wähler wollen ehrliche Antworten, allerdings könnte diese Wahrheit zu schonungslos für Menschen sein, die sich vor einer Rezession in den USA fürchten. Anders Mitt Romney. Er setzt in Michigan auf drei Dinge. Erstens betont er seine Erfahrung als Wirtschaftsfachmann und macht Hoffnung auf einen Wiederaufstieg der Autoindustrie in und um Detroit. Zweitens betont er seine lokalen Wurzeln im Great Lake State. Romney wurde hier geboren, sein Vater regierte den Bundesstaat lange Jahre als Gouverneur. Drittens versucht er sich von McCain abzuheben, indem er tief in die Trickkiste amerikanischer Wahlkampfstrategien greift. Romney geriert sich zunehmend als Außenseiter, der Washington radikal verändern will. McCain, der seit über 26 Jahren im Kongress sitzt, brandmarkt er damit implizit als typischen Politiker, der zu viele Jahre in der Bundeshauptstadt verbracht und dabei den Kontakt zu den Menschen im Land verloren hat. Man darf gespannt sein, wer sich in Michigan durchsetzt. Für Mitt Romney ist es die vermeintlich letzte Chance, seiner Kampagne die nötige Glaubwürdigkeit und Vitalität zu geben, die er vor den entscheidenden Vorwahlen in South Carolina, Florida und am Super Tuesday so dringend braucht. John F. Kerry unterstützt ObamaFreitag, 11. Januar 2008Lange hatte das Obama-Team versucht, John F. Kerry für ein offizielles Endorsement (Unterstützungsbekundung) zu gewinnen. Vor den Abstimmungen in Iowa und New Hampshire wollte sich der Präsidentschaftskandidat aus dem Jahr 2004 jedoch nicht festlegen, gestern dann aber schließlich der offizielle Event mit Barack Obama in Charleston, South Carolina. In Wissenschaft und Presse wird seit Jahren lebhaft darüber diskutiert, wie effektiv solche Endorsements sind. Al Gore unterstützte Howard Dean kurz vor den Iowa Caucuses 2004, nur um den Gouverneur aus Vermont danach verlieren zu sehen. Der Effekt war gleich null. Im Zusammenhang mit Unterstützungsbekundungen sind zwei Dinge zu beachten. Erstens: Ein einzelnes Endorsement hat nicht viel Gewicht, es ist die Vielfalt und Breite der Unterstützer, die einem Kandidaten Glaubwürdigkeit vermitteln. Ein Kerry reicht also nicht aus, zumal viele in der Partei ihm die Niederlage gegen George W. Bush immer noch nicht verziehen haben. Zweitens: Wichtig ist, was der inoffizielle Teil des Endorsements beinhaltet, ob der Unterstützer seinem Kandidaten also Zugang zu neuen Wählergruppen oder Geldquellen erschließen kann. John F. Kerry besitzt eine drei Millionen Wähler umfassende Email-Liste aus dem 2004er Wahlkampf. Die wird Obama gerne nutzen wollen. Horse Race: Das wöchentliche Kandidaten-RankingFreitag, 11. Januar 2008
Mit den Siegen von Hillary Clinton und John McCain in New Hampshire ist das Rennen um die Kandidaturen in beiden Parteien wieder völlig offen. Der republikanische Wanderzirkus zieht weiter nach Michigan. Für die demokratischen Kandidaten heißt es kurz durchzuatmen, bevor sie ihren Fokus voll auf Nevada und South Carolina richten. Amerikaner lieben Wettbewerb, doch dieses Tempo von Sieg und Niederlage, von Licht und Schatten, von Auf und Ab ist auch für sie einzigartig. Die Chancen auf beiden Seiten des politischen Spektrums stehen gut, dass sich der Vorwahlkampf über den Super Duper Tuesday am 5. Februar hinaus erstrecken könnte. Wir wollen mit unserem Kandidaten-Ranking etwas Licht in das Dunkel der Nominierung bringen.
DEMOKRATEN 1.) HILLARY CLINTON Ein unglaubliches Comeback der Senatorin aus New York. Niemand, wirklich NIEMAND, hat mit einem Sieg in New Hampshire gerechnet. Er katapultiert sie wieder in die Führungsposition in unserem Ranking. Während das Land noch über die Präzision der Meinungsforschungsinstitute diskutiert, wird im Clinton-Lager an der Strategie für die kommenden Wochen gearbeitet. Aufschlussreich war hier Clintons Rede am Abend des Triumphs. Erstens betonte sie ein Thema, mit dem sie schon im Sommer und Herbst Wahlkampf gemacht hatte. Sie sprach davon, Menschen und ihre Probleme wieder sichtbarer zu machen nach acht Jahren elitärer Bush-Regierung. Sie präsentierte sich emotionaler als sonst, offener für die Probleme der Wähler (I want to put you first). Zweitens betonte sie ihre Rolle als erfahrene Kämpferin für Wandel. Das gibt die Richtung vor. Wandel ja, aber nur mit der nötigen Expertise und Erfahrung. Zukünftig wird sie Obamas Unerfahrenheit und blumige Rhetorik kontrastieren mit ihrem eigenen Lebenslauf. Dies wird sich auf die Frage zuspitzen, die Walter Mondale schon 1984 an seinen jungen, aufstrebenden demokratischen Herausforderer Gary Hart richtete: Where is the beef? Mondale hatte damit Erfolg, verlor jedoch den Hauptwahlkampf gegen Ronald Reagan. Mal sehen, wie es Hillary ergehen wird. 2.) BARACK OBAMA Obama hatte berechtigterweise damit gerechnet, sein Momentum aus Iowa mit nach New Hampshire zu nehmen. Das führte zu einer gewissen Selbstzufriedenheit, die sich schon darin äußerte, dass er seine Wahlkampfrhetorik nicht an die Menschen aus dem Granite State anpasste. Er blieb im Blumigen, im Narrativen, in der Poesie. Dies war den kritischen, bodenständigen New Hampsherites nicht genug. Aller Wahrscheinlichkeit nach muss er nun früher als gedacht die Ebene der großen Erzählung verlassen und in die Niederungen der Sachpolitik herabsteigen. Hier hat er allerdings Nachteile gegenüber der erfahrenen Hillary Clinton. Interessant war seine Rede am Wahlabend in New Hampshire. Er sprach zum ersten Mal von einer New American Majority. Dieser neue Slogan bringt seine künftige Strategie auf den Punkt: Er möchte eine neue post-politische Koalition aus Bildungsbürgern, jungen College-Studenten, Schwarzen, Independents und moderaten Republikanern schmieden, die ihn über die Vorwahlen ins Weiße Haus tragen soll. In den nächsten Vorwahlen in Nevada und South Carolina (offene Vorwahlen) hat er gute Chancen zu gewinnen, gerade auch mit dem endorsement von John Kerry. Danach geht es über Florida in den Super Tuesday, an dem die Hälfte der Staaten geschlossene Vorwahlen abhalten wird. Ein Nachteil für Obama, denn hier dürfen nur die treuen demokratischen Stammwähler an die Urnen, die mehrheitlich Hillary Clinton bevorzugen. 3.) JOHN EDWARDS Ein dritter Platz in New Hampshire leitete den Anfang vom Ende der Kandidatur des smart-populistischen John Edwards ein. Er hatte in den letzten Tagen ganz auf eine manichäische Rhetorik des Unten gegen Oben gesetzt. Armut war und ist sein Thema, das vergessene Amerika, das Amerika der Schwachen. Leider konnte Edwards mit diesem Anliegen nicht durch das mediale Tamtam um den Zweikampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton dringen. Nach zwei Anläufen auf das Präsidentenamt muss er sich nun wohl vom Traum verabschieden, noch einmal Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Spannend bleibt allerdings, wann er aus dem Rennen aussteigen und welchem Kandidaten er seine Unterstützung zukommen lassen wird. Wir tippen auf Obama. REPUBLIKANER 1.) JOHN MCCAIN John McCain ist mit 71 Jahren etwas zu alt, um das Comeback Kid des Vorwahlkampfes zu sein. New Hampshire hat seiner Kampagne aber einmal mehr die nötige Vitalität eingehaucht. Menschen hier schätzen das, was McCain zu seinem Slogan gemacht hat: Straight Talk. Der Senator aus Arizona steht für Aufrichtigkeit, Unabhängigkeit und Erfahrung. Attribute, die im Nordosten der USA bei vielen Republikanern und Independents gut ankommen. Mit einem Erfolg in Michigan und einem zweiten Platz in South Carolina hat er gute Chancen, einen Sieg Rudy Giulianis in Florida zu verhindern und als Favorit in den Super Tuesday zu gehen. John McCain hat jedoch zu vielen Teilen der Partei, euphemistisch ausgedrückt, ein durchwachsenes Verhältnis. Seine Unterstützung für eine Reform der Einwanderung, das Nein gegen Bushs Steuerkürzungen oder das vehemente Einstehen für eine umfassende Wahlkampffinanzierungsreform nährten zwar sein Image des Maverick (Einzelgänger), verleideten es ihm aber mit bedeutenden republikanischen Meinungsführern wie Grover Norquist oder Tony Perkins. Trotz allem ist John McCain der Kandidat, der für alle Lager der Partei am akzeptabelsten ist. 2.) MIKE HUCKABEE Mike Huckabee hatte New Hampshire schon vor der Wahl abgeschrieben. Das Ergebnis zeigte dennoch, dass er seine Wählerbasis bisher kaum über seinen evangelikalen Unterstützerkreis hinaus ausweiten konnte. In Michigan und South Carolina hat er dennoch gute Chancen, Siege einzufahren. Michigan hat eine nicht unerhebliche Anzahl von religiösen Wählern, die vor allem im ländlichen Westen des Staates wohnen. South Carolina war der erste Bundesstaat, in dem Huckabee eine Organisation aufgebaut hatte. Hier ist er erstaunlich gut aufgestellt. Alles wird davon abhängen, ob er am Super Tuesday Staaten außerhalb des Südens gewinnen kann. Falls nicht, sieht es schlecht für den Baptisten-Gouverneur aus Arkansas aus. 2.) RUDY GIULIANI Je diffuser sich das Feld am Vorabend der Wahl in Florida zeigt, desto besser für den Hizzoner (‚His Honor‘ – Bürgermeister). Seine Strategie des Aussitzens der ersten Vorwahlen ist unorthodox und gefährlich, könnte aber zum Erfolg führen. Mit einem Sieg im Sunshine State könnte sich Giuliani als Retter der republikanischen Partei darstellen, nach dem Motto: Ich habe euch Zeit gegeben, die anderen Kandidaten zu testen. Nun übernehme ich wieder das Ruder! Dies würde Rudy den nötigen Rückenwind für den Super Tuesday geben. In Umfragen liegt er in Florida weiter vorne. 4.) MITT ROMNEY Mitt Romneys Strategie war auf den Gewinn der beiden ersten Vorwahlstaaten ausgelegt. Das Ergebnis: 0-2. Im Romney´schen Jargon heißt das: Zwei Mal Silber. Mitt Romney hat bisher eine perfekte Kampagne geführt. Sein Team ist exzellent, sein Auftreten präsidentiell. Die Idee, als Gouverneur des liberalsten Staates des Landes um das konservativste Wählersegment der Partei zu werben, war jedoch zu aberwitzig. Romneys Geld konnte seinen Wankelmut auf nahezu allen Politikfeldern nicht überdecken. Authenzität und Glaubwürdigkeit sind entscheidende Parameter für Wähler. Mitt Romneys einzige Chance ist ein überzeugender Sieg in Michigan. Wir glauben aber nicht, dass der Staat, in dem er geboren wurde und in dem sein Vater als Gouverneur wirkte, ihm diesen Gefallen tun wird.
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