Am vergangenen Wochenende blickten alle Demokraten und die Medien nach South Carolina, wo an der State University in Orangeburg die Presidential Primary Debate der Demokraten stattfand. Die Hochschule kam 1968 in die Schlagzeilen, als am 8. Februar 1968 drei Studenten durch Schüsse der Polizei starben, nachdem sie gegen die Rassentrennung auf der örtlichen Bowlingbahn protestierten. Aufregung herrschte am ganzen Wochenende in Orangeburg. Die Medienvertreter und die örtlichen Wahlkampfhelfer von Hillary, Obama und Edwards hatten das kleine Städtchen völlig in Beschlag genommen. Einen interessanten Einblick hinter die Kulissen lieferte dieses Video der Washington Post.
Im Bereich des Web 2.0 gibt es ein neues Tool: Twitter. Twitter ist wie ein mobiler Blog. Nutzer melden sich an, geben ein, was sie gerade machen, und schon wird dies der Welt mitgeteilt. Das Besondere daran ist, dass Freunde oder Mitstreiter auch per Textnachricht oder Instant Messenger direkt informiert werden können. Von unterwegs werden Informationen verschickt und empfangen, auch direkt per Handy.
Schaut man sich auf der Twitter-Homepage etwas um, stellt man fest, dass das Gros der User Twitter nutzt, um mitzuteilen, was sie unmittelbar tun (z.B.: „Ich esse gerade zu Mittag“ oder „habe die Bahn verpasst“).
Wie kann dieses Tool nun im Wahlkampf eingesetzt werden? Die eigentliche Stärke von Twitter liegt darin, dass man sich kurzfristig und spontan in Gruppen organisieren kann. Nirgendwo ist es leichter, die Basis wissen zu lassen, wo sich der Kandidat gerade aufhält oder was er/sie gerade tut.
So hat manch ein US-Wahlkämpfer hat Twitter bereits für sich entdeckt. So beispielsweise die Demokraten John Edwards und Joe Biden. Beide Kandidaten nutzen das Medium rege, um so über Neuigkeiten und ihre aktuellen Aktivitäten zu informieren. Sie teilen mit, wo sie sich am selben Tag aufhalten werden und geben so ihren Unterstützern die Möglichkeit, rechtzeitig vor Ort zu sein und sich als Teil der Kampagne zu fühlen.
Twitter ist also eine gute Möglichkeit, Transparenz zu demonstrieren und Unterstützer in die Kampagne einzubinden. Es ist derzeit wohl eine der direktesten und zeitnahesten Formen der Kommunikation. Übrigens gibt es Twitter inzwischen auch auf Deutsch – als Frazr.
Auch eine neue Studie von Burst Media unterstreicht die zunehmende Bedeutung des Internets im amerikanischen Wahlkampf. In der repräsentativen Umfrage zeigt sich, dass bereits 20% der potentiellen Wähler eine Kandidaten-Webseite im Netz angeschaut haben; 25% haben Werbung eines Kandidaten oder einer Unterstützergruppe angeklickt. Vor diesem Hintergrund wird auch der enorme Erfolg des bisherigen
Online-Fundraisings nachvollziehbar.
Nach all dem Ärger für McCain in den vergangenen Tagen, haben sich die Demokraten – in persona Mike Gehrke – den Senator zur Brust genommen. Gehrke listet die Top-8-Gründeauf, warum McCain das Rennen nicht machen wird. Der wichtigste Grund: Er befasse sich zu sehr mit dem Irak, so Gehrkes Meinung. Auch sei McCain zu alt, habe zu wenig Geld und war nie Gouverneur. Ob der Mann aus Arizona noch eine Chance hat?
Das Internet als Wahlkampfplattform gewinnt im US-Wahlkampf zunehmend an Bedeutung. Dies wurde an dieser Stelle schon des Öfteren deutlich und zeigt sich auch in den zuletzt veröffentlichten Fundraising-Daten der demokratischen Kandidaten. Barack Obama war im Online-Bereich dabei am erfolgreichsten: er hat mit 6,9 Mio. $ mehr als ein Viertel seiner Spenden über das Internet erzielt. Die neuen e-lection Möglichkeiten durch den Einsatz des Internets zeigen also offenbar Wirkung.
Doch nicht nur die Wahlkampfinstrumente und Fundraisingmethoden ändern sich im Zuge der verstärkten Nutzung des World Wide Web. Auch die Rolle des Wählers und seine Einflussmöglichkeiten sind einem Wandel unterzogen. Die offiziellen Campaigner haben nicht mehr die uneingeschränkte Steuerungshoheit. Das legendäre Clinton-Video eines Obama-Getreuen verdeutlicht dies eindrucksvoll (siehe hierzu den Blog-Eintrag „Obama vs. Clinton - Sportlichkeit statt Skandal“). Wähler können unabhängig von der offiziellen Marschrichtung eigene „voter-generated contents“ verbreiten und auf ihre ganz eigene Art für ihren Kandidaten werben oder gegen unliebsame Konkurrenz mobil machen.
Diese Entwicklung wird von den speziellen Bedingungen des derzeitigen Wahlkampfes unterstützt. So früh wie nie zuvor müssen die Kandidaten Geld und Wähler mobilisieren, um am vorgezogenen „Super-Duper-Tuesday“ am 05.02.2008 die Vorwahlen für sich zu entscheiden. Da einige Staaten offenbar durch ein Vorziehen der Wahlen ihren politischen Einfluss auf die Präsidentenwahl stärken wollen (u.a. Kalifornien, New York), finden die Vorwahlen nun so komprimiert statt, dass sich die Kandidaten nicht mehr nach und nach auf verschiedene Staaten konzentrieren können, sondern einen viel breiter angelegten Wahlkampf führen müssen als in vergangenen Zeiten. Und das Internet ist das ideale Medium, um sowohl eine Vielzahl von Wählern gleichzeitig anzusprechen als auch das nötige Kleingeld für den intensivierten Wahlkampf zu organisieren.
John McCain hat derzeit nicht nur zu Hause Probleme. Die jüngsten Patzer in seiner Kampagne haben ihn im ganzen Land – und nicht nur dort – in die Negativschlagzeilen gebracht.
„Bomb, bomb, bomb, bomb, bomb Iran“ sang McCain in Anlehnung an den alten Beach Boy Song „Barbara Ann“ seinen Zuhörern in South Carolina entgegen, als er gefragt wurde, wann im Atomstreit mit dem Iran eine "Botschaft per Flugzeug" an Teheran übermittelt werde. Auch wenn McCain im Anschluss daran ernsthaft auf die Frage einging, ist dieser „Scherz“ zum Gegenstand der Weltpresse geworden, zumal der Auftritt – wie könnte es anders sein – auch auf You Tube seine Sendezeit fand:
Dies ist nicht der erste Zwischenfall, der McCains Campaignern zu schaffen macht. Bereits sein Besuch in Bagdad Anfang April sorgte für einigen Wirbel. McCain besuchte den eigens für ihn komplett gesperrten Shorja-Markt in Bagdad begleitet von etwa hundert Soldaten sowie Kampfhubschraubern und eingepackt in eine kugelsichere Weste. Anschließend beschwerte er sich über die negative Irak-Berichterstattung und meinte, er habe auf dem Shorja-Markt so "frei herumlaufen" können wie auf "einem ganz normalen Markt im Sommer in Indiana":
Vor diesem Hintergrund wird die sinkende Zustimmung zu dem einst aussichtsreichen Kandidaten leicht nachvollziehbar.
Eine neue Umfrage zeigt, dass John McCain in seinem Heimatstaat Arizona an Zustimmung verliert. Davon profitiert Rudy Giuliani. Allerdings liegt McCain nach wie vor mit 34 zu 25 Prozent vor seinem direkten Konkurrenten.
In Iowa liegen McCain und Giuliani in einer aktuellen Umfrage gleich auf. Allerdings bezieht diese Umfrage von der American Research Group auch einen möglichen Kandidaten ein, den man beobachten sollte: Fred Thompson. Der kommt auf 12 Prozent; noch vor Romney mit 10. In New Hampshire führt McCain mit 23 Prozent vor, Giuliani (19), Romney (17), Gingrich (11) und Thompson (10).
Eine emotionale Pressekonferenz von John Edwards und seiner Ehefrau Elizabeth, in der mitgeteilt wurde, dass bei Frau Edwards erneut Krebs ausgebrochen ist, hat dem Kandidaten enormen Zuspruch im Präsidentschaftswahlkampf gebracht. Neben tausenden E-Mails gingen in nur wenigen Tagen über 5000 Spenden mit einem Gesamtvolumen von mehr als einer halben Million Dollar ein.
Wie es dazu kam? Jeder, der dem Paar eine E-Mail schrieb, um sein Mitgefühl für die schwerkranke Elizabeth auszudrücken, wurde automatisch in die Datenbank der Kampagne aufgenommen. Wer den beiden eine Nachricht schicken möchte, wird zunächst an eine Seite mit einem Dankesbrief der beiden weitergeleitet, in dem auch auf die Kampagne verwiesen wird. All diejenigen, die noch vor der Vierteljahres-Deadline am 31. März geschrieben hatten, bekamen eine Nachricht mit dem dringenden Aufruf für die Kampagne zu spenden.
Gleichwohl ist es Edwards gelungen, die Krankheit mit keinem Wort in den Fundraising-Aktivitäten seiner Kampagne zu erwähnen. So umgeht er weitest möglich Kritik an dem Vorgehen, Adressen mit Hilfe der Krebskrankheit seiner Frau zu sammeln.
Romney feilt an seinem Profil – Road shows und Cyberspace
Gouverneur Romney hat in der letzten Woche in vollem Umfang damit begonnen, sich als der fiskalpolitisch konservative Kandidat für 2008 zu präsentieren.
Als erste Station nutzte Romney die jährliche Winterkonferenz des Club for Growth, eines nationalen, wirtschaftsliberales Netwerkes, zur Schärfung seines finanzpolitischen Profils. Dem Auftritt Romneys auf der Konferenz in Palm Beach/Florida folgte sogleich ein dreiseitiges Editorial des Wall Street Journal. Unter dem Titel “Tax Talk – Who is the GOP’s pro-growth candidate?" stellte Kimberley A. Strassel, Mitglied des Wall Street Journal Editorial Boards, die zentralen Elemente der Romney’schen Finanzpolitik in den Vordergrund. Die Eckpunkte, die Romney tags zuvor auf der Veranstaltung des Club for Growth ausgebreitet hatte: Abschaffung der Erbschaftssteuer, Abschaffung der Steuern auf Ersparnisse, Senkung der Unternehmens- als auch marginalen Steuersätze.
Um die eigene Glaubhaftigkeit in Fragen der Finanz- und Steuerpolitik zu untermauern, unterzeichnete Gouverneur Romney kürzlich gar den so genannten „Taxpayer Protection Pledge“ der wirtschaftsliberalen Grassrootsorganisation Americans For Tax Reform. Der „Taxpayer Protection Pledge“ – Teil der politischen Landschaft seit 1986 und mehr oder minder Grundvoraussetzung für republikanische Kandidaten auf Bundes- und Landesebene – ist in diesem Zusammenhang zusätzliches Medium zur Unterstreichung und Publizierung der politischen Positionen Romneys.
Parallel zu diesen Entwicklungen veröffentlichte das Team Romney drei neue Videobotschaften des Kandidaten auf Mitt TV, die diese Positionierung unterstreichen:
Außerdem: "A Record of Fighting for Lower Taxes" und "Governor Romney's Tax Philosophy", zu sehen auf MittTV.
In der letzten Märzwoche bereiste Mitt Romney den U.S. Bundesstaat Iowa, eine bedeutende Station auf dem Wege zum Vorwahlkampf und letztlich der offiziellen Nominierung durch die Partei. Im klassischen Stile der ‘Bürgergespräche’ wird hier die Nähe zum prospektiven Wähler gesucht. Interessant ist jedoch vielmehr die Kombination von ‘alter Schule’ und ‘neuen Medien'. Am 30. März 2007 wurde die Möglichkeit geschaffen, die Stationen von Romney auch im Cyberspace zu begleiten. Diese Kurzvideos werden – so ist zur Zeit geplant – ausschließlich online verfügbar sein und zeigen Gouverneur Romney ‘on the campaign trail’, wie es im U.S. Fachjargon heißt. “Traveling with Mitt. On the Road in Iowa” ist die erste Episode dieser neuen Spielart politischer Kommunikation.
Die neueste Nachricht des amerikanischen Wahlkampfs ist eine mögliche Kandidatur des früheren Senators Fred Thompson. Nun ist ein ehemaliger Senator kein ungewöhnlicher Präsidentschaftskandidat; wäre Fred Thompson nicht auch gleichzeitig ein Star aus der Serie „Law and Order“ und ein anerkannter Konservativer. Hier tun sich schon die ersten Parallelen zu Ronald Reagan auf. Die Spekulationen über eine mögliche Kandidatur des TV-Stars gewann an Gewicht mit der neuesten Umfrage von USA Today und Gallup. Danach sanken die Werte von Romney, dem anerkannten Konservativen im Feld, auf magere 3 Prozentpunkte. Aber auch Frontmann Giuliani sackte um 13 Prozentpunkte ab. Als Grund gaben die Analysten Fred Thompson an, der sich mit 12 Prozentpunkten auf Platz 3 der republikanischen Vorwahlkandidaten katapultierte – ohne überhaupt eine mögliche Kandidatur bekannt gegeben zu haben.
PS: Fred Thompson ist bereits an eine präsidentielle Rolle gewöhnt. Schließlich spielte er bereits in dem Film LAST BEST CHANCE den Präsidenten der USA, der sich gegen Terroristen wehren muss.