Das Kandidatenfeld im Vorwahlkampf der Republikaner und Demokraten war in den letzten Wochen so stabil wie die Aktienkurse an den Weltmärkten. Keine leichte Aufgabe, in diesem Tohuwabohu den Überblick zu behalten. Nach den Vorwahlen in Florida hat sich das Feld nun endlich gelichtet. Wir haben auf beiden Seiten handfeste Duelle, echte Zweikämpfe, Kandidat gegen Kandidat, eins gegen eins. Auch diese Woche wollen wir versuchen, Licht ins Dunkel des Vorwahlkampfes zu bringen.
HILLARY vs. BARACK
Mit dem Ausstieg von John Edwards konzentriert sich das Rennen bei den Demokraten nun vollends auf das Duell zwischen Hillary Clinton und Barack Obama. Die Kriegskassen beider Kandidaten sind gut gefüllt. Vor dem Super Tuesday stehen jetzt allerdings harte Entscheidungen über den Einsatz von Wahlkampfmitteln und Kampagneninstrumenten an. Nachdem Hillary Clinton und ihr wahlkämpfendes Brecheisen Bill den jungen Barack Obama mit fiesen kleinen Negativ-Nadelstichen in die Defensive gedrängt haben, hat der Mann aus Chicago entschieden, stärker auf Kontraste zu setzen. Obamas Oberthema: Vergangenheit gegen Zukunft, Status Quo gegen Hoffnung.
Unterstützung erfährt Obama auf seinem Weg von immer mehr demokratischen Politikern. Das Endorsement von Ted Kennedy hat hohe Wellen geschlagen. Der Altmeister des liberalen Amerika ließ sich nicht lumpen, Obama den Mantel des großen JFK überzustreifen. Wichtig sind aber auch Unterstützungsbekundungen von moderaten Demokraten wie Gouverneurin Janet Napolitano aus Arizona, Sen. Claire McCaskill aus Missouri, Sen. Ben Nelson aus Nebraska und Sen. John Kerry aus Massachussetts. Diese Politiker haben ein nicht zu unterschätzendes Gewicht in ihren jeweiligen Bundesstaaten. Am Super Tuesday wird sich Obama a) auf Staaten konzentrieren, die einen hohen Anteil an schwarzen Vorwählern aufweisen (Georgia, Tennessee und Alabama). Zudem fokussiert er sich b) auf Staaten mit Caucus-Systemen (Colorado, New Mexico, Minnesota, Kansas, North Dakota). Bei diesem Verfahren kann er sich gezielter auf seine gut mobilisierten Truppen von Freiwilligen und Sympathisanten verlassen. Und c) wird er die großen Staaten wie Kalifornien, Missouri, New York und seinen Heimatstaat Illinois nicht aus den Augen verlieren.
Trotz der harten Konkurrenz von Barack Obama hält Hillary Clinton die Karten weiter in der Hand. Im Gegensatz zu Obama setzt sie voll auf die Mobilisierung der alten demokratischen Wählerkoalition (Frauen, Mittelschicht, Arbeiter, Minoritäten, weniger Gebildete, U-50). Ihre Botschaft an diese Gruppen: In Zeiten einer drohenden Wirtschaftskrise wollt ihr Taten und Ergebnisse, keine schönen Worte und leeren Versprechungen. Wie in ihrem neuesten Wahlkampfspot in Kalifornien zu sehen, geriert sie sich als erfahrene Kandidatin, auf die die Menschen in Krisenzeiten vertrauen können. In Umfragen liegt sie in den wichtigsten Super-Tuesday-Staaten unangefochten vorn. Natürlich sollte man nicht zu viel auf das Gerede von Meinungsforschern geben, aber die Zahlen sind doch ein eindeutiger Indikator dafür, dass sie den Großwahltag am 5. Februar erfolgreicher als Obama beenden könnte. Hillary wird sich vor allem auf die großen Staaten Kalifornien, Missouri, Tennessee und ihre Heimatterritorien New York, New Jersey, Massachusssetts, Connecticut und Arkansas konzentrieren.
JOHN vs. MITT
Auch bei den Republikanern läuft alles auf ein Duell hinaus. Mike Huckabee ist zwar noch im Rennen, aber er wird es schwer haben, in den nächsten Wochen von Medien und Wählern wahrgenommen zu werden. Zur Zeit liegt er lediglich in Georgia vorne, einem Staat mit vielen sozialkonservativen Republikanern. Bei dieser transzendental wählenden Klientel wird Huck auch weiterhin Erfolg haben, aber das Rennen um die Nominierung kann er so gut wie abhaken. Also auf in das Duell McCain gegen Romney! Wie sich in Florida und während der letzten TV-Debatte in der Reagan Library in Kalifornien andeutete, fahren beide Kandidaten schwere Geschütze auf. McCain attackiert Romney aus allen Rohren. Er bezeichnet ihn wahlweise als Umfaller, Flip-Flopper, Steuernerhöher oder als unerfahrenen Außenpolitiker. Romney schlägt zurück mit Attacken auf McCains vermeintlich liberale Positionen zu konservativen Herz- und Magenthemen wie Steuersenkungen und Einwanderungspolitik.
John McCain hat den Rückenwind jedoch eindeutig auf seiner Seite, sein Wahlkampfmanager Rick Davis bezeichnet ihn schon als den republikanischen De-Facto-Kandidaten. Immer mehr Politiker werden in den nächsten Tagen Endorsements für den Senator aus Arizona abgeben. Christ, Giuliani und Schwarzenegger waren da erst der Anfang. Dennoch hat McCains Kampagne weiterhin ein Problem, das nicht geleugnet werden sollte. Staaten wie Kalifornien, New York und Illinois sind geschlossene Vorwahlstaaten, in denen lediglich republikanische Stammwähler an die Urnen gehen dürfen. Hier könnte Mitt Romney einen Vorteil haben, da er die konservativere Wählerklientel an sich bindet.
Romney bleibt also im Rennen, er wird in den nächsten Tagen immer mehr zum Anti-McCain-Kandidaten aufsteigen. Fraglich ist jedoch, ob er in der Lage ist, das Momentum des Mac zu stoppen. Romney besitzt aber einige Vorteile. Erstens kann er sich in Zeiten einer drohenden Wirtschaftskrise als Wirtschaftsfachmann stilisieren. Zweitens hat er unerschöpfliche private Geldquellen, die er in den Vorwahlkampf pumpen kann. Drittens wird Romney nichts unversucht lassen, um McCain als Teil des verhassten Washingtoner Establishments darzustellen. Problem ist aber, dass der Ex-Gouverneur weiterhin als Flip-Flop-Kandidat gilt, der wenig Authenzität versprüht, dafür aber eine Menge Kalkül und Plastik. Ein klarer Kontrast zu McCain. Mitt Romney wird sich am Super Tuesday auf die Staaten im Westen und im Nordosten fokussieren. Ob das allerdings reicht, ist fraglich. Die Umfragen in den meisten Vorwahlstaaten verheißen nichts Gutes für ihn.
Interessanterweise kann das Rennen auf Seiten der Republikaner früher beendet sein als bei den Demokraten. McCain hat gute Chancen, sich am Wahlabend des Super Tuesday als faktischer Kandidat der Grand Old Party (GOP) küren zu lassen. Erstaunlich. Das Kandidatenfeld der GOP galt lange als das instabilere und fluidere. Bei den Demokraten deutet hingegen alles auf einen Zweikampf hin, der über den Super Dienstag hinausgeht.
Kommentare
Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
Kommentar schreiben