Auch diese Woche gibt es wieder das offizielle Kandidaten-Ranking zum amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Das Rennen um die Kandidaturen ist weiterhin offen. Weiterhin lässt sich auf beiden Seiten des politischen Spektrums kein klarer Frontrunner ausmachen. Der Ton des Vorwahlkampfes verschärft sich allerdings zusehends. Die vergangenen Tage wurden bestimmt vom heftigen Schlagabtausch zwischen Clinton und Obama. Hillary blies Attacke, Barack musste reagieren. Bei den Republikanern nahm Freizeit-Kandidat Fred Thompson seinen Hut.
DEMOKRATEN
1. HILLARY CLINTON
Hillary Rodham Clinton (HRC) ist in der Offensive. Spätestens seit ihrer Niederlage in Iowa heißt ihr Motto Attacke. Zusammen mit ihrem Mann hat sie ein "Tag Team" gebildet, das Obama aus allen erdenklichen Richtungen angreift. Obamas politische Erfahrung wird genauso in Zweifel gezogen wie seine Opposition gegen den Irak-Krieg. Zuletzt versuchten ihn die Clintons als Reagan-Bewunderer und Freund eines dubiosen Slum-Lords darzustellen. Ob diese Attacken auf Tatsachen beruhen, können andere klären. Sicher ist, dass Hillary Clinton der Obama-Bewegung den Zauber genommen hat. Zu Gute kommt HRC momentan sicher auch, dass die Themen Wirtschaft und Arbeit ganz oben auf der Wähleragenda stehen. Auf diesen Feldern kann sie ihre Trumpfkarten Erfahrung und sachpolitische Versiertheit besser ausspielen. Eine ABC/Washington Post-Umfrage fand heraus, dass ihr demokratische Vorwähler erheblich mehr Kompetenz (46%) beim Thema Wirtschaft bescheinigen als Barack Obama (33%). HRC setzt nun ganz auf eine nationale Strategie. Anstatt in South Carolina Wahlkampf zu machen, absolvierte sie diese Woche Auftritte in Kalifornien, Arizona und New York. In diesen Super Tuesday-Staaten liegt sie mit großem Abstand vorne. Wir sollten uns mit einer Kandidatin Hillary Clinton anfreunden. (letzte Woche: Rang 1)
2. BARACK OBAMA
Barack Obama hatte sich geschworen, eine positive Kampagne führen, die auf Ausgleich, Optimismus und Idealismus fußen sollte. Obama weigerte sich, den üblich zynischen Spinmeister-Wahlkampf zu machen, den die professionelle Beraterkaste in Washington, DC seinen Kandidaten regelmäßig verordnet. Kein dumpfer Negativwahlkampf, kein Matschwerfen, kein Hin und Her von Anschuldigung und Gegen-Anschuldigung, so hieß sein Motto. Das Problem dieser Strategie: Was machen, wenn man offensiv angegriffen wird? Obama hat es bisher noch nicht geschafft, die demokratischen Vorwähler entscheidend gegen den Status-Quo-Wahlkampf Clintons zu mobilisieren. Seine Kampagne wird zwar in South Carolina erfolgreich sein, aber insgesamt hat sie ihren Schwung und ihren Glanz vorerst verloren. Obama muss seine divergente Wählerstruktur (Twens, gebildete Mittelschicht, Schwarze, Independents) ausweiten. Er muss zeigen, dass er auch die demokratischen Stammwähler (Ü-50, untere Mittelschicht, wenig formale Bildung) für sich gewinnen kann. (letzte Woche: Rang 2)
3. JOHN EDWARDS
John Edwards führt die themenorientierteste Kampagne aller demokratischen Kandidaten. Seine ökonomisch-populistische Botschaft müsste in Zeiten einer drohenden Wirtschaftskrise eigentlich bestechen. Trotz eloquenter und kämpferischer Auftritte in den vergangenen TV-Debatten scheint er den Blick der Medien nicht vom Horse Race zwischen Clinton und Obama abwenden zu können. Ein zweiter Platz in South Carolina könnte seiner Kampagne noch einmal Leben einhauchen. Wir halten ein solches Ergebnis aber für unrealistisch. (letzte Woche: Rang 3)
REPUBLIKANER
1. JOHN MCCAIN
John McCain bleibt der aussichtsreichste Kandidat in einem republikanischen Kandidatenfeld, dass so fluide ist wie die Börsenentwicklung der letzten drei Tage. McCains Vorteile sind eindeutig seine Authenzität, seine politische Erfahrung und seine Wählbarkeit. Lässt man ihn in Umfragen fiktiv gegen Clinton und Obama antreten, so entscheidet er das Rennen deutlich für sich. McCains Nachteile liegen aber auch auf der Hand. Seine bisherigen Siege in New Hampshire und South Carolina basierten vor allem auf den Stimmen von Independents (unabhängigen Wählern). In geschlossenen Vorwahlstaaten wie Florida oder Kalifornien, in denen nur republikanische Stammwähler an die Urnen gehen dürfen, wird es für den Senator aus Arizona schwer. Hinzu kommt der Wandel der Themenagenda im Wahlkampf. McCains Aufschwung hatte viel mit der positiven Entwicklung im Irak zu tun, die nun aber medial durch die Wirtschaftskrise in den USA überlagert wird (letzte Woche: Rang 1)
1. MITT ROMNEY
Mitt Romney hat sein Thema im Wahlkampf gefunden. Am Vorabend einer Rezession kann er sich als Wirtschaftsfachmann Nr. 1 im republikanischen Feld präsentieren. Romney ist (ähnlich wie McCain) nicht der Kandidat der konservativen Herzen, aber er könnte sich als der präsidialste Bewerber im volatilen republikanischen Feld profilieren. Ex-Gouverneure haben Vorteile. Sie können exekutive Erfahrung vorweisen, ohne den verhassten Washingtoner Stallgeruch zu haben. Ronald Reagan (Kalifornien), Bill Clinton (Alabama) und George W. Bush (Texas) haben es ihm vorgemacht. In Florida ist ein Sieg möglich. Falls ihm dies gelingt, geht er mit guten Aussichten in den Super Tuesday. (letzte Woche: Rang 2)
3. RUDY GIULIANI
Rudy Giuliani hat alles auf die Vorwahl in Florida gesetzt und seinen Wohnsitz in den letzten Wochen mehr oder weniger in den Sunshine State verlegt. Eine kühne, fast schon visionäre Strategie des Hizzoners. Letzte Umfragen in Florida zeigen jedoch, dass ihm das Aussitzen der frühen Vorwahlen geschadet hat. Wie schon im Herbst von seinen Beratern geplant, will er sich in der entscheidenden Phase des Vorwahlkampfes als einzig wahrer fiskalkonservativer Kandidat im Feld profilieren (mit einem atemberaubenden Steuersenkungsplan im Gepäck). Es ist zweifelhaft, ob ihm dies gelingt. Wenn Rudy Giuliani in Florida verliert, ist seine kurzlebige Kampagne schon wieder vorbei. (letzte Woche: Rang 3)
4. MIKE HUCKABEE
Mike Huckabee ist der Kandidat, der am meisten vom Ausstieg von Fred Thompson profitiert. Die beiden teilen sich das gleiche Wählersegment: sozialkonservative, religiöse Republikaner. Hier liegt aber auch Huckabees Problem. Er schafft es nicht, seine Basis zu erweitern. Der Stern des Prediger-Gouverneurs, der nach dem Sieg in Iowa noch hoch am Himmel stand, ist erheblich verblasst.(letzte Woche: Rang 4)
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