Montag, 20. August 2007
Chefstratege Karl Rove verlässt die Machtzentrale. Der Bush-Berater hat vergangene Woche in einem Interview mit dem Wall Street Journal seinen Rücktritt als stellvertretender Stabschef im Weißen Haus zum 31. August angekündigt. Ersatz gibt es wohl schon: Ed Gillespie, ehemaliger Lobbyist und Vorsitzender des Republican National Comittee, soll die Lücke füllen, die „Bushs Brain“ hinterlässt.
Rove nannte überwiegend familiäre Gründe für sein Ausscheiden. Den Ausschlag zum Rücktritt habe eine Erklärung von Stabschef Joshua Bolten gegeben, wonach alle ranghohen Bush-Mitarbeiter bis zum Ende der Regierungszeit Bushs im Januar 2009 im Amt bleiben müssten, wenn sie nicht bis Ende August zurückträten.
Während seiner Arbeit im Weißen Haus war Rove durch gleich mehrere politische Affären ins Zwielicht geraten. Erst Anfang August verhinderte Bush im Streit um die Entlassung von US-Bundesanwälten eine Aussage Roves vor dem Senat mit Verweis auf seine präsidentiellen Vorrechte. Zuvor war in Washington lange über Roves mögliche Rolle in der Affäre um die Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame spekuliert worden. Die Preisgabe ihres Namens deuteten viele als Racheakt an deren Ehemann Joseph Wilson, der Bush im Streit um den Irak-Krieg angegriffen hatte. Auch soll Rohe in die so genannte "Swiftboat-Affäre" um Herausforderer John Kerry im 2004er-Wahlkampf involviert gewesen sein, behaupten seine Gegner.
Kritik an Rove gab und gibt es auch aus den eigenen Reihen zu Genüge. Ein Berater in politischer Verantwortung, das passe nicht, hieß es häufig in Washington:
"It is dangerous to put political consultants in charge of policy," said former Texas Republican Party chairman Thomas W. Pauken, a longtime Rove critic. "The combination of big-government conservatism and the extraordinary neoconservative influence on foreign policy has been devastating."
Die taz fasst in einem Abgesang auf "Bushs Gehirn" die Rolle des Texaners für den Präsidenten zusammen:
"Rove ist 56 Jahre alt, hat zweimal geheiratet und einen Sohn. Seine politische Karriere begann er 1970 mit 19 Jahren, als er gefälschte Wahlaufrufe der Demokraten verteilte. Seit damals unterhält er enge Kontakte zur Bush-Familie. Er gilt als Architekt der Wahlsiege von Bush senior und junior. George W. Bush verhalf er zu allen seinen Wahlsiegen: zweimal zum Gouverneur von Texas, 1999 mit Hilfe einer Schmutzkampagne gegen Senator John McCain zum republikanischen Kandidaten und schließlich - mit entsprechenden Kampagnen gegen den demokratischen Herausforderer und Vietnamveteranen John Kerry - zweimal zum Präsidenten. Rove erdachte auch die Strategie, auf die christlich-konservativen Wähler zu setzen. Rove war stets mehr als ein Wahlkampfmanager - er war und ist ein überzeugter konservativer Ideologe. Für Bush kann er jetzt keinen Wahlkampf mehr machen."
Weitere interessante Schnipsel zum Abgang von Karl Rove gibt es hier, hier, hier, hier und hier.
Vermutlich wird Rove auch in Bälde ein Buch über seine Arbeit im Weißen Haus herausbringen. Material sollte er ja genug haben.
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